Neue Wege in der Solarthermie
Speicher
Wärmespeicherung ist nach wie vor eine der größten
technischen Herausforderungen bei der Nutzung regenerativer Energiequellen.
Vor allem die Nutzung thermischer Solarenergie zur Raumheizung hängt von
der Fähigkeit ab, Wärme über lange Zeit mit möglichst geringen
Verlusten zu speichern.
Betriebserfahrungen mit einem Sorptionsspeicher in einer Pilotanlage
Von Dagmar Jähnig, Robert Hausner, Waldemar Wagner und Charlotta Isaksson*
Die solar erzeugte Wärme wird bislang in gut gedämmten Wasserspeichern
gespeichert, die bei höheren solaren Deckungsgraden in Einfamilienhäusern
Volumina von 3 m³, und bei Volldeckung bis zu 70 m³ einnehmen, was
im Neubau zwar planbar ist, in der Praxis mehrfach technisch erfolgreich realisiert
wurde, aber wirtschaftliche Probleme mit sich bringt. Bei Sanierungsprojekten
stellt sich aber praktisch immer die Frage des vorhandenen Raumvolumens, um
Energiespeicher in ein bestehendes Gebäude unterzubringen bzw. auch einzubringen.
Ein vielversprechender Ansatz ist die Entwicklung von Energiespeichern mit hoher
Speicherdichte nach dem Sorptionsprinzip.
Systemkonzept
Im Rahmen des Projekts MODESTORE der Programmlinie Haus der Zukunft des österreichischen
Bundesministeriums für Verkehr, Innovation und Technologie wurde ein solcher
Sorptionsspeicher erstmals in einer Pilotanlage in einem Einfamilienhaus mit
Niedertemperaturheizsystem eingesetzt. Der Sorptionsspeicher ist eigentlich
eine thermisch angetriebene Wärmepumpe mit der Materialpaarung Silikagel
– Wasser. Im Sommer und auch in sonnigen Zeiträumen im Winter wird
das Wasser mithilfe von Solarenergie aus dem Silikagel ausgetrieben (desorbiert),
anschließend bei niedriger Temperatur kondensiert und in einem separaten
Behälter aufbewahrt. Wenn Heizenergie benötigt wird, wird Wasser bei
niedriger Temperatur verdampft und am Silikagel adsorbiert. Dabei entsteht Wärme,
die in ein Niedertemperaturheizsystem abgeführt werden kann (siehe Abbildung
1). Das bedeutet, dass bei der Desorption eine Niedertemperaturwärmesenke
benötigt wird, bei der Adsorption eine Niedertemperaturwärmequelle.
Das System wird unter Vakuum betrieben, um bei niedrigen Temperaturen verdampfen
zu können und eine gute Dampfdiffusion zwischen Adsorber und Verdampfer/Kondensator
zu gewährleisten.
Im Frühsommer 2005 wurde die Pilotanlage in einem Einfamilienhaus installiert.
Das System besteht aus 32 m² Flachkollektoren, die zum Teil im Balkongeländer
und zum Teil auf dem Dach installiert sind, einem Pufferspeicher mit 900 Litern,
zwei Sorptionsspeichern mit jeweils etwa 500 kg Silikagel und einem weiteren
Behälter, der den Verdampfer/Kondensator-Wärmetauscher sowie den Wasservorrat
enthält (siehe Abbildung 2 und Abbildung 3). Für die Warmwasserbereitung
gibt es einen separaten Warmwasserboiler. Die Nachheizung wird durch ein Pelletswohnraumgerät
gewährleistet. Die Anlage ist mit 1000 kg Silikagel relativ klein dimensioniert.
An 1000 kg Silikagel können energetisch sinnvoll etwa 150 Liter Wasser
adsorbiert werden, das entspricht etwa 100 kWh Energie.
Abbildung 1: Schnittzeichnung eines Sorptionsmoduls mit Wasservorlage und Wärmetauschern
Für den Betrieb der Pilotanlage wurde außerdem eine frei programmierbare
Regelung entwickelt, mit der der Normalbetrieb im Einfamilienhaus sowie spezielle
Testsequenzen zur Optimierung des Speichermanagements gefahren werden können.
Abbildung 2:
Pilotanlage mit Dach- und Balkonkollektoren
Abbildung
3: Zwei Sorptions-, ein Pufferspeicher
sowie der Wasservoratsbehälter
Desorptionsbetrieb
Für die Desorption, also das energetische Beladen des Sorptionsspeichers,
werden die Sorptionsspeicher durch die Solaranlage beheizt. Hier werden Temperaturen
bis etwa 90°C benötigt, um einen sehr niedrigen Wassergehalt des Silikagels
zu erzielen. Der Wasserdampf muss dann kondensiert werden. Dies wurde bei der
Pilotanlage durch Kühlen des Kondensatorwärmetauschers aus dem unteren
Bereich des Pufferspeichers oder nachts über Wärmeabgabe der Kollektoren
erreicht.
Adsorptionsbetrieb
Der kritischere Betriebsmodus ist die Adsorption. Gemäß dem Regelkonzept
der Pilotanlage wird in der Heizsaison mit der Solaranlage der Pufferspeicher
beheizt. Reicht hier die Temperatur aus, um damit direkt den Heizkreis zu versorgen,
funktioniert das System wie eine ganz normale Kombianlage. Sobald die Temperatur
im Pufferspeicher aber unter einen kritischen Wert sinkt, wird das Wasser im
Pufferspeicher genutzt, um damit den Verdampfer zu beheizen. Dazu wird vorher
aus dem Vorratsbehälter Wasser in den Verdampfer gepumpt. Das Wasser verdampft
und gelangt in einen der beiden Sorptionsspeicher. Dort steigt die Temperatur
aufgrund der freiwerdenden Adsorptionswärme und Energie kann in den Heizkreis
abgeführt werden.
Durch die Materialeigenschaften der Stoffpaarung Silikagel – Wasser ist
der Anteil der durch die Bindungskräfte wirklich gespeicherten Energie
gering. Der Großteil der Energie, die dem Sorptionsspeicher entnommen
werden kann, muss bei der Verdampfung zur Verfügung gestellt werden, wenn
auch auf niedrigem Temperaturniveau.
Ein wichtiger Parameter für den Betrieb und die Energiebilanz eines Sorptionsspeichers
ist der erreichbare Temperaturhub. Der Temperaturhub ist die Temperaturdifferenz
zwischen Verdampfer und Sorptionsspeicher und ist in erster Linie abhängig
vom aktuellen Wassergehalt des Sorptionsmediums, wie in Abbildung 4 zu sehen
ist, und in geringem Maß vom Dampfdruck. Bei sehr geringem Wassergehalt
(hoher energetischer Beladungszustand des Speichers) ist der Temperaturhub sehr
groß. Das bedeutet, dass selbst bei sehr niedrigen Verdampfungstemperaturen
eine ausreichende Temperatur im Sorptionsspeicher erreicht werden kann. Je mehr
Wasser schon adsorbiert ist, desto kleiner wird der Temperaturhub. Bei hohem
Wassergehalt kann zwar immer noch etwas Wasser adsorbiert werden, aber der Temperaturhub
ist so klein, dass es von der Energiebilanz her keinen Sinn macht, weiter zu
adsorbieren.
Abbildung 4: Temperaturhub der Materialpaarung Silikagel – Wasser (bei 23 mbar Dampfdruck)
Beim Adsorptionsvorgang muss der Speicher durch Adsorption von Wasserdampf
zunächst auf ein nutzbares Temperaturniveau gebracht werden. Nach Beendigung
der Adsorption (wenn z.B. keine Heizenergie mehr benötigt wird oder der
Solarertrag direkt aus dem Pufferspeicher genutzt werden kann) kühlt der
Speicher wieder aus. Dadurch entstehen erhebliche sensible Speicherverluste.
Diese Faktoren bewirken, dass es energetisch keinen Sinn macht, den Sorptionsspeicher
mit einem geringen Temperaturhub zu betreiben. Weiters müssen noch die
nicht unbeträchtlichen Temperaturdifferenzen der Wärmetauscher vom
theoretischen Temperaturhub in Abzug gebracht werden. Die Wassergehaltbandbreite,
die energetisch sinnvoll genutzt werden kann, ist daher wesentlich kleiner als
die theoretisch mögliche. Dadurch reduziert sich auch die mit einem solchen
Speicher erreichbare Energiedichte.
Ein weiterer Nachteil des Sorptionsmaterials ist dessen geringe Wärmeleitfähigkeit.
Dies führt zu schlechter Wärmeübertragung vom Speichermedium
Silikagel auf den Wärmetauscher und damit zu geringen Leistungen, die dem
Speicher entzogen werden können.
Schlussfolgerung
Der große Vorteil von Sorptionsspeichern gegenüber Wasserspeichern
ist die Möglichkeit durch die räumliche Trennung der beiden Medien
verlustfrei zu speichern. Die 'gespeicherte’ Energie kann aber nur dann
sinnvoll genutzt werden, wenn der Wärmepumpeneffekt (Temperaturhub) groß
genug ist, um die oben genannten Nachteile des Sorptionsspeichers überzukompensieren.
Die Erfahrungen mit der Pilotanlage haben gezeigt, dass das Sorptionsspeicherprinzip
zwar grundsätzlich funktioniert und auch in einer realen Anlage umsetzbar
ist, dass aber die Materialpaarung Silikagel – Wasser nicht geeignet ist,
um eine wesentlich bessere solare Deckung zu erreichen als mit einer konventionellen
Pufferspeicheranlage der gleichen Größenordnung.
Aufgabe von Folgeprojekten wird es daher sein, eine Materialpaarung zu finden,
die hinsichtlich folgender Kriterien optimiert ist:
Danksagung
Das Projekt MODESTORE wurde im Rahmen der Programmlinie Haus der Zukunft vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie sowie von den Firmen Solution Solartechnik GmbH und Pink Behältertechnik GmbH finanziert.
*) DI Dagma Jähnig, DI Robert Hausner, Ing. Waldemar Wagner, DI Charlotta Isaksson sind Mitarbeiter der AEE-INTEC, d.jaehnig@aee.at, www.aee-intec.at [^]