Nachhaltige Energieversorgung - Neue Wege in der Entwicklungszusammenarbeit
Wasserkraft und Biomasse
Eine
neue Solaranlage, bei der die Sonnenenergie via Wärmetauscher direkt in
das Warmwasserzirkulationsnetz im obersten Geschoß eingespeist wird, läuft
seit Mai in Basel. Der Verzicht auf Solarleitungen vom Dach zum Keller und der
Wegfal
Cook
fast, safe money, save energy!
Kostengünstiges Warmwasser aus Solarenergie
Von Marlies Kees und Anja Desai*
Zuverlässige Energieversorgung ist ein wesentlicher Aspekt der Armutsbekämpfung.
Der Zugang zu moderner Energie ermöglicht wirtschaftliche Entwicklung,
soziale Grunddienste wie Bildung und Gesundheit und verringert Gesundheitsrisiken.
Moderne Energieträger ermöglichen eine höhere Produktivität.
Doch weiterhin haben 1.6 Mrd. Menschen keinen Zugang zu Elektrizität. Da
Stromversorgung für viele Menschen nicht leistbar ist, decken insgesamt
2.4 Mrd. Menschen auch heute noch ihren Bedarf an Koch- und Heizungsenergie
mit traditioneller Biomasse wie Holz, landwirtschaftlichen Rückständen
oder Dung.
Die traditionelle Weise der Nutzung von Biomasse zum Kochen und Heizen ist meist
ineffizient und gesundheitsschädlich. Durch Kochen am offenen Feuer in
geschlossenen Räumen gibt es schwerwiegende gesundheitliche Probleme. Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass ca. 1,4 Millionen Kinder
in Entwicklungsländern jährlich an akuten Atemwegserkrankungen sterben,
eine weitere Millionen Kinder und Frauen erleiden erhebliche Gesundheitsschäden,
hauptsächlich verursacht durch Luftverschmutzung in Innenräumen.
Erhaltung
von Biomasse im Südlichen Afrika
In vielen Ländern des südlichen Afrikas werden 80% des gesamten Energieverbrauchs
durch Brennstoffe aus Biomasse gedeckt. Die negativen gesundheitlichen, umweltbezogenen
und ökonomischen Effekte können durch effizientere Nutzung der Energie
eingedämmt werden. Ein Weg, die Gefahren für die Gesundheit wesentlich
zu reduzieren sowie Ausgaben und Arbeitszeit zu sparen, sind brennstoffsparende
und schadstoffarme Herde.
Hier setzt ein wegweisendes Programm der Deutschen Entwicklungszusammenarbeit
an. Die Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) betreibt mit dem
Staatenbund Southern African Development Community (SADC) das Programm zur Erhaltung
von Biomasse im Südlichen Afrika (Programme for Biomass Energy Conservation
in Southern Africa, ProBEC; www.probec.org). ProBEC möchte erreichen, dass
einkommensschwache Bevölkerungsgruppen ihren Energiebedarf auf eine sozial
nachhaltige und umweltverträgliche Weise decken können.
Integrierter Ansatz
ProBEC arbeitet in acht Ländern und versucht, dieses Ziel auf mehreren
Ebenen zu verfolgen. Nationale Komitees bemühen sich, Maßnahmen zum
Erhalt von Biomasse langfristig in die Energiepolitik zu verankern und Strategien
im Bereich "Energie aus Biomasse" einzufordern. Indem Arbeits- und
Austauschbeziehungen gefördert werden, kann das verfügbare Wissen
in der Region genutzt werden und sich gegenseitig verstärken.
ProBEC propagiert nur ökonomisch tragfähige Lösungen. Es fördert
im privaten Sektor die Entwicklung des Know-hows, der Mittel und des notwendigen
Engagements, um erschwingliche und energieeffiziente Technologien und Techniken
zum Kochen und Heizen auf den Markt zu bringen und sie zu verbreiten.
Integrierte Konzepte zur nachhaltigen Nutzung von Biomasse sind in der Regel eine Verbindung aus folgenden Einzelkomponenten:
Die Ergebnisse des Programms haben gezeigt, dass es mit diesem umfassenden Maßnahmenpaket möglich ist, eine Vielzahl dauerhafter Vorteile für Umwelt, Wirtschaft und die Bevölkerung auf lokaler (Familien und Kleinbetriebe), nationaler (Einsparung von Devisen für Energieimporte) und globaler Ebene (Nutzung von Bioenergie statt fossiler Brennstoffe, weniger Emissionen, bessere Speicherung der Treibhausgase) zu erzielen.
Diversität der Technologien
Es gibt eine große Bandbreite an Technologien für energieeffiziente Herde (www.probec.org/goto.php/StoveTypes). Die Unterstützung dieser großen Diversität ist gleichzeitig auch der Schlüssel zum Erfolg von ProBEC: Herdtechnologien müssen an den Nutzer und die Kochgewohnheiten, an die Fähigkeiten der Hersteller und die Verfügbarkeit von Materialien angepasst sein.
UPESI Stove
Der UPESI ist ein einfacher tragbarer TonHerd. Für die Herstellung ist neben dem frei verfügbaren Ton und den handwerklichen Fertigkeiten nur noch ein BrennHerd erforderlich. Der UPESI liegt im Preis unter 1 US $ und ist damit für viele Menschen erschwinglich. Dennoch vermag der Herd bis zu 60% des benötigten Feuerholzes einzusparen.
Abbildung 1: Herstellung von Rocket Stoves in Maseru, Lesotho
Abbildung 2: Produzentinnen von Lehmherden in Ligomba, Malawi
Rocket Stove
Das besondere an dem Rocket Stove ist die Gestaltung der Brennkammer (siehe
Abbildungen 1 und 2). Das Brennmaterial wird auf einem Rost in den BrennHerd
eingeführt, die Luft zum Verbrennen wird unterhalb des Rostes eingezogen.
Dadurch wird die Luft vorgewärmt und lediglich die Spitzen der Holzscheite
kommen zum Brennen. Ein genügend hoher Verbrennungsraum lässt die
entstehenden Gase noch im Herd verbrennen. Dies bedeutet fast keine Rauchentwicklung
und damit deutlich reduzierte Gesundheitsprobleme. Der Herd ist in Innenräumen
nutzbar.
Der Rocket Stove lässt sich einfach umgestalten. So wird er von Haushalten
genauso wie von Bäckerein und Schulen zum Kochen der Schulspeisung genutzt.
Lokale Hersteller produzieren dieses Herdmodell bereits in Lesotho, Malawi und
Mosambik (Abbildung 2). Der Preis liegt zwischen 12 Euro für die Haushaltsgröße
und 200 Euro für Großküchen.
VESTO Stove
Der VESTO (Variable Energy Stove) besteht aus einem doppelwandigen Stahlblechzylinder (Eimer), einem herausnehmbaren Feuerungsrohr und einem Abstellring für den Kochtopf. In dem Stahlblechzylinder sind Löcher angebracht, um vorgewärmte Luft in den Brennraum zu leiten und so zusätzlich die Verbrennung zu verbessern. Durch zwei Schieber kann die primäre und die sekundäre Luftzufuhr reguliert werden. Der Herd kann die verschiedensten Biomassematerialien verbrennen: Holz, Holzkohle, Dung, Blätter, Rinden. Der VESTO ist der einzige von ProBEC propagierte Herd, der industriell gefertigt wird. Er wird bislang vor allem in Südafrika verkauft, der Preis beträgt ca. 25 €.
Die Kochkiste
Von ProBEC werden im Rahmen der Verbreitung von verbesserten Techniken des Küchenmanagements auch verschiedene Formen von Wärmebehältern propagiert. Mit lokalem Isoliermaterial (z.B. getrocknete Bananenblätter) gefüllte Taschen und Körbe ermöglichen das Weitergaren der Speisen nach dem ersten Kochen und sparen damit Energie.
Resultate in Malawi
ProBEC hat seit 1999 in Malawi den UPESI durch ein Integriertes Ernährungssicherungsprogramm
(IFSP) in privaten Haushalten bis zu 20.000 Mal verbreitet. In einer Evaluierung
2004 im Mulanje District wurden die Wirkungen der verbesserten Herdtechnologie
bei den 29% der Bevölkerung, die den Mbaula benutzen, untersucht (Brinkmann
2005).
Durchschnittlich sparen die Familien bis zu 50% des Feuerholzes und geben damit
auch nur noch die Hälfte aus. Zudem bringt der Verkauf der Herde den Produzentinnen
ein Einkommen. Durch die Nutzung der Mbaula ist ein deutlicher Rückgang
an bronchialen Erkrankungen festzustellen und insgesamt eine bessere Küchenhygiene.
Die Verantwortung der Frauen an Gestaltungsprozessen in den Dörfern steigt,
gleichzeitig werden auch Männer sich des Haushalts und Umwelt bezogener
Themen bewusster.
Wichtig ist die Qualität der Herde nachhaltig sicherzustellen, weswegen
regelmäßige Nachbetreuung der ProduzentInnen sowie Bildungs- und
Aufklärungsarbeit in den Dörfern notwendig sind.
Resultate in Lesotho
In Lesotho fördert ProBEC die Verbreitung der Rocket Stoves in Zusammenarbeit
mit dem Welternährungsprogramm (WFP) (Michel 2004). Das WFP finanziert
in Grundschulen tägliche Schulspeisungen. An jeder Schule gibt es einen
Koch. Gekocht wird über offenem Feuer. Die Kinder müssen eine bestimmte
Menge an Feuerholz mitbringen oder müssen während der Unterrichtszeit
sammeln gehen. Offene Feuerstellen und nicht gelagertes Holz führen zu
Rauchentwicklung und unsauberem Essen. Der Rocket Stove, in der Variante für
Großküchen spart mindestens 50% des Feuerholzes ein und hat keine
Rauchentwicklung.
Eine Evaluierung im Jahr 2004 zeigte, dass die Köche diese Verbesserung
begrüßen. Verbunden mit einem Training über Handhabung und Erhaltung
des Herds sowie der Benutzung der richtigen Größe an Töpfen
war der Erfolg des Herds durchschlagend. Der Herd wird lokal in Lesotho hergestellt
und vermarktet. Derzeit sind mehr als 100 Schulen mit Rocket Stoves ausgestattet,
weitere 500 sollen folgen.
Begründeter Erfolg für verbesserte Herdtechnologie
ProBEC kann über seinen Erfolg stolz sein. Es hat geschafft, Allianzen zwischen unterschiedlichen Partnern herzustellen. Produzenten, Nutzer, Verwaltungsfachleute, Wissenschaftler und Projektmitarbeiter haben als wichtigen Grundsatz gelernt: Die Verbreitung der verbesserten Herdtechnologie ist eine Kombination aus effizienter Technik, Qualitätsstandards in der lokalen Produktion, geschickter Vermarktung und soziokulturell angepasster Lösungen. Nur dann vermag sich eine Technik durchzusetzen, nur dann wird sie wirtschaftlich tragfähig und kann signifikante Veränderungen zum Wohle der Umwelt bewirken.
| Referenzen: Brinkmann, Verena (2005): ProBEC Impact Assessment at local level. Experiences from Malawi, Mulanje District Michel, Andreas (2004): Implementation of Energy Efficient Stoves in Developing Countries |
*) Dr. Marlies
Kees ist Programmleiterin von ProBEC, Marlies.Kees@gtz.de.
Anja Desai ist
freie Mitarbeiterin von ProBEC [^]