Solaranlagen im Geschoßwohnbau
Sanierung und Gebäudebestand
Gewerbe
und Industrieunternehmen stellen sich zunehmend den umweltpolitischen Anforderungen.
Die Beweggründe hierbei sind vielschichtig.
Solarenergie für den Wiener Geschoßbau
Von Manfred Blöch und Josef Schröttner*
Ein Projekt, bei dem die Installation von Solaranlagen umgesetzt wird, ist die Wohnsiedlung "Hugo Breitnerhof" im 14 Bezirk in Wien. Die Siedlung wurde in den Jahren 1949 bis 1954 erbaut. In insgesamt 24 Wohnblöcken wohnen in 1112 Wohnungen 3500 Personen.
Thermische Gebäudesanierung
Im Zuge einer Generalsanierung der Siedlung werden auch die Dachgeschoße
ausgebaut. Seit 1999 werden so insgesamt 220 Dachgeschoßwohnungen mit
einer Wohnnutzfläche von 13.500 m² neu errichtet. Mit der Energieversorgung
dieser neuen Wohnungen wurde die WIEN ENERGIE Gasnetz GmbH betraut.
Schon in der Planungsphase war es das Ziel alle relevanten Daten, die diesem
Projekt zu Grunde liegen (Errichtungskosten, Betriebskosten, Energievergleichsdaten,
Wirtschaftlichkeitsberechnungen), einer kritischen Beurteilung zu unterziehen.
Die WIEN ENERGIE Gasnetz GmbH entschloss sich deshalb die AEE INTEC in Gleisdorf
als unabhängige Sachverständige mit der Erstellung einer Studie über
die Solaranlage in Verbindung mit Gasbrennwertgeräten im "Hugo Breitner
Hof" zu betrauen. Diese Studie sollte zeigen, wie groß oder klein
die Abweichung der Planung (Sollwerte) zur Realität (Istwerten) ist. Weiters
sollte für den Errichter und den Nutzer (Energiekunde) ein Vorteil der
Solaranlage erkennbar sein.
Um auch den Klimaschutz in Wien aktiv zu betreiben bestand die Vorgabe, so weit
wie möglich auf allen Süddachflächen der Wohnanlage Sonnenkollektoren
zu installieren. Durch eine gesetzliche Auflage der Stadt Wien wurde die Höhe
der dachintegrierten Sonnenkollektoren mit einem Meter begrenzt.
Die Warmwasserbereitung und die Raumwärmeversorgung der schon bestehenden
Wohnungen erfolgt mit dezentralen Gaskesseln direkt in den Wohnungen. Daher
konnten die neuen Wohnungen nicht einfach an das alte Energieversorgungssystem
angeschlossen werden. Für die Beheizung der neuen Dachgeschoßwohnungen
wurde eine zentrale Energieversorgung gewählt. Mit der geringen Energiedichte
der zu versorgenden Wohnungen erwies sich ein Zwei-Leiternetz als energetisch
und wirtschaftlich beste Lösung.
Abbildung 1: In die Dachfläche des 300 m langen Gebäudes wurden die ein Meter hohen Sonnenkollektoren integriert
Anlagentechnik
Durch die große Gebäudelänge von mehr als 300 Metern (Abbildung
1) ergeben sich für die Energieverteilung sehr große Leitungslängen.
Um die Querschnitte der Rohrleitungen und die daraus resultierenden Energieverluste
zu minimieren wurde der Technikraum zentral im Obergeschoß positioniert.
Man entschloss sich für die Energieversorgung über ein Zwei-Leiternetz,
welches im Spitzboden verlegt wurde. Die Versorgung mit Energie für Raumheizung
und Warmwasser erfolgt dabei nur über zwei Stränge.
Aus den für die einzelnen Blöcke resultierenden sehr langen Kollektorflächen
ergaben sich mit ca. einem Quadratmeter pro Person solare Deckungsgrade von
ca. 60% für die Warmwasserbereitung.
Die Erträge der Solaranlage werden in einen zentralen Puffer mit einer
selbstregelnden Schichtladeeinheit eingespeist und dienen auch zur Raumheizungsunterstützung.
Die Nachheizung erfolgt über die im Spitzboden installierten Gasbrennwertgeräte,
die über Kaskadenschaltung je nach Energiebedarf nur in den obersten Bereich
des ca. 2 m³ fassenden Pufferspeichers nachheizen. Mit der Nachheizung
in den Pufferspeicher werden die Kesselstarts minimiert. Die weiters daraus
resultierenden niedrigen Emissionen tragen zum Umweltschutz bei.
Die Vorlauftemperatur des Zweileiternetzes wird über das ganze Jahr auf
konstant 65 °C gehalten um die notwendige Leistung für die Warmwasserbereitung
zur Verfügung stellen zu können. Außerhalb der Heizperiode,
wenn nur Energie für die Warmwasserbereitung benötigt wird, resultiert
aus dem niedrigen Temperaturniveau des Kaltwassers eine niedrige Netz-Rücklauftemperatur.
Diese erhöht nicht nur den solaren Jahresdeckungsgrad der Solaranlage,
sondern auch den Jahresnutzungsgrad der Gasbrennwertgeräte. Der spezifische
Solarertrag betrug im Jahr 2003 ca. 385 kWh/m².
Energieversorgung der einzelnen Wohnungen
Die Brauchwasserbereitung erfolgt bei dieser Variante der Energieversorgung (Zwei-Leiternetz) nicht zentral, sondern über Fernwärmekompaktspeicher, die über jeder Wohnung im Spitzboden angeordnet wurden. Über Stichleitungen wird dann die jeweilige Wohnung mit Warmwasser und Raumwärme versorgt. Dies hat den Vorteil, dass die ganze Haustechnik für den Energieversorger zu jeder Zeit zugänglich ist, und den Mietern mehr Platz in den Wohnungen bleibt.
Ausblick
In Zukunft werden sich konventionelle Energieversorger (Gas, Strom, Fernwärme)
vor alternativen bzw. regenerativen Energieversorgungsmöglichkeiten nicht
verschließen können. Hier gilt es die Alternativen nicht als Konkurrenz
zu sehen, sondern als ökologisch/ökonomisch sinnvolle Erweiterung
der Angebotspalette im Bereich der Energiedienstleister.
WIEN ENERGIE Gasnetz GmbH sah eine Möglichkeit gemeinsam mit Wiener Wohnen
einen neuen Weg zu beschreiten, der sowohl den Absatz von Energie in Form von
Erdgas als auch den Absatz von Sonnenenergie beinhaltet. Um hier ein breites
Spektrum an Erfahrung zu sammeln, nützte man die Chance im Zuge von Sockelsanierung
und Dachgeschoßausbau des "Hugo Breitner Hofes" ein Pilotprojekt
zu starten. Die von der AEE INTEC erstellte Studie wird zukünftig als Grundlage
für WIEN ENERGIE Gasnetz GmbH dienen, um vorhandene alte Wohnbauten auf
solarbetriebene Warmwasser-Heizsysteme umzurüsten.
*) Ing. Manfred
Blöch ist Leiter der Abteilung 45 Anlagenbau
der WIEN ENERGIE Gasnetz GmbH, manfred.bloech@wienenergie-gas-netz.at,
www.wienenergie.at
Ing. Josef Schröttner
ist Mitarbeiter der AEEINTEC, s.schroettner@aee.at
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