Nachhaltige Wasserwirtschaft
Erfahrungsberichte
Das
ChristophorusHaus, ein multifunktionales Betriebs- und Verwaltungsgebäude,
wurde im Jahr 2003 von MIVA/BBM als ein europäisches Vorzeigeprojekt zum
Klimaschutz auf dem neuesten Stand der Forschung errichtet.
Wasserkonzept für ein Verwaltungsgebäude
Von Markus Lechner und Elke Müllegger*
Das Gebäude wurde als innovatives, hochwertiges Passivhaus mit modernster
ökologischer Haustechnik als Pilotprojekt konzipiert. Das Haus wurde in
nachhaltiger Holzbauweise errichtet. Das heißt, dass neben einem hohen
Anteil an Holz und Holzwerkstoffen ökologisch gesicherte Dämmstoffe
verwendet und nachwachsende Energieträger bzw. Sonnenenergie für Heizung
und Warmwassererzeugung genutzt werden.
Eine diesen Ansprüchen genügende Methodik im (Ab)wasserbereich ist
Ecological Sanitation (EcoSan). Unter EcoSan versteht man eine moderne und gesamtheitliche
Herangehensweise an die gegenwärtigen Probleme in der Siedlungshygiene.
Die Systemgrenzen können dabei durch einzelne Gebäude, Siedlungsteile
oder ganze Städte definiert werden. EcoSan ist ein Paradigmenwechsel von
linear optimierten zu kreislauforientieren Stoffströmen. Es ist eine Methodik,
wirtschaftliche, ökologische und soziale Parameter bei der Entwicklung
von Lösungen zu berücksichtigen, indem nicht einzelne Technologien
sondern Grundsätze und Konzepte gefördert werden. Diese Grundsätze
basieren auf der Schließung von Stoffkreisläufen und damit der Rückgewinnung
und Nutzung der Nährstoffe aus den Reststoffen von Siedlungen als wertvolle
Ressource für die Landwirtschaft. Die Technologien, die dabei verwendet
werden, müssen den lokalen Umständen und den Benutzern angepasst,
flexibel, leistbar und betreibbar sein.
Da EcoSan Konzepte das gesamte System, das aus sozialen und natürlichen
Komponenten besteht, berücksichtigen, kann der Grundsatz der möglichst
vollständigen Gewinnung und Wiederverwertung von organischer Substanz und
von Nährstoffen nur im Rahmen der tatsächlichen Möglichkeiten
realisiert werden.
(Ab-)Wasserkonzept
Auf Basis dieser Überlegungen wurden in mehreren Gesprächen mit dem
Bauherrn die Rahmenbedingungen für die technische Lösung definiert.
Die Anforderungen an das (Ab)wasserkonzept waren: (i) die Nutzung von Regenwasser,
um den Bedarf an Brauchwasser für die Toilettenspülung und die im
Gebäude befindliche Autowaschanlage zu vermindern; (ii) einen Bezug zur
Tätigkeit des BBM im Wasserbereich - der Unterstützung der Errichtung
von bepflanzten Bodenfiltern in Ostafrika - zu schaffen; (iii) die Verbesserung
des Raumklimas durch Bepflanzungen, vor allem im Hinblick auf die durch die
vorhandene Lüftungsanlage verursachte Austrocknung der Raumluft in den
Wintermonaten.
Bei der praktischen Umsetzung wurde zuerst eine getrennte Sammlung von Fäkalien
und/oder Urin angedacht, um diese Fraktion mit dem höchsten Gehalt an organischer
Substanz und Nährstoffen als hochwertigen Dünger in der Landwirtschaft
wiederzuverwerten. Diese Variante kam nach näherer Prüfung jedoch
nicht in Frage, da eine Wiederverwertung zusätzlichen Aufwand für
Abtransport und Nachbehandlung und damit zusätzliche Kosten bedeutet hätte,
die durch die derzeitigen Gebührensituation keine Kosteneinsparung durch
Reduktion der Abwasserfracht ergeben hätte.
Auf der Grundlage dieser Rahmenbedingungen wurde nun das in Abbildung 1 skizzierte
Konzept ausgearbeitet und umgesetzt.
Abbildung 1: (Ab-)Wasserkonzept des MIVA-Gebäudes
Das System basiert im Wesentlichen auf Maßnahmen zur Reduktion des Frischwasserbedarfes durch Einsparung (low-flush-Toiletten und wasserlose Urinale) und Wiederverwertung (Grauwasseraufbereitung und Regenwassernutzung).
Reduktion des Frischwasserbedarfes
Zur Verminderung des Wasserbedarfes wurden low-flush-Toiletten (Fa. Berger Biotechnik GmbH) und wasserlose Urinale (Fa. Hellbrok) eingebaut. Spülwasser für die Toiletten, die pro Spülung weniger als die Hälfte der Wassermenge einer konventionellen Toilette verbrauchen (4-6 l/Spülung), wird aus einem Brauchwassertank zugeleitet. Die wasserlosen Urinale aus Kunststoff (GFK) verwenden zur Geruchsvermeidung aus dem Kanal einen Siphon mit einer biologisch abbaubarer Sperrflüssigkeit, die durch ihr geringes spezifisches Gewicht auf der im Siphon befindlichen Flüssigkeit (Urin, Wasser) schwimmt und so eine Geruchsentwicklung vermeidet. Der Urin selbst wird in den Kanal abgeleitet und nicht wiederverwertet.
Grauwasserbehandlung
Die Grauwasserbehandlung - Abwasser aus den Kaffeeküchen, dem Buffet im Erdgeschoss und den Handwaschbecken - erfolgt nach getrennter Sammlung in einer eigenen Kanalisation über zwei im Atrium installierte, kreissegmentförmige bepflanzte Bodenfilter (Titelbild dieses Beitrages und Abbildung 2). Zur Grobstoffabtrennung ist den Bodenfiltern ein aerober Gewebefilter vorgeschaltet. Das vorgereinigte Grauwasser wird nach Sammlung in einem Kunststofftank in Intervallen zu den Bodenfiltern gepumpt. Eine über die Bemessungsmenge (0,13 m/d) hinausgehende Grauwassermenge wird über einen Überlauf in die Kanalisation abgeleitet. Bei zu geringem Grauwasserzufluss wird die Beschickung der Pflanzenbeete mit Frischwasser ausgeglichen. Das gereinigte Grauwasser wird in den beiden außerhalb des Gebäudes befindlichen Brauchwassertanks gesammelt.
Abbildung 2: Bepflanzter Bodenfilter zur Grauwasserbehandlung (Ausschnitt: bepflanzter Bodenfilter in Nordost-Uganda)
Das von zwei Dachflächen stammende Dachwasser wird an einer Seite des vor dem Haus angelegten, kreissegmentförmigen und ca. 20 cm tiefen Wasserkanals zur Reinigung eingeleitet. Das Regenwasser wird nach Durchfließen des Kanals am Ende über einen vertikal durchströmten bepflanzten Bodenfilter gefiltert (Abbildung 3) und gereinigt, um anschließend im Brauchwassertank (gereinigtes Grau- und Regenwasser) gesammelt zu werden. Bei Überschreitung der Dimensionierungsmenge des Pflanzenfilters überströmt das Regenwasser den Filter und läuft in einen Sickerschacht (Überlauf 1 in Abbildung 1). Im Normalbetrieb sorgt eine Pumpe für eine ausreichende Zirkulation im Wasserkanal. Im Winterbetrieb wird der Wassergraben, wenn er aufgrund seiner aus Sicherheitsgründen gering gehalten Tiefe zur Gänze zufriert, umgangen und Niederschlagswasser direkt in den Sickerschacht geleitet.
Abbildung 3: Querschnitt durch den am Ende des Wassergrabens positionierten bepflanzten Bodenfilter
Kosten
Die durch die Realisierung der beschriebenen Maßnahmen verursachten Mehrkosten
entfallen zum Großteil auf die Maßnahmen zur Grauwasserbehandlung
und Brauchwassernutzung. Die Mehrkosten durch die Sanitärinstallationen
sind demgegenüber gering, ebenso die Kosten für die Regenwassernutzung,
da die Sammeltanks bereits vorhanden waren und der Wassergraben auch ohne diese
Maßnahmen vorgesehen war.
Die Einsparungen im Betrieb, die im Wesentlichen durch eine Verminderung des
Trinkwasserbedarfes verursacht werden, führen trotz dieser zusätzlichen
Investitionskosten langfristig zu einem auch wirtschaftlich positiven Gesamtergebnis.
In der Abbildung 4 sind Verzinsung des Kapitals, Preissteigerung sowie Reinvestition
in maschinelle Teile des Systems berücksichtigt.
Bessere wirtschaftliche Ergebnisse ließen sich naturgemäß erst
über vermehrte qualitative Reduktionen auf der Abwasserseite erzielen.
Ein solchermaßen erreichter wirtschaftlicher Vorteil konnte in diesem
Projekt allerdings, wie zu Beginn beschrieben, aufgrund der aktuellen Situation
der Berechnung der Abwassergebühren nicht erreicht werden.
*) Dipl.-Ing. Markus Lechner und Dipl.-Ing. Elke Müllegger sind MitarbeiterInnen des Eco San Clubs, www.ecosan.at, office@ecosan.at [^]