Große Solaranlagen
Nachhaltige Gebäude
Im
September 2008 wird die neue Konzernzentrale der Energie AG in der Böhmerwaldstrasse
eröffnet. Die Energie AG OÖ hat in den letzten Jahren die Entwicklung
vom klassischen Stromversorger zum Infrastrukturkonzern Nr. 1 und darüber
hinaus vollzogen. Mit dem modernen Gebäude vereint die Energie AG erstmals
alle Konzernunternehmen unter einem Dach und setzt einen städtebaulichen
Akzent im Linzer Bahnhofsviertel.
„Power Tower“ - die neue Konzernzentrale der Energie AG Oberösterreich
Von Heinrich Wilk und Reiner Kaltenhauser*
Der Entwurf stammt vom Architektenduo Weber + Hofer AG, Zürich. Durch das spezielle Design erhält die Fassade ein unverwechselbares äußeres Erscheinungsbild. Das Gebäude wird aus einem Flachbau mit zwei Ebenen und einem 19-stöckigen Hochhaus bestehen. Der Flachbau ist für Allgemeinnutzung, wie Veranstaltungssaal, Besprechungs- und Schulungs-räume sowie Küche und Speisesaal vorgesehen. Das Bürohochhaus erreicht eine Höhe von 73 m. Der Neubau wird auf 22.000 m2 Platz für mehr als 600 Mitarbeiter bieten. Die Dachflä-chen werden begrünt ausgeführt. Die zweigeschossige Tiefgarage hat Platz für 248 Fahrzeuge.
Vom Beginn an war es ein klares Ziel der Energie AG mit ihrer neuen Konzernzentrale
ein Vorzeigeprojekt zu verwirklichen.
Die grundlegenden Leitmotive dafür waren:
Bürohochhaus mit Passivhauscharakter
Mit dem derzeit im Rohbau befindlichen Power Tower läutet die Energie
AG Oberösterreich ein neues Zeitalter in Sachen Energieeffizienz von Büro-Großbauten
ein. Der Power Tower wird das weltweit erste Bürohochhaus sein, das mit
Passivhauscharakter errichtet wird. Die neue Konzernzentrale wird ressourcenschonend
auf den Einsatz von fossilen Energieträgern für Heizung und Kühlung
verzichten können. Energie wird aus der Erde und dem Grundwas-ser gewonnen
bzw. mit einem 640 m2 großen Sonnenkraftwerk an der Fassade erzeugt. Damit
setzt die Energie AG einen bisher beispiellosen Meilenstein bei der Umsetzung
ihrer Energieeffizienz- und Nachhaltigkeitsphilosophie .
Der Power Tower wird somit nicht nur ein wichtiger städtebaulicher Akzent
im boomenden Linzer Bahnhofsviertel und eine moderne Zentrale für den stark
expandierenden Gesamt-konzern sein, sondern auch ein einzigartiges Pilotprojekt
für die konsequente Umsetzung von Energieeffizienz und Nachhaltigkeit.
Weltweit erstmals in einem Bürohochhaus dieser Größe kommt fast
der gesamte Energiebedarf aus erneuerbaren Energieträgern.
Gebäudehülle
Die Voraussetzung für das alleinige Auskommen mit der alternativen Energie
aus Boden- und Grundwasser und die Grundlage für die ausreichende Wirkungsweise
einer energieeffi-zienten Haustechnikanlage ist in jedem Fall eine entsprechend
optimierte Gebäudehülle. Die daraus resultierende multifunktionale
Fassadenkonstruktion hat über die herkömmlichen Anforderungen hinaus,
wie Wärme- und Kälteschutz sowie Schallschutz hier wesentliche Parameter
zu erfüllen:
Es besteht erfahrungsgemäß ein Widerspruch zwischen Sonnenschutz,
Tageslichtversor-gung und Durchsicht. Dies ist mit Sicherheit eine der größten
Herausforderungen die in der multifunktionalen Fassadenkonstruktion erfüllt
wurde. Der Siegerentwurf des Architektenwettbewerbes enthält die Abfolge
von opaken und transparenten Fassadenelementen. Die Weiterentwicklung hat eine
Aufteilung in 60 % durchsichtige und 40 % opake Bauteile ge-bracht. Die opaken
Bauteile werden als hoch wärmegedämmte Paneele ausgeführt. Eine
gewisse Anzahl ist mit Lüftungsklappen versehen.
Die eigens entwickelte Fassade ist grundsätzlich als zweischalige Verbundkonstruktion
kon-zipiert, wobei in den Glaselementen ein völlig neuartiges Sonnenschutzsystem
integriert ist. Die Innenschale besteht aus einem 3-fach Isolierglas. Die Außenscheibe
ist im Abstand von ca. 12 cm vorgesetzt und schützt die Jalousie vor sämtlichen
Witterungseinflüssen. Die da-bei verwendeten Jalousielamellen ermöglichen
bei annähernd horizontaler Stellung ausreichende Sonnenschutzwirkung und
genügend Tageslichtversorgung fürs Innere der Räume sowie den
gleichzeitigen Durchblick nach draußen.
Photovoltaikanlage
Photovoltaikelemente an der SW-Seite des Power Towers bedecken fast die gesamte Fas-sadenseite vom ersten Stock bis unters Dach. Ausgespart sind nur die Treppenhäuser der Fluchtstiegen. Die Vorteile liegen im Doppelnutzen der Fassade, dem Wetterschutz und der Stromproduktion in einem Element. Die Solarstromproduktionskurve verläuft außerdem syn-chron zum Lastgang eines Bürogebäudes. Mit rund 640 m2 Fläche ist das Sonnenkraftwerk eine der größten gebäudeintegrierten Photovoltaikanlagen Österreichs. Die Anlage produ-ziert rund 42.000 kWh Strom pro Jahr und liefert einen Anteil für den Strombedarf der Infra-struktur des Bürohauses (IT, Hardware, Beleuchtung).
Haustechnik
Obwohl die Haustechnik im Power Tower ein gesundes und angenehmes Raumklima
schaffen wird, kann der Energieaufwand für Heizung und Kühlung auf
ein Minimum reduziert werden. Die gesamte Haustechnik verbraucht nur halb so
viel Energie wie herkömmliche Technik in einem Gebäude vergleichbarer
Größe. Es werden abgehängte Kühldecken mit Strahlungswirkung
ohne Konvektion installiert. Heizkörper mit hohem Strahlungsanteil und
individueller Regelbarkeit sollen für behagliche Wärme sorgen. Die
simulierte Heiz- und Kühllast beträgt je ca. 800 kW. Die Frischluftversorgung
erfolgt durch kontrollierte Be- und Entlüftung mit nicht spürbarem
1,5 fachen Luftwechsel.
Energieaufbringung
Die Energieaufbringung ist das Herzstück des Projekts Power-Tower. Die
Innovation dabei liegt vor allem in der Kombination von bereits erprobten Technologien
mit technischen Neuerungen. Heizung, Kühlung und Lüftung des Bürohauses
werden mit einer kombinierten Wärmepumpen-Anlage erfolgen.
Für die Heizung und Kühlung wird dafür die Energie mit Tiefsonden
(46 Stk. à 150 m = 6.900 fm) und den Fundamentpfählen (90 Stk. à
10 m tief = 900 lfm) aus der Erde bezogen (siehe Abbildung 1). Damit können
im Durchschnitt 50 Watt/lfm gewonnen werden.
Abbildung 1: Tiefensonde zur Energieaufbringung im Power-Tower
Das Besondere daran ist, dass die im Sommer beim Kühlbetrieb anfallende Wärme wieder ins Erdreich zurückgepumpt wird und somit im Winter zum Heizen genutzt werden kann. Besonders in der Übergangszeit ermöglicht dieses System eine Energieausbeute bis 1:50. Das Erdreich in der Tiefe wird mit Wärme "aufgeladen" und damit die natürliche Speicherkapazität des Bodens bestens genützt. Weitere Energie wird aus dem Grundwasser über zwei Förderbrunnen bezogen. Das Kühlwasser wird vor allem für das Rechenzentrum und für den Betrieb der Frischluftversorgung herangezogen. Die Erdwärme liefert den Grundenergiebedarf für Heizung und Kühlung.
Abbildung 2: Die eigens entwickelte Fassade besteht aus 3-fach-Isolierglas, einer Jalousie und einer Außenscheibe.
Kosten
Die Kosten des gesamten Energiesystems liegen bei 3,5 Mio. Euro. Insgesamt
wird die neue Konzernzentrale gegenüber einem konventionellen Hochhaus
pro Jahr rund 300 Tonnen CO2-Emissionen einsparen und damit einen aktiven Beitrag
zum Klimaschutz leisten.
Mit der konsequenten Verwirklichung des neuen EAG Power Towers soll weithin
sichtbar klargemacht werden, dass die EAG der Führungsrolle in Sachen Energieeffizienz,
Ökologie und Nachhaltigkeit gerecht wird. Auch im Hinblick auf die neue
EU-Gebäuderichtlinie soll die Vision eines Bürohochhauses als Passivhaus
greifbar gemacht werden, und beispielgebend für einen zukünftigen
Ressourcen schonenden Bürohausstandard voranschreiten.
*) Dipl.-Ing. Heinrich Wilk und Bmst. Ing. Reiner Kaltenhauser sind Mitarbeiter bei der Energie AG Oberösterreich Kraftwerke GmbH in Linz, heinrich.wilk@energieag.at, reiner.kaltenhauser@energieag.at, www.energieag.at [^]