Große Solaranlagen
Wassermanagement
Im
oststeirischen Hügelland, kurz vor Markt Hartmannsdorf aus Richtung Gleisdorf
kommend, umgeben von Weinbergen, liegt der alte Gutshof Pöllau 18 - das
Tor zum Vulkanland. Das 1874 erbaute Anwesen war seit Jahren dem Verfall preisgegeben
und fast verloren. Von einem privaten Bauträger erworben, wird es jetzt
umfassend saniert und ausgebaut. Mit bemerkenswerter Konsequenz wird hier ein
Projekt umgesetzt, das nahezu über die gesamte Bandbreite aller Bereiche
des „Ökologisch - Nachhaltigen Bauens“ in sich vereint.
Ökologisches
Bauen
am Beispiel einer Wohnanlage in der Oststeiermark -
Energie, Wasser, Baustoffe und Lebensraum
Für den Bauträger Herrn Mag. Manfred Feistritzer ist die Sanierung
des alten Vierkanthofes in Pöllau 18 bereits das zweites Projekt, in dem
der private Bauträger konsequent auf eine hochwertige und ökologisch
nachhaltige Sanierung setzt.
Das 1. Projekt, ein Um- und Zubau einer alten Getreidemühle zu einer Wohnanlage,
liegt mitten im Ortszentrum von Markt Hartmannsdorf und umfasste 6 Wohneinheiten
(285m²) und Therapieräumlichkeiten in der Größe von 180m².
Die positiven Erfahrungen aus diesem Projekt - das Gebäude wurde bereits
kurz nach Fertigstellung im Jahre 2005 zur Gänze verwertet - ermutigten
den Bauherrn, das gesamte Konzept auf den annähernd doppelt so großen
Gutshof zu übertragen bzw. konsequent weiter zu entwickeln.
Eckdaten des Projektes
Die Wohnanlage umfasst 3 Gebäude auf insgesamt etwas mehr als 11.000 m²,
den renovierten Gutshof, einen neu errichteten Zubau und ein aufwendig und liebevoll
restauriertes Kellerstöckel.
In den Gebäuden werden insgesamt 8 Wohneinheiten mit einer Größe
zwischen 45 und 106 m², Büroräumlichkeiten, ein Keller zur Weinproduktion
und ein gemauerter Gewölbekeller zur Weinlagerung untergebracht sein.
Integriert in die Anlage ist weiters ein Veranstaltungsraum, welcher einerseits
für Weinverkostungen im Rahmen der geplanten Vinothek, aber auch für
Firmenseminare oder für die eine oder andere Feierlichkeit, zur Verfügung
steht.
Federführend im damit expandierenden Weinbaubetrieb ist die Familie Gerstl
aus Pöllau, mit der steirischen Weinprinzessin Mara, die durch ihre strikte
Qualitätsorientierung seit Jahren hervorragende Weine in unmittelbarer
Nähe des Gutshofes keltert.
Selbstverständlich steht der Veranstaltungsraum auch den zukünftigen
Bewohnern des Wohn- und Weinressorts nach Absprache zur Verfügung. Ein
Weindeputat aus eigener Produktion ist dabei eine Selbstverständlichkeit.
Die Nutzung der gesamten Grünanlage rund um das Objekt selbst verspricht
größten Erholungswert.
Abbildung 1: Restauriertes Kellerstöckel
Abbildung 2: Wohnraum Kachelofen, Veranstaltungsraum (Rohbau), Holz-Kastenfenster mit hochwertiger 3-Scheibenverglasung.
(Die Wohnanlage befindet sich derzeit noch im Bau)
CO2 neutrale Energieversorgung
Eine Sonnenkollektoranlage mit einer Leistung von 42 kWth (60 m²) wurde
in die südseitige Dachfläche des Veranstaltungssaales integriert.
Die Anlage deckt den Energiebedarf zu 30% und wird sowohl für die Brauchwasserbereitung
wie auch zur Raumheizungsunterstützung genutzt. Ein Hackgutkessel mit ca.
50 kW thermischer Leistung deckt den Energiebedarf über einen ca. 6 m³
fassenden Energiespeicher an den sonnenlosen Tagen im Winterhalbjahr. Das Hackgut
stammt aus der Region und wird von ortsansässigen Landwirten angeliefert.
Eine Kombination Hackgutkessel - Stirling-Motor zur Ökostromproduktion
war vorgesehen, musst Mangels marktreifer Geräte vorerst fallen gelassen
werden.
Eine 17 m² große Photovoltaikanlage ist geplant und wird einerseits
zur Stromproduktion und andererseits als Verschattungselement für die südseitigen
Wohnungen dienen.
Die Energieverteilung für Warmwasser und Raumheizung erfolgt vom zentralen
Heizhaus über ein 2-Leiternetz mit dezentralen Wärmeübergabestationen
in jeder Wohnung. Diese Stationen versorgen auch einige historische Kachelöfen
in den Wohnungen. Alle Geschirrspüler in den Wohnungen sind ebenfalls an
das Warmwassernetz angeschlossen. Dies ermöglicht einerseits, die Sonnenenergie
vollständig zu nutzen und anderseits den Bewohnern Stromkosten zu sparen.
Energieeffizienz und Baustoffe
Das gesamte Anwesen, Neubau und sanierter Altbestand, ist hochwertig wärmegedämmt.
Der spezifische Energiebedarf liegt bei unter 50 kWh/ m².a und entspricht
somit Niedrigenergiehausstandard.
Es ist gelungen den Charakter des Gutshofes, trotz umfassend wärmetechnischer
Sanierung, unverändert zu bewahren. So wurden z.B. die alten Kastenfenster
gegen neue Holz-Kastenfester mit hochwertiger 3-Scheibenverglasung ausgetauscht.
Eingestürzte Gemäuer und Gewölbe wurden mit alten K+K Mauerziegeln,
in mühvoller Kleinarbeit, authentisch aufgebaut. Alte Baumaterialien fanden
auch bei der Dacheindeckung, den Dachstühlen und den alten Holzdecken Wiederverwendung.
Selbst die alten Holzfensterläden fanden nach umfassender Restaurierung
auf ihren angestammten Platz zurück.
Das Wasserkonzept
Ein Anschluss an den öffentlichen Kanal war aufgrund der dezentralen
Lage nicht wirtschaftlich realisierbar. Für die Abwasserreinigung war daher
eine hauseigene Kleinkläranlage vorzusehen.
Es war für den Bauerherrn bald klar, keine klassische „End of Pipe“
- Abwasserlösung zu implementieren, sondern bereits im Gebäude beim
Wasserverbrauch anzusetzen und z.B. auch Regenwasser zu nutzen oder Teile des
Wasserstroms im Gebäude im Kreislauf zu führen.
Wassersparende Armaturen, Toilettenspülungen und Haushaltsgeräte ermöglichen
ohne großem Mehraufwand den Trinkwasserbedarf ohne nennenswerten Komfortverlust
zu senken.
Die Nutzung von Regenwasser hilft, weiteres kostbares Trinkwasser zu substituieren
bzw. Betriebskosten zu sparen. Hierfür wurden Regenwasserzisternen mit
einem Nutzinhalt von insgesamt 42 m³ installiert. Das gefilterte Niederschlagswasser
wird zukünftig neben den beiden zentralen Waschküchen auch zur Bewässerung
der Außenanlagen und der Weingärten zur Verfügung stehen. Die
Waschmaschinen zweier zentraler Waschräume werden ebenfalls mit Regenwasser
gespeist das in eigens installierten Wärmeübergabestationen auf die
richtige Temperatur gebracht wird. Zur Deckung des Löschwasserbedarfs wird
von der Anlagensteuerung allzeit eine Restwassermenge in den Zisternen belassen.
Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Die Nutzung von „weichem“ Regenwasser
reduziert den Wasch- und Reinigungsmittelbedarf erheblich (Regenwasser enthält
keinen Kalk, für den Waschmitteleinsatz gilt Härtegrad 1) und die
Geräte verkalken nicht.
Im Sinne der Schließung des natürlichen Wasserkreislaufs wird das
Regenwasser der versiegelten Hofflächen nicht abgeleitet, sondern optimalerweise
am Anwesen versickert. Entsprechendes Retentionsvolumen und Sickerflächen
wurden in Form einer Teichanlage geschaffen. Neben einer optischen Bereicherung
dient das Element Wasser hier, indem es in den Wohn-Erlebnisraum integriert
wird, als Gestaltungs- bzw. Erlebniselement und zur Verbesserung des Mikroklimas.
Grauwasser
Im Haushalt fallen im Schnitt pro Person täglich ca. 55 bis 80 Liter Grauwasser
an. Die Wiederverwendung aufbereiteten Grauwassers als Betriebswasser erlaubt
es, den Trinkwasserbedarf wie auch den Abwasseranfall im selben Umfang zu verringern.
Unter Grauwasser versteht man das relativ schwach verunreinigte Abwasser aus
den Duschen, den Badewannen und den Handwaschbecken.
Anfallendes Grauwasser wird getrennt von den Fäkalabwässern gesammelt,
einer eigens installierten Grauwasserreinigungsanlage zugeführt und zu
Betriebswasser aufbereitet. Die erreichte Wasserqualität entspricht Badewasserqualität
nach EU-Richtlinie und ist vollkommen klar und geruchlos. Das gereinigte Wasser
wird im Anschluss in ein Betriebswasserleitungsnetz eingespeist.
Grauwasserreinigungssystem
Nachdem sich für Grauwasserreinigung adaptierte klassische Kleinkläranlagen
in der Vergangenheit aufgrund des recht beträchtlichen Energieverbrauchs
und Wartungsaufwands als ungeeignet erwiesen, entwickelte die Firma Pontos ein
speziell für diesen Einsatzzweck optimiertes Reinigungssystem.
Die Anlage wird im Keller bzw. Technikraum aufgestellt. Der Platzbedarf entspricht
etwa dem von zwei Waschmaschinen. Die Installation erfolgt ähnlich einer
Waschmaschine. Die Anlage wird einfach mit den vorbereitet Anschlüssen
verbunden und gestartet („Plug and Play“). Die Betriebsführung
erfolgt voll automatisiert. Die biologische Wasserreinigung basiert auf dem
SBR-Prinzip (SBR heißt "Sequencing Batch Reactor") mit einer
nachgeschalten Reinigungsstufe zur UV–Desinfektion. Klarwasserspeicher
und Haushebewerk sind integriert. Die modulare Bauweise erlaubt eine einfache
Anpassung an den zu erwartenden Grauwasseranfall. Überschussschlamm wird
automatisch in den Kanal abgepumpt. Bei eventuellen Störungen erfolgt eine
automatische Umschaltung auf Regenwasser bzw. Trinkwassernachspeisung. Fehlermeldungen
können als Text einfach von einem Display abgelesen werden.
Sämtliche Toiletteanlagen und Urinale sowie die Wasserhähne im Außenbereich
werden mit Betriebswasser gespeist. Im Gegensatz zu Regenwasser steht Grauwasser
sobald das Objekt bewohnt wird praktisch immer in ausreichender Menge zur Verfügung.
In Ausnahmefällen wird automatisch Regenwasser oder Trinkwasser in das
System nachgespeist.
Wärmerückgewinnung
Wärmerückgewinnung aus Grauwasser ist eine sehr interessante Sparmaßnahme mit enormem Potenzial, die bislang aus Mangel an „Know How“ nicht genutzt wurde. Leider fließt immer noch weltweit die Wärmeenergie des Abwassers aus Dusche und Bad ungenutzt den Kanal hinunter. Es ist daher beabsichtigt, das relativ warme Grauwasser (Wohnblock Ost), die Ablauftemperaturen bewegen sich zwischen 28°C und 40°C, über einen eigens konstruierten Grauwasserwärmetauscher zu leiten und die aus dem Dusch- und Badewasser mitgeführte Wärme rückzugewinnen. Die „recycelte“ Wärmeenergie wird in das Heizsystem im Kellerbereich eingespeist. Das auf dem Durchlauferhitzer-Prinzip basierende Grauwasserwärmetauschersystem, eine Entwicklung der Forstner Speichertechnik GmbH., fand bereits erfolgreich in Hallenbädern Anwendung. Für den Einsatz in Wohngebäuden wurde das System entsprechend weiterentwickelt, verkleinert („miniaturisiert“) und mit einer automatischen Filterrückspülung ausgestattet.
Pflanzenkläranlage zur Abwasserreinigung
Die anfallenden Fäkalabwasser (Schwarzwasser und Urin) und die Küchenabwässer
werden einer Pflanzenkläranlage zugeführt und biologisch gereinigt.
Die Pflanzenkläranlage wird fremdenergiefrei betrieben. D.h. da mechanische
Bauteile wie Pumpen oder Kompressoren entfallen wird für die Wasserreinigung
keine elektrische Energie aufgewandt.
Im Sinne der Schließung des natürlichen Wasserkreislaufs wird das
biologisch gereinigte Wasser nicht abgeleitet sondern noch am Anwesen oberflächennah
verrieselt. Bei Bedarf kann das nährstoffreiche Wasser zukünftig auch
für die Weingartenbewässerung herangezogen werden.
Abbildung 3: Bau der Regenwassersammelschächte, Gesamtvolumen von 42.000 Liter. Der kleine Schacht rechts beinhaltet die Filtereinheit
Nährstoffe
Neben der Reduzierung des Abwasseranfalles und langer Transportwege, einer naturnahen
Regenwasserbewirtschaftung und einer effizienten Trinkwassernutzung war und
ist die Ausbildung eines Wasser- und Stoffstrommanagements das wichtigste Ziel
für einen nachhaltigem Umgang mit Wasser.
Jeder Mensch produziert typischerweise 1,8 Liter Ausscheidungen täglich,
davon 350 Gramm Feststoffe mit etwa 90 Gramm organischer Substanz, 20 Gramm
Stickstoff und weiteren Nährstoffen – vor allem Phosphor und Kalium.
D.h. jeder produziert etwa so viel Pflanzennährstoffe, wie für seinen
Lebensmittelbedarf nötig sind.
Zukünftig ist vorgesehen die anfallenden nährstoffreichen (Klär-)Schlämme
der zur Pflanzenkläranlage gehörenden Vorreinigung in einem Vererdungsbeet
zu kompostieren und als hochwertigen Dünger wiederzuverwenden. Im Gegensatz
zu kommunalen Klärschlämmen, deren Entsorgung aufgrund der Schwermetallproblematik
zunehmend Probleme verursacht, ist bei Wohnanlagen kein Eintrag von Schwermetallen
in das Abwasser zu erwarten.
Untersuchung der integrierten Wassersysteme
NASPA (Nachhaltige Siedlungswasserwirtschaft - Praktische Anwendungen) soll
ein detailliertes Monitoring Auskunft über die Auswirkungen von nachhaltigen
Maßnahmen in Wassersystemen geben. Geplant ist die Messung des Nutzverhaltens
über den Wasserverbrauch und die Erfassung von Daten zu Grau-, Regen- und
Schwarzwasser, sowohl was Menge als auch Qualität betrifft. Zweitens soll
der neu entwickelte Grauwasserwärmetauscher vermessen und das energetische
Potenzial von Grauwasser untersucht werden.
Hauptprojektziel ist es, durch Pilotprojekte und Sammlung von (Mess-)Daten die
Vorteile neuer Sanitär- und Wassertechniken (Ecosantechniken) zu untermauern
- was sowohl den „ökologischen Fußstapfen“ wie auch die
Kosten/Nutzenrechnung betrifft - und die gewonnenen Erkenntnisse zu verbreiten.
Lebensraum
Entsprechend dem Kerngedanken, Altes zu bewahren und weiterentwickeln, wurde
versucht, einen angenehmen und ökologischen Lebensraum zu schaffen, der
in Summe ausgehend von der hochwertigen und stimmigen Ausstattung der Wohnanlage
bis hin zu Details wie etwa der Auswahl der verbauten Materialien, der Lage
und dem Umfeld der Wohnanlage, höchste Wohn- und Lebensqualität verspricht.
Die Idee, einen für alle Bewohner kostenlos zu nutzenden zentralen Waschraum
zu schaffen, hat sich bereits im 1. Projekt des Bauträgers hervorragend
bewährt. Von allen Mietern sehr gut angenommen hat sich der Ort zu einem
regelrechten Dreh- und Angelpunkt des häuslichen Zusammenlebens entwickelt.
Daher wurde auch in diesem Projekt der Gemeinschaftswaschraum umgesetzt.
Der Bezug der Wohnanlage ist im Frühsommer 2007 geplant.
Schlussbemerkung
Als besonders erwähnenswert ist anzuführen, dass alle ökologischen
Maßnahmen ohne zusätzliche Projektfördermittel implementiert
wurden. Die zusätzlichen Investitionskosten sollten sich jedoch rasch über
die gewonnen Einsparungen bei den Betriebskosten amortisieren. So reduzieren
sich z.B. die Kosten für die Trinkwasserbereitstellung um mehr als die
Hälfte, die Kanalgebühren entfallen vollständig. Die Nutzung
der Solarenergie senkt die Heizkosten um etwa ein Drittel und die hochwertige
Dämmung ermöglichte es, den Heizenergiebedarf auf ¼ des ursprünglichen
Gebäudestandards zu verringern.
Die Verwendung von lokalem Hackgut entkoppelt die Heizkosten von den schwankenden
Energiepreisen der fossilen Brennstoffe.
Das Bewusstsein um die Notwendigkeit des Einsatzes von alternativer Energietechnik
steigt in zunehmenden Maße, auch bei Mietinteressenten.
Nicht zuletzt nutzt der Bauträger daher auch ganz bewusst die innovativen
und ökologischen Maßnahmen als Faktor in seinem Marketingkonzept,
das sich doch deutlich von Mitbewerben abhebt, die zwar oft schnell, aber langfristig
weder effizient noch nachhaltig bauen.
Die Aufnahme als Referenz- und Schauprojekt in die oststeirische Energieschaustraße
ist eine weitere Erfolgsbestätigung dieser Strategie.
Das ökologische Gesamtkonzept entstand in Zusammenarbeit von Bauträger
und AEE INTEC.
*) Ing. Christian Platzer ist Mitarbeiter der AEE INTEC, c.platzer@aee.at [^]