Solaranlagen im Geschoßwohnbau
Sanierung und Gebäudebestand
Eine
neue Solaranlage, bei der die Sonnenenergie via Wärmetauscher direkt in
das Warmwasserzirkulationsnetz im obersten Geschoß eingespeist wird, läuft
seit Mai in Basel. Der Verzicht auf Solarleitungen vom Dach zum Keller und der
Wegfal
Solare
Zirkulationseinbindung im Geschoßwohnbau
Kostengünstiges Warmwasser aus Solarenergie
Das Ökozentrum Langenbruck entwickelte ein innovatives Konzept zur Einbindung einer Solaranlage in das Warmwasserzirkulationsnetz im obersten Stockwerk von Geschoßwohnungen. Damit wird die Bewirtschaftung des Speichervolumens über die bestehenden Leitungen möglich, was zu einer erheblichen Kostenreduktion führt. Die 2001 im Auftrag des Bundesamtes für Energie gemachte Vorstudie «Kosteneinsparungen bei solaren Warmwasseranlagen durch Einbindung in die Warmwasserzirkulation» zeigt eine attraktive Möglichkeit zur Erhöhung der Wirtschaftlichkeit von solaren Warmwasseranlagen insbesondere im Geschoßwohnungsbau.
Direkt ins Zirkulationsnetz
Bei herkömmlichen Solaranlagen wird Sonnenwärme über eine neu zu erstellende Leitung in den Keller zum Solarspeicher geführt, eine Temperaturschichtung findet nicht statt. Bei der neuartigen Solaranlage entfallen die Solarleitungen inklusive Steuerkabel zum Keller sowie ein spezieller Solarspeicher. Die Energieübertragung geschieht über den in den meisten Mehrfamilienhäusern und Altersheimen bestehenden Zirkulationskreislauf. Die gute Schichtladung des Warmwasserspeichers (60 °C) erlaubt die Abschaltung des Zusatzheizkessels über Stunden, was den Gesamtwirkungsgrad der Warmwasserbereitung zusätzlich erhöht.
Abbildung 1:
Vergleich der solaren Zirkulationseinbindung mit herkömmlichen Solarsystemen
Start im Mai 2003
Die Gewährleistung des Komforts (konstante Warmwassertemperatur bei allen Verbrauchern) hatte oberste Priorität bei der Ausarbeitung und der Entwicklung des gesamten Systems durch das Ökozentrum Langenbruck. Der Solar- sowie der Warmwasserkreis werden einzeln temperaturgeregelt. Zwei programmierbare Digitalregler steuern die Pumpendrehzahl der beiden interaktiv verknüpften Regelkreise, was hohe Anforderungen an die Regelstabilität stellt. Im Frühjahr 2003 erstellte die Firma SE Salerno Engeler GmbH eine 20 m2 große Solaranlage auf dem Dach, die Pilotübergabestation im Estrich sowie die nötigen Anschlüsse an den bestehenden Warmwasserspeicher im Keller des Mehrfamilienhauses an der St. Jakobstrasse 29 in Basel.
Abbildung 2: Solarübergabe in den Warmwasserkreis im Dachgeschoß der ersten Testanlage
Zuverlässiger Betrieb
Das Ökozentrum Langenbruck überwacht die Solaranlage permanent mit
einer Labview-Datenerfassung. Über eine Handy-Verbindung werden die Messwerte
von zwei Wärmezählern und 20 Temperaturen an Kollektor, Leitungen,
Wärmetauscher und Speicher abgerufen. Die neuartige Solaranlage mit Zirkulationseinbindung
läuft sehr zuverlässig.
Die vereinzelt auftretenden Überschwinger der Kollektortemperatur bei der
Startphase als Folge der noch nicht optimierten Regelung werden im derzeitigen
Industrie-Projekt 'Solar-Kompaktmodul' mittels MatLab-Simulation am Ökozentrum
Langenbruck gelöst.
Die von Mai 2003 bis Mai 2004 gewonnene Solarenergie von 11.800 kWh darf trotz
Temperaturhochhaltung als hoch bezeichnet werden - Solarenergie, die ohne Umweg
über einen Speicher direkt dem Verbraucher übergeben wird. Der solare
Bruttoertrag, nach meteorologischer Korrektur beläuft sich auf 510 kWh/m2a
bei einen solaren Deckungsgrad von 29%.
Förderung
Die Solaranlage an der St. Jakobs-Strasse 29 in Basel wurde im Contracting von den Industriellen Werken Basel (IWB) finanziert. Gefördert wurde das Projekt durch das Amt für Umwelt und Energie (AUE) des Kantons Basel-Stadt und das Schweizer Bundesamt für Energie (BfE).
Serienprodukt angestrebt
Die Innovation der solaren Zirkulationseinbindung führte zum Folgeprojekt
«Solar- Kompaktmodul», das durch die Schweizerische Kommission für
Technologie und Innovation (KTI) gefördert wird. Ziel der Partnerschaft
mit zwei namhaften Industriepartnern ist ein standardisiertes Modul, das zwischen
die Kollektoranlage und den Warmwasserkreislauf im obersten Geschoß von
Mehrfamilienhäusern geschaltet wird. Das Kompaktmodul enthält Pumpen
für den Solar- und Warmwasserkreislauf, den Wärmetauscher und das
Reglersystem, das ohne elektrische Verbindung zum Keller arbeitet. Die eigentliche
technische Innovation liegt vor allem in der Entwicklung des intelligenten Reglers.
Die Inbetriebnahme der Feldtestanlage mit 120 Wohnungen ist auf Sommer bzw.
Herbst 2004 geplant. Die unternehmerischen Ziele der Wirtschaftspartner sind
die Herstellung und die Vermarktung eines neuartigen Solar-Kompaktmoduls zur
kostengünstigen Warmwasserbereitung durch Solarenergie sowie das Erschließen
eines bisher brachliegenden Marktsegmentes mit großem Potenzial im Geschoßwohnungsbau.
*) Dipl.-Ing. Bernd Siezmann ist Mitarbeiter am Ökozentrum Langenbruck, Schweiz, sizmann@oekozentrum.ch, www.oekozentrum.ch [^]