Photovoltaik im Aufschwung
AEE Projektinformationen und Service
Mitten im sanften Hügelland der Oststeiermark liegt
der Bauernhof der Familie Neuwirth. Der Imker und Bierbrauer ist bekannt für
die schonende und naturbelassene Gewinnung seiner Produkte. Und die schmeckt
man auch in all seinen sonstigen Produkten welche er auf seinem Bauernhof produziert.
Erste solare Brauerei
Walter Neuwirth braut schon seit neun Jahren auf seinem Hof insgesamt fünf verschiedene Biersorten. Um einerseits das Bier möglichst natürlich und ressourcenschonend zu brauen und um andererseits den Einsatz von elektrischer Energie weitestgehend zu reduzieren hatte Walter Neuwirth schon lange die Idee, die Erwärmung des Bieres beim Brauvorgang mit erneuerbarer Energie abzudecken. Die jahrelangen Erfahrungen mit der eigenen Solaranlage zur Warmwasserbereitung und die steigenden Energiekosten waren der Anstoß, auch die hofeigene Bierbrauerei mit einer Solaranlage zu ergänzen.
Solar-Hightech
Das mit einer Standardsolaranlage nur schwer erreichbare Temperaturniveau
von ca. 100°C, welches bei jedem Brauvorgang benötigt wird, und die
komplexe Anlage war Anlass, sich an die AEE INTEC in Gleisdorf zu wenden und
ein Umsetzungskonzept ausarbeiten zu lassen.
Mit einem speziell neu entwickelten Flachkollektor ist es nun möglich,
einen sehr hohen Ausnutzungsgrad der Sonne zu erreichen. Die insgesamt 20 m²
Kollektorfläche mit einer Leistung von 14 kWth speisen mittels Vorrangschaltung
in einen 850 Liter fassenden Pufferspeicher. Aus diesem Pufferspeicher wird
die Energie für den gesamten Brauprozess geliefert.
Die Solaranlage
Die Wärme aus dem Kollektor wird über ein Wärmeträgermedium
in den Pufferspeicher transportiert. Die Umwälzung des Mediums erfolgt
mit Hilfe von zwei separaten Pumpen.
Eine elektronische Regelung sorgt dafür, dass die Pumpen nur dann in Gang
gesetzt werden, wenn ein Energiegewinn vom Sonnenkollektor zu erwarten ist,
d.h. wenn das Wärmeträgermedium im Kollektor wärmer ist als das
Medium im Speicher.
Der Brauvorgang
Zu Braubeginn erfolgt das Erwärmen des Warmwassers über einen Plattenwärmetauscher
der aus dem Pufferspeicher gespeist wird.
Über spezielle Wärmetauscher in den Sudkesseln wird dann das Bier
während des Brauprozesses aus dem Puffer temperaturgesteuert auf nahezu
100°C erwärmt. Die Rückläufe aus diesen Wärmetauschern
werden dann über eine spezielle Schichtladeeinheit in das entsprechende
Temperaturniveau in den Pufferspeicher wieder eingeschichtet, um so ein optimales
Speichermanagement zu erreichen. Das so geschmackvoll gebraute Sonnenbier aus
steirischen Zutaten ist vollmundig, leicht gehopft und mit nur 4,5 Prozent Alkohol
und einer feinen Kohlensäure leicht bekömmlich.
Abbildung 1: Einsparung durch hohen Solardeckungsgrad
Einsparung durch hohen Solardeckungsgrad
Falls die Sonne nicht scheint bzw. um den Brauprozess mit der entsprechenden
Qualität dennoch durchführen zu können, wird die benötigte
Energie elektrisch oder mit einem Stückholzkessel nachgeheizt. Im Winter
reicht bei geringer Sonneneinstrahlung die Energie der Sonne aber trotzdem für
eine Vorwärmung des Speichermediums. Mit der auf den Jahresbedarf abgestimmten
Solaranlage werden mehr als 7000 kWh elektrischer Strom eingespart bzw. ein
solarer Deckungsgrad von ca. 70% erzielt.
Gerade dieses Projekt zeigt das es durchaus möglich, ist die Energiequelle
Sonne auch für gewerbliche Anwendungen wirtschaftlich nutzen zu können.
Beteiligtes Unternehmen: Met Bräu VertriebsGes.m.b.H. Walter Neuwirth, 8200 Gleisdorf, walter.neuwirth@die3bauern.at, www.bauernhof-neuwirth.at
Weitere Infos:
Die Entwicklung des Systemkonzepts und die Vermessung der anlage wird vom IEA-SHC-Projekt
"Solar Heat for Industrial Processes" unterstützt: www.iea-ship.org
*) Ing. Sepp Schröttner ist Mitarbeiter der AEE INTEC in Gleisdorf, s.schroettner@aee.at, www.aee-intec.at [^]