Windenergie zwischen Euphorie und Widerstand
Windenergienutzung in Österreich
Österreichs
jüngere Ökostromgeschichte ist geprägt von einer energiepolitischen
"Stop and Go-Politik": Jahre mit attraktiven Rahmenbedingungen wechselten
in relativ kurzen Intervallen mit Phasen bescheidener Unterstützung.
Windkraft zwischen Boom und Blockade
Österreichs jüngere Ökostromgeschichte ist geprägt von
einer energiepolitischen "Stop and Go-Politik": Jahre mit attraktiven
Rahmenbedingungen wechselten in relativ kurzen Intervallen mit Phasen bescheidener
Unterstützung.
Nach einem Jahr mit Rekord-Zuwachsraten bei neu installierter Windkraftleistung
scheint die heimische Politik wieder die Angst vor der eigenen Courage befallen
zu haben. Ein Tritt auf die energiepolitische Bremse zeichnet sich ab: Deutliche
Verschlechterungen für die Windstromproduktion in Österreich könnte
die Novelle zum Ökostromgesetz bringen, auf die sich Wirtschaftsminister
Martin Bartenstein und Umweltminister Josef Pröll am 6.Oktober 2004 geeinigt
haben.
Während andere Ökoenergien "mit einem blauen Auge" davon
gekommen sind, gilt die Windkraft als Hauptverlierer der beabsichtigten Gesetzesnovelle.
In die Einspeiseverträge von bestehenden Windkraftwerken wird zwar nicht
eingegriffen, Projekte, die nach dem nächsten Jahreswechsel bewilligt werden,
müssten aber mit massiv verschlechterten Rahmenbedingungen zurechtkommen.
Anlagen, die ab 1.Jänner 2005 bewilligt werden, müssen sich einem
umstrittenen Ausschreibemodell stellen. In mehreren Staaten Europas wurden solche
Modelle bereits umgesetzt - überall ist der Windkraft-Ausbau danach zum
Erliegen gekommen, fürchtet Mag. Stefan Hantsch von der Interessengemeinschaft
Windkraft Österreich. Auch ist der Fördertopf aus dem die per Ausschreibung
ermittelten Projekte gespeist werden sollen, dürftig gefüllt. Hantsch:
"Das eingeplante Volumen lässt theoretisch die Neu-Installation von
maximal 35 Megawatt Leistung zu. Im Vorjahr gingen fast achtmal so viel neu
ans Netz. Praktisch werden zu den angedachten neuen Rahmenbedingungen kaum noch
Windkraftanlagen installiert werden." Auch der Tarif für die neuen
Maschinen soll von derzeit 7,8 Cent pro Kilowattstunde auf unter 6,9 Cent sinken.
In jedem Folgejahr verringert sich dieses Vergütungsniveau um weitere 2,5%.
Außerdem wird der Zeitraum, in dem diese Tarife ausbezahlt werden, reduziert:
von bisher 13 auf 10 Jahre plus einem elften Jahr mit 75% und einem zwölften
Jahr mit 50% gefördertem Tarif.
Folgen der Gesetzesnovelle
Für den Fall, dass die vorliegende Novelle tatsächlich beschlossen
wird, käme der Ausbau der Windstromproduktion in Österreich fast zum
Erliegen. "Wir haben unsere aktuellen Projekte auf Wirtschaftlichkeit mit
den neuen Tarifen gerechnet und sind zu einem ernüchternden Ergebnis gekommen:
Selbst unsere windgünstigsten Standorte in Ost- Österreich wären
an der Grenze einer vernünftigen Rentabilität. Wird das Gesetz so
beschlossen, dann konzentrieren wir unsere Aktivitäten auf neue Märkte.
Früher oder später wird die Knebelung unserer Branche in Österreich
dann wieder aufgeschnürt", hofft Andreas Dangl, Vorstandsvorsitzender
der WEB, Windenergie AG, Österreichs größtem privaten Windstromproduzenten.
Ironischer Nachsatz: "Windkraftanlagen sind auf 20 Jahre und mehr typisiert.
Unsere Politiker und Regierungen haben deutlich kürzere Ablaufdaten. Man
darf also hoffen, dass das letzte Wort in Sachen Ökostromgesetz noch nicht
gesprochen ist". Der Schritt ins Ausland könnte nun einer ganzen Reihe
von heimischen Windstromproduzenten bevorstehen. Die meisten der größeren
und mittleren Windkraftbetreiber sondieren bereits seit geraumer Zeit Standorte
in Nachbarstaaten. Tschechien, Ungarn und die Slowakei zählen zu den Top-Hoffnungsmärkten
heimischer Betreiber.
Aus ökologischer Sicht völlig inakzeptabel würde die vorliegende
Gesetzesnovelle in einem anderen Bereich. Gaskraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung
werden bisher schon im Ökostromgesetz behandelt. Bisher war vorgesehen,
dass deren Förderung (Kraft-Wärme-Koppelungszuschlag in Höhe
von 1,3 Cent/kWh) 2008 beziehungsweise 2010 auslaufen soll. Laut Gesetzesnovelle
soll dieser Zuschlag nun aber verlängert werden. Politischer Hintergrund
ist, dass die Novelle im Parlament die Zustimmung der SPÖ braucht, und
in Wien werden neue Gaskraftwerke mit 2000 MW Leistung geplant. In der SPÖ
regen sich zu diesem politischen Deal sowohl zustimmende als auch kritische
Stimmen. Wird dieser Ansatz tatsächlich in Gesetzesform gegossen, dann
werden 65 Mio Euro pro Jahr für KWK-Förderungen ausgegeben während
nur 17 Mio. Euro für zusätzliche Ökostromanlagen zur Verfügung
stünden.
Welche Meinung innerhalb der größten Oppositionsfraktion obsiegt,
lässt sich derzeit schwer voraussagen. Widerstände gegen die Novelle
werden von politisch maßgeblicher Stelle aus von einigen Bundesländern
artikuliert. Ob die Regierungsvorlage daher tatsächlich in der aktuell
vorliegenden Fassung das Parlament passiert, wird sich zeigen.
Abbildung 1: Windkraftanlagen, die ab 1.Jänner 2005 bewilligt werden, müssen sich einem umstrittenen Ausschreibemodell stellen
Kernpunkte der Ökostrom Novelle
Windkraft-Projekte werden als einzige Ökoenergiekraftwerke in Zukunft einer Ausschreibung unterzogen. Bei den anderen Ökoenergieformen wird nach dem first come-first serve Prinzip begrenzt. Nur die "besten" Windprojekte haben ab 2005 Anspruch auf den geförderten Windstromtarif. Die Kriterien dieser Ausschreibung sind höchst fragwürdig. Das Volumen in dem Windkraft-Fördertopf reicht theoretisch für maximal 35 neu installierte Megawatt Leistung jährlich - also rund 18 neue Windkraftwerke. 6,9 Cent pro Kilowattstunde ist der neue Höchstpreis für Windstrom - statt bisher 7,8 Cent pro kW/h. Dieser Tarif ist auf 10 Jahre statt bisher 13 Jahre zu hundert Prozent garantiert, im elften Jahr zu 75%, im zwölften Jahr zu 50%.
| Stimmungsbarometer
Windkraft
Windparkdichte
Zustimmung zu Windkraftprojekten Mehrheitliche Zustimmung zu Windkraftprojekten gibt es auch in Kleinregionen,
in denen bereits Windparks installiert sind: das Institut für Grundlagenforschung
IGF erhob im Juni und September das Meinungsklima in Anrainergemeinden
von Windparks im nördlichen Weinviertel. 18 Windkraftanlagen in drei
Parks sind hier zwischen eineinhalb und fünf Jahre in Betrieb. In
der Anrainergemeinde Poysdorf äußerten sich mehr als 65% für
zusätzliche Windkraftwerke in der eigenen Gemeinde, in der Nachbargemeinde
Zistersdorf waren es mehr als 62%. |
| Windkraft in Österreich
- ein aktueller Statusbericht
318 Windkraftanlagen mit 415 MW installierter Nennleistung waren in Österreich
mit Jahresende 2003 am Netz (siehe Abbildung 5). Gegenüber den 164
Anlagen vom Jahresende 2002 verdoppelte sich nahezu die Anzahl der heimischen
Windkraftwerke. Noch deutlicher wird die Wachstumsdynamik des Vorjahres
bei der installierten Nennleistung. Sie verdreifachte sich von 139 auf
415 Megawatt. Umweltbilanz Windkraft 830 Millionen Kilowattstunden Windstrom können derzeit in einem
durchschnittlichen Windjahr mit dem installierten Windkraftpark produziert
werden. Würde man diese Strommenge mit den Energieträgern des
aktuellen österreichischen Energiemixes produzieren, dann bräuchte
man dafür 74,2 Mio m3 Erdgas, 69,92 Mio. Liter Heizöl und 91.150
Tonnen Kohle. 830 Mio kWh Windstrom ersparen der Umwelt Ausstoß
von 609.718 Tonnen CO2 jährlich. |
| Literatur
Windstromherstellung findet nicht nur Befürworter. Gerade in den vergangenen Monaten sind Windkraftwerke immer wieder zum öffentlichen Thema geworden: Landschaftsbild, Vogelschutz, Schall und Förderzuschläge sind nur einige der Themen, die eine 16 Seiten starke Broschüre der Interessengemeinschaft Windkraft kurz und kompetent erläutert. Die Info-Broschüre klärt die häufigsten Fragen rund um die Windsromproduktion und kann gratis bei der IGW bezogen werden: 02742/ 21955 oder per Email: igw@igwindkraft.at |
*) Winfried Dimmel ist Leiter der Abteilung für MArketing und Öffentlichkeitsarbeit der WEB Windenergie AG, winfried.dimmel@windkraft.at, www.windkraft.at [^]