Bauen und Sanieren
Thema
Österreich
hat sich im Rahmen des Kyoto-Klimaschutzzieles zu einer Reduktion des CO2-Verbrauchs
um 13% gegenüber 1990 verpflichtet. Neben den Bereichen Industrie, Verkehr
und Energieerzeugung zählt der Bereich Raumwärme mit einem Anteil
von 17% zu den Hauptverursachern von Treibhausgasemissionen .
Wirtschaftliche Bedeutung thermischer Sanierungsinvestitionen in Österreich
Von Margarete Czerny und Michael Weingärtler*
Ein überwiegender Teil der Treibhausgase im Bereich Raumwärme entfällt
auf Gebäude für Wohnzwecke. Die Wohnungswirtschaft kann daher einen
wesentlichen Beitrag zur Erreichung des Kyoto-Zieles leisten.
Entgegen der Kyoto-Zielsetzung wuchs in den letzten Jahren vor allem der Anteil
an CO2- Treibhausgasen in Österreich. Laut Kyoto Fortschrittsberichts 2004
des Umweltbundesamtes stiegen die Treibhausgasemissionen um 5,9% gegenüber
dem Vorjahr und lagen damit im Jahr 2003 um 16,6% über dem Wert des Basisjahres.
Im Vergleich mit den 23 EU-Mitgliedstaaten (Zypern und Malta sind keine Kyoto-Vertragsstaaten)
steht Österreich in der Kyoto-Bilanz mit einer Abweichung von minus 29,6
% im Jahr 2003 an letzter Stelle. Das CO2-Reduktionsziel von minus 13% in den
Jahren 2008 bis 2012 gegenüber 1992 (Basisjahr) wird somit nur mit ambitionierten
Projekten zu erreichen sein.
EU-Gebäuderichtlinie
Neben der Kyoto-Zielsetzung, zu der sich Österreich verpflichtet hat,
besteht ein wei-terer Handlungsbedarf aufgrund der europäischen Richtlinie
über die Gesamtener-gieeffizienz von Gebäuden (Europäisches Parlament,
2002), besser bekannt unter der Bezeichnung "EU-Gebäuderichtlinie".
Ziel dieser Richtlinie ist, die Verbesserung der Gesamtenergieeffizienz von
Gebäuden in der Europäischen Gemeinschaft unter Berücksichtigung
der jeweiligen äußeren klimatischen und lokalen Bedingungen so-wie
der Anforderungen an das Innenraumklima und der Kostenwirksamkeit zu unter-stützen.
Zu den Hauptzielen der Gebäuderichtlinie zählen neben der Treibhausgasreduktion
vor allem die Gewährleistung der Versorgungssicherheit an Energie in der
Europäischen Union. Es wird davon ausgegangen, dass durch die Umsetzung
des Energieausweises mittelfristig den Energieverbrauch um 20% gesenkt werden
kann. Auf der Ebene der Immobilienmärkte soll der Energieausweis vor allem
mehr Markttransparenz hinsichtlich des Energieverbrauchs bringen. Durch den
Energieausweis soll auch ein stärkeres Umweltbewusstsein erreicht werden.
Die nationale Umsetzung der Gebäuderichtlinie war bis 4.Jänner 2006
vorgesehen. Aufgrund der noch nicht verabschiedeten nationalen Gesetzesgrundlage
in Österreich - derzeit existiert nur ein Gesetzesentwurf (Energieausweis-Vorlage-Gesetz)
- konnte der Energieausweis österreichweit noch nicht erstellt bzw. angewendet
werden. Um Verlängerung der Umsetzungsfrist bis 2009 wurde angesucht.
Die ökologische Gebäudesanierung trägt einen wesentlichen Beitrag
zur Erreichung des Kyoto-Zieles bei. Der Energieeinspareffekt ist in der Sanierung
rund drei Mal so hoch wie im Neubau. Wird beispielsweise ein Wohnungsneubau
durch ökologische Bauweise in Österreich errichtet, so kann der Energieverbrauch
von etwa 60 kWh/m²a auf 20 kWh/m²a reduziert werden. Diese entspricht
einer Reduktion des Energieverbrauchs auf ein Drittel gegenüber eines konventionellen
Neubaus (erzielte Einsparung: 40 kWh/m²a).
Im Althausbestand kann durch die thermische und energieeffiziente Sanierung
ebenfalls der Energieverbrauch auf durchschnittlich ein Drittel reduziert werden.
Hier verringert sich der Energieverbrauch von etwa 200 kWh/m²a auf 70 kWh/m²a.
Dadurch kann eine Einsparung von 130 kWh/m²a erzielt werden, die somit
drei Mal so hoch im Vergleich zum Neubau (Einsparung: 40 kWh/m²a) ist.
Zu den Kosten und gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen thermischer Sanierungsinvestitionen
liegen in Österreich zahlreiche Studien vor. Eine genauere Prüfung
der Ergebnisse zeigt, dass die Bandbreite der spezifischen Kosten der thermischen
Sanierung aufgrund unterschiedlicher Prämissen sehr groß ist.
Abbildung 1: Hauptverursacher von Treibhausgasemissionen in Österreich
Abbildung 2: Durchschnittliche Energieeinsparung geförderter, thermischer Eigenheimsanierungen in Niederösterreich 1990-2004 in kWh/m² pro Jahr
Abbildung 3: Prozentuelle Verbesserung der Energiekennzahl nach der Sanierung im Mehrgeschoßbau in Niederösterreich im Jahr 2004
Das Österreichische Institut für Wirtschaftsforschung (WIFO) hat die gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen von thermischen Sanierungsinvestitionen bereits im Jahr 2002 für Österreich mithilfe eines Energiemodells quantifiziert. Es zeigte sich, dass zur Erreichung des Klima-zieles eine Steigerung der thermischen Sanierungsrate auf 2% des mittleren Gebäudebe-standes (aus Bauperiode 1945/1980) notwendig ist. Dies bedingt zusätzliche Investitionen von 525 Mio. € pro Jahr. Wie bereits eingangs erwähnt, hat sich Österreich in den letzten Jahren vom Kyoto-Ziel allerdings entfernt. Es ist daher dringend angesagt, verstärkt Initiativen besonders in der ökologischen Gebäudesanierung zu setzen, um sich dem Kyoto-Ziel wieder zu nähern.
Beschäftigungseffekte
Ökologische Bauinvestitionen haben auch positive gesamtwirtschaftliche
Beschäftigungseffekte. Diese wurden in mehreren Studien untersucht. Es
zeigte sich, dass vor allem im Bauwesen die Beschäftigung von der ökologischen
Bauweise positiv beeinflusst wird. Daneben profitieren aber auch besonders die
Stein- und keramische Industrie, das Kredit- und Realitätenwesen, die unternehmensbezogenen
Dienstleistungen und die Holzindustrie. Eine gesonderte Analyse für das
Bundesland Niederösterreich ergab, dass durch Investitionen in der Höhe
von 100 Mio. € rund 1.200 direkte und indirekte Arbeitsplätze geschaffen
bzw. gesichert werden. Österreichweit zeigt sich, dass durch thermische
Sanierungsinvestitionen die höchsten Beschäftigungswirkungen in den
Bauinstallationsberufen und im Bereich "Dämmung" erzielt werden
können.
Aus konjunktureller Sicht können durch eine gezielte ökologische Sanierungsoffensive
kurzfristig dem Beschäftigungsabbau entgegengewirkt und gesamtwirtschaftlich
positive Effekte erzielt werden. Langfristig kann dadurch zusätzlich ein
Beitrag zur Erreichung der Kyoto-Klimaschutz-Ziele geleistet werden.
Ökologische Bauinvestitionen stellen weiters neue Anforderungen an flexible,
energiesparende, kosten- und flächensparende Bauweisen von hoher Qualität.
Dies erfordert aber auch in den Unternehmen verbesserte Organisationsformen,
Kooperationen und Netzwerkbildung. Auch werden die Entwicklung marktgängiger
Fertigprodukte und eine Erweiterung des Leistungsspektrums immer dringlicher.
In der Bauwirtschaft gewinnen technische und organisatorische Innovationen für
die Wettbewerbsfähigkeit zunehmend an Bedeutung.
Das Bildungsangebot hat als Basis für die Steigerung von Forschung und
Entwicklung großes Gewicht. Mit öffentlichen Mitteln geförderte
Angebote werden von der Bauwirtschaft gut ange-nommen, während die Bereitschaft
der Unternehmen zur Investition in nicht geförderte Weiterbildungsmaßnahmen
gering ist. Die Anreize für eine laufende Weiterbildung der Mitarbeiter
sollten demnach erhöht werden.
Einbindung der Beteiligten
Damit die ökologische Gebäudesanierung wirtschaftlich und auch ökologisch die gewünschten Erfolge erzielen kann, ist die Einbindung des Wohnungsnutzers bei der Erstellung des Sanierungskonzeptes, sowie generell die Bewusstseinsbildung für das Thema Energiesparen in der Bevölkerung sehr wichtig. Initiativen mit großer Breitenwirkung wie beispielsweise "klima:aktiv" des Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft (BMLFUW) oder auf Forschungsebene die Programmlinie "Haus der Zukunft" sind daher von besonderer Bedeutung. Die Bewusstseinsbildung ist letztendlich nicht nur für die Akzeptanz von ökologischen Bauten am Markt wichtig, sondern auch mitentscheidend am ökologischen Erfolg der Projekte.
Abbildung 4: Neubau EBS SolarCity, Linz (Quelle: EBSLinz), gefördert aus Mitteln der Programmlinie Haus der Zukunft - www.HAUSderZukunft.at
Weiters muss die Kosteneinsparung durch die ökologische Gebäudesanierung
für den Konsumenten klar ersichtlich sein. Die gezielte Verwendung der
Wohnbauförderung kann die dafür notwendigen Impulse setzen. Eine WIFO-Studie
weist in diesem Zusammenhang auch auf die positiven Auswirkungen der ökologisch
ausgerichteten Wohnbauförderung hin. So führten beispielsweise die
ökologischen Reformen der Wohnbauförderung in Niederösterreich
zu einem Rückgang des Energieverbrauchs der geförderten sanierten
Wohneinheiten von durchschnittlich 246 kWh/m²a auf 99 kWh/m²a nach
der Sanierung in den letzten Jahren. Bezogen auf ein Eigenheim mit einer Nutzfläche
von 140 m² bedeutet dies eine Energieeinsparung von 20.580 kWh pro Jahr.
Dies entspricht einem Rohöl-Äquivalent von 1.770 kg (oder knapp 2.000
l) sowie einer Kostenersparnis von 1.360 € pro Jahr bei einem Heizölpreis
von 0,69 € pro Liter.
Die energieeffiziente Gebäudesanierung gewinnt somit in Zukunft nicht nur
aus ökologischen Gründen sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht immer
mehr an Bedeutung.
*) Dr. Margarete
Czerny leitet das Referat für Bau und
Wohnungspolitik am Österreichsichen Insititut für Wirtschaftsforschung
WIFO, Margarete.Czerny@wifo.ac.at
Michael Weingärtler
ist Mitarbeiter am WIFO [^]