Photovoltaik im Aufschwung
Forschung und Entwicklung
Quelle:
ertex-solar
Die organische Photovoltaik ist in den letzten Jahren immer mehr in den Blickpunkt der internationalen Forschungen geraten. Die Arbeiten zielten auf die Verbesserung des Wirkungsgrades ab. Es konnte gezeigt werden, dass die Erreichung eines Wirkungsgrades von 5 % realistisch ist. Die organische Photovoltaik ist eine zukunftsträchtige Technologie mit neuen Anwendungsmöglichkeiten und neuen Marktchancen.
Industrielle Aspekte der organischen Photovoltaik
Die klassische Photovoltaik hat im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energietechnologien
eine unvorteilhafte Kostenstruktur. Der kostenintensivste Faktor bei der Herstellung
sind teure Halbleitertechnologien. Photovoltaikelemente, die basierend aus dünnen
Kunststoffträgern durch Aufdruck und Beschichtung vom Band gefertigt und
dann übereinander geschichtet werden können, sind daher vom Kostenstandpunkt
aus gesehen sehr attraktiv. Um diese Anforderungen zu erfüllen, müssten
Anlagen für die Beschichtung von großen Mengen mit kostengünstigem
Ausgangsmaterial errichtet werden. Mit flüssigen organischen und anorganischen
Halbleitern kann dies erreicht werden.
Die Vorteile von organischen Halbleitern sind:
Am Energiemarkt wird der Wettbewerb jeder Solartechnologie durch die Faktoren Wirkungsgrad, Lebensdauer und Kosten je Watt p bestimmt. Kann ein Produkt nur zwei Punkte erfüllen, z.B. wettbewerbsfähige Kosten und einen guten Wirkungsgrad, wird es nur bei Nischenanwendungen zum Einsatz kommen, so lange nicht der dritte Punkt, in diesem Fall die Lebensdauer, verbessert wird.
Organische Halbleiter
Die meisten organischen Halbleiter sind eigenleitende Halbleiter. Photovoltaikzellen, die aus einzelnen organischen Halbleitern hergestellt werden, erreichen nur minimale Wirkungsgrade. 1995 konnte von mehreren Forschungsgruppen unabhängig von einander gezeigt werden, dass der Wirkungsgrad durch die Vermischung von zwei Materialien mit je einer Präferenz für positive und negative Ladung verbessert werden kann [1, 2, 3]. Bei der Vermischung von Materialien auf Nanometerebene sind die Schnittstellen in der ganzen Zelle verteilt. Dieses Konzept wurde unter dem Namen „Bulk Heterojunction Composites“ (Zusammensetzung mit Mehrfachschnittstellen) bekannt [4].
Wirkungsgrad
Der Wirkungsgrad ist der entscheidende Parameter für Solarzellen. Bei
einem niedrigen Wirkungsgrad ist eine größere aktive Fläche
nötig, um die gleiche Energie zu erzeugen. Ein minimaler Zellenwirkungsgrad
von 10 % und ein Modulwirkungsgrad von 5 % sind notwendig, um am Markt wahrgenommen
zu werden. Abbildung 1 zeigt einen typischen Verlauf der Stromstärke gegen
die Spannung einer auf Polymeren basierenden Zelle mit Mehrfachschnittstellen
mit ca. 5 % Wirkungsgrad, was deutlich unter dem Wirkungsgrad von anorganischen
Photovoltaikzellen aber auch unter dem Wirkungsgrad von auf flüssigen Elektrolyten
basierenden TiO2 Zellen liegt. Es stellt sich die Frage, ob auf Polymeren basierende
Zellen das Potenzial haben, einen höheren Wirkungsgrad zu erreichen, oder
ob es sich um eine grundsätzliche Limitierung handelt.
Um die maximal möglich erreichbare Effizienz von organischen Solarzellen
abzuschätzen, ist es wichtig die Verlustmechanismen zu kennen. Die dazu
aussagekräftigen Messgrößen, sind die externe Quanteneffizienz
(EQE), die aus dem Verhältnis der einfallenden Photonen zu den generierten
Ladungsträgern bestimmt wird und die interne Quanteneffizienz (IQE), die
aus dem Verhältnis der absorbierten Photonen zu den generierten Ladungsträgern
gebildet wird. Für organische Solarzellen konnten EQE Wirkungsgrade von
über 75 % über einen großen Bereich des Spektrums erreicht werden,
bei gleichzeitigen IQE Wirkungsgraden von nahe bei 100%. Das zeigt, dass die
im Vergleich zu anorganischen Halbleitern niedrigere Beweglichkeit von organischen
Halbleitern kein limitierender Faktor ist [5] und organische Solarzellen das
gleiche Potential wie inorganische Solarzellen haben. Eine neue Studie über
die Verluste bei polymerischen Zellen [6, 7] zeigte auf, dass die Verluste in
erster Linie auf Absorptionsverlusten in den Elektroden, nicht perfekten Dioden
und auf Materialunreinheiten zurückzuführen sind. Wenn diese Beschränkungen
überwunden werden können, sind kurzfristig Wirkungsgrade von 7 % und
mittelfristig über 10% erreichbar [7].
Abbildung 1: Stromstärke gegen die Spannung einer auf Polymeren basierenden Zelle mit Mehrfachschnittstellen
Lebensdauer
Nach dem Wirkungsgrad ist die Lebensdauer der zweitwichtigste Parameter. Aufgrund der hohen Kosten von anorganischen Photovoltaikzellen liegt ihre Amortisationszeit bei ca. 20 Jahren (ohne Förderungen). Für Niedrigpreiszellen werden Lebensdauern von 3 – 5 Jahren angesetzt. Dies stellt eine typische Lebensdauer von elektronischen Geräten dar, die durch Photovoltaikzellen betrieben werden könnten.
Abbildung 2: Messung des Wirkungsgrades einer polymerbasierenden Solarzelle über die Lebensdauer
Abbildung 2 zeigt eine temperaturbeschleunigte Lebensdaueranalyse einer polymerbasierenden
Solarzelle, getestet unter Bedingungen analog zu den IEEE Normen für Si.
Diese Systeme erreichen die geforderte Lebensdauer von 1000 Stunden bei einer
Degradation von weniger als 80%. Beschleunigte Lebensdaueranalysen mit Temperaturen
bis 85 °C werden deshalb durchgeführt, um eine Lebensdauer innerhalb
einer vernünftigen Testzeit zu erhalten. Die Abbildung 2 zeigt eine Abnahme
des relativen Wirkungsgrades um 20 % innerhalb der ersten 1000 Stunden. Der
genaue Beschleunigungsfaktor der getesteten Materialkombination ist nicht bekannt,
typische Faktoren liegen zwischen 15 und 40 bei den vorliegenden Temperaturen.
Weitere IEEE Tests wie den „damp heat“ Test (1000 Stunden bei 65°C)
oder den „high temperature storage“ test (1000 h, 85°C) passieren
die organischen Solarzellen bereits ohne sichtbare Degradation.
Diese Ergebnisse sind vielversprechend, jedoch sind weitere Untersuchungen zur
UV-Beständigkeit und zur Beständigkeit der Folien notwendig.
Kosten
Seit die vielversprechenden Entwicklungen im Bereich der polymerischen optoelektronischen
Materialien in den letzten Jahren zu ersten kommerziellen Umsetzungen geführt
haben (OLED- und PLED-Bildschirme), wurde die Diskussion um geeignete Herstellungstechnologien
zusehends wichtiger. Bis jetzt werden in erster Linie Produktionsweisen aus
der Mikroelektronik für die Herstellung von polymerischen optoelektronischen
Materialien angepasst. Der Vorteil dieser neuen Materialien wird aber erst dann
voll zur Geltung kommen, wenn neue günstigere Herstellungsverfahren entwickelt
werden. Da die Polymere in ihrer flüssigen Phase eingesetzt werden, sind
Drucktechniken eine bessere und günstigere Variante. Der Druckprozess kann
mit dem Bedrucken von Papier oder Folien verglichen werden.
Eine typische Silicium-Wafer-Produktion mit einem 30 cm Waferprozess erzeugt
jährlich 88.000 m² Siliziumzellen. Eine Druckmaschine wie eine Offset-Maschine
kann dieselbe Menge je nach Technologie in 1-10 Stunden produzieren. Abbildung
3 vergleicht die Wirkungsgrade von bedruckten und mit Spin Coat-Technologie
hergestellten organischen Solarzellen. Es kann festgestellt werden, dass der
durchschnittliche Wirkungsgrad der bedruckten Zellen etwas über dem der
mit Spin Coat-Technologie hergestellten Zellen liegt.
Unter der Annahme, dass die Materialpreise fallen bei gleichzeitiger Verbesserung
ihrer Materialeigenschaften, sind Preise für organische Solarzellen unter
1 €/Wp realistisch.
Abbildung 3: Vergleicht der Wirkungsgrade organischen Solarzellen mit unterschiedlichen Herstellungsverfahren, (a) Bedruckt (b) Spin Coat
Zusammenfassung
Abbildung 4 zeigt die Anwendungsmöglichkeiten für organische Solarzellen. Die bisherigen Daten lassen noch keine Aussagen über eine Lebensdauer der Zellen über fünf Jahren zu, was für einen Eintritt in den Markt der netzgekoppelten Anlagen nötig wäre. Bei Anwendungen, bei denen der Wirkungsgrad nicht so bedeutend ist, sind erste Einsätze jedoch möglich. Dies sind elektronische Konsumgüter, Innenanwendungen und innovative Anwendungen. Mit einem Markteintritt wird innerhalb der nächsten drei Jahre gerechnet.
| Literatur
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*) Christoph J. Brabec, Jens A. Hauch, Pavel Schilinsky, Christoph Waldauf sind Mitarbeiter der Konarka Technologies Incorporated, cbrabec@konarka.com [^]