Solare Prozesswärme
Realisierte Anlagen
Die
Idee zur Nutzung solarer Wärme in der Industrie wurde bereits in den 80er
Jahren diskutiert, mehrere Pilotanlagen wurden errichtet. Die heutige Situation
ist durch erheblich reduzierte Anlagenkosten, eine verbesserte Technologie für
hocheffiziente Solarkolletoren und eine verbesserte Systemtechnik (Steuerung,
Pumpen, etc.) gekennzeichnet.
360-kW-solarthermische Anlage für einen industriellen Waschprozess
Von Detelf Schäfer, Hans Schweiger, Ignasi Gurrachaga und Enric Mateu*
Industrielle Prozesswärme stellt ein bedeutendes Anwendungspotenzial
für Solarenergie dar. Im Rahmen des EU-Forschungsprojekts POSHIP [1] und
der Task 33/IV (Solare Wärme für industrielle Prozesse) [2] wurde
für mehrere industrialisierte Staaten gezeigt, dass ca. 3-4% des industriellen
Prozesswärmebedarfs durch solarthermische Energie gedeckt werden kann.
Das EU-Forschungsprojekt POSHIP [1] ist eine Studie zum Potenzial solarer industrieller
Prozesswärme, das von der Europäischen Kommission im Rahmen des 5.
Rahmenprogramms gefördert wurde.
Diese Ergebnisse der Potenzialstudien führten zu einem erstarkten Interesse
an der Realisierung von Demonstrationsanlagen in der Industrie. Eines der vor
kurzem realisierten Projekte ist die Solaranlage der Firma Contank in Castellbisbal
(Barcelona), Spanien, die im März 2005 in Betrieb genommen wurde. Der Hauptcontractor
der Anlage ist die Firma GAE, die Anlagenplanung wurde von der Firma Aiguasol
ausgeführt. Beide Firmen haben ihren Sitz in Barcelona in Spanien.
Waschprozess
Die Firma Contank (Parking Service Castellbisbal S.A., Castellbisbal (Barcelona),
Spanien) ist ein Unternehmen das sich der Reiningung von Containern für
den Transport von flüssigen Gütern auf der Schiene widmet.
Die wichtigsten Wärme konsumierenden Prozesse in der Firma sind die Waschprozesse,
die Wärme sowohl in Form von Warmwasser bei 70 – 80 ºC (ca.
46% des gesamten Wärmebedarfs) als auch als Dampf (verbleibende 54%) nutzen.
Der tägliche Warmwasserbedarf liegt bei 70 – 80 m3/Tag. Das konventionelle
System zur Wärmeversorgung ist ein mit Erdgas gefeuerter Dampfkessel.
Die Anlage ist das ganze Jahr über 5,5 Tage pro Woche in Betrieb, nur in
den Sommerferien gibt es eine Unterbrechung von 22 Tagen. Dadurch ergeben sich
264 Betriebstagen pro Jahr.
Beschreibung des Solarsystems
Das Solarsystem von Contank besteht aus zwei Solarfeldern mit selektive Flachkollektoren
mit einer gesamten Spitzenwärmeleistung von 360 kW (bei einer Nettoabsorberfläche
von 510 m²) und aus einem drucklosen Speichertank mit 40 m³.
Das Wasser für den Waschprozess wird zunächst durch das Solarsystem
vorgewärmt, dann auf den Betriebsdruck komprimiert und mit Dampf auf die
gewünschte Temperatur von 70-80 ºC erwärmt.
Abbildung 1: Schema des Solarsystems
Das Kollektorfeld ist auf dem Dach der Firmenhalle installiert, das aus dem
Profilblech, der Isolierung aus Steinwolle und dem Profilblech besteht. Das
Solarsystem wurde bereits in der Planungsphase der Halle vorgesehen, so dass
die Dachstruktur stark genug ausgelegt wurde, um das zusätzliche Gewicht
des Solarsystems zu tragen. Die Betonträger wurden bereits in den entsprechenden
Abständen vorgesehen, um die Verankerungen der Solarkollektoren aufzunehmen.
Das Solarfeld besteht aus 92 Großmodul Solarkollektoren mit 5,54 m²
in vier Reihen aus acht Kollektoren und fünf Reihen aus 12 Kollektoren
in serieller Verschaltung, so dass ein großer Teil von Rohrverbindungen
eingespart werden konnte. Die Anlage arbeitet mit einem niedrigen Durchfluss
von 16,35 l/m²h.
Das System ist durch eine entsprechende Auslegung des Ausdehnungsgefässes
im Primärkreis stillstandssicher, ohne dass bei Stillstandsbedingungen
Verlust von Flüssigkeit im Primärkreis auftritt. Während der
ersten Betriebswochen traten mehrere Male Stillstandsbedingungen auf. Dies war
bedingt durch die geringe Wärmeabnahme – die Firma arbeitete noch
nicht mit ihrer vollen Kapazität – und in einem Fall bedingt durch
einen Fehler in der Regelung. Das Solarfeld zeigte ein gutes Entleerungsverhalten.
Es traten keine Probleme während des Stillstands auf.
Der Schutz vor Legionellen ist durch eine Serienschaltung mit dem Speicher des
Back-up Systems gegeben, der immer auf Temperaturen über 70 ºC gehalten
wird. Zusätzlich wird das des Wassers einer chemischen Behandlung unterzogen.
Die Kollektoren wurden mit einer sehr geringen Neigung installiert (20º).
Dies stellt einen Kompromiss dar zwischen einem maximalen Solarertrag pro Flächeneinheit
einerseits und einer maximalen Gesamtleistung auf der vorhandenen Dachfläche
andererseits dar.
In Verbindung mit der Solaranlage war ursprünglich auch die Installation
eines Speichertanks für das Abwasser zusammen mit einem Wärmetauscher
für Wärmerückgewinnung vorgesehen. Die Firma entschied sich jedoch
gegen das Wärmerückgewinnungssystem, weshalb gegenwärtig nur
die solare Wasservorwärmung realisiert ist.
Wärmeertrag des Solarsystems
Der Solarertrag wurde mittels dynamischer Simulation mit der software TranSOL berechnet. Der Wärmebedarf für Warmwasser beträgt 1990 MWh/Jahr. Es wurde eine homogene Verteilung des Wärmebedarfs über die 10 täglichen Betriebsstunden angenommen. Betriebsunterbrechungen sowohl über die Wochenenden als auch in den Betriebsferien wurden in Betracht gezogen. Die Simulation des Systems wurde mit Wetterdaten für Barcelona mit einer globalen Solarstrahlung von 1471 kWh/m² durchgeführt. Der jährliche solare Nettowärmeertrag beträgt 429 MWh (841 kWh/m²) bei einem solaren Deckungsgrad von 21,55%. Die Wärmeverluste in der Verrohrung und im Speicher betragen ca. 3% des gesamten Solarertrags.
Wirtschaftlichkeit
Die gesamten Anlagenkosten belaufen sich auf 268.546 €. Das Solarsystem wurde von IDAE und ICAEN mit einem Gesamtbetrag von 130.000 € gefördert, das sind ca. 50% der Gesamtkosten einschließlich der Steuervergünstigungen und des effektiven Werts der Finanzierung mit niedrigem Zins. Die jährlichen Energieeinsparungen wurden auf 14.300 € geschätzt (bei einem Preis für Erdgas von 25 €/MWh bezogen auf den unteren Brennwert). Die Kosten für Wartung und Instandhaltung wurden auf 1.250 €/Jahr geschätzt, woraus sich eine Nettoersparnis von 13.050 €/Jahr und eine Amortisation von ca. 10 Jahren ergibt.
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Referenzen |
*) Detlef
Schäfer ist Geschäftsführer
von Aiguasol BIOCO SL und technischer Berater für Nordspanien in Sonnenkraft
España,
Hans Schweiger
ist Mitarbeiter in der IEA Task 33 zu solarer Prozesswärme. Bis Juni 2005
war er Koordinator des Arbeitsbereichs Energieeffizienz in Aiguasol Engineering.
Gegenwärtig ist er als unabhängiger Berater tätig, hans.schweiger@gmx.net
Ignasi Gurrachuga
ist Projektingenieur in Aiguasol Engineering. Er ist verantwortlich für
die Detailplanung und Bauüberwachung der Contank Solaranlage
Enric Mateu
ist Projektingenieur in Aiguasol Engineering. Er ist Verantwortlich für
die Regulation der Contank Solaranlage. [^]