Neue Wege in der Solarthermie
Kollektorentwicklungen
An
der Universität der Balearischen Inseln (UIB) wird in Zusammenarbeit mit
den Firmen Aiguasol und energyXperts.BCN in Barcelona (Spanien) ein konzentrierender
Solarkollektor entwickelt, der sich im Gegensatz zu anderen Systemen durch einen
feststehenden Spiegel auszeichnet. So wird eine Integration des Spiegels in
die Gebäudehülle als Fassaden- oder Dachelement in Form eines Sandwich-Panels
möglich.
Konzentrierender Kollektor mit festem Reflektor und nachgeführtem Receiver
Von Hans Schweiger und Victor Martinez Moll*
In einer ganzen Reihe von potenziellen Anwendungen für solarthermische
Systeme, wie z.B. solare Klimatisierung oder industrielle Prozesswärme
wird Wärme im Bereich mittlerer Temperaturen benötigt (80-250ºC)
[1]. Konzentrierende Kollektoren [2] können diese Temperaturen problemlos
bereitstellen und sind eine kostengünstige Alternative zu konventionellen
Flach- und Vakuumröhrenkollektoren, da sie weniger Material benötigen.
Konzentrierende Systeme können auch einen erheblichen Beitrag zur Kostenreduktion
von Photovoltaik-Anlagen leisten, da die benötigte Fläche des teuren
Elements der Anlage – nämlich der Solarzelle – auf einen Bruchteil
reduziert wird.
Jedoch erfordern konzentrierende Kollektoren eine mechanische Nachführung,
um der Bewegung der Sonne zu folgen. In der bekanntesten Bauform konzentrierender
Kollektoren, den Parabolrinnen-Kollektoren, wird der gesamte Spiegel, typischerweise
mit Öffnungsweiten von 1 – 5 m, nachgeführt. Dies führt
zum einen zu hohen Windlasten und macht zum anderen eine Integration des Spiegels
in eine Dach- oder Fassadenstruktur prinzipiell unmöglich.
Einachsige Nachführung
Bereits in den 1970er Jahren wurden jedoch Kollektorkonfigurationen entwickelt und untersucht, bei denen der Spiegel (oder Reflektor) feststeht und der Receiver nachgeführt wird [2]. Die ideale Konfiguration für eine einachsige Nachführung besteht aus einer Reihe von schmalen (flachen) Spiegelsegmenten, die mit ihrem Zentrum auf einem Kreis angeordnet sind und so orientiert sind, dass die auf das Zentrum der Spiegel einfallenden Strahlen auf einen gemeinsamen Focus im höchsten Punkt des Kreises reflektiert werden. Es kann gezeigt werden, dass in dieser Anordnung für jeden beliebigen Einfallswinkel ein exakter Fokus existiert, der ebenfalls auf demselben Kreis liegt.
Durch den feststehenden Spiegel wird es möglich, diesen in die Gebäudehülle
(Dach oder Fassade) zu integrieren. Dies kann z.B. in Form von Sandwich-Panelen
realisiert werden (Abbildung 1 und Titelbild), die ein typisches Dach- und Fassadenelement
in vielen Gebäuden darstellen, wie z. B. Industriehallen, Einkaufszentren,
Lagerhäuser, etc.
Abbildung 1:
Sandwich-Panel mit Spiegelsegmenten.
Eines der wesentlichen Probleme das mit der oben vorgestellten Anordnung verbunden
ist, ist die Tatsache dass die Anzahl der Spiegel größer sein muss
als der geometrische Konzentrationsfaktor. Dies führt zu Problemen für
eine industrielle Fertigung speziell bei Kollektoren mit hohem Konzentrationsfaktor.
Durch die gestufte Form des Spiegels fällt ein Teil der einfallenden Strahlung
auf die Stufen, und nicht auf die reflektierende Fläche, so dass die theoretisch
mögliche Energieausbeute reduziert wird. Eine mögliche und logische
Abänderung des Designs ist daher der Übergang zu parabolisch gekurvten
Spiegeln. Es ist wohl bekannt, dass eine Parabel nur bei senkrechter Einstrahlung
einen exakten Fokus hat. Jedoch kann gezeigt werden, dass die Aufweitung des
Fokus für beliebige Einfallswinkel begrenzt ist.
Im Vergleich zu dem Design mit Stufenförmigem Spiegel hat dieses Design
den Vorteil, dass die Spiegeloberfläche aus einer einzigen kontinuierlichen
und glatten Oberfläche besteht. Jedoch ist der zu erzielende Konzentrationsfaktor
begrenzt auf ca. C = 15.
Simlutationsergebnisse
An der UIB wurden ray-tracing Modellrechnungen durchgeführt, um die optimalen geometrischen Parameter eines solchen Kollektors zu bestimmen [3,4]. Einige der wichtigsten Ergebnisse werden im Folgenden beschrieben.
In Abbildung 2 ist das normalisierte mittlere Konzentrationsverhältnis
der gestuften Geometrie als Funktion des Einfallswinkels für verschiedene
geometrische Konzentrationsfaktoren dargestellt. Man sieht, dass die optischen
Verluste des gestuften Spiegels im Vergleich zu einem idealen Spiegel für
einen genügend großen Durchmesser des Nachführkreises D im Vergleich
zur Gesamtspiegelweite W gering sind. Die Differenz zwischen realem und idealem
Spiegel ergibt sich zum einen aufgrund der Abschattung des Spiegels durch den
Receiver und zum anderen aufgrund der optischen Verluste an den Stufen.
Abbildung
2: Normalisiertes mittleres Konzentrationsverhältnis
als Funktion des Einfallswinkels und des geometrischen Konzentrationsfaktors,
Kollektor mit gestuftem Spiegel
Abbildung
3: Normalisiertes mittleres Konzentrationsverhältnis
als Funktion des Einfallswinkels und des geometrischen Konzentrationsfaktors,
Kollektor mit glattem parabolisch gekurvtem Spiegel
Abbildung 3 zeigt dasselbe Verhalten für den Spiegel mit einem parabolisch gekurvten Segment. Die Abweichungen vom idealen Verhalten nehmen mit zunehmendem Konzentrationsfaktor zu.
Einfluss der Einstrahlung
Die lokale Strahlungsintensität am Receiver ist für verschiedene
Einfallswinkel unterschiedlich. Die ungleichmäßige Verteilung der
Einstrahlung hat keine wesentliche Bedeutung für thermische Kollektoren,
stellt aber für eine mögliche Anwendung für konzentrierende Photovoltaik
ein zu lösendes Problem dar.
Konzentrierende Kollektoren mit feststehendem Spiegel weisen für schrägen
Einfall der Strahlung zwar prinzipiell einen geringeren optischen Wirkungsgrad
im Bezug auf die Spiegelaperturfläche auf als Parabolrinnenkollektoren,
da bei ersteren der Cosinus des Einstrahlungswinkels zu berücksichtigen
ist, während letztere zumindest in einer Achse senkrecht zur Einstrahlung
ausgerichtet werden können. Bezogen auf die vorhandene Grund- oder Dachfläche
als Referenz kehrt sich das Verhältnis jedoch um, da Kollektoren mit feststehendem
Spiegel fast 100% der vorhandenen Fläche ausnützen können, während
das Verhältnis von Spiegelfläche zu Grund- oder Dachfläche bei
Parabolrinnen auf maximal 50 % begrenzt ist, um gegenseitige Abschattung zu
vermeiden.
In Studien zum Anwendungpotenzial von Solarthermie in der Industrie [1] wurde
nachgewiesen, dass in vielen Fällen die vorhandene Dachfläche der
begrenzende Faktor ist, so dass Kollektoren mit feststehendem Spiegel das bestehende
Anwendungspotenzial vergrößern.
Das Potenzial möglicher Kostenersparnisse des beschriebenen Systems dachintegrierter
konzentrierender Kollektoren mit feststehendem Reflektor im Vergleich zu Solarsystemen
mit konventionellen Flachkollektoren wird auf über 25 % geschätzt
(Tabelle 1).
| Systemkomponente | Flachkollektor | Konz. Kollektor* | Anmerkungen |
| Kollektor / Receiver | 150 |
20 |
Der Receiver des CCStaR benötigt nur 1/15 der Aperturfläche von Flachkollektoren bei 100% höheren Stückkosten (bei Materialien von höchster Qualität) |
| Aufständerung und Nachführ-Mechanismus | 50 |
70 |
Weniger zu montierende Elemente und weniger Verbindungen |
| Montage und Feldverrohrung | 100 |
60 |
|
| Mehrkosten Dachelement | 70 |
Spiegelmaterial und Integration | |
| TOTAL | 300 |
220 |
Mehr als 25 % Kostenreduzierung (langfristig bis zu 50 %) |
Tabelle 1: Kosteneinsparungspotenzial im Vergleich mit Standardsolaranlagen (selektiver Flachkollektor). Kosten schlüsselfertig für Solarfeld und Feldverrohrung in €/m² Aperturfläche.
Danksagung: Die Entwicklung des beschriebenen Kollektors wurde gefördert von der „Direcció General d’Energia de la Conselleria de Comerç Industria i Energia“ der Regierung der Balearischen Inseln.
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Literatur [1] Für industrielle
Anwendungen von solarthermischen Systemen siehe die web-page der Task
33/IV der IEA: www.iea-ship.org und den Endbericht des Projekts POSHIP:
www.solarpaces.org/POSHIP_FinRep.zip |
*) Dr. Hans
Schweiger ist Berater im Bereich Wärmetechnik
und erneuerbare Energiesysteme. energyXperts. BCN, Barcelona, Sapnien, hans-schweiger@energyxperts.net
Dr. Victor
Martinez Moll ist Professor am Fachbereich
Physik der Universität der Balearischen Inseln (UIB), Palma de Mallorca,
Spanien, victor.martinez@uib.es [^]