Nachhaltige Energieregionen
Energieregionen
Der
forcierte Einsatz erneuerbarer Energie hat in den 25 Vorarlberger e5-Gemeinden
neben der Energieeffizienz den höchsten Stellenwert. Dass dies nicht nur
Lippenbekenntnisse sind, ist an unzähligen umgesetzten Beispielen eindrucksvoll
dokumentiert. Dieser Artikel soll einen kurzen Einblick zu Schwerpunkten, getroffenen
Maßnahmen im Bereich „Erneuerbare Energie“ der e5-Gemeinden
in Vorarlberg bieten. Andererseits werden die wichtigsten Elemente des e5-Programms
sowie die Motivationen der beteiligten Gemeinden zu beschreiben.
e5-Gemeinden setzen auf Erneuerbare Energie
Was sind e5-Gemeinden?
e5-Gemeinden sind Kommunen, die sich am „e5-Landesprogramms für
energieeffiziente Gemeinden“ beteiligen. Sie bekennen sich damit zu einem
nachhaltigen, zukunfts-verträglichen Umgang mit Energie und sind bestrebt,
diesen in einem kontinuierlichen Verbesserungsprozess aktiv zu fördern.
Schönen Worten und Absichtserklärungen sollen also auch konkrete Taten
folgen!
Im Leitbild des e5-Netzwerkes steht: „Wir motivieren durch Umsetzung und
Vorstellung von erfolgreichen Musterprojekten zum Einsatz von erneuerbaren Energieträgern“.
Mit anderen Worten: Zuerst bei den eigenen Gebäuden und Anlagen den Anteil
der Erneuerbaren maßgeblich zu erhöhen. Dann durch Vorbildwirkung,
Information und Förderung Bevölkerung und Betriebe motivieren, ebenfalls
auf eine nachhaltige, erneuerbare Energieversorgung umzustellen
Einsatz von Biomasse
Zur Steigerung des Anteils der Erneuerbaren wurde in mehr als der Hälfte der e5-Gemeinden die Energieversorgung auf Biomasse-Nahwärme umgestellt, in den meisten restlichen Gemeinden laufen die Planungen bzw. bereits die Umsetzungen dazu. In einigen Gemeinden wurden bestehende Anlagen bereits vergrößert (z. B. Lochau, Blons,.. ) oder wie in der Gemeinde Wolfurt durch eine zweite Anlage, an einem anderen Standort ergänzt. So bringt es die e5-Gemeinde Krumbach, trotz ihrer dezentralen Weilerstruktur, auf eine Nahwärmedichte von 1 MWh pro Bürger! Da manchmal nicht alle Gebäude von der Nahwärme erreicht werden können, setzen die Gemeinden auch häufig auf Einzelanlagen. Beispiel Gemeinde Mäder: Bei der Volksschule, wurde kürzlich die „fossile“ Energieversorgung (Heizöl und Erdgas) auf eine „nachhaltige“ mit Pellets betriebene umgestellt. Der Ölkessel wurde entfernt und der noch neuwertige Erdgaskessel fristet ab sofort ein Dasein als „Notkessel“. Durch diese und viele weiteren Maßnahmen konnte der Anteil der Erneuerbaren an der Gesamtwärmeversorgung auf über 85% gesteigert werden!
Nutzung der Wasserkraft
Andere wiederum setzen parallel auf Wasserkraft und / oder Wärmepumpe – wie beispielsweise die Gemeinde Nenzing, die den Strom des eigenen Trinkwasserkraftwerkes über eine Wärmepumpe in Wärme veredeln. Dem Beispiel Nenzing’s folgend, adaptierte letztes Jahr die Bodenseegemeinde Hörbranz ihre bereits bestehende Trinkwasserversorgung nachträglich mit einem 90 kW Kraftwerk – e5-Teamleiter und Initiator Hannes Mühlbacher: „Ein wunderschönes Beispiel wie sich mit relativ geringem Aufwand eine große Wirkung erzielen lässt!“ In beiden erwähnten Gemeinden laufen die Werke so erfolgreich, dass eine zweite Ausbaustufe bereits in Planung bzw. in Umsetzung ist. Nebenbei bemerkt, wurde die Wasserkraftnutzung auch in etlichen anderen e5-Gemeinden (Bürs, Thüringen, Dornbirn, Großes Walsertal,…) ausgebaut und bestehende Werke revitalisiert.
Sonnenenergie im Vormarsch
Selbstredend kommt in den e5-Gemeinden die Sonnenenergienutzung nicht zu kurz – so gehört es bereits zum Standard, dass die Clubheime des Fußball – oder Tennisclubs über eine solare Warmwasserbereitung oder gar Heizungsunterstützung verfügen. Einen besonders hohen Ertrag bringen thermische Solaranlagen aufgrund des hohen Warmwasser- und Heizbedarfes bei Alters und Pflegeheimen, wie Mario Nußbaumer, Energiebeauftragter der 1000 Seelen-Gemeinde Langenegg stolz berichten kann: „Unsere 1992 gebaute 63 m2 Solaranlage liefert bereits das 14. Jahr kostenlose Sonnenergie für das Pflegeheim!“ Auch diesem positiven Beispiel sind ein Großteil der Partner - e5-Gemeinden bereits gefolgt.
Beispiel Mäder: Das Klimabündnisziel ist erreichbar!
Der kommunale Energiebericht der Gemeinde Mäder belegt den Erfolg dieser
Aktivitäten in der Gemeinde: Der Anteil der fossilen Energieversorgung
geht zurück, die CO2-Emissionen sinken - im Zeitraum der letzten zehn Jahre
um über 50%.. „Wir konnten somit den Beweis antreten, dass das Klimabündnisziel
erreichbar ist!“, freut sich Bgm. Siegele.
„Grundlage für diesen Erfolg war nicht zuletzt unser Grundsatzbeschluss,
dass die öffentliche Hand keinen volkswirtschaftlichen Schaden verursachen
darf“, meint Bgm. Siegele. Konkret bedeutet dies, dass in Mäder bei
allen großen Entscheidungen die sogenannten „volkswirtschaftlichen“
Kosten mit berücksichtigt werden.
Eine langjährige Praxis, die in Mäder politisch unumstritten ist und
inzwischen angesichts der globalen Klima- und Energiepreisentwicklungen als
vorausschauendes Handeln eindrucksvoll bestätigt wurde.
Abbildung 1: Bürgermeister Rainer Siegele: Das Coaching durch das Energieinstitut und der e5-Erfahrungsaustausch ist für uns sehr wertvoll.
Motivation und Förderung des Bürgers
Bei all den Erfolgen im gemeindeeigenen Bereich reicht die Konzentration auf
kommunale Objekte und Anlagen nicht aus - beeinflusst man damit doch maximal
4 bis 6% des CO2-Ausstoßes auf dem Gemeindegebiet.
Durch gezielte Veranstaltungen und Aktionen wie Tag der Biomasse, Messe der
Erneuerbaren Energie, Holzfest, Tag der Sonne, Biomasse-Hausmessen, Solaraktion
etc. wird der Bürger über seine Möglichkeiten von einer fossilen
auf eine erneuerbare Energieversorgung umzustellen informiert. Ergänzt
werden dieses Angebote durch eine kostenlose Energieberatung in der Beratungsstelle
oder falls erforderlich auch Vorort. Weiterführende Beratungsangebote durch
Technische Büros werden von vielen Gemeinden zusätzlich unterstützt.
Gemeinsame Schwerpunkte
Jedes Jahr wird vom Energieinstitut ein gemeindeübergreifendes Schwerpunktprojekt
vorbereitet. Projekte, die also von mehreren e5-Teams gleichzeitig und meist
in enger Kooperation und Abstimmung durchgeführt werden.
Ein gutes Beispiel dafür ist die Solar-Aktion – eine Kampagne zur
„Nachrüstung bestehender Gebäude mit thermischen Solaranlagen.“
Die Idee wurde in einem e5-Team geboren, in kleinem Rahmen erprobt und im Jahr
2005 unter der Leitung des Energieinstituts im breiten Maßstab in vier
Regionen des Landes sehr erfolgreich umgesetzt.
Unterstützende Förderung
Von den Gemeinden in Aussicht gestellte Zusatzförderungen zu Solaranlagen, Biomasse – Stückholz-, Hackschnitzel- oder Pelletsanlagen, Energiespar- und Passivhäusern aber auch für landwirtschaftliche Biogasanlagen oder gewerbliche Umstellungen, bieten einen zusätzlichen Anreiz. Wo es möglich ist ersetzen Auflagen die Förderungen. So werden teilweise beim Verkauf von Grundstücken auf privatrechtlicher Basis verbesserte Energiekennwerte eingefordert.
Abbildung 2: Das Energiefass bei der Biogasanlagen-Eröffnung
Breite Öffentlichkeitsarbeit
Begleitet werden all diese Maßnahmen der Gemeinden durch eine kontinuierliche und sehr offensive Öffentlichkeitsarbeit im eigenen Gemeindeblatt wie auch in regionalen und überregionalen Medien. Bei dieser kommt die hohe Identität der Gemeinden mit dem e5-Programm zum Ausdruck, so hatte der e5-Pressespiegel letztes Jahr einen Umfang über 190 Beiträgen.
Umsetzungen der Bevölkerung
Dass all diese Unterstützungsmaßnahmen auch Wirkung zeigen, beweisen die überdurchschnittlichen Energiestandards mancher Gemeinden. Sei es beim Gesamtanteil der Erneuerbaren gegenüber den Fossilen als auch bei Einzelmaßnahmen. So bieten sich gleich drei e5-Gemeinden (Ludesch, Thüringerberg und Langenegg) ein Kopf an Kopf Rennen, wer wohl als erstes die magische Grenze von 1 m2 Solaranlage pro Einwohner überschreitet (der Landesdurchschnitt liegt bei 0,26 m2/EW). Oder die e5-Gemeinde Blons, die mit ihren über 17 m2 Photovoltaikfläche pro Kopf österreichischer Spitzenreiter ist.
Kernelemente des e5-Programms
Dreh- und Angelpunkt des e5-Programms ist das e5-Energieteam, das aus sich
aus Mitgliedern von Gemeindepolitik, Verwaltung und oft auch aus engagierten
Bürgern gebildet wird. Speziell geschulte e5-Betreuer unterstützen
die Gemeinde beim Aufbau dieses Teams und begleiten es in weiterer Folge bei
Planung und Umsetzung der kommunalen Energie-Projekte.
Unterstützt werden Planung und Umsetzung durch den e5-Zertifizierungsprozess.
Alle drei Jahre muss sich die Gemeinde einer externen Überprüfung
unterziehen, bei der Stärken aber auch Verbesserungspotentiale identifiziert
werden und der Gemeinde entsprechend der erbrachten Leistungen zwischen einem
und maximal fünf „e“s verliehen werden.
Beratungstätigkeiten in Fachfragen, spezielle Weiterbildungsangebote für
Teammitglieder
und Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung, eigens entwickelte Arbeitsbehelfe und
Leitfäden ergänzen das Dienstleitungsangebot des e5-Programms und
dienen der Qualifizierung der Akteure in den Gemeinden.
e5 in Österreich und in Europa
Außer in Vorarlberg, wird das e5-Programm derzeit auch Gemeinden in
den Bundesländern Tirol, Salzburg und seit kurzem in Kärnten angeboten
(siehe Abbildung 3). Um weiteren Bundesländern die Möglichkeit zu
geben dieses sehr kosteneffiziente und erfolgreiche Programm seinen Gemeinden
anzubieten wurde ein österreichischer Dachverband gegründet und die
Österreichische Energieagentur (ehemals EVA) mit der Leitung der Geschäfte
und dem weiteren Ausbau beauftragt. Die Aufbauunterstützung für neue
Bundesländer wird vom Lebensministerium über die Initiative klima:aktiv
unterstützt.
Abbildung
3: e5 Gemeinden in Österreich
2005
Als europäischer Dachverband wurde mit Kooperationspartnern aus Deutschland und der Schweiz der „European Energy Award“ ins Leben gerufen um eine europäische Ausweitung zu ermöglichen. Derzeit beteiligen sich Kommunen der Länder Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich, Liechtenstein, Litauen, Italien, Irland, Polen, Slowakei, Baskenland und zukünftig auch Tschechien und Holland am Programm.
Weitere Informationen zum e5-Programm:
www.energieinstitut.at
www.e5-gemeinden.at
*) Karl-Heinz Kaspar ist Initiator und Programmleiter des "e5-Landesprogramms für energieeffieziente Gemeinden" beim Energieinstitut Vorarlberg, karl-heinz.kaspar@energieinstitut.at, www.energieinstitut.at [^]