Nachhaltige Energieregionen
Energieregionen
Im
Projekt „Energieregion Oststeiermark“, das bis November 2006 unter
der Trägerschaft des Regionalmanagement Oststeiermark läuft, gehen
die Bezirke Feldbach, Fürstenfeld, Hartberg, Radkersburg und Weiz den Weg
eine europäische „Musterregion für Erneuerbare Energie“
zu werden.
Energieregion Oststeiermark
Dafür werden zahlreiche Projekte und Maßnahmen umgesetzt. Ökonomie, Ökologie und soziale Aspekte sollen gleichermaßen gestärkt werden und der Einsatz erneuerbarer Energieträger sowie die Wirtschaftsleistung und die Arbeitsplätze gesteigert werden. Ein wichtiger Punkt ist die gemeinsame Koordination der Energieaktivitäten und die Positionierung der Dachmarke „Erneuerbare Energie Oststeiermark“.
Günstige Ausgangssituation
Im Regionalentwicklungsprozess GO BEST (Gemeinsame Oststeirische Wirtschafts- und BEschäftigungsSTrategie, 2002-2004) attestierten über 400 oststeirische Akteure/innen dem Thema „Erneuerbare Energie, Energieeffizienz und Energiebewusstsein“, eines der zwei zukunftsträchtigsten Entwicklungsfelder der Oststeiermark zu sein. Aus dem regionalen Bedarf wurden die Inhalte des jetzigen Projektes erarbeitet.
Abbildung 1: Leistung von Ökostromanlagen in der Steiermark in MW und in der Energieregion Oststeiermark (Feldbach, Fürstenfeld, Hartberg, Radkersburg, Weiz)
In Abbildung 1 erkennt man die Vielfältigkeit der Nutzung der Erneuerbaren
Energieträger in der „Energieregion Oststeiermark“, während
in den anderen steirischen Bezirken in erster Linie Kleinwasserkraft und mit
einigem Abstand Wind und feste Biomasse genutzt werden. Im oststeirischen Süden
kristallisiert sich „Biogas“ als Stärkefeld heraus.
Biogas
Abbildung 2: Biogasanlagen in der
Steiermark im Beitrieb und im Bau, Quelle:
LEA, 2005
Die beiden oststeirischen Bezirke Radkersburg und Feldbach haben europaweit
die höchste Dichte an Biogasanlagen. In der Oststeiermark stehen mit Stand
September 2005 22 Anlagen (+5 in Bau), in der restlichen Steiermark 18 Anlagen
(+3 in Bau), wie Abbildung 2 zeigt. Es werden vorrangig Schweinegülle und
Mais, in weitaus geringeren Mengen Hühnermist, Rindergülle, Bioabfälle,
Grünschnitt, Flotate und andere biogene Reststoffe vergoren.
Die häufigste Nutzungsform stellt die „Produktion“ von elektrischem
Strom dar, der in das Netz eingespeist wird. Die Wärmenutzung beschränkt
sich auf die Beheizung von landwirtschaftlichen Gebäuden. Wärmenutzungskonzepte,
wie die Einspeisung in eine Ortsnahwärmeversorgung (z.B. Anlage Fürntratt
in Auersbach oder Stadtwerke Fürstenfeld) sowie der Betrieb von Frucht-Trocknungsanlagen
(z.B. in St. Stefan im Rosental www.biokw.at) bilden die Ausnahme.
Derzeit beschäftigen sich etwa 20 oststeirische Betriebe und Unternehmen
mit dem Thema Biogas. Die gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Steiermark sorgen
für qualitativ hochwertige Ausrüstung der oststeirischen Biogasanlagen.
Die durchschnittliche Anlagengröße in der Oststeiermark mit 500 kW
zählt zu den europaweit größten (Österreich: ca. 250 kW,
Europa: < 200 kW). Eine Biogasanlage mit 1.000 kW elektrischer Leistung wurde
in Mureck realisiert. Die Homepage des Netzwerkes Ökoenergie Steiermark
[1] bietet eine Übersicht über Biogasprojekte mit oststeirischer Beteiligung.
Biomasse
Bei der Holzbiomasse besteht ein Überangebot an potenziellen Ressourcen.
An der Entwicklung einer effizienten Logistik wird unter anderem im oststeirischen
Leuchtturmprojekt „Rohstoffdrehscheibe“ gearbeitet.
1980 entstand die erste Biomasse-Fernwärme-Anlage in Feldbach. 1985 waren
in der Steiermark nur drei Anlagen in Betrieb während mit Stand September
2004 bereits 199 Anlagen mit insgesamt 189,5 MW Haushalte und Gewerbebetriebe
mit Wärme versorgten. 116 Anlagen liegen im Bereich bis zu einer Kesselleistung
von 500 kW, 35 zwischen 500 kW und 1 MW, 33 zwischen 1 MW und 3 MW und 14 über
3 MW. Zwei der größten Nah-/Fernwärmenetze liegen in der „Energieregion
Oststeiermark“: Hartberg und Passail (siehe auch Abbildung 3 [2]).
Abbildung 3: Biomasse-Wärmenetze in der Steiermark, Quelle: LEV, 9.2005 [2]
Bei der Fertigung von Kleinfeuerungsanlagen konnte in den letzten Jahren eine europäische Spitzenposition aufgebaut werden. Die Firma KWB hat Niederlassungen in ganz Europa, einen Exportanteil von 65% und 115 Mitarbeiter/innen nur im Stammwerk im oststeirischen St.Margarethen a.d.Raab. Zählt man die Zulieferindustrie und die Land- und Forstwirtschaft hinzu, werden derzeit von diesem Unternehmen 433 Arbeitsplätze gesichert.
Solarthermie
Über 100.000 m2 Sonnenkollektoren mit einer Leistung von 70 MWth sind
in der Oststeiermark installiert. Im Bereich der Solarenergie für Warmwasserbereitung
und Heizung ist Österreich international als führend bekannt. Diese
Spitzenposition zeigt sich sowohl bei der erfolgreichen Nutzung im eigenen Land,
als auch bei der Nachfrage nach österreichischen Technologien und Produkten
im Ausland. So wurden von den im Jahr 2004 in Österreich produzierten Sonnenkollektoren
(493.000 m²) etwa 320.000 m² exportiert.
Wesentliche Impulse für diese Entwicklungen sind aus der Oststeiermark
gekommen. Mit der Entwicklung des Assembling-Verfahrens zum Bau von thermischen
Solaranlagen Mitte der 80er Jahre wurden neue Wege in der technischen Entwicklung
(Indachkollektoren) und in der Verbreitung und Marktaufbereitung aufgezeigt.
In den Anfangsjahren der „Solarbewegung“ haben die Gemeinden der
Oststeiermark durch Informationsveranstaltungen bei der Marktaufbereitung wesentliche
Unterstützung geleistet. Die 17 Gemeinden der Energieregion Weiz-Gleisdorf
haben beschlossen jeden Quadratmeter Kollektorfläche mit mindestens €
35,- zu fördern. Impulsgeber war die Gemeinde Gleisdorf, die seit dem Jahr
2004 den Bau von thermischen Solaranlagen mit einem Unterstützungsbeitrag
von € 200,- pro m² fördert.
Pflanzenöl
Die Anfänge zur breiteren Nutzung von Pflanzenölen für die energetische Verwertung machte die Südsteirische Energie- und Eiweißerzeugungsgenossenschaft (SEEG), die sich seit 1990 mit der Produktion von Biodiesel aus Raps, Altspeiseöl und Tierfett beschäftigt.
Abbildung 4: Tankstellen für Pflanzenöl in der Steiermark, Quelle: LEV, 2005
Parallel dazu erfolgte die Entwicklung der Nutzung des „reinen“ Pflanzenöls zum regionalen Treibstoff und zur Umwandlung in Wärme und Strom durch die Projektaktivitäten Poem I und Poem II (2000 - 2005) des Ökocluster Oststeiermark. Dadurch konnte ein Netzwerk mit 12 Pflanzenöl-Tankstellen realisiert werden (Abbildung 4).
Abbildung 5: Tanken mit Pflanzenöl
Diese fassen derzeit rund 117.000 Liter, der Einkauf und die Verteilung des
Pflanzenöls wird vom Ökocluster Oststeiermark durchgeführt. Der
Monatsverbrauch beträgt ca. 9.000 Litern, etwa 90 oststeirische Fahrzeuge
wurden bereits umgerüstet. Die erste vollautomatisierte Pflanzenöltankstelle
wurde im Jahr 2000 im Innovationszentrum ländlicher Raum in Auersbach errichtet,
die zweite im Jahr 2004 bei den Feistritzwerken Gleisdorf.
Derzeit gibt es viele Aktivitäten im Rahmen des Projekts „Energieregion
Oststeiermark“ zur Pflanzenöltechnologie, wie z.B. Anbauprojekte,
Koordination zwischen Angebot und Bedarf und die Entwicklung der notwendigen
Logistik.
Photovoltaik
Die Situation in der Oststeiermark ist geprägt durch das Erreichen der
15 MWp Deckelung im österreichischen Ökostromgesetz im Januar 2003.
Durch das Aussetzen der Einspeisevergütungen fehlen derzeit wichtige Rahmenbedingungen
in Österreich.
Die Feistritzwerke STEWEAG GmbH in Gleisdorf verzeichnen derzeit 300 kWp im
eigenen Versorgungsnetz (Teile der Bezirke Weiz, Hartberg und Fürstenfeld).
Die neu gegründete „Solarstrom“ in St. Margarethen errichtete
bisher Klein-Anlagen von gesamt 20 kWp, weitere 50 kWp sind hier in Planung.
Abbildung 6: PV Module am Gemini Haus in Weiz
In Österreich wurden bis Ende 2003 16,8 MWp errichtet, davon durch „KW
Solar“ 4,5 MWp, 2,2 MWp davon in der Oststeiermark gemeinsam mit Firmen-Partner
Stadtwerke Hartberg und teilweise den Pichlerwerken, 2,1 MWp in der restlichen
Steiermark.
In Summe ergeben sich so für die Energieregion Oststeiermark mit den bescheidenen
Prognosen von 100 kWp für 2005 geschätzte 2,6 MWp installierte PV-Leistung
2005, was einem Anteil von 15% der österreichischen PV-Leistung entspricht.
Diese Zahl darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die derzeit
fehlenden gesicherten Rahmenbedingungen in Form eines Ökostromgesetzes
jegliche positive Entwicklung seit 2003 unterbrochen hat und große positive
Effekte für die heimische Wirtschaft ungenutzt liegen bleiben.
Energieoptimiertes Bauen
Unter diesem Begriff finden sich in der „Energieregion Oststeiermark“
sowohl die hochwertige Sanierung, als auch der Neubau - speziell im Bereich
Passivhaus. Für beide Bereiche finden derzeit sogenannte Leuchtturmprojekte
statt:
Abbildung 7: Ein Passivhaus hat einen Jahresheizenergiebedarf von weniger als 15 kWh/m²
Das Passivhaus stellt einen Baustandard dar, der durch den Jahresheizwärmebedarf
von unter 15 kWh/m² ein behagliches Innenklima ohne herkömmliches
Heizsystem gewährleisten kann. Die Deckung des Restwärmebedarfes erfolgt
meist durch ein Lüftungssystem.
In der Region Oststeiermark haben sich eine Reihe von Unternehmen zum Thema
„Passivhaus“ etablieren können, wie Baubetriebe, Technische
Planungsbüros, , Architekten Komponenten- und Dämmstofferzeuger. Ca.
80% der steirischen Passivhäuser befinden sich in der „Energieregion
Oststeiermark“ [4].
Geothermie
Das Steirische Becken ist das zweitwichtigste geothermische Erschließungsgebiet
in Österreich. Eine terrestrische Wärmestromdichte von bis zu 95 Milliwatt/m²,
die mit einer Hochlage des Erdmantels zusammenhängt, erlaubt in Tiefen
von kapp über 2.000 m die Erschließung von Wässern mit Temperaturen
von 100 °C.
Der überwiegende Teil der im Steirischen Becken liegenden Tiefbohrungen
(21 von 26) wurde für balneologische Zwecke, also die Nutzung für
Thermalbäder, niedergebracht. Die für eine wirtschaftliche geothermisch-technische
Nutzung notwendigen Ergiebigkeiten sind jedoch nur in den paläozoischen
und mesozoischen Karbonatgesteinen des Beckenuntergrundes gegeben. Tabelle 1
gibt eine Übersicht über die geothermischen Anlagen des Steirischen
Beckens.
| Anlage | Bad Blumau | Bad Waltersdorf |
| Nutzung | E, F, B, CO2 | F, B, G |
| Installierte Leistung (MWth) | 7,6 | 2,3 |
| Volumenstrom (l/s) | 30 | 17 |
| Temperatur (°C) | 110 | 63 |
| Inbetriebnahme | 1997 | 1980 |
| Länge Fernwärmenetz (km) | 1,5 | 1,5 |
| E=Stromerzeugung, F=Fernwärme, B=Balneologie, CO2=stoffliche Nutzung des Kohlenstoffdioxids, G=Gewächshaus. |
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Tabelle 1: Geothermische Anlagen im Steirischen Becken
Abbildung 8: 250 kW ORC-Anlage zur Beheizung des Rogner Bad Blumau
Wind
Abbildung
9: Bis Mitte 2006 wird in der Steiermark
eine Windkraftleistung von 48 MW installiert sein
In der Energieregion Oststeiermark treten nutzbare Windgeschwindigkeiten in
erster Linie in den Bezirken Weiz und Hartberg auf. Für die Windkraft unter
ökonomischen Gesichtspunkten nutzbar sind die Erhebungen der Teichalm,
die Kammlagen des Stuhleckzuges sowie der Hochwechsel und seine Ausläufer.
Mit den derzeit errichteten und genehmigten Anlagen befindet sich eine Windkraftleistung
von 13,75 MW in der Energieregion Oststeiermark, das entspricht einem Anteil
von 28,5 % an der in der Steiermark bis Mitte 2006 installierten Gesamtleistung
von 48,3 MW.
Als erzeugender Betrieb im Bereich Windkraft Generatoren tritt seit Mitte der
80er Jahre die ELIN EBG Motoren GmbH in Weiz auf. Der geringe Platzbedarf der
ELIN Motoren und Generatoren durch kompakte Bauweise kommt besonders in der
Windkraft voll zur Geltung. Das Lieferspektrum geht derzeit von 750 bis 3000
kW. Durchschnittlich werden jährlich über 800 Windkraft-Generatoren
mit einer mittleren Leistung von 1200 kW ausgeliefert und mangels eines österreichischen
Windkraftanlagenherstellers in alle Welt exportiert.
Ausblick
Die „Energieregion Oststeiermark“ kann in einigen Themenbereichen auf günstige Entwicklungen verweisen. Es gilt mit den Partnern aus dem Bedarf heraus die Problemstellungen zu bearbeiten und die vorhandenen Stärken weiter zu verbessern. Die „Erneuerbare Energie Oststeiermark“ kann zum integrativen Bestandteil der oststeirischen Menschen werden.
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Quellen für den Bericht: Dieser Bericht wurde mit freundlicher Unterstützung der folgenden Experten zusammengestellt: Biogas Ing. Karl Puchas,
LEA (Lokale Energieagentur Oststeirmark, Kompetenzknoten des NOEST (Netzwerk
Ökoenergie Steiermark) für Biogas und Themenkoordinator für
das Stärkefeld „Biogas“ im Rahmen von „Energieregion
Oststeiermark“ Referenzen: 1: http://www.noest.or.at/index.asp?page=projekte.htm&navpage=nav_projekte.htm |
*) Christian Luttenberger ist Projektleiter der "Energieregion Oststeiermark", Regionalmanagement Oststeiermark [^]