Nachhaltige Energieversorgung - Neue Wege in der Entwicklungszusammenarbeit
Energiepolitik
Etwa
ein Drittel der Menschheit ist auf Biomasse (Holz, Ernteabfälle, Holzkohle
und Dung) zum Heizen und Kochen angewiesen und besitzt keinen Zugang zu modernen
Energieformen, einer anerkannten Voraussetzung zur Armutsminderung. Derzeit
sterben jährlich rund 1,6 Millionen Menschen, davon 1 Million Kinder, an
den Folgen von Rauch und Abgasen der traditionellen Feuerstellen.
Energie und Österreichische Entwicklungszusammenarbeit
Von Irene Freudenschluss-Reichl und Rudolf Hüpfel*
Bilaterale Österreichische Entwicklungszusammenarbeit
Der Zugang zu Energie, vorwiegend Licht, Wärme/Kälte und Kraft, stellt seit Urzeiten eine Voraussetzung zur (wirtschaftlichen) Entwicklung der Menschheit dar. Die Bereitstellung von Energie ist eine Serviceleistung und soll eigentlich nicht als eigenständiger Bereich gesehen werden. In den von der Staatengemeinschaft formulierten Millennium Development Goals (MDG) kommt Energie daher nicht explizit sondern integriert vor. Im Sinne einer verantwortlichen Kooperation mit unseren Partnern genügt es aber nicht den Zugang zu modernen Energieträgern herzustellen, sondern ist durch eine gleichzeitige Steigerung des Haushaltseinkommens auch die Nachhaltigkeit der neugeschaffenen Energieversorgung sicher zu stellen. Die durch einen internationalen Konsulenten durchgeführte Evaluierung der österreichischen Kleinwasserkraftprojekte von Namche Bazar, Nepal und Rangjung, Bhutan bestätigte eindrucksvoll den bisherigen Ansatz der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit. (OEZA).
Abbildung 1: Ausbildung für Kraftwerkspersonal aus Bhutan (Foto: Verbund)
Im internationalen Verbund wird Österreich in drei Bereichen der Energie
besonders viel zugetraut, das sind Wasserkraft, Solarthermie und moderne Biomasse.
Diese Stärken finden sich nicht nur in der österreichischen Industrie,
sondern auch in den Programmen der OEZA wieder. Bilateral betreibt Österreich
derzeit, zusammen mit seinen Partnern in den betroffenen Staaten, Energieprogramme
in Bhutan und Äthiopien, sowie die Umwelt/Wasser/Energie-Programme im Rahmen
der Österreichischen Ostzusammenarbeit. Ein wesentlicher Teil des Engagements
im Energiebereich ist in anderen Sektoren "verborgen". Dazu gehören
so erfolgreiche Projekte wie die durch Photovoltaik betriebenen Wasserversorgungsanlagen
in Uganda, die solaren Trocknungsanlagen für Obst und Gemüse in Westafrika
und Zentralamerika aber auch die in Planung befindliche Unterstützung von
Klein- und Mittelbetrieben für die Herstellung solarthermischer Anlagen
in Albanien und Mazedonien.
Zunehmende Bedeutung gewinnt die Intensivierung der Geberkoordinierung und Erarbeitung
gemeinsamer Programme und Projekte unter dem Schirm der auf dem World Summit
for Sustainable Development in Johannesburg vorgestellten EU Energie Initiative.
Als erster positiver Beitrag hiezu ist das 2004 gestartete GTZ-ADA-EEPCO Projekt
für 50 MW netzgebundene Windkraft in Äthiopien anzusehen, welches
auch auf eine spätere Finanzierung durch die beantragte EU Energy Facility
für die AKP Staaten (Afrika, Karibik, pazifischer Raum) abzielt.
Abbildung 2: Düsenmontage im Krafthaus BasochhuHPP, Unterstufe, Bhutan (Foto: BPA)
Die derzeitige bilaterale Zusammenarbeit wird getragen
von umfangreichen Ausbildungsmaßnahmen zum erfolgreichen eigenständigen
Bauen, Betreiben und Erhalten von Wasserkraftanlagen als logische Konsequenz
aus der in den vergangenen Jahren durchgeführten Unterstützung für
die Errichtung der Wasserkraftwerke Rangjung, Basochhu - Oberstufe und Unterstufe
in Bhutan. Mit Hilfe der OEZA wurde das ehrgeizige Programm Bhutans, bis zum
Jahre 2020 seiner ländlichen Bevölkerung Zugang zu elektrischer Energie
zu ermöglichen, mit der Elektrifizierung von bisher 1.000 Haushalten unterstützt.
Da Elektrifizierung aber nur etwa 25 bis 35% des bisherigen Verbrauches an Biomasse
einspart, wurde gleichzeitig ein Programm zur Entwicklung und Verbreitung von
energiesparenden Öfen begonnen. Dieser Projektansatz konnte beim internationalen
Energy Globe 2004 in der Kategorie "Luft" den vierten Platz erzielen.
Damit die Verantwortlichen den Einfluß und die Erfolge der Elektrifizierung
verfolgen können, wurde eine wissenschaftlich begleitete Langzeitstudie
gestartet, welche in ausgewählten Dörfern die sozialen und materiellen
Umwälzungen festhält und bewertet.
Es ist offensichtlich, dass die öffentliche Hilfe alleine nicht ausreichen
kann, um den Anteil der Bevölkerung, welche keinen Zugang zu modernen Energieformen
hat, wesentlich zu verringern. Die Einbeziehung des privaten Sektors ist deshalb
dringend erforderlich. Bereits seit einigen Jahren arbeitet die OEZA an der
Entwicklung und Durchführung von dezentralen Kleinwasserkraftanlagen, welche
durch die betroffenen Bewohner in zwei ausgewählten Bezirksstädten
von Äthiopien mitfinanziert werden.
Die Einbindung des privaten Sektors führt auch zu einer Verstärkung
der Industriekontakte und damit zu einer verbesserten Abstimmung der Ziel- und
Partnerländer. Besonderes Interesse gilt auch der Positionierung der OEZA
als geeigneter Partner für CDM und JI Projekte der österreichischen
Wirtschaft.
Global Forum on Sustainable Energy (GFSE)
Im Vorfeld der ersten globalen Energie-Verhandlungen (die nach einem zweijährigen Vorbereitungsprozess im Rahmen der 9. Sitzung der Kommission für Nachhaltige Entwicklung, 2001 stattfanden) wurde 1999 das Global Forum on Sustainable Energy (GFSE) von der damaligen Staatssekretärin für Entwicklungsangelegenheiten, Dr. Benita Ferrero-Waldner, lanciert, um eine neutrale Plattform für Dialoge zwischen allen relevanten Akteuren - Regierungsvertretern, Nichtregierungsorganisationen, Wirtschaft, Academia, Nord und Süd, Ost und West - über Fragen bereitzustellen, die zu einer besseren Integration von Energie in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit führen könnten.
Internationale Energie-Kooperationen
Seit der Gründung hat das GFSE vier globale und zwei regionale Treffen abgehalten. Die globalen Treffen beschäftigten sich vor allem mit Fragen der ländlichen Entwicklung und mit Anreizen für nachhaltige Energie-Entwicklung. Die regionalen Treffen bearbeiteten den Fragenkreis "Fernwärme" in den südosteuropäischen Ländern des Stabilitätspaktes (November 2003) und die Kooperation zwischen Mitgliedern der Regionalorganisation ICIMOD zu Energiefragen der Hochberg-Regionen des Himalaya und Hindukusch. Zusammenfassungen sind unter www.gfse.at zu finden.
Abbildung 3: Gruppe von Delegierten beim Pro GFSE Regional Workshop (Foto: G.Dick)Das fünfte globale Treffen des GFSE wird sich mit Biomasse beschäftigen und vor allem der Frage nachgehen, wie eine bessere internationale Kooperation in diesem Bereich begründet werden kann. Dabei sollen insbesondere die Möglichkeiten für eine verstärkte Süd-Süd-Kooperation aufgezeigt werden. Das Treffen wird sich auch mit - in EU-Ländern gerade besonders aktuell gewordenen - Fragen des Biosprits beschäftigen und untersuchen, ob über die verstärkte Verwendung von biologischen Treibstoff-Komponenten der Individual-Verkehr als einer der größten Treibhausgasquellen entschärft werden könnte. Die Ergebnisse des 5. GFSE werden - wie auch bei den vorhergehenden Treffen - an die Vereinten Nationen weitergeleitet werden und sollen zu einer guten Vorbereitung der nächsten globalen Energie-Verhandlungsrunde - im Rahmen der Kommission für Nachhaltige Entwicklung der Jahre 2006 und 2007 - beitragen.
Ausblick
Durch seine nunmehr sechsjährige Tätigkeit hat sich das GFSE als
ein echter Ort der Begegnung der internationalen Energie-Gemeinde etabliert.
Besonders wichtig ist dabei auch der Informationsaustausch über und zwischen
den diversen Energie-Initiativen, die beim Weltgipfel für Nachhaltige Entwicklung
in Johannesburg lanciert wurden (wie REEEP, MEDREP, GVEP, GNESD etc.). Um diesen
Informationsaustausch weiter zu erleichtern, plant das GFSE die Einrichtung
eines elektronischen Kommunikations- und Informationssystems, das der internationalen
Gemeinschaft als Serviceleistung zur Verfügung gestellt werden und auch
ein Element der Follow-Up-Massnahmen der internationalen Konferenz über
Erneuerbare Energien (Bonn, Juni 2004) bilden wird.
Über die eigenen Grenzen hinaus engagiert sich Österreich vor allem
in der Europäischen Union für eine sinnvolle Berücksichtigung
von Energie-Interventionen im Entwicklungsprozess. In diesem Sinne setzt sich
Österreich in den Gremien des Rates für die Errichtung einer Energie-Fazilität
im Rahmen des Cotonou-Abkommens ein, die laut Vorschlag der Kommission vorerst
mit Euro 250 Millionen dotiert sein soll. Um die afrikanischen und karibischen
Länder zu unterstützen, die am Cotonou-Abkommen teilhaben, hat Österreich,
zusammen mit derzeit fünf weiteren Geberstaaten der EU, daher am Rande
der Konferenz für Erneuerbare Energie, 2004 in Bonn eine sogenannte Partnership
and Dialogue Facility gestartet. Diese hat zum Ziel, zusammen mit den Partnern
in den Entwicklungsländern, die energiepolitischen Ziele und deren Verbindung
zur Armutsreduzierung für die einzelnen Länder zu entwickeln und in
den entsprechenden Dokumenten zu verankern und es den Partnerländern zu
erleichtern, Projekte vorzuschlagen, die dann über die Energie-Fazilität
finanziert werden könnten. Die beabsichtigte Stärkung der Kooperation
im Energiebereich wird oftmals eingeschränkt durch die mangelnde Darstellung
dieses Bereiches in den immer mehr an Bedeutung gewinnenden internationalen
Kooperationsdokumenten (Country Strategy Papers - CSPs, Poverty Reduction Strategy
Papers - PRSPs, etc.). Auch hier soll durch internationale Kooperation Abhilfe
geschaffen werden.
Immer mehr an Bedeutung gewinnt - nicht zuletzt weil der Klima-Prozess durch
die unbeugsame Haltung der USA nicht wirklich vom Fleck kommt - die Frage, wie
eine besseres Zusammenwirken zwischen "Energie für nachhaltige Entwicklung"
und Klimaschutz erzielt werden kann. Aus der Sicht der Autoren bieten die nächsten
Jahre eine unwiederbringliche Chance, die Weichen für die Energiesysteme
in Ländern der Dritten Welt so zu stellen, dass sie mit den Zielen des
Klimaschutzes in Einklang stehen. Um diese Chance zu verwirklichen, ist "business
as usual" allerdings nicht genug. Vielmehr wäre eine kraftvolle Umorientierung
hin auf nachhaltige Energie-Entwicklungspfade - wie sie auch von der internationalen
Konferenz über erneuerbare Energien, Bonn 2004, beschlossen wurden - nötig.
Referenzen
EUEI, European Union Energy Initiative for Poverty Eradication and Sustainable
Development, www.euei.org
GFSE, Global Forum on Sustainable Energy, www.gfse.at
*) Botschafterin MMAg. Dr.
Irene Freudenschuss-Reichl ist
Leiterin der Sektion VII, Entwicklungszusammenarbeit und internationale Entwicklungspolitik,
im Bundesministerium für auswärtige Angelegenheiten, irene.freudenschuss-reichl@bmaa.gv.at
Dipl.-Ing. Rudolf Hüpfel ist
Konsulent für Energiefragen der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit
im Außenministerium und der Austrian Development Agency, huepfl@chello.at
[^]