Neue Wege in der Solarthermie
Speicher
Für
Personen, Gemeinden oder Behörden, die sich für eine nachhaltige Entwicklung
einsetzen, sind Niedrigenergiehäuser mit einem jährlichen Heizenergiebedarf
von 40 bis 45 kWh/m² vor allem in Kombination mit einer thermischen Solaranlage
interessant.
Neue
Speicherkonzepte für Niedrigenergiehäuser
IEA Task 32
In verschiedenen Ländern werden unterschiedliche Konzepte erfolgreich
umgesetzt, wie z.B. das Passivhaus in Deutschland oder das „Minergie-Haus“
in der Schweiz, das schon in 10% der Neubauten im Einfamilienhausbereich verwirklicht
wird. In Frankreich wird derzeit das Energie-Plus-Haus am Markt eingeführt,
das mehr Strom und Wärme produziert, als es benötigt. Hohe Dämmstandards,
qualitativ hochwertige Fenster, Wärmerückgewinnungsanlagen und passive
Systeme wie Abschattungsvorrichtungen verringern den Heiz- und Kühlenergiebedarf
des Gebäudes auf ein Viertel des Werts, der noch vor 20 Jahren Standard
war.
Eine energie- und kosteneffiziente Methode der Energiespeicherung, um die Solarenergie
über die Wintermonate zu speichern, fehlt noch. Die Task 32 ist Teil des
Programms für Solares Heizen und Kühlen der Internationalen Energieagentur
(IEA SHC). Das Hauptziel dieser Task ist es, neue oder verbesserte Konzepte
zu entwickeln, um thermische Solarenergie für Heizen oder Kühlen zu
speichern.
Ziele der Task
Inhalt der Task 32 ist die Entwicklung von Speicherkonzepten für Gebäude
mit Solaranlagen mit einem solarem Deckungsgrad bis zu 100%. Weiters sollen
Speicherkonzepte für nicht-solare Heiz- oder Kühltechnologien wie
z.B. Wärmepumpen oder Heizkessel mit fossilen Brennstoffen bereitgestellt
werden. Dadurch soll das Takten der Anlagen minimiert und der Schadstoffausstoß
durch unvollständige Verbrennung reduziert werden. Im Rahmen des Projekts
sollen Speicher entwickelt werden, die in bestehende thermische Anlagen für
Niedrigenergiehäuser wie Solaranlagen, Wärmepumpen oder Heizkessel
integriert werden können.
Die Task wurde im Juli 2003 gestartet und es war geplant, im Dezember 2006 die
Arbeiten abzuschließen. Aufgrund von unerwarteten Schwierigkeiten bei
der Durchführung von Labortests mit neuen Materialien und bei der Entwicklung
von Modellen von Speicherkonzepten wurde die Laufzeit um 12 Monate bis Dezember
2007 verlängert.
Organisation der Task
Die Task ist in vier Arbeitsgruppen, den sogenannten Subtasks gegliedert.
Subtask A beschäftigt sich mit der Erhebung von Daten und der Verbreitung
der Ergebnisse der Task. Die Leitung für die Subtask A liegt bei den schweizer
und den französischen Taskteilnehmern.
Dr. Chris Bales von SERC (Solar Energy Research Center) in Schweden ist der
Leiter der Subtask B. Die Inhalte der Subtask B sind Speichertechnologien, die
auf chemischen Reaktionen oder Sorption basieren.
Subtask C beschäftigt sich mit Phasenwechselmaterialien und wird von Univ.
Prof. Dr. Wolfgang Streicher von der TU-Graz geleitet. Die vierte Arbeitsgruppe,
die Subtask D, beschäftigt sich mit dem Thema „Wasser“ und
wird von Dipl.-Ing. Harald Drück von der Universität Stuttgart in
Deutschland geleitet.
Vergleichskriterien
Die Methode um die verschiedenen Systeme zu vergleichen, die in den drei anderen Subtasks definiert werden, basiert auf der sogenannten FSC-Berechnungsmethode. Diese wurde in vorhergehenden IEA SHC Tasks entwickelt und wird nun in der Task 32 modifiziert angewandt. Dabei ist es notwendig, Vergleichsdaten aus experimentellen Untersuchungen zu gewinnen.
Randbedingungen
Die Randbedingungen für die Computersimulationen wurden vom österreichischen Team erarbeitet. Zur Auswahl bei der Simulation stehen vier Klimata (Abbildung 1), drei Gebäudetypen und unterschiedlichste Heiz- und Kühlsysteme. Es wurde eine „Referenzsolaranlage“ definiert, die eine solare Kombianlage zur Warmwasserbereitung und Raumheizung darstellt. Somit können alle Speicherkonzepte mit den gleichen Randbedingungen simuliert werden. Die Simulationen erfolgen mithilfe des Simulationstools TRNSYS.
Abbildung 1: Es wurden vier Klimata für die Vergleichssimulationen der Speicherkonzepte festgelegt
Die Homepage der Task 32 wird laufend mit den neuesten Dokumenten aktualisiert. Sie dient als Plattform für den Informationstransfer für die Teilnehmer der Task mit über 150 Dokumenten, Präsentationen von Meetings und Artikeln. Auf der Homepage der IEA SHC www.iea-shc.org befindet sich der Link zur Task 32 und zu anderen aktuellen Tasks.
Subtask B: Sorption und chemische Speicherung
Im Rahmen der Subtask B werden anhand von fünf Projekten die Vorgänge
bei der De- und Adsorption in Speichern mit Sorptionsmaterialien untersucht.
Sorptionsspeicher sind komplexer als Wasserspeicher. In verschiedenen Projekten
wird der Einsatz von Sorptionsmaterialien als Wärmepumpe untersucht. Z.B.
in Schweden wurde der Thermo-Chemische-Akkumulator von der Firma Climate Well
entwickelt. Der Apparat kann Wärme und Kälte zur Verfügung stellen
und ist für den Einsatz in südeuropäischen Klima geeignet.
In Deutschland wird ein neuer Speicher entwickelt, in dem 8 m³ Zeolith
als Speichermaterial für ein Einfamilienhaus eingesetzt wird (Abbildung
2). Die Untersuchungen an diesem Speicher werden im Laufe des Jahres 2006 durchgeführt.
In Österreich wurde von der AEE INTEC im Jahr 2005 ein Speicher mit 1000
kg Silicagel für eine solare Kombianlage installiert. Die Anlage wird nun
für ein Jahr gemessen.
Abbildung
2: Im Projekt „Monosorp“
wird der Einsatz von Zeolith in Saisonspeichern untersucht
Subtask C: Speicher mit Phasenwechselmaterialen
Phasenwechselmaterialien (engl. Phase Change Materials, kurz PCM) nutzen zur
Wärmespeicherung die latente Wärme des Phasenübergangs zwischen
fest und flüssig (Schmelzwärme). Da beim Phasenwechsel große
Wärmemengen bei geringer bis keiner Temperaturänderung gespeichert
bzw. frei werden, finden PCMs zur Temperaturstabilisierung und für den
Bau von Wärmespeichern hoher Speicherdichte Verwendung (Heinz et al., 2006).
Im Rahmen der Subtask C wird der Einsatz von PCMs als Speichermedium untersucht
(Abbildung 3). Bei sechs Beispielen wird der Einsatz von Natriumacetat Trihydrat
als PCM analysiert. Die Arbeiten im Jahr 2005 beschäftigten sich in erster
Linie mit verschiedenen Systemkonzepten.
Abbildung 3: Der Einsatz von Speichern mit Phasenwechselmaterialien wird in Subtask C untersucht
Ein Nachteil der meisten Salzhydrate ist die Unterkühlung. Dies bedeutet, dass das Material beim Abkühlen nicht bei der eigentlichen Schmelztemperatur kristallisiert, sondern erst bei einer Temperatur, die teilweise weit tiefer liegt (Heinz et al., 2006). Die Modellierung des Unterkühlungseffekts („Super Cooling“) ist eine schwierige Aufgabe, die von zwei Teams gelöst werden soll. Die Modelle sind noch nicht vollständig entwickelt, erste Ergebnisse konnten jedoch bereits erzielt werden. Das dänische Projektteam konnte in einer theoretischen Studie mit Hilfe eines vereinfachten Modells zeigen, dass saisonale Speicher von diesem Effekt auch profitieren können. Dieser Vorteil wirkt sich in einer Verringerung des Speichervolumens um 30% aus.
Subtask D: Wasserspeicher
Im Rahmen der Subtask D wurde ein Bericht über Wasserspeicher für
solare Kombianlagen veröffentlicht. Im Bericht wurden die Möglichkeiten
der Verbesserung des solaren Energieeintrags, die bessere Integrationsmöglichkeit
des Speichers in das System und die kombinierte Nutzung von Wasser und Phasenwechselmaterialien
erläutert. Weiters wurde der Einsatz von Computermodellen zur Berechnung
von strömungsdynamischen Prozessen untersucht. Durch die Vereinfachung
der Systeme und den Einsatz von Kunststoffen soll eine Kostenreduktion erzielt
werden. In einer dänischen Studie wurden drei Modelle von Speichern untersucht
und Empfehlungen für die Umsetzung dokumentiert.
Von den schweizer Teilnehmern wurden 11 solare Kombianlagen verglichen. Die
Ergebnisse der Studie waren detaillierte Daten, die ein genaueres Anlagendesign
ermöglichen. Für die Jahre 2006 und 2007 wurde den deutschen Teilnehmern
der Subtask D die Finanzierung für ihre Arbeit an der Entwicklung von Speichermodellen
zugesichert. Hier konnte die Universität in Kassel als neuer Projektpartner
gewonnen werden.
Schlussfolgerungen
Die Speicherung von thermischer Energie ist ein wesentlicher Punkt, um die
Leistung von Solaranlagen zu erhöhen. Der Einsatz von Phasenwechselmaterialien
(PCM) in Kombination mit Wasser als Speichermedium ist derzeit die vielversprechendste
Variante. Durch den Einsatz von PCM soll die Speicherkapazität um das Dreifache
gegenüber der Speicherkapazität von Wasser erhöht werden.
Neue Speichertechnologien können dazu beitragen, die Effizienz von Feuerungsanlagen
zu erhöhen und die Taktzahl zu verringern. Auch bei der Entwicklung von
Klimageräten sind die Entwicklungsarbeiten im Bereich der Energiespeicherung
von Vorteil.
Die Arbeit der Task 32 der Internationalen Energieagentur bringt mit den Forschungsarbeiten
auf dem Gebiet der Energiespeicherung neue Entwicklungen. Diese neuen Technologien
werden ihren Einsatz im Bereich der thermischen Solarenergienutzung und energieeffizienten
Heizungsanlagen finden.
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*) Jean-Christophe Hadorn ist Operating Agent der IEA SHC Task 32 und Mitarbeiter des Schweizer Bundesamts für Energie, Groupe Berney - BASE Conultants SA, jchadorn@baseconsultants.com [^]