Solarwärme boomt
Wassermanagement
Abbldung 1: Urinal in London
Es gibt einen allgemeinen Konsens, dass wir Trinkwasser umsichtig verwenden sollen. Aktives Sparen von Trinkwasser ist den Meisten allerdings nur recht, wenn es ohne ihr Zutun passiert. Das ist nicht immer möglich. Tropfende Hähne, ganz schlimme Wasserprasser, müssen wir schon richten. Manche Einrichtungen entsprechen aber unserer Forderung nach Bequemlichkeit und es reicht, sie zu kennen, um sie problemlos anwenden zu können. Dazu gehört das wasserlose Urinal.
Wasserlose Urinale
Was ist ein wasserloses Urinal?
Kurz gesagt ist ein wasserloses Urinal eines, das nicht gespült werden
muss. Die Spülung bei normalen Urinalen dient in erster Linie dem Geruchsverschluss.
Diese Urinale haben, wie alle an einen Kanal angeschlossenen Einrichtungen,
als Geruchsverschluss einen mit Trinkwasser gefüllten Siphon. Bei der Benützung
füllt sich der Siphon naturgemäß mit Urin. Damit dieser nicht
stehen bleibt, wird gespült und der Inhalt des Siphons durch frisches Trinkwasser
ersetzt. Der Reinigungseffekt durch die Spülung ist unbedeutend. Auf eine
regelmäßige Reinigung kann keinesfalls verzichtet werden.
Hat man nun einen anderen Geruchsverschluss kann auf die Spülung ganz verzichtet
werden. Diesen Umstand machen sich sogenannte wasserlose Urinale zu nutze. Mehrere
Verschlüsse wurden von verschiedenen Herstellern entwickelt, wobei diese
auf drei Prinzipien beruhen.
Verschlusstypen für wasserlose Urinale:
Abbildung 1: Siphon mit Sperrflüssigkeit
Abbildung 2: Schwimmer
Abbildung 3: flexibler Schlauch Bilder
Bei Prinzip eins ist die Sperrflüssigkeit ein gewisser Nachteil. Sie muss je nach Hersteller entweder nachgefüllt oder samt der Siphonkartusche nach 7000 bis 10.000 Benützungen (siehe Herstellerangaben) ausgetauscht werden. Bei unachtsamer Reinigung mit zu viel Wasser kann sie gänzlich fortgespült werden und muss dann erneuert werden. Die Schwimmerverschlüsse funktionieren gut, solange sie ganz sauber sind und dicht schließen. Am einfachsten und zuverlässigsten scheinen die Verschlüsse vom Typ drei. Laut Hersteller kann zwar der Schlauch nach einiger Zeit spröde werden und muss dann ausgetauscht werden. Die AEE INTEC testet nun seit drei Jahren ein solches Urinal ohne dass der Schlauch getauscht werden musste. Die Kosten durch diesen Verschleißteil sind demnach minimal.
Anwendung
Bei Neubauten gibt es keinen Grund mehr, Urinale mit Spülung zu verwenden. Derzeit sind wasserlose Urinale noch etwas teurer als Standardausführungen. Mit steigender Nachfrage werden sich die Preise aber angleichen. Bei Umbauten sind natürlich die vollen Kosten eines neuen Urinals anzusetzen. Deshalb empfiehlt sich der sofortige Umbau vor allem bei Anlagen mit hoher Frequenz, wo die Kosten über die Wassereinsparungen schnell abgedeckt werden, bei besonderer Wasserknappheit, oder bei besonderen Problemen mit der Abwassermenge (z.B. dichte Sammelgrube). Daraus ergeben sich folgende günstige Anwendungsfälle
Vorteile
Gegenüber gespülten Urinalen haben wasserlose Urinale fast nur Vorteile:
Durch den Wegfall der Spülung wird natürlich an den Wasserkosten gespart. Nimmt man den Fall eines Flughafens und setzt 200 Benützungen pro Tag und eine ganzjährige Benützung, können in einem Jahr allein an den Wasserkosten 440 Euro gespart werden. Die typischen Urinalkosten von zwischen 400 und 800 Euro sind in spätestens 2 Jahren abgedeckt. In dieser Rechnung sind Einsparungen bei der Wartung nicht enthalten. Dabei macht sich vor allem die stark reduzierte Urinsteinbildung bezahlt. Ein weiterer Vorteil von wasserlosen Urinalen, der sich langfristig auch finanziell auswirken könnte, ist die vereinfachte Speicherung und Wiederverwendung von Urin durch die Sammlung ohne Wasserzugabe. Urin wäre mit seinen relativ hohen Gehalten an Stickstoff, Phosphor und Kalium ein wertvoller Dünger.
Abbildung 4: Keramag Centaurus bei der AEE INTEC
Als Nachteil der wasserlosen Urinale könnte eventuell die Notwendigkeit
gesehen werden, das Reinigungspersonal darauf einzuschulen. Es ist wichtig,
zumal bei Verschlüssen mit Sperrflüssigkeit, dass die Reinigungskräfte
kein Schmutzwasser in die Urinale schütten und prinzipiell keine größeren
Wassermengen über das Urinal entsorgen. Es sollen auch keine Duftsteine
verwendet werden, da der im Schmutzwasser enthaltene Reiniger und die chemischen
Bestandteile der Duftsteine die Sperrflüssigkeit des Siphons zerstören.
Bei den beiden anderen Verschlusstypen fällt der Zwang, diese Regeln einzuhalten
zwar weg, sie sind aber prinzipiell und sollten daher auf alle Fälle eingehalten
werden.
Ungelöst ist derzeit noch die Tatsache, dass mit wasserlosen Urinalen nur
die Hälfte der potentiellen Wassereinsparung möglich ist, da es für
Frauen noch keine solchen Produkte gibt. Es gibt zwar viele Gründe warum
Urinale auch für Frauen praktisch wären, hygienische Aspekte zum Beispiel,
und nicht zuletzt der Umweltschutzaspekt des Wassersparens aber gerade diesen
Punkt haben die Produkte, die derzeit am Markt sind, das Lady P von Sphinx,
das Lady Loo von GBH und das „Girly" der italienische Firma Catalano,
gar nicht gelöst. Hier wäre noch einiges an Entwicklungsarbeit, in
Zusammenarbeit von Technikerinnen, oder Technikern, Wassersoziologinnen und
Nutzerinnen zu leisten.
Wenn sie jetzt zur Umsetzung schreiten und wasserlose Urinale kaufen wollen,
finden Sie eine Marktübersicht samt Beschreibung der Systeme, Kosten und
Bezugsadressen auf der Homepage www.swamp-eu.org/cat unter dem Stichwort "Waterfree
Urinals".
*) Dipl.-Ing. Martin Regelsberger ist Leiter der Abteilung Nachhaltige Wasserwirtschaft bei der AEE INTEC, m.regelsberger@aee.at [^]