Solare Prozesswärme
Realisierte Anlagen
Fabrikhallen
zeichnen sich im Gegensatz zu anderen Gebäudenutzungen wie dem Wohnungsbau
und dem Bau von Büro- und Verwaltungsgebäuden durch hohe Raumhöhen
von 5 bis 10 Metern und relativ niedrige geforderte Raumtemperaturen von 15-18°C
aus.
Solar beheizte Indurstriehallen in Österreich
Von Dagmar Jähnig und Werner Weiß*
Die geringen Raumtemperaturen in Verbindung mit einfachen Systemkonzepten die
für Hallenheizung realisiert werden können, sind ideale Voraussetzungen
für solarthermische Anlagen und eröffnen ein großes Potenzial
für die Solarenergienutzung im Gewerbe- und Industriebereich.
In den letzten Jahren wurde in Österreich eine Reihe von Industriehallen
gebaut, die ganz oder teilweise mit Solarenergie beheizt werden. Die AEE INTEC
führt derzeit im Rahmen der IEA-Solar Heating and Cooling Task 33/IV „Solar
Heat for Industrial Processes“ eine Erhebung von solarbeheizten Industriehallen
durch. In diesem Artikel werden neun dieser Fabrikhallen vorgestellt und Gemeinsamkeiten
und Unterschiede aufgezeigt.
Fünf der neun betrachteten Hallen wurden von Solartechnikfirmen für
die eigene Produktion bzw. Lagerhaltung errichtet. Die anderen Hallen sind im
Maschinenbau bzw. im Transport- und Installateursgewerbe zu finden. Die zu beheizende
Gesamtfläche der Hallen liegt zwischen 400 und 2000 m². Häufig werden
allerdings angeschlossene Bürotrakte, die höhere Raumtemperaturen
benötigen, mit derselben Heizungsanlage mitversorgt (siehe Tabelle 1).
| Name | AKS Doma | Winkler | Transporte Hammerer | SIKO | Teufel & Schwarz | Einfinger | VMZ | Solution | Neudorfer |
| Branche | Solar-technik | Solar-technik | Transport | Solar-technik | Solar- technik |
Maschi- nenbau |
Maschi-nenbau | Solar-technik | Installa- teur |
| Hallenfläche [m²] | 1.380 | 550 | 1.400 | 873 | 598 | 450 | 1.170 | 900 | 396 |
| Bürofläche [m²] | 470 | 0 | 600 | 195 | 370 | 0 | 300 | 0 | 0 |
| Hallenhöhe [m] | 8 | 7 | 9 | 8 | 7,2 | 10 | 5,8 | 10,5 | 6,5 |
| Hallennutzung | P, L | P, L | L, W | P, L | P, L | P | P, L | L | L |
| Geforderte Hallentemperatur ºC | 16 | 15-16 | k.a. | 16-18 | 16 | 16 | 15 | 20 | 15 |
| Baujahr | 1999 | 2000 | 2001 | 2001 | 2002 | 2003 | 2000 | 2005 | 2005 |
Tabelle 1: Gebäudedaten der erhobenen Industriehallen (P: Produktion, L: Lager, W: Werkstatt, k.A.: keine Angabe)
| Name | AKS Doma | Winkler | Transporte Hammerer |
SIKO | Teufel & Schwarz | Einfinger | VMZ | Solution | Neudorfer |
| Wärmeabgabesystem | FBH | FBH | Luft | FBH | FBH | FBH | FBH, Luft für Fernwärme |
FBH | FBH |
| Kollektorfläche [m²] (Leistung [kWth]) | 80 (56) | 129 (90) | 180 (126) | 138 (93) | 129 (90) | 180 (126) | 90 (63) | 130 (91) | 97 (68) |
| Montageort | Fassade | Fassade + Dach | Fassade | Fassade | Fassade + Dach | Fassade | Fassade | Dach | Dach |
Einbindung der Solaranlage |
über Puffer | direkt in FBH | über Puffer | über Puffer | über Puffer | direkt in FBH oder über Puffer | über Puffer | direkt in FBH | über Puffer |
| Komplementärheizung | Pellets-kessel | keine | Hack-schnitzel-kessel | WP | BM-Fernwärme | WP | BM-Fernwärme | Gas | WP |
| Lüftungsanlage | - | - | - | - | - | + | - | - | - |
Tabelle 2: Heiztechnik der erhobenen Industriehalle (FBH: Fußbodenheizung, BM: Biomasse, BHKW: Blockheizkraftwerk, WP: Wärmepumpe)
Gebäudehülle
Industriehallen zeichnen sich generell durch einfache und kompakte Wand- und
Deckenkonstruktionen aus, wenngleich festgestellt werden kann, dass die meisten
hier dokumentierten solar beheizten Hallen verglichen mit Standardhallenkonstruktionen
relativ gut gedämmte Wände und Decken haben.
Die Wände und Decke bestehen meist aus Well- bzw. Trapezblech oder OSB-Platten
mit einer dazwischenliegenden Dämmschicht, die zwischen 8 und 25 cm Stärke
variiert. Sehr gut gedämmte Wände mit 25 cm Dämmstärke sind
allerdings eher die Ausnahme.
Der Fußboden besteht im Wesentlichen aus einer zum Erdreich hin ungedämmten
Betonplatte, in welche die Fußbodenheizung integriert ist. Bei zwei Hallen
(Einfinger und Winkler) ist die Fundamentplatte auf einer entsprechenden Dämmschicht
aufgebaut, was die Wärmeverluste zum Erdreich hin signifikant reduziert.
Heiztechnik
Alle dokumentierten Hallen nutzen zur Wärmeinbringung Fußbodenheizsysteme.
Diese haben neben den geringen erforderlichen Vorlauftemperaturen zudem den
Vorteil, dass die Masse der Fundamentplatte als Wärmespeicher genutzt werden
kann. Neben der Lager- oder Produktionshalle wird in den meisten Fällen
über dasselbe Heizungssystem auch noch ein Bürotrakt mitbeheizt sowie
ein Warmwasserboiler für Duschen und zum Händewaschen beladen.
Lüftung mit Wärmerückgewinnung wurde bei den erhobenen Hallen
nur bei der Halle der Firma Hammerer realisiert. Hier wird außerdem auch
über ein Heizregister mit Luft geheizt. Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung
wären zur Reduzierung der Wärmeverluste durchaus auch bei Hallen mit
Fußbodenheizung sinnvoll. Allerdings wird der Luftwechsel in einer Lager-
oder Produktionshalle mit hohem Warendurchgang stark durch das Öffnen der
Hallentore beeinflusst. In solchen Fällen macht eine Lüftungsanlage
wenig Sinn, da der Luftaustausch häufig schon durch die Öffnungszeiten
der Hallentore gegeben ist.
Derartig unkontrollierter Luftwechsel durch das Öffnen der Hallentore kann
den Heizwärmebedarf von Industriehallen erheblich beeinflussen. Daher ist
in solchen Fällen zur Verringerung der Wärmeverluste der Einsatz von
Wärmeschleusen oder Ladedocks für LKW sinnvoll.
Fassadenkollektoren
Die Solarkollektoren sind häufig an der Fassade montiert bzw. in diese
integriert. Die Kollektoren erfüllen damit eine Mehrfachfunktion, als witterungsbeständige
Fassade, als Energiewandler und durch die Rückseitendämmung des Kollektors
auch als Dämmschicht. Da die Sonnenkollektoren vorwiegend zu Heizzwecken
genutzt werden, da der Warmwasserbedarf in Produktionshallen häufig sehr
gering ist, sind Fassadenkollektoren sehr gut zur tiefstehenden Wintersonne
orientiert.
Die Kollektorflächen der hier betrachteten Hallen liegen zwischen 80 und
180 m². Die solaren Deckungsgrade, d. h. die Anteile am Gesamtwärmebedarf,
die über die Solaranlage bereitgestellt werden, liegen zwischen 20 und
100%, wie bei der Halle der Firma Winkler eindrucksvoll unter Beweis gestellt
wurde.
Eine Korrelation zwischen beheiztem Volumen bzw. Hallenfläche, Dämmstandard
der Halle und Kollektorfläche konnte bei den untersuchten Hallen nicht
festgestellt werden. Hier fehlen derzeit entsprechende und zuverlässige
Dimensionierungswerkzeuge.
Das Systemkonzept ist bei den meisten Hallen ähnlich aufgebaut wie bei
Solaranlagen für die Beheizung von Wohngebäuden: Die Solaranlage arbeitet
auf einen Pufferspeicher und evtl. zusätzlich auf einen Brauchwasserspeicher.
Die gespeicherte Wärme wird dann aus dem Speicher entnommen und in die
Fußbodenheizung geschickt.
Fußboden als Speicher
Eine interessante Alternative ist die Möglichkeit, die Masse der Bodenplatte,
in der die Fußbodenheizung liegt, als Speicher zu nutzen. Das heißt,
es wird auf einen konventionellen Pufferspeicher ganz verzichtet, und die Solaranlage
beheizt direkt oder über einen Plattenwärmetauscher den Fußboden.
Dies wurde bei zwei der hier untersuchten Hallen verwirklicht.
In den Hallen, in denen ein Pufferspeicher eingesetzt wird, kann dieser aber
- durch die auch hier vorhandene Speicherfunktion der Bodenplatte – relativ
klein dimensioniert sein.
Wegen der niedrigen geforderten Raumtemperaturen können auch die Vor- und
Rücklauftemperaturen bei Industriefußbodenheizungen wesentlich niedriger
gewählt werden als bei Fußbodenheizungen im Wohnbereich. Dies begünstigt
den Einsatz von Solarenergie und ermöglicht hohe solare Deckungsgrade.
Abbildung 2: SIKO Solar – Produktions- und Lagerhalle mit Fassadenkollektoren
Weitere Schritte
Aufbauend auf dieser Erhebung sollen in den kommenden Monaten typische Industriehallen identifiziert werden und Auslegungsrichtlinien und ein Planungsleitfaden für solarbeheizte Industriehallen im Rahmen der IEA-SHC Task 33/IV erstellt werden.
*) Dipl.-Ing. Dagmar Jähnig ist Mitarbeiterin und Ing. Werner Weiß ist Geschäftsführer der AEE INTEC, d.jaehnig@aee.at, www.aee-intec.at [^]