Neue Wege in der Solarthermie
Speicher
Das EU Projekt NEGST [1] „New generation of solar thermal
systems“ hat zum Ziel als europäisches Netzwerk von Industrie und
Forschungsinstitutionen die Entwicklung von Solarthermischen Anlagen weiterzutreiben,
um Produkte auf dem Markt zu etablieren, die im Wettbewerb mit konventionellen
Heizsystemen konkurrieren können.
Neuentwicklung eines Solarkombi-Kompaktsystems
Von Alexander Thür und Simon Furbo*
Mit ähnlichem Ansatz und in Kooperation mit NEGST wurde in Skandinavien
das Projekt REBUS – „Competitive solar heating systems for residential
buildings” [2] mit dem Ziel gestartet, in Zusammenarbeit mit Industriepartnern
neue Konzepte für wettbewerbsfähige Solarkombisysteme für Einfamilienhäuser
zu entwickeln, als Prototypen zu bauen und im Labor sowie in Demonstrationshäusern
zu testen. Entsprechend den nationalen Randbedingungen konzentrieren sich die
Arbeiten in den Partnerländern Schweden und Lettland auf Solarkombisysteme
in Kombination mit Pelletkessel, in Norwegen und Dänemark werden Solarkombisysteme
in Kombination mit Gasthermen entwickelt.
Um wettbewerbsfähig zu sein, bedarf es aber nicht nur der Konkurrenzfähigkeit
hinsichtlich Investitionskosten bzw. Betriebskosten. Auch Verkaufsargumente
wie ein attraktives Design des Produktes, Komfortfunktionen oder niedrigere
Emissionen sind von Bedeutung.
Randbedingungen
Das in Dänemark entwickelte Konzept für ein Solarkombi-Kompaktsystem mit einer Gasbrennwerttherme als Zusatzheizung ist mit kleinen Abwandlungen auch die Basis für die Partner in Schweden und Lettland für die Solarkombisysteme in Kombination mit Pelletkessel [3]. Nach einer Analyse des dänischen Marktes und aus den Erfahrungen der IEA SHC Task26 [4] und anderen Projekten wurden als wesentliche Randbedingungen folgende Punkte identifiziert:
Aufbau des Kompaktsystems
Basierend auf diesen Vorgaben wurde ein Konzept entwickelt. Abbildung 1 zeigt die vorgefertigte Einheit mit der integrierten Gastherme im oberen Teil und der Hydraulikeinheit (Pumpengruppen, Wärmetauscher, etc) darunter. In Abbildung 2 ist das Technikmodul mit der Gastherme und der Hydraulikgruppe darunter dargestellt. Rechts im Bild ist der 300-Liter Solarspeicher für Tests zu erkennen.
Abbildung 1:
Hydraulik-Konzept des Solarkombi-Kompaktsystems
Abbildung 2:
Der Prototyp im Labor der DTU
Im Technikmodul sind neben der Regelung sämtliche Hydraulikkomponenten
wie Mischventil und Pumpe für die Heizung, die Frischwasserstation, das
Ausdehnungsgefäß für den Solarspeicher (bis zu ca. 400 Liter
Speichervolumen) sowie die komplette Solargruppe inklusive Ausdehnungsgefäß
(bis ca. 12 m² Kollektorfläche) installiert.
In einigen Punkten unterscheidet sich dieses Konzept nun wesentlich gegenüber
vielen herkömmlich gebauten Solarkombisystemen. Das Solarkombisystem besteht
aus zwei Einheiten, der komplett vormontierten „Technikeinheit“
in Form eines Schrankes passend zum 60x60cm Konzept der Haushaltsgeräte
und dem Solarspeicher, der passend zur Größe der Kollektorfläche
an das System angeschlossen wird. Die Technikeinheit kann vollkommen unabhängig
von Solarspeicher und Kollektor als Heizzentrale betrieben werden, dadurch besteht
die Möglichkeit einer Installation bzw. Investition in zwei Stufen. Ein
zentrales Regelgerät regelt die gesamte Heizanlage.
Zusatzheizung
Dank hoher Spitzenleistung und Reaktionsgeschwindigkeit der Gastherme entfällt
die Notwendigkeit, für die Warmwasserbereitung ein Bereitschaftsvolumen
auf Bereitschaftstemperatur zu halten. Dies reduziert die Verluste des Speichers
bzw. erhöht das Solarvolumen welches dem Kollektor zur Energieabgabe zur
Verfügung steht [5]. Des weiteren wird dadurch das durchschnittliche Temperaturniveau,
mit dem die Brennwerttherme betrieben wird, drastisch reduziert, was zu besseren
Kondensationsbedingungen und damit zu höheren Wirkungs- bzw. Nutzungsgraden
führt.
Das Technikmodul kann auch problemlos mit allen anderen Zusatzheizenergiequellen
wie Pelletkessel, Gasbrennwerttherme mit kleiner Leistung, Ölkessel, Wärmepumpe,
usw. kombiniert werden, die nicht die für die direkte Warmwasserbereitung
notwendige Leistung und Reaktionsgeschwindigkeit haben.
Entsprechend der verfügbaren Energiequelle wird die Raumheizung und die
Warmwasserbereitung unterschiedlich geregelt, um eine höchstmögliche
Effizienz der Komponenten sowie des Gesamtsystems zu erreichen. Bei Bedarf kann
das Regelgerät zur Optimierung des Betriebes der Gastherme kurzzeitig einen
Teil des Solarspeichers als Puffervolumen verwenden. Wichtig ist, dass dies
bei jeder je nach Betriebssituation gerade geforderten Vorlauftemperatur möglich
ist, d.h. es muss das Bereitschaftsvolumen nicht auf die hohe, für die
Warmwasserbereitung nötige Temperatur aufgeheizt werden. Dadurch werden
die Startzyklen und damit auch die Startemissionen bzw. Startspülverluste
entscheidend reduziert bzw. die Standzeiten der Zündeinheiten erhöht.
Dank kompakter und geschlossener Bauweise des Technikmoduls mit integrierter
Gasbrennwerttherme werden die Energieverluste minimiert bzw. zur Vorwärmung
der Verbrennungsluft rückgewonnen.
Simulationsergebnisse
Der wichtigste Vorteil dieses Konzeptes hinsichtlich Effizienz des Gesamtsystems
ergibt sich durch den Wegfall der Notwendigkeit, ein Bereitschaftsvolumen immer
auf Bereitschaftstemperatur zu halten. Der Vorteil dieser Strategie wurde mit
Hilfe von Simulationen untersucht.
Es wurde ein Einfamilienhaus in Niedrigenergiebauweise mit rund 1.500 kWh Warmwasserverbrauch
und 12.100 kWh Heizenergieverbrauch in Kombination mit 6 bzw. 20 m² Kollektorfläche
sowie 300 bzw. 1.000 Liter Solarspeicher simuliert. Als Lastprofile für
Warmwasserbedarf bzw. Heizlast wurden jene im Rahmen der IEA SHC Task26 definierten
Referenzprofile bzw. der Klimadatensatz von Stockholm verwendet.
Die klassische Betriebsstrategie war, das Bereitschaftsvolumen des Solarspeichers
mit dem Kessel immer auf 65°C warm zu halten, um daraus die Warmwasserbereitung
bzw. den Heizbedarf abdecken zu können.
Als alternative Betriebsstrategie wurde das selbe Bereitschaftsvolumen zwar
ebenfalls voll als Lastausgleichsspeicher für den Kesselbetrieb genutzt,
aber nicht auf ein spezifisches Temperaturniveau gehalten. Die Kesselvorlauftemperatur
wurde immer auf niedrigst möglichem Temperaturniveau gehalten, wie es zur
Deckung des Heizbedarfes bzw. des Warmwasserbedarfes gerade benötigt wurde.
Für die Warmwasserbereitung waren dies ebenfalls 65°C, für die
Heizung entsprechend der Außentemperatur geführten Vorlauftemperaturregelung.
Die wesentlichen Kennzahlen der Simulationsergebnisse sind in Tabelle 1 dargestellt.
| SCS klein | SCS klein | SCS groß | SCS groß | Referenz | ||
| Regelstrategie für Kesselvorlauf | VL = 65 °C | VL-flex | VL = 65°C | VL-flex | VL = 65 °C | |
| Kollektorfläche | m² | 6 | 6 | 20 | 20 | 0 |
| Pufferspeichervolumen | ltr | 300/90 | 300/90 | 1000/300 | 1000/300 | 300/90 |
| Kesselenergieabgabe | kWh | 13964 | 12469 | 11560 | 10195 | 15756 |
| Gesamtenergiebedarf (HZ+WW) | kWh | 13632 | 13605 | 13632 | 13620 | 13639 |
| Speicherverluste | kWh | 826 | 610 | 1334 | 1144 | 589 |
| Differenz | kWh | 216 | 190 | |||
| Differenz | % | 26% | 14% | |||
| Gesamtverluste | kWh | 2866 | 1619 | 3273 | 2297 | 2117 |
| Differenz | kWh | 1247 | 977 | |||
| Differenz | % | 44% | 30% | |||
| Kollektorertrag | kWh/m² | 430 | 466 | 268 | 287 | 0 |
| Differenz | kWh/m² | 36 | 19 | |||
| Differenz | % | 8% | 7% | |||
| Solarenergie in Speicher | kWh/m² | 333 | 377 | 234 | 255 | 0 |
| Differenz | kWh/m² | 44 | 21 | |||
| Differenz | % | 13% | 9% | |||
| Solarer Deckungsgrad I | % | 13% | 15% | 29% | 33% | 0% |
| Differenz | % | 23% | 16% | |||
| Solarer Deckungsgrad II | % | 13% | 24% | 31% | 41% | 0% |
| Differenz | % | 84% | 33% | |||
| Kessel-Ref - Kessel-SCS | kWh/m² | 299 | 548 | 210 | 278 | |
| Differenz kWh/m² | 249 | 68 | ||||
| Differenz | % | 83% | 33% |
Tabelle 1:
Ergebnisse der Simulationen
VL=65°C: Kesselvorlauftemperatur = konst. = 65°C, Bereitschaftsvolumen
wird auf 65°C gehalten
VL-flex: Kesselvorlauftemperatur = flexibel je nach Bedarf; das Bereitschaftsvolumen
wird zwar vom Kessel genutzt, aber nur mit der gerade angeforderten Vorlauftemperatur;
Pufferspeichervolumen: Gesamtvolumen / Bereitschaftsvolumen (=30%)
Alle spezifischen Energieangaben in [kWh/m²] beziehen sich auf die jeweilige
Kollektorfläche (6 / 20m²)
Solarer Deckungsgrad I = Solarenergie in Speicher / (Solarenergie in Speicher+Kesselenergie)
Solarer Deckungsgrad II = (Kessel-Ref – Kessel-SCS) / Gesamtenergiebedarf
Interpretation der Simulationsergebnisse
Sehr oft wird immer noch der Solarertrag einer Solaranlage als ein entscheidendes Kriterium für die Anlagenbewertung herangezogen. Die Simulationsergebnisse hier zeigen, dass der Kollektorertrag (Zeile 13-15) sich auf Grund der unterschiedlichen Betriebsstrategie um 8% bzw. 7% verbessert. Betrachtet man jedoch die wesentliche Kenngröße die letztendlich interessiert und dies ist die eingesparte Kesselenergieabgabe an das System im Vergleich zum Referenzsystem (Zeile 23-25), so sind die Unterschiede deutlich größer. So erhöht sich die eingesparte Kesselenergie umgelegt auf die Kollektorfläche beim kleinen System nur auf Grund der unterschiedlichen Betriebsweise um 83%, beim großen System immerhin noch um 33%, also bei beiden Anlagengrößen wesentlich stärker als der reine Kollektorertrag. Besonders bei klein dimensionierten Solarkombisystemen hat eine optimierte Systemtechnik in kompakter Bauweise also sehr große Auswirkungen auf die Gesamteffizienz der Anlage.
Ausblick
Weitere Simulationen mit Integration des Kesselwirkungsgrades sind geplant,
die insbesondere die Auswirkungen verschiedener Betriebsbedingungen auf die
Brennwertnutzung und Einschalthäufigkeit der Gas-Brennwerttherme untersuchen
sollen. Nach letzten Labortests wurde im Frühjahr 2006 ein erstes solches
Solarkombi-Kompaktsystem in einem Einfamilienhaus als Demonstrationsanlage eingebaut.
In Kombination mit weiteren Labortests und Auswertung der Messdaten der Demonstrationsanlage
wird das Regelkonzept weiter optimiert.
Das Rebus Projekt wird in Kooperation mit dem Industriepartner Metro Therm A/S
durchgeführt und durch Nordic Energy Research finanziert: www.nordicenergy.net
| Referenzen [1] NEGST Homepage: http://www.swt-technologie.de/html/negst.html [2] REBUS Homepage: http://energi.fysikk.uio.no/rebus/ [3] F. Fiedler, C. Bales, A. Thür, S. Furbo, The actual status of the development of a Danish/Swedish system concept for a solar combisystem, Northsun 2005, Vilnius, Lithuania [4] IEA SHC Task26: http://www.iea-shc.org/task26/index.html [5] E. Andersen, S. Furbo, Investigations of solar combisystems, ISES Solar World Congress 2005, Orlando, USA |
*) Dipl.-Ing. Alexander Thür Dr.Simon Furbo sind wissenschaftliche Mitarbeiter im "Department of Civil Engineering", Abteilung "Building Energy and Services" an der Technischen Universität Dänemark, alt@byg.dtu.dk, wwwbyg.dtu.dk [^]