Photovoltaik im Aufschwung
Thema
Quelle:
ertex-solar
Im Jahre 2005 hat der Markt für Netzgekoppelte PV-Anlagen in Österreich - bedingt durch die Begrenzung der bundesweiten Unterstützung auf eine Leistung von 15 MWp für PV-Ökostrom - weiterhin stagniert und wurde im wesentlichen nur von den Landesförderungen, vorrangig in Oberösterreich, bestimmt. Andererseits sind Produktion und Exportanteil von Solarmodulen weiter gestiegen, vorrangig nach Deutschland mit den attraktiven Einspeisetarifen.
Der Photovoltaikmarkt in Österreich 2005
Im Jahre 2005 hat der Markt für Netzgekoppelte PV-Anlagen in Österreich
- bedingt durch die Begrenzung der bundesweiten Unterstützung auf eine
Leistung von 15 MWp für PV-Ökostrom - weiterhin stagniert
und wurde im wesentlichen nur von den Landesförderungen, vorrangig in Oberösterreich,
bestimmt. Andererseits sind Produktion und Exportanteil von Solarmodulen weiter
gestiegen, vorrangig nach Deutschland mit den attraktiven Einspeisetarifen.
Außerdem konnte der Umsatz im Bereich der Photovoltaik - Wechselrichter
sowie der Einkapselung von Solarzellen im Jahre 2005 weiter ausgebaut werden,
überwiegend für den Export. Eine neue Firma wurde in Tirol gegründet,
mit Spezialisierung auf den Sonnenstand nachgeführte PV-Anlagen, mit nahezu
100% Exportanteil. In diesem Bereich wurden insgesamt 420 Jahresarbeitsplätze
neu geschaffen.
Die Marktsituation auf dem Gebiete der photovoltaischen Systeme wird für
Österreich seit 1992 erhoben (Gerhard Faninger: "Der Photovoltaikmarkt
in Österreich", Jahresberichte 1992 bis 2005). Die Daten werden über
Befragung der in Österreich tätigen Produktions- und Vertriebsfirmen
für photovoltaische Systeme erfasst (Verkaufszahlen). In die Marktstatistik
aufgenommen werden photovoltaische Systeme mit einer Nennleistung >200 Wp,
und kleinere Anlagen nur dann, so ferne sie im Bereich öffentlichen Interesses
liegen, wie z. B. für Warn- und Messanlagen bzw. Solarpaneele für
Berg- und Schutzhütten sowie Einrichtungen, die der Verkehrssicherheit
dienen. Andere Kleingeräte (200 Wp) werden von den Vertriebsfirmen
geschätzt. Zusätzlich wurden Netzgekoppelte Photovoltaikanlagen bis
zum Jahre 2002 bei den zuständigen Energieversorgungsunternehmen (Netzbetreiber)
nachgefragt. Seit 2003 und mit Inkrafttreten des Ökostromgesetzes werden
Netzgekoppelte PV-Anlagen betreffend der Einspeisetarife über das Ökostromgesetz
geregelt und über drei „Regelzonenführer“ (Öko-Bilanzgruppenverantwortliche;
Öko-BGV) zusammengestellt und an die E-Control gemeldet.
Die Einspeisetarife für Netzgekoppelte Photovoltaik-Anlagen werden in Österreich
– einheitlich für alle Bundesländer - über das seit 1.1.2003
geltende Ökostromgesetz geregelt. Bis Ende 2005 war die maximale Engpassleistung
der von den Regelzonenführern zu unterstützenden PV-Anlagen mit 15
MW begrenzt, ein Wert, der bereits im Jahre 2003 nahezu erreicht wurde.
Neben dem Ökostromgesetz werden Netzgekoppelte PV-Anlagen jedoch auch auf
Landesebene, zumeist mit Investitionszuschüssen, unterstützt. Teilweise
geben diese Anlagen ihre Energie ebenfalls dem Öko-BGV ab. Es gibt jedoch
ebenso PV-Anlagenbetreiber, welche den produzierten Strom am freien Markt anbieten.
Somit stellen die von den Öko-BGV ausgewiesenen Photovoltaikanlagen kein
vollständiges Bild der tatsächlich in Österreich installierten
Netzgekoppelten Photovoltaik-Anlagen dar. Für diese Anlagen besteht auch
keine Meldepflicht im Rahmen der Energiestatistik, da die Engpassleistung unter
1 MW liegt.
Für das Jahr 2003 erfolgte die Erhebung der Netzgekoppelten PV-Anlagen
über die Regelzonenführer. Für das Jahr 2004 und 2005 wurden
zusätzlich Informationen in den Bundesländern eingeholt, in denen
Investitionszuschüsse für Netzgekoppelte Photovoltaik-Anlagen gewährt
werden (Oberösterreich, Niederösterreich und Wien).
Die Einteilung der photovoltaischen Systeme bezieht sich auf:
Abbildung 1: Photovoltaik-Markt in Österreich 2005, Produktion, Import, Export und Inlandsmarkt
Produktion, Import, Export und Inlandsmarkt 2005
An der Erstellung des Marktberichtes haben sich 15 Firmen aus Österreich
beteiligt. Mit der Produktion sind derzeit zwei Firmen befasst, 13 Firmen vertreiben
Importprodukte, neun Firmen haben exportiert und 14 Firmen waren am Inlandsmarkt
zusätzlich mit Planung und Installation tätig.
Der Personaleinsatz bei den PV-Firmen in Österreich – Produktion,
Vertrieb, Planung und Installation - wird von diesen mit etwa 120 Personen-Jahre
für das Jahr 2005 angegeben.
Dazu kommen noch Firmen, welche sich mit speziellen Techniken der Photovoltaik
befassen, wie Einkapselung von Solarzellen (Jahresproduktion 650 MW, von denen
640 MW exportiert wurden), Herstellung von Wechselrichtern (ca. 50.000 Stück
mit 98% Exportanteil).
Im Jahre 2005 wurden in Österreich 5.700 kWp Solarmodule produziert,
6.250 kWp wurden importiert, 8.989 kWp wurden exportiert
und der Inlandsmarkt betrug 2.961 kWp; Abb. 1. Die Vergleichszahlen
für 2004 betrugen: Produktion 3.621 kWp, Import 3.659 kWp,
Export 4.933 kWp und Inlandsmarkt 2.347 kWp.
Im Jahre 2005 wurden in Österreich insgesamt 2.961 kWp Modulleistung
verkauft bzw. installiert, von denen 2.711 kWp auf Netzgekoppelte PV-Anlagen
(91,6%) und 250 kWp auf Autarke PV-Anlagen und Kleingeräte (8,4%) entfallen.
Der bevorzugte Solarzellentyp am Inlandsmarkt war im Jahre 2005 die polykristalline
Solarzelle mit 57,6%, gefolgt von der monokristallinen Solarzelle mit 39,1.
Die in einem Vertragsverhältnis zum Öko-BGV stehenden Netzgekoppelten
PV-Anlagen werden von den Regelzonenführern ermittelt. In den Daten sind
auch jene PV-Anlagen enthalten, welche zwar in die Ökobilanzgruppe einspeisen,
aber nur mit dem Marktpreis vergütet werden (§10 (2) Ökostromgesetz).
Nicht enthalten sind in dieser Aufstellung jene PV-Anlagen, die ihre Energie
einem anderen Marktteilnehmer (z.B. Ökostrom AG, derzeit etwa 2,2 MW) anbieten,
die erzeugte Energie selbst verbrauchen (z.B. über Bundesländer-Investitionsförderung
errichtet wurden, insbesondere in Oberösterreich) oder auch Inselanlagen.
Nach Firmenmeldungen - basierend auf Verkaufszahlen - wurden im Jahre 2005 weitere
Solarmodule verkauft, die nur zum Teil bereits installiert wurden und auf eine
Änderung des Ökostromgesetzes und einer Erhöhung der mit 15 MW
festgelegten Höchstgrenze für die Ökostrom-Vergütung von
PV-Anlagen hofften.
Ökostrom-Einspeisemengen und Vergütungen
Die Ökostrom-Einspeisemengen und Ökostromvergütungen sind für
das Jahr 2005 in den Abbildungen 3 und 4 zusammengestellt. Die Einspeisemengen
für alle Ökostrom-Anlagen (inklusive Kleinwasserkraft) betrugen im
Jahre 2004 5.439 GWh und im Jahre 2005 5.759 GWh, das entspricht einen Zuwachs
um 6% von 2004 auf 2005. Die Einspeisemengen von Netzgekoppelten Photovoltaik-Anlagen
betrugen im Jahre 2004 rund 12 GWh und im Jahre 2005 rund 13 GWh, entsprechend
einem Jahreszuwachs von 8%. Der Anteil von PV-Strom an allen Ökostromanlagen
lag im Jahre 2004 und im Jahre 2005 jeweils bei 0,22%.
Für die Netzgekoppelten PV-Anlagen ergibt sich von 2004 auf 2005 eine Erhöhung
des Einspeisetarifvolumen von 12%, von 7,5 Mio Euro im Jahre 2004 auf 8,4 Mio
Euro im Jahre 2005. Im Jahre 2004 lag die Vergütung von PV-Anlagen bei
2,48% der gesamten Vergütung für Ökostromanlagen, und im Jahre
2005 bei 2,72%. Die Durchschnittsvergütung für PV-Strom betrug im
Jahre 2004 65,16 Cent/kWh und im Jahre 2005 65,17 Cent/kWh.
Förderung von Autarken Photovoltaikanlagen in Gewerbe- und Industriebetrieben
Autarke PV-Anlagen in Gewerbe- und Industriebetrieben werden in Österreich über die Umweltförderung im Inland des Lebensministeriums, abgewickelt durch die Kommunalkredit Public Consulting, finanziell unterstützt. Die in den Jahren 2002 bis 2005 geförderten PV-Anlagen - vorwiegend zum Einsatz in Almhütten - betragen insgesamt nur 34,2 kWp.
Marktentwicklung von Photovoltaik-Anlagen in Österreich
Die Marktentwicklung von Photovoltaik-Anlagen in Österreich wird für
den Zeitraum 1993 bis 2005 in Abbildung 5 (jährlich installierte Solarmodul-Leistung,
kWp ) illustriert. Die jährlich erhobenen Marktzahlen beruhen auf Firmenmeldungen
(Verkaufszahlen), im Falle von Netzgekoppelten PV-Anlagen abgestimmt mit Meldungen
der Elektrizitätsunternehmen (bis zum Jahre 2001) und ab 2002 in Abstimmung
mit E-Control bzw. deren Regelzonenführer. Außerdem wurden Daten
über die für die Förderung von Netzgekoppelten PV-Anlagen in
den Bundesländern zuständigen Stellen erhoben.
Der starke Jahreszuwachs von 2001 auf 2002 war bedingt durch eine großzügige
Einspeiseverordnung im Bundesland Vorarlberg, der noch größere Jahreszuwachs
von 2002 auf 2003 ist auf das Inkrafttreten des Ökostromgesetzes mit garantierten
Einspeisetarifen zurückzuführen, und der Rückgang der Jahreszuwachsraten
ab dem Jahre 2004 liegt im Erreichen der im Ökostromgesetz festgelegten
Förder-Höchstgrenze von 15 MW begründet.
Ende 2005 lag die - aus Verkaufszahlen abgeleitete - installierte Leistung von
Netzgekoppelten PV-Anlagen in Österreich bei 21.126 kWp und für
Autarke Anlagen und Kleingeräte bei 2.895 kWp.
Die Zuordnung der Netzgekoppelten Photovoltaik-Anlagen nach Bundesländern
mit Stand 31.12.2005 ergibt folgendes: Nach der installierten Modulleistung
führt Vorarlberg mit 41%, gefolgt von Oberösterreich mit 24%, Kärnten
mit 12%, Salzburg mit 7%, Steiermark mit 6%, Niederösterreich mit 5%, Wien
und Salzburg mit je 2% und Burgenland mit 1%.
Ein Vergleich der aus verschiedenen Quellen für Ende 2005 abgeleiteten
installierten Leistung von Netzgekoppelten Photovoltaikanlagen in Österreich
führt zu dem folgenden Ergebnis:
(1) Gemäß §7 Ökostromgesetz anerkannte PV-Anlagen: 29,65
MW
(2) Ökostromanlagen im Vertragsverhältnis mit Öko-BGV: 15,258
MW
(3) Über Bundesländer und Ökostrom-Anbieter finanzierte PV-Anlagen:
ca. 4,9 MW
(4) Aus Verkaufszahlen abgeleitete PV-Anlagen: 21,126 MW.
Die aus den Verkaufszahlen – seit 1992 ermittelt – abgeleitete installierte Leistung von Netzgekoppelten PV-Anlagen lag Ende 2005 um ca. 800 kW höher als aus den Daten nach (2) und (3) abgeleitet wird. Diese Diskrepanz könnte darauf zurückzuführen sein, dass mit Ende 2005 verkaufte PV-Module noch nicht installiert bzw. als Ökostromanlagen angemeldet wurden, da von Seiten der Investoren eine Änderung des Ökostromgesetzes mit einer Erhöhung der mit 15 MW festgelegten Höchstgrenze abgewartet wird. Es könnten aber auch ältere PV-Anlagen, welche vor 1997 als Demonstrationsanlagen errichtet und bereits ausfinanziert wurden nicht als Ökostromanlagen angemeldet worden sein.
Stromertrag von Photovoltaik-Anlagen
Von den mit Stichtag 31.12.2005 im Vertragsverhältnis mit Öko-BGV
stehenden Netzgekoppelten Photovoltaik-Anlagen wurden im Jahr 2005 insgesamt
12,922 GWh elektrische Energie eingespeist. Der spezifische Stromertrag –
bezogen auf die Modulleistung – liegt zwischen 444 kWh/ kWp
(Niederösterreich) und 981 kWh/kWp (Kärnten). Der große
Unterschied ist insbesondere darauf zurückzuführen, dass in Niederösterreich
und Oberösterreich über Investitionsförderung errichtete PV-Anlagen
nur den nicht selbst verwendeten Strom in das Netz der Ökobilanzgruppe
einspeisen, während in den anderen Bundesländern - ohne Landesförderung
- der gesamte erzeugte Strom als „Ökostrom“ mit entsprechender
Vergütung der Ökostrombilanzgruppe angeboten bzw. in das Netz einspeist
wird.
Um den von PV-Anlagen tatsächlich erzeugten Strom auszuweisen, wird im
Folgenden von Messdaten und Simulationen ausgegangen und damit das „Regelarbeitsvermögen“
einer PV-Anlage abgeleitet.
Messungen an 106 Netzgekoppelten PV-Anlagen im Jahre 2005 im Bundesland Kärnten
führten zu einem Jahresmittelwert von 984 kWh/kWp. Die Auswertung
von 110 Netzgekoppelten PV-Anlagen in Österreich – mit dem Schwerpunkt
Oberösterreich – ergaben für das Jahr 2004 einem mittleren Jahreswert
von 803,45 kWh/ kWp (siehe Abbildung 6).
Für die Energiebilanzierung von Netzgekoppelten Photovoltaikanlagen in
Österreich wurde eine für Österreich durchschnittliche Stromausbeute
von 850 kWh/kWp angenommen. Mit dieser Annahme ergibt sich für
in Österreich Ende 2005 installierte Netzgekoppelte PV-Anlagen - aus Verkaufszahlen
abgeleitet - ein Jahres-Stromertrag von 17,957 GWh/Jahr.
Für Autarke Photovoltaikanlagen wird ein spezifischer Stromertrag von 400
kWh/kWp angenommen. Daraus ergibt sich ein Jahreswert von 1,158 GWh/Jahr.
Abbildung 2: Netzgekoppelte Photovoltaikanlagen im Vertragsverhältnis mit Öko-BGV, Installierte Leistung, Quelle: E-Control
Abbildung 3: Ökostrom-Einspeisemengen im Jahre 2005, Quelle: E-Control
Abbildung 4: Ökostrom-Einspeisetarifvolumen im Jahre 2005, Quelle: E-Control
Abbildung 5: Marktentwicklung der Photovoltaik-Anlagen in Österreich, 1992 – 2005 (jährlich installierte Solargenerator-Leistung), Quelle: Faninger
Abbildung 6: Spezifischer Stromertrag von Netzgekoppelten PV-Anlagen in Österreich (Quelle: oekostrom AG und arsenal research), Quelle: oekostrom AG und arsenal research
| Literatur
|
*) Univ.-Prof. Dipl.-Ing. Dr. mont. Gerhard Faninger, Fakultät für Interdisziplinäre Forschung udn Fortbildung, iff, Universität Klagenfurt, Abteilung für Weiterbildung udn systematische Interventionsforschung, gerhard.faninger@uni-klu.ac.at [^]