Nachhaltige Energieversorgung - Neue Wege in der Entwicklungszusammenarbeit
Solarenergie
Im
Rahmen eines Staatsbesuches des damaligen Bundespräsidenten Dr. Thomas
Klestil im Iran Ende Jänner 2004 wurde zwischen der österreichischen
ACE Group ZT-KEG und iranischen Partnern ein Memorandum über eine Intensivierung
der Partnerschaft mit der Iranian Fuel Conservation Organization (IFCO), einer
Tochtergesellschaft der National Iranian Oil Company unterzeichnet.
Sonne statt Erdöl im Iran
Im Rahmen dieser Energiepartnerschaft sollen durch Untersuchungen und Studien
die Grundlagen zur Reduktion des Ölverbrauchs im Iran geschaffen werden.
Des weiteren soll in Kooperation mit nationalen und internationalen Partnern
ein Know-How-Transfer in den Bereichen regenerativer Energien und nachhaltiger
Technologien erfolgen.
Das Vorhaben unterstreicht den energiepolitisch richtungsweisenden Ansatz der
iranischen Regierung, als Ölland den Energieverbrauch von öffentlichen
und privaten Einrichtungen durch Effizienzsteigerung und durch die Nutzung erneuerbarer
Energien signifikant zu reduzieren.
Als eine der ersten Umsetzungsmaßnahmen lud die IFCO die ACE Group ein,
ein Konzept für die solare Beheizung und die Warmwasserbereitung von öffentlichen
Badehäusern zu entwickeln und zwei Pilotanlagen zu realisieren. In weiterer
Folge sollen im Rahmen einer Ausschreibung weitere 1000 thermische Solaranlagen
zur Warmwasserbereitung für öffentlicher Badehäuser sowie 200.000
Solaranlagen für den Privatsektor errichtet werden.
Warmwasserbereitung
Öffentliche Badehäuser sind im Iran Bestandteil des dörflichen
und städtischen Lebens. Sie dienen nicht nur der Hygiene, sondern sie spielen
auch eine wesentliche Rolle im sozialen Leben. Die Warmwasserbereitung und Beheizung
der Gebäude erfolgte - wie könnte es in einem der wesentlichen Erdölförderländer
anders sein - mit Schweröl. Das Schweröl muss zum Teil über hunderte
Kilometer mit LKW in die entlegenen Gebiete dieses großen Landes transportiert
werden. Durch den Einsatz von Solarenergie soll daher nicht nur der Ölverbrauch
vor Ort reduziert werden, sondern auch der für den Transport erforderliche
Treibstoff signifikant verringert werden.
Die ersten Pilotanlagen für zwei öffentliche Badehäuser und fünf
Thermosiphonanlagen (siehe Abbildung 1) für Einfamilienhäuser wurden
im Jahr 2004 daher auch in ländlichen Gebieten, rund 900 Kilometer südöstlich
von Teheran von der Firma GreenONEtec aus St. Veit in Kärnten mit fachlicher
Unterstützung der AEE INTEC konzipiert, errichtet und in Betrieb genommen.
Die beiden großen Solaranlagen haben eine Leistung von 56 kWth (80 m²)
bzw. 70 kWth (100 m² Kollektorfläche).
Bei der Planung und Errichtung der Anlagen musste insbesondere auf die landesüblichen
Rahmenbedingungen Rücksicht genommen werden. Daher wurde von der AEE INTEC
ein einfaches und robustes Anlagenkonzept gewählt, das einen wartungsarmen
und störungsfreien Betrieb erlaubt. Im Badhaus von Ghojd wird das Brauchwasser
über drei Rohrbündelwärmetauscher von den Kollektoren erwärmt.
Gespeichert wird die Wärme in einem betonierten Wassertank, der bis zu
30 m³ Wasser fassen kann.
Der Schwerölbrenner, der bisher für die Erwärmung des Wassers
benutzt worden war, wird nun nur noch als Back-up-System verwendet, wenn nicht
genügend Solarstrahlung zur Verfügung steht (siehe Abbildung 2).
Abbildung 1: Thermosiphonanlage
Abbildung 2: Zündvorgang beim Rohölbrenner
Die Warmwasserbereitung über den Schwerölbrenner erfolgt im Durchflussprinzip, indem das von einem höherliegenden 40 m³ großen Tank im Ausgleichsprinzip durchfliesende Kaltwasser erhitzt wird. Im Handbetrieb regelt der Badhauswärter die fehlende Wassermenge so, dass die für das Duschen notwendige Temperatur im Warmwassertank erreicht wird.
Behagliches Raumklima
Durch die Solaranlage können nun an sonnigen Tagen 6000 Liter Wasser erwärmt
werden. Diese Menge reicht aus, um den durchschnittlichen Warmwasserbedarf der
Nutzer zu decken. Gleichzeitig wird durch die Abwärme des betonierten Warmwassertankes
die Luft im Duschraum erwärmt und liefert das gewohnte behagliche Raumklima.
Das bei den zwei Pilotanlagen realisierte Anlagenkonzept, bei dem Teile des
bestehenden Systems weiterverwendet werden können, wurde von der IFCO sehr
gut bewertet. Damit sind die Chancen sehr hoch, den Auftrag für die Ausstattung
aller 1000 öffentlichen Bäder, sowie der mehr als 200.000 privaten
Solaranlagen zu erhalten.
Ein wesentlicher Teil des Projektes ist neben der Errichtung der Anlagen auch
die Ausbildung von Technikern und Installateuren, um damit die Grundsteine für
ein Solarzeitalter im Iran legen.
*) Ing. Rudolf Moschik ist Mitarbeiter der AEE INTEC [^]