Solare Prozesswärme
Komponenten
21%
des österreichischen Endenergieverbrauchs entfiel im Jahr 2000 auf die
industrielle Prozesswärme. Diese Prozesswärme wird derzeit nur zu
12% mit erneuerbaren Energieträgern gedeckt. Ein großer Anteil der
benötigten Prozesswärme liegt im Temperaturbereich zwischen 100°C
und 200°C, dies gilt zum Beispiel für die Lebensmittel-, Textil- und
Chemieindustrie. Für solche Anwendungen wird derzeit von der Firma Button
Energy in Zusammenarbeit mit der AEE INTEC ein Parabolrinnenkollektor
entwickelt.
Parabolrinnenkollektor für industrielle Prozesswärme
Von Dagmar Jähnig und Richard-Matthias Knopf*
Temperaturniveaus deutlich über 100°C können nur noch mit konzentrierenden
Systemen erreicht werden, da bei herkömmlichen Kollektoren die Wärmeverluste
bei diesen Temperaturen zu hoch werden und damit der Wirkungsgrad stark abnimmt.
Ein Nachteil von konzentrierenden Kollektoren ist allerdings, dass sie der Sonne
nachgeführt werden müssen und nur den direkten Anteil der Solarstrahlung
nutzen können.
Im Rahmen eines Projektes der Programmlinie „Fabrik der Zukunft“
des BMVIT wurde ein kostengünstiger konzentrierender Kollektor mit kleinen
Abmessungen nach dem Parabolrinnenprinzip entwickelt. Ein derartiger Kollektor,
der ohne großen Aufwand installierbar ist und durch seine kleinen Abmessungen
und sein geringes Gewicht auch leicht auf Fabrikdächern montiert werden
kann, ist eine Neuheit im Bereich der Solartechnik.
Parasol One
Der Prototyp mit dem Markennamen „Parasol One“ der Firma Button Energy, Wien, besteht aus einem parabelförmigen Spiegel aus Aluminiumblech mit einem Receiverrohr in der Brennlinie. Das Receiverrohr ist von einem Glashüllrohr umgeben, der ganze Kollektor ist noch einmal zur Stabilisierung und zum Schutz gegen Verschmutzung mit Glas abgedeckt.
Teststand in Gleisdorf
Der erste Prototyp wurde am Teststand der AEE INTEC, Gleisdorf, vermessen.
Dabei wurden der optische und thermische Wirkungsgrad des Kollektors bestimmt.
Der optische Wirkungsgrad des ersten Prototypen lag mit knapp 50% noch zu niedrig,
um mit vergleichbaren Kollektoren konkurrieren zu können. Mithilfe von
Messungen der Strahlungsintensität in der Brennlinie des Parabolrinnenkollektors
wurde herausgefunden, dass eine der Hauptursachen für den vergleichsweise
niedrigen optischen Wirkungsgrad eine ungenaue Positionierung des Receivers
ist. Diese und andere Verbesserungen wurden konstruktiv von der Firma Button
Energy umgesetzt und ein verbesserter zweiter Prototyp am Teststand in Gleisdorf
vermessen. Der optische Wirkungsgrad hat sich durch die umgesetzten Maßnahmen
von knapp 50% auf knapp 60% verbessert (siehe Abbildung 1). Die Kennlinie ist
hier, wie bei konzentrierenden Kollektoren üblich, über der Temperaturdifferenz
zwischen Kollektor und Umgebung geteilt durch die Direktstrahlung auf den nachgeführten
Kollektor (IDNI) dargestellt. Die Steigung der Kennlinie ist durch die im Vergleich
zum Flachkollektor oder Vakuumröhrenkollektor stark reduzierten Wärmeverluste
sehr flach. Das Glashüllrohr der Prototypen war aus fertigungstechnischen
Gründen noch nicht evakuiert. Eine Evakuierung des Hüllrohrs, die
technisch durchaus möglich ist, würde zu nochmals deutlich verringerten
Wärmeverlusten führen. Die gerechnete Kennlinie für einen Kollektor
mit evakuiertem Hüllrohr ist in Abbildung 1 dargestellt.
Abbildung
1: Verbesserung der Wirkungsgradkennlinie
Ein Anwendungsfall wurde anschließend im Labormaßstab mit 7,5 m² Aperturfläche am Teststand aufgebaut und mit einem realistischen Wärmeabnahmeprofil eines industriellen Beispielprozesses vermessen. Während der Testphase konnten Erfahrungen mit dem Betrieb eines Parabolrinnenkollektorsystems und insbesondere mit möglichen Regelungskonzepten für den Betrieb gewonnen werden.
Fallstudie für Betrieb
Die dadurch gewonnenen Erfahrungen dienten zur Erarbeitung einer Fallstudie
für einen Prozess eines Betriebes, dessen Wärmebedarf mit dem Parabolrinnenkollektorsystem
bereitgestellt werden soll. Für einen ausgewählten Anwendungsfall
wurden ein Parabolrinnenkollektorsystem (mit und ohne evakuiertem Hüllrohr)
und ein Vakuumröhrenkollektorfeld bei verschiedenen Betriebstemperaturen
verglichen. So kann abgeschätzt werden, ab welcher Betriebstemperatur der
Einsatz von Parabolrinnenkollektoren energetisch günstiger ist als konventionelle
auf dem Markt erhältliche Vakuumröhrenkollektoren. Es wurde davon
ausgegangen, dass der Betrieb von 7 Uhr bis 17 Uhr montags bis samstags einen
konstanten Wärmebedarf von 100 kW mit konstanten Vor- und Rücklauftemperaturen
hat. Das Kollektorfeld wurde mit 150 m² so ausgelegt, dass die Wärme
direkt in die Wärmeversorgung des Betriebes eingespeist werden kann. Die
Studie wurde jeweils für 80, 130 und 180°C Rücklauftemperatur
mit Klagenfurter Wetterdaten durchgeführt.
Abbildung 2 zeigt die Ergebnisse dieser Fallstudie, wobei der Netto-Solarertrag
(also abzüglich der Rohrleitungsverluste) pro Quadratmeter Kollektorfläche
über der mittleren Temperaturdifferenz zwischen Kollektor und Umgebung
aufgetragen ist.
Abbildung 2: Ergebnisse der Fallstudie bei verschiedenen Betriebstemperaturen
Das Ergebnis dieser Fallstudie zeigt, dass bei Temperaturen um die 100°C Parabolrinnenkollektoren und Vakuumröhrenkollektoren einen ähnlichen Ertrag bringen. Wegen der relativ aufwändigen Nachführung der Parabolrinnenkollektoren sollten in diesem Fall eher Vakuumröhrenkollektoren eingesetzt werden. Aber schon ab etwa 120°C haben Parabolrinnenkollektoren einen deutlichen Vorteil.
*) Dipl.-Ing.
Dagmar Jähnig ist Mitarbeiterin der
AEE INTEC, d.jaehnig@aee.at, www.aee-intec.at
Ing. Richard-Matthias Knopf ist geschäftsführender Gesellschafter
der Button Energy GmbH, Wien [^]