Große Solaranlagen
Solarthermie
Der
Wärmebedarf eines bestehenden Gebäudes setzt sich aus drei wesentlichen
Komponenten zusammen: Erstens besteht ein Wärmebedarf um Transmissionswärmeverluste
über die Gebäudehülle zu kompensieren. Zweitens muss der Wärmeverlust,
der durch das Lüften bewirkt wird, ausgeglichen werden. Und drittens besteht
ein Wärmebedarf für die Bereitung von Warmwasser.
Solare Gebäude in Gårdsten
Traditionelle Methoden, um den Wärmeverlust zu minimieren, bestehen in
zusätzlicher Gebäudedämmung, dem Austausch von Fenstern und Wärmerückgewinnung
über die Lüftungsanlage. Thermische Solarenergienutzung ist hier eine
geeignete Methode zur Warmwasserbereitung.
Ein wesentlicher Punkt bei der Renovierung ist es, Sanierungs- und Verbesserungsmaßnahmen
zu verbinden. Thermische Sonnenkollektoren sind von diesem Blickpunkt aus am
besten geeignet, um ein Dach zu sanieren. In Schweden wurde das „Solar
Roof“ erstmals im Jahr 1982 von der EKSTA im Neubau eingesetzt, bei Renovierungen
von der Göteborg Bostads AB im Jahr 1985 [Dalenbäck and Aronsson,
1986b]. Sogenannte modulare Dachkollektoren wurden von der EKSTA im Jahr 1995
im Neubau und 1999 von der Gårdstensbostäder bei bestehenden Gebäuden
verwendet. [Dalenbäck, 2006]
Mehrfamilienhäuser, Bestand
Ein im Zuge einer Sanierung vor Ort gebautes Kollektordach wurde in Schweden
zuerst in Hammarkullen in Göteborg im Jahr 1985 errichtet [Dalenbäck
and Aronsson, 1986b]. Zwei Hochhäuser mit Flachdach erhielten bei der Sanierung
geneigte Dächer mit insgesamt mehr als 1.500 m² Kollektorfläche
für die Warmwasserbereitung. Vier getrennt betriebene Anlagen wurden für
jeweils etwa 100 Wohneinheiten installiert. Nur noch zwei der Anlagen sind noch
immer in Betrieb, da eines der beiden Hochhäuser vor einigen Jahren abgerissen
wurde.
Durch die Teilnahme Schwedens an der Task 20 der Internationalen Energieagentur,
Programm für Solares Heizen und Kühlen, mit dem Titel „Solar
Energy in Building Renovation“ konnte weiter an der Entwicklung des Solar
Roof gearbeitet werden. Im Rahmen des Projekts wurde ein Entwicklungsprojekt
mit einer lokalen Wohnbaugesellschaft initiiert. Die Aufgabe der schwedischen
Taskteilnehmer lag im Bereich der Dachintegration von thermischen Sonnenkollektoren.
Das Ergebnis der Arbeiten war die Entwicklung von neuen modularen Dachkollektoren.
Abbildung 1: Dachkollektoren für ein Mehrfamilienhaus in Onsala mit 220 m² Kollektorfläche, 1995
Bei der ursprünglichen Variante des Solar Roofs war es notwendig, die
Kollektoren vor Ort am Dach des Gebäudes zusammenzubauen. Durch die Neuentwicklung
war es möglich geworden, vorgefertigte Kollektormodule einfach am Dachstuhl
zu montieren [Dalenbäck und Ivarsson, 1996]. Die erste Demonstrationsanlage
der sogenannten „modularen Dachkollektoren“ wurde auf einem neuen
Mehrfamilienhaus in Onsala mit 220 m² Kollektorfläche am Dach des
Heizraums und des Carports realisiert (siehe Abbildung 1). Durch die Entwicklung
der vorgefertigten Dachkollektoren ist der Einbau von Sonnenkollektoren nun
besser in den Errichtungsprozess des Gebäudes integriert, dies führt
in weiterer Folge zu einer Verminderung der Investitionskosten und zu einer
Verbesserung der thermischen Leistung der Kollektoren. Der Dachkollektor wird
aus vorgefertigten Sunstripabsorbern mit ESG-Verglasung zusammengebaut. Die
Module basieren auf dem schwedischen Normabstand für Dachträger (1200
mm).
Anhand einer bestehenden Mehrfamilienhausanlage in Göteborg wurde eine
Machbarkeitsstudie für den Einsatz von thermischen Sonnenkollektoren bei
der Renovierung von Gebäuden erstellt. Im Rahmen eines EU-Projekts wurden
die Erkenntnisse der Studie umgesetzt. Die Ergebnisse dieses Projekts werden
nun im Folgenden dargestellt [Dalenbäck und Nordström, 1998].
Das Gårdsten Projekt
Bei der Renovierung des sogenannten Solarhauses in Gårdsten in Göteborg kamen sowohl traditionelle als auch neue energiesparende Methoden mit einer fünfjährigen Vertragsgarantie zum Einsatz. Durch die Renovierungsmaßnahmen konnten eine Verminderung des Wärmebedarfs um 40% und eine Herabsetzung des Wasserbedarfs um 30% erzielt werden. Dies führte zu einer Minderung der jährlichen Betriebskosten um 0,13 Millionen Euro bei einer gesamten Investitionssumme von 2,2 Millionen Euro. Das Projekt trug weiters zur Entwicklung der lokalen Firmen und zur Verbesserung der Arbeitsplatzsituation in Gårdsten bei. Alles in allem kann gesagt werden, dass das Projekt in Gårdsten die Anforderung von ökologischer, ökonomischer und sozialer Nachhaltigkeit erfüllte.
Abbildung 2: Solarhaus 1 während der Renovierung
Abbildung 2 zeigt das Renovierungsprojekt Solarhaus 1 während der Renovierungsphase im Jahr 2000. Die Sanierungsarbeiten betraf drei Wohnblocks mit 255 Wohneinheiten und wurden von der Firma SKANSKA schlüsselfertig ausgeführt. ase zwei im Projekt Solarhaus 2 wurde von der Wohnbaugesellschaft Gårdstensbostäder durchgeführt. Die Wohnbaugesellschaft beauftragte mehrere Unternehmen um diese Arbeiten auszuführen. Der Arbeitsumfang (Wohneinheiten, Außenarbeiten) war für jedes der beauftragten Unternehmen der gleiche.
Renovierungsbedarf
Gårdsten ist das Ergebnis der Wohnbauwelle in den 1970er Jahren. Mitte
der 1990er Jahre bestand für diese Gebäude ein dringender Bedarf an
Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten. Dies betrifft etwa 1000 Wohnungen im
nördlichen Teil von Gårdsten, von diesen standen bereits 300 Wohnungen
leer. Diese Hintergründe zusammen mit dem Demonstrationsprojekt SHINE,
in dem 170 Wohneinheiten instand gesetzt werden, und Förderungen der EU-Kommission
mündeten in das Projekt „Solarhaus“. Im diesem Projekt werden
255 Wohneinheiten in drei Wohnblocks renoviert.
Die betroffenen Gebäude sind aus vorgefertigten Betonplatten und haben
ein Flachdach. Einige Gebäude mit drei bis fünf Stockwerken haben
außenliegende Stiegenhäuser und den Wohnungszugang über außenliegende
Gänge. Gebäude mit bis zu drei Stockwerken haben ein innen liegendes
Stiegenhaus mit einem Eingang im Erdgeschoss. Die Gebäude mit offenem Stiegenhaus
haben Balkone entlang der ganzen Südseite (siehe Abbildung 3), während
hingegen die Gebäude mit innen liegendem Stiegenhaus Loggien auf der Ost-
und Westseite haben.
Abbildung 3: Balkone vor der Renovierung
Die Wohnanlage war an das Fernwärmenetz angeschlossen und hatte eine kontrollierte Wohnraumlüftung ohne Wärmerückgewinnungsanlage. Die Miete beinhaltete sowohl die Abgaben für Wärme als auch für Strom, weshalb es für die Mieter keinen Anreiz gab, Energie zu sparen. Da zum Zeitpunkt der Renovierungsarbeiten viele Wohnungen frei waren, war es möglich, einige Mieter innerhalb der Anlage umzusiedeln. Dadurch konnten die Arbeiten im Gebäude und an der Außenhülle zugleich durchgeführt werden, was zu Kosteneinsparungen führt.
Maßnahmenpaket für die Renovierung
Im Rahmen des Projekts SHINE wurde ein umfassender Katalog an Sanierungsmaßnahmen
entwickelt. In den meisten Fällen wurden die vorgeschlagenen Maßnahmen
mit einer kostengünstigen Basisvariante und mit einer etwas umfassenderen
Variante hinsichtlich der möglichen Energieeinsparung verglichen.
Schließlich wurde ein sorgfältig durchgedachter Katalog beschlossen,
bei dem die meisten anfallenden Kosten für Energieeinsparungsmaßnahmen
durch verminderte Betriebskosten ausgeglichen werden können. Folgende energierelevante
Maßnahmen wurden durchgeführt:
Zusätzlich wurden neue Gemeinschaftsräume und begrünte Wintergärten
geschaffen. Die Technikräume für die Belüftung wurde auf den
Dächern der Gebäude errichtet. Eingangsbereiche und Stiegenhäuser
wurden renoviert. Die ganze Anlage erhielt einen neuen Anstrich und zusätzliche
Beleuchtung. Ein Abfalltrennkonzept wurde eingeführt, wobei ein Komposthaufen
neben den Gewächshäusern angelegt wurde. Der beiden Allgemeinräumen
gesparte Platz kann nun für andere Zwecke genutzt werden.
Die ursprünglichen Flachdächer wurden durch ein geneigtes Dach ersetzt,
wobei die modularen Dachkollektoren zum Einsatz kamen (siehe Titelbild dieses
Artikels). Die vorgefertigten Module mit einer Breite von 2,4 m wurden direkt
auf den Dachträgern montiert. Insgesamt wurden sechs Solaranlagen auf sechs
Gebäuden errichtet, jede mit 235 m² Kollektorfläche, was einer
installierten Leistung von 165 kWth entspricht. Jede Solaranlage versorgt 85
Wohneinheiten. Die Anlagen haben einen Pufferspeicher mit 15 bis 20 m³
und sind zur Nachheizung an die Fernwärme angeschlossen. Es werden solare
Deckungsgrade für die Warmwasserbereitung von etwa 35% erreicht.
Die Folge der Maßnahmen sollte eine Verminderung der Betriebskosten um
40% von etwa 5.000 MWh/Jahr auf 3.000 MWh/Jahr sein, in erster Linie herbeigeführt
durch die Minimierung des Heizwärmebedarfs, durch die verbesserte Lüftung
und die Warmwasserbereitung durch die Solaranlage. Außerdem wurde eine
Änderung im Benutzerverhalten erwartet, da die Miete von einer Gesamtmiete
auf einen Fixen Mietanteil plus variable Kosten für Strom, Wärme und
Wasser abgeändert wurde.
Minderung des Wärmebedarfs
Das Projekt lief über einen Zeitraum von 20 Monaten. Die Mieter konnten
ab April 2000 die schlüsselfertigen Apartments beziehen. Im Sommer 2001
waren alle Wohnungen vergeben.
In den Jahren 2001 bis 2004 zeigte sich, das der jährliche Heizwärmebedarf
um 37% von über 270 kWh/m² auf 170 kWh/m² gefallen ist. Der Wasserverbrauch
ist im selben Zeitraum um 30% von 2,36 m³/m² auf 1,63 m³/m²
gefallen. Der absolute jährlich Stromverbrauch ist mit 50 kWh/m² konstant
geblieben, während die Belegung von 65% auf 100% angestiegen ist. Gleichzeitig
verminderten sich die Betriebskosten um 130.000 Euro.
Die Kosten für die energierelevanten Maßnahmen im Zuge der Renovierung
beliefen sich auf 2,2 Millionen Euro, wovon 30% in Form von Förderungen
von der EU-Kommission und der schwedischen Nationalen Energieagentur beigetragen
wurden.
Abbildung 4: Wärmeabgabe vor der Renovierung und vier Jahre nach der Renovierung in Solarhaus 1, bezogen auf die reine Wohnnutzfläche ohne Stiegenhaus, allgemeine Räume etc.
Abbildung 4 zeigt die Änderung der Wärmeabgabe und den Einfluss der thermischen Solaranlage nach der Sanierung [Pavlovas und Dalenbäck, 2005]. Tabelle 1 zeigt einige Eckdaten des Projekts. Als Bezugsfläche wird hier die reine Wohnfläche der Apartments ohne Stiegenhäuser und andere allgemein genutzte Räume genommen.
Tabelle 1: Eckdaten
für das Solarhaus 1
| <
2001 |
2004 |
||
| Anzahl der Gebäude | 10 |
10 |
|
| Wohneinheiten | 255 |
255 |
|
| Wohnfläche | 18.720 |
18.720 |
m² |
| Belegung | ~ 65 |
~ 100 |
% |
| Kosten insgesamt (inkl. MWSt und Entwicklungskosten) | 11,4 |
Millionen € |
|
610 |
€/m² |
||
| Kostenanteil für energietechnische Maßnahmen | ~ 2,2 |
Millionen € |
|
~ 115 |
€/m² |
||
| Garantie | 5 |
Jahre |
|
| Betriebskosten | ~ 0,43 |
~ 0,30 |
Millionen €/Jahr |
23 |
16 |
€/(Jahr*m²) |
|
| Fernwärme | ~ 5.000 |
~ 2.725 |
MWh/Jahr |
~ 270 |
~ 146 |
kWh /(Jahr*m²) |
|
| Eintrag der Solaranlage zur Warmwasserbereitung | ~ 336 |
MWh/Jahr |
|
~ 18 |
kWh /(Jahr*m²) |
||
| Stromverbrauch (Anm.: bei gestiegener Belegung von 65% auf 100%!) |
~ 1.030 |
~ 1.000 |
MWh/Jahr |
~ 55 |
~ 53 |
kWh /(Jahr*m²) |
|
| Wasserverbrauch (Anm.: bei gestiegener Belegung 65% auf 100%!) |
~ 44.200 |
~ 30.500 |
m³/Jahr |
~ 2,36 |
~ 1,63 |
m³ /(Jahr* m²) |
Schlussfolgerung und Ausblick
Ein wesentlicher Punkt bei Renovierungen ist die gleichzeitige Verbesserung
eines Gebäudes. Die Kosten des vorgestellten modularen Dachkollektors sind
durchaus konkurrenzfähig im Vergleich zu einer traditionellen Renovierung
eines Mehrfamilienhauses mit Verbesserungen in der Gebäudehülle. Die
Kosten rentieren sich innerhalb von 15 Jahren, wobei erste vor 20 Jahren installierte
Anlagen immer noch in Betrieb sind.
In Nordeuropa beträgt ein wirtschaftlicher solarer Deckungsgrad für
das Warmwasser 40% und der Gesamtdeckungsgrad 11%. Ein höherer Gesamtdeckungsgrad
kann erzielt werden, wenn von der Solaranlage zugleich ein Teil des Raumheizbedarfs
im Frühjahr und im Herbst gedeckt wird. Eine andere Möglichkeit besteht
darin, den Raumwärmebedarf durch eine verbesserte Gebäudehülle
zu senken.
Derzeit wird eine Studie mit Lebenszyklusanalyse durchgeführt, die zeigt,
dass in vergleichbaren bestehenden Gebäuden ein spezifischer Gesamtwärmebedarf
von 50 bis 60 kWh/m² und Jahr erzielt werden kann. In diesem Fall kann
ein Gesamtdeckungsgrad von 30% erreicht werden.
Literatur
|
*) Jan-Olof Dalenbäck ist Mitarbeiter der Arbeitsgruppe Building Services Engineering in der Abteilung für Energie und Umwelt, an der Technischen Universität Chalmers in Göteborg in Schweden, Jan-Olof.Dalenbäck@chalmers.se [^]