Solarwärme boomt
Nachhaltige Gebäude
Abbildung 1: Thermografie
eines Wohnhauses vor der Sanierung
Die Modernisierung von Wohngebäuden ist eine der zentralen Maßnahmen zur Erreichung der Klimaschutzziele. Entsprechende Technologien und ausgereiftes Know-How für die Umsetzung von energetischen Sanierungen stehen zur Verfügung. Es gilt daher, die Betroffenen von den Vorteilen modernisierter Gebäude zu überzeugen.
Thermografie- und Beratungsaktion des Landes Steiermark
Von Gerhard Lang und Boris Papousek*
Das Land Steiermark, Abteilung 15 – Wohnbauförderung, hat daher
die Thermografie- und Beratungsaktion initiiert. Diese Aktion will zur Bewusstseinsbildung
von Eigenheimbesitzern, Bewohnern und Gebäudeverantwortlichen beitragen
und energetisch hochwertige Sanierungen anregen.
Mit der Krise zwischen Russland und der Ukraine zeigte sich im letzten Winter
erstmalig die Unsicherheit für die europäische Gasversorgung. Die
Energielieferungen Russlands, dem mit einem Anteil von rund 70 % bedeutendsten
Gaslieferanten für Europa, wurden in Folge des Streits um bis zu einem
Drittel reduziert. Aber auch die massiven Preissteigerungen bei Rohöl (bis
zu 80 US$ im Sommer 2006) sind ein Indiz für das zunehmende Problem, mit
den vorhandenen, fossilen Energieressourcen den Energiehunger der Welt zu decken.
Neben der Versorgungssicherheit und den steigenden Energiepreisen ist insbesondere
die globale Klimaerwärmung Thema für die steirische Energiepolitik.
Die Abteilung Wohnbauförderung des Landes Steiermark setzt diesen Herausforderungen
entscheidende Maßnahmen entgegen. Neben der umweltorientierten Novellierung
der steirischen Wohnbauförderung bietet die Thermografie- und Beratungsaktion
des Landes Steiermark konkrete Unterstützung für alle, die mit hohen
Energiekosten, mangelndem Komfort oder einem Sanierungsbedarf kämpfen.
Im Rahmen der Aktion erhalten Eigenheimbesitzer sowie Bewohner und Gebäudeverantwortliche
von Geschoßwohnbauten eine thermografische Analyse und spezifische Informationen
zur Verbesserung der thermisch-energetischen Qualität ihrer Wohnhäuser.
Die Thermografie-Aufnahme (= Infrarot-Aufnahme) macht dabei die wärmetechnischen
Schwachstellen in einer farbigen Aufnahme sichtbar. Stellen hoher Wärmeverluste
erscheinen rötlich bis weiß, die nach außen kühlen, gut
gedämmten Bereiche erscheinen blau. Damit können ganz gezielt Sanierungsmaßnahmen
eingeleitet werden.
Aufbau der Thermografie- und Beratungsaktion
Die Aktion bietet für EigentümerInnen von Einfamilienhäusern
wie auch von Mehrfamilienhäusern speziell abgestimmte Beratungspakete.
Das geförderte Beratungspaket für Einfamilienhäuser beinhaltet
die thermografische Aufnahme des Gebäudes, einen Bericht mit Analyse der
Schwachstellen und Sanierungsvorschlägen, sowie ein Beratungsgespräch
mit qualifizierten Experten.
Die Kosten für dieses Paket belaufen sich auf 700,- Euro. Die Förderung
des Landes Steiermark beträgt 450,- Euro - für den Eigenheimbesitzer
verbleiben somit nur 250,- Euro!
Das umfassende Beratungspaket für Mehrfamilienhäuser beinhaltet:
Das Gesamtpaket für Mehrfamilienhäuser kostet 1.800,- Euro und wird
einerseits vom Land Steiermark und andererseits vom klima:aktiv Programm wohn:modern
mit jeweils bis zu 600,- Euro pro Mehrfamilienhaus unterstützt. Für
den Gebäudeeigentümer großvolumiger Gebäude verbleiben
somit nur 600,- Euro! Weitere Zuschüsse z.B.: durch Gemeinden sind ebenfalls
möglich.
Die Aktion trägt damit zur nachhaltig verbesserten Energieeffizienz bei
Gebäudesanierungen und zum Klima- und Umweltschutz bei. Insbesondere kann
durch dieses Instrument das Bewusstsein für die Notwendigkeit von thermischen
Sanierungen gehoben und die Akzeptanz von Sanierungsmaßnahmen bei Eigentümern,
Bewohnern und Gebäudeverantwortlichen gefördert werden. Als weiteren
Nutzen bewirken die ausgelösten Sanierungsinvestitionen schließlich
auch eine für das Bundesland Steiermark wichtige regionale Wirtschaftsbelebung
im Bausektor.
Abbildung 2: Thermografie eines Wohnhauses nach der Sanierung
Ergebnisse der ersten Aktion
Diese Aktion wurde im Winterhalbjahr 2005/06 erstmalig durchgeführt und
erreichte mit knapp 300 Eigenheimbesitzern um rund 50 % mehr Interessenten als
geplant. Auch im Bereich der großvolumigen Wohngebäude wurde die
Zielgröße mit 45 Gebäuden überschritten. Ein Bedarf an
weiteren Beratungen ist gegeben: Derzeit liegen bereits rund 100 Vormerkungen
für Thermografie-Beratungen bei Einfamilienhäusern und rund 20 bei
Geschoßwohnbauten vor.
Darüber hinaus sind die möglichen Effekte der Thermografie- und Beratungsaktion
auf die Zielsetzungen des Landes Steiermark beachtlich. Das realistisch zu erreichende
Potenzial an Energieeinsparung beläuft sich im Ein- und im Mehrfamilienhausbereich
auf jeweils rund 40 %! Unter der Annahme, dass alle empfohlenen Maßnahmen
umgesetzt werden, können die CO2-Emissionen im Einfamilienhausbereich um
rund 680 Tonnen pro Jahr reduziert werden. Im Mehrfamilienhausbereich ist eine
noch größere Einsparung möglich: Die CO2-Emissionen können
um rund 1.000 Tonnen pro Jahr gesenkt werden.
Umsetzung der Aktion
Die Aktion erfolgt in Kooperation mit dem klima:aktiv Programm wohn:modern,
dem Programm zur Modernisierung von Wohngebäuden im Rahmen der Klimaschutzinitiative
des Lebensministeriums (koordiniert von der Österreichischen Energieagentur).
Mit der Koordination der Umsetzung der Aktion ist die Grazer Energieagentur
beauftragt. Die Grazer Energieagentur arbeitet im Rahmen der Aktion mit den
Partnern AEE-INTEC, Energieagentur Obersteiermark, Energieagentur Weststeiermark,
LandesEnergieVerein Steiermark, Lokale Energieagentur Oststeiermark und verschiedenen
Thermografie-Anbietern zusammen.
Fortsetzung im Winter 2006 / 07
Nicht zuletzt wegen des anhaltenden Interesses wird die Thermografie- und
Beratungsaktion im kommenden Winter fortgesetzt! Interessenten können sich
bereits jetzt bei einer der genannten Beratungsstellen anmelden.
Grazer Energieagentur, Thermografie- und Beratungsaktion:
Tel.: 0316 / 811 848 - 24
E-Mail: office@grazer-ea.at
Abbildung 3: Verringerte Wärmeverluste durch Fenstertausch und Wärmedämmung
*)Dipl.-Ing. Boris Papousek ist Geschäftsführer der Grazer Energieagentur GmbH, papousek@grazer-ea.at, Dipl.-Ing. Gerhard Lang ist Mitarbeiter der Grazer Energieagenur GmbH und Projektleiter der Thermografie- und Beratungsaktion des Landes Steiermark, lang@grazer-ea.at [^]