Photovoltaik im Aufschwung
Gebäudeintegration
Photovoltaikanlagen wurden bislang vorwiegend als reine Stromproduktionsanlagen
angesehen. Dabei lassen sich mittels der PV-Technologie, in Verbindung mit der
herkömmlichen Glas- und Fassadentechnik funktionelle und architektonisch
interessante Projekte realisieren.
Potovoltaik Gebäude-Integration von ertex-solar
Die eigentliche Aufgabe der PV-Technologie, nämlich die Stromproduktion,
tritt dabei oftmals in den Hintergrund, da beispielsweise die Ästhetik
eines PV-Gebäudes einen hohen innovativen Stellenwert besitzt.
Viele Argumente sprechen für einen vermehrten Einsatz der Photovoltaik
(PV) in der Gebäudeintegration. Funktionen, die von gewöhnlichen Fassadensystemen
auch bisher schon geforderte waren, wie Wetterschutz, Wärme- und Schalldämmung,
können auch von einer PV Fassade übernommen werden. Darüber hinaus
fungiert die PV Fassade oder das PV Dach als besonderes gestalterisches Element,
wodurch ein Imagegewinn aufgrund der besonderen Ästhetik zu erwarten ist.
Unter geringem Wartungsaufwand kann zudem über Jahrzehnte elektrische Energie
gewonnen werden.
Eine grobe Unterscheidung kann zwischen Dach- und Fassadenanwendungen getroffen
werden. Dies auch speziell deswegen, da in Dachbereichen etwa Atrium- oder Wintergartenverglasungen
höhere Anforderungen an die Sicherheit gefordert sind (Durchbruchsicherheit).
Abbildung 1: Gemeindezentrum Ludesch (Vorarlberg), ertex-solar Module 17,5 kW installierte Leitung mit semitransparenten Zellen der Firma sunways
Aufbau von Modulen
Üblicherweise setzt sich der Aufbau von Standardmodulen folgenderweise zusammen. An der Außenseite (Sonnenseite) befindet sich eine Glasscheibe, dahinter liegt eine EVA Folie (Ethylen-Vinyl-Acetat) welche die PV Zellen mit einer darauf folgenden EVA Folie verklebt. Auf der Innenseite wird abschließend eine Tedlarfolie aufgebracht die das Modul einkapselt. Diese Module sind nicht für jeden Anwendungsfall einsetzbar, etwa für hohe Fassaden oder Horizontalverglasungen. Abweichend vom oben erwähnten Schichtaufbau wurde von der Firma ertex-solar aus Amstetten ein Modul in Verbundsicherheitsglastechnik entwickelt. Zum Unterschied zu Standard Modulen werden beim ertex-solar VSG Modul andere Folien nämlich eine PVB Folie (Polyvinylbutyral) und statt der hinteren Tedlar Schicht eine Glasscheibe verwendet (siehe Abbildung 2).
Abbildung 2: Modulaufbau mit PVB-Folie, speziell für Überkopfverglasungen
Die besonderen Vorteile dieser Technologie sind die Durchbruchsicherheit, die
Überkopftauglichkeit sowie die Möglichkeit verschiedenste Modulaufbauten
zu realisieren (Glas-Glas, Isolierglas, VSG-Isolierglas, Siebdruck, Schallschutz…).
Aufgrund der speziellen Produktionsweise in einem Autoklav (93.000 l Fassungsvermögen)
sind Supersize-Module bis 12,5 m2 mit den Modulabmessungen von 2,44 x 5,10 m
machbar.
Unterschiedliche Transparenzgrade sind durch verschiedene Modulkonzepte und
Zellauswahl möglich. Einerseits kann das durch den Zellabstand realisiert
werden, andererseits durch semitransparente Zellen oder amorphes Silizium (aSi
Dünnschicht-Technik).
Lichtdurchlässiges Photovoltaik-Dach
Erst vor wenigen Wochen wurde das Gemeindezentrum in Ludesch eröffnet
bei dem ein neuartiges lichtdurchlässiges Photovoltaik-Dach realisiert
wurde (siehe Abbildung 1). Das Glasdach des Gemeindezentrums wurde mit lichtdurchlässigen
Photovoltaik-Modulen der Ertex Solar GmbH (www.ertex-solar.at) ausgestattet.
Die Module besitzen eine Lichtdurchlässigkeit von etwa 18 %. Die teilweise
Lichtdurchlässigkeit der PV-Module ergibt besonders angenehme Licht-Schatten-Verhältnisse
im Bereich des Dorfplatzes, die das Erscheinungsbild des Gemeindezentrums maßgeblich
mitprägen.
Die Photovoltaik-Module für das Sonnendach des Gemeindezentrums Ludesch
wurden von der Ertex Solar GmbH speziell für die örtlichen Anforderungen
gestaltet. Die Module wurden sowohl hinsichtlich ihrer Größe, der
verwendeten Solarzellen der Firma Sunways (www.sunways.de) und der Anordnung
der Solarzellen im Modul optimal auf die örtlichen Gegebenheiten abgestimmt.
So ist gewährleistet, dass die Module nicht nur die geforderte optische
Ästhetik bieten, sondern sowohl im Winter wie auch im Sommer trotz unterschiedlicher
Sonnenstände bzw. Schattenwürfe des Glasdachs optimale Energieerträge
liefern.
Verschaltung der PV Module
In Abbildung 3 ist veranschaulicht, dass bei unterschiedlichen Sonnenständen zwischen Winter und Sommer die jeweiligen Felder des Moduls aktiv sind. Ein abgeschatteter Bereich, der selbst im Sommer durch den Hochpunkt der Shedkonstruktion abgeschattet wird ist mit elektrisch funktionslosen Zellen belegt (sog. Dummy). Der mittlere Bereich sowie der Hochpunkt werden zur Gänze im Sommer bestrahlt. Beim tiefsten Sonnenstand im Winter wird letztlich nur der obere Bereich zur Stromgewinnung genutzt. Dieses spezielle Verschaltungsbild hat den Vorteil, dass eine sehr gute Gesamtanlagenperformance erreicht werden kann.
Abbildung 3: Prinzipskizze über die spezielle Modulverschaltung um optimale Erträge zwischen Sommer- und Wintersonnenstand zu gewährleisten
Abbildung 4: Lichtdurchlässiges PV Dach am Gemeindezentrum in Ludesch (Foto: ertex-solar)
Anlagenkennzahlen
In das insgesamt 350 Quadratmeter große Sonnendach des Gemeindezentrums
Ludesch wurden 120 Photovoltaik-Solarmodule integriert. Die Module haben eine
typische Größe von 2,26 x 1,07 Metern und eine Fläche von etwa
2,4 m² Das gesamte Sonnendach hat bei optimaler Sonneneinstrahlung eine
elektrische Spitzenleistung von rund 17,5 Kilowatt. Jährlich werden rund
16.000 kWh umweltfreundlichen Stroms erzeugt. Mit dieser Menge könnte man
fünf Durchschnittshaushalte versorgen.
Durch den Dreifachnutzen der PV-Module (Sonnenschutz, Witterungsschutz, Stromerzeugung)
konnten erhebliche Kostensynergien genutzt werden, da die Kosten für eine
konventionelle Verglasung und Verschattung entfielen. So hätten sich alleine
die Kosten für die konventionelle Verglasung auf € 88.000 belaufen.
Die ohne PV-Anlage notwendigen Verschattungseinrichtungen (z. B. Membrankonstruktion
mit Motorführung) hätten Kosten in der Größenordnung von
rund € 100.000 verursacht. Mit Mehrkosten für die Photovoltaik in
der Höhe von ca. 100.000 € kann über Jahrzehnte hinweg ökologischer
Strom geerntet werden.
*) Dipl.-Ing. Dieter Moor ist Mitarbeiter der ertex-solar GmbH in Amstetten, dieter.moor@ertex-solar.at, www.ertex-solar.at [^]