Windenergie zwischen Euphorie und Widerstand
Windenergienutzung in Österreich
Der
massive Zuwachs an Windkraftanlagen und der damit verbundene Förderbedarf
führt in Österreich zu heftigen Diskussionen zwischen Windkraftlobby
und Verbraucherorganisationen.
Wirtschaftsfaktor
Windenergie
Auswirkungen der Windenergienutzung auf die Beschäftigung in Österreich
Der Mehrbelastung der Stromverbraucher durch den Förderbeitrag je kWh verbrauchtem Strom stehen volkswirtschaftliche Nutzen wie z. B. die CO2-Einsparung und die Versorgungssicherheit durch Reduktion der Abhängigkeit von fossilen und nicht ausreichend in Österreich verfügbarer Energieträgern gegenüber. Eine Untersuchung des Österreichischen Ökologie-Instituts beleuchtet einen Aspekt, der in solchen Diskussionen oft unbeachtet bleibt: die konjunkturellen Auswirkungen der Windkraftnutzung, insbesondere die Auswirkungen auf die Beschäftigung.
Schaffung von Arbeitsplätzen
Obwohl Österreich über keine eigenen Windkraftanlagenproduzenten
verfügt, wird durch die Nutzung der Windkraft Beschäftigung in Österreich
geschaffen: Bei der Errichtung von Windkraftanlagen in Österreich sind
z. B. Planungsleistungen, Transportleistungen oder bauliche Maßnahmen erforderlich,
die zu einem großen Anteil durch österreichische Betriebe bereitgestellt
werden. Beim Betrieb österreichischer Windkraftanlagen werden österreichische
Firmen zu Wartungs- und Reparaturarbeiten herangezogen und in der in Österreich
angesiedelten Zulieferindustrie für Windkraftanlagenhersteller finden sich
zahlreiche Arbeitsplätze.
Die Abschätzung der Auswirkungen der Windkraftnutzung auf den Arbeitsmarkt
erfolgte mit Hilfe von zwei Methoden:
Errichtung und Betrieb
Insgesamt wurden bis Ende 2002 etwa 150 Mio. € in die Errichtung von Windkraftanlagen
investiert, 2003 waren es bereits rund 300 Mio. Euro. Von den 300 Mio. Euro
werden 210 Mio. Euro für die Anlagen und 90 Mio. Euro für Projektnebenkosten
(Planung, bauliche Maßnahmen, etc.) aufgewendet. Bis 2008 könnte
die Windkraft bis auf 950 MW ausgebaut und damit 1,04 Mrd. Euro investiert werden.
Durch den starken Ausbau werden im Jahr 2003 632 Personen bei den direkt an
der Windkraftanlagenerrichtung involvierten Firmen beschäftigt. Weitere
607 Arbeitsplätze kommen bei Vorlieferanten dieser Firmen hinzu.
Die Investitionskosten allein anzusehen greift aber zu kurz: Genauso wie die
Kosten für das Projekt selbst muss man auch die Betriebskosten, die während
der gesamten Lebensdauer einer Windkraftanlage für Verwaltung, Versicherung,
Pacht, Wartung und Reparaturen anfallen, berücksichtigen. Die Betriebskosten
kommen fast ausschließlich österreichischen Betrieben zu gute und
machten bis 2002 15,2 Mio. Euro aus. 2003 beliefen sich die Betriebskosten auf
12,3 Mio. Euro. Bei einem Ausbau auf 950 MW werden die jährlichen Betriebskosten
weiter auf knapp 59 Mio. Euro im Jahr 2017 ansteigen.
Durch den Betrieb der Anlagen wurden bis 2004 (wenn der Zubau des Jahres 2003
auch beim Betrieb der Anlagen voll durchschlägt) 250 Arbeitsplätze
in den direkt betroffenen Unternehmen und den Branchen, die Vorleistungen für
den Betrieb der Anlagen erbringen, geschaffen. Bei einem Ausbau von 950 MW ist
2017 das Maximum an Beschäftigten erreicht, knapp 700 Personen arbeiten
dann für den Betrieb von Windkraftanlagen.
Abbildung 1: Beschäftigung durch Investition und Betrieb von 950 MW Windkraft bis 2008 Primär (Windfirmen und ihre Zulieferer) (Quelle: Österreichisches Ökologieinstitut 2003)
Windkraft-Zulieferindustrie
Nicht nur durch Errichtung und Betrieb von Windkraftanlagen werden Arbeitsplätze
geschaffen. Österreich verfügt über eine starke Windkraft-Zulieferindustrie,
die ständig im Wachsen begriffen ist: 2002 betrug der Import von Windkraftanlagen
35,5 Mio. Euro, der Export von Anlagenteilen lag dagegen bei über 78 Mio.
Die Weizer Traditionsfirma Elin EBG Motoren GmbH ist weltweit einer der führenden
Generatorenlieferanten in der Windbranche. Mit 214 Mitarbeitern wurden 2002
38 Mio. Euro umgesetzt. Die oberöstereichische Firma Hexcel Composites
Österreich, die mit 160 Mitarbeiter hochwertige Verbundwerkstoffe für
die Rotorflügel liefert, hat 2002 Rotorblattmaterial um 42 Mio. US$ an
die weltweit wichtigsten Windkraftanlagenhersteller geliefert. Obwohl alles,
was Hexcel in Oberösterreich in Sachen Windkraft produziert, exportiert
wird, schlägt sich das Geschäft in Österreich auf den Umsatz
durch: Jede in Österreich verkaufte Windkraftanlage, in der Hexcel-Flügelmaterial
steckt, bedeutet einen zusätzlichen Umsatz von 52.000 Euro.
Im Jahr 2003 kommen zu den rund 1240 Arbeitsplätzen durch die Errichtung
der Anlagen und den knapp 250 Arbeitsplätzen durch den Betrieb der Anlagen
die Arbeitsplätze im Bereich der österreichischen Zulieferindustrie
in Höhe von ca. 800 Arbeitsplätzen hinzu.
Abbildung 2: Wind erzeugt nicht nur Strom, sondern auch Arbeitsplätze
Die Beschäftigungseffekte der Windkraftnutzung in Österreich werden
damit wesentlich von Betriebskosten der Windkraftanlagen und der Zulieferindustrie
bestimmt, die Investition selbst bringt vergleichsweise weniger Beschäftigung.
*) Mag. Heidi Adensam ist Mitarbeiterin am Österreichischen Ökologie-Institut für angewandte Umweltforschung im Bereich Ressourcenmanagement, adensam@ecology.at [^]