Hochwertige Sanierung von Gebäuden
Solarthermie
Die
vereinten Nationen haben bereits vor zwei Jahren zum alljährlichen Weltwassertag
am 22.März 2005 die Dekade „Wasser zum Leben“ ausgerufen. Mit
der Proklamation der Wasserdekade folgt die UN ihrem selbst gesetzten „Millennium
Entwicklungsziel“, die Versorgung mit Trinkwasser in Entwicklungs- und
Schwellenländern zu verbessern. Demgemäß soll die Zahl der Menschen
ohne Zugang zu sauberem Wasser bis zum Jahre 2015 im Vergleich zum Stand von
1990 halbiert werden.
Solare Entsalzung als Option einer künftigen Wasserversorgung
Diese Zielsetzung umsetzen zu wollen bedeutet, dass bis 2015 jeden Tag 300.000
Menschen einen verbesserten oder neu erstellten Zugang zu Trinkwasser erhalten
sollen. Eine Mammutaufgabe. Ob und inwieweit dazu in den Entwicklungsländern
ein Beitrag durch Meer- oder Brackwasserentsalzung geleistet werden kann, ist
zu einem guten Teil davon abhängig, was für Anstrengungen unternommen
werden existierende oder neue Verfahren zur Marktreife zu bringen, in den Markt
einzuführen und ihre Herstellkosten weiter zu verringern.
Aber auch in Ländern des Sonnengürtels wie im Nahen- und Mittleren
Osten, in Nordafrika, rund um das Mittelmeer oder in Australien sind dezentrale
Techniken zur Wasserentsalzung zunehmend gefragt und werden in den nächsten
Jahren erhebliche Marktrelevanz gewinnen. Da nicht immer eine netzgekoppelte
Energieversorgung für die Anlagen bereitsteht, werden auch hier verstärkt
energieautarke oder teilautarke Technologien unter Verwendung der Erneuerbaren
Energien zum Einsatz kommen. In diesem Artikel soll eine Übersicht über
derzeitige Aktivitäten auf diesem überaus zukunftsrelevanten Gebiet
gegeben werden.
In den vergangenen Jahrzehnten hat es vielfältige Maßnahmen zur Erschließung
von bisher unerreichten Wasservorkommen durch photovoltaisch betriebene Brunnenanlagen
gegeben. Dadurch konnte die Wasserversorgung der Landbevölkerung bereits
deutlich verbessert werden. Auch zahlreiche Brackwasservorkommen werden bereits
ausgeschöpft, die Verwendung des geförderten Wassers mit einem Salzgehalt
oft weit über den Grenzwerten der WHO für Trinkwasser gefährdet
aber mittelfristig die Gesundheit der Verbraucher, führt bei Bewässerungslandbau
zu einer Versalzung der Böden und gefährdet die gesunde Entwicklung
der getränkten Tiere.
Daher werden in naher Zukunft verstärkt Verfahren zur dezentralen Entsalzung
nachgefragt werden, die sich einerseits durch technische Einfachheit, einen
geringen Wartungsbedarf, und hohe Zuverlässigkeit auszeichnen und andererseits
die Möglichkeit des Betriebes mit erneuerbaren Energien bieten.
Verfahren zur Entsalzung
In der Abbildung 1 sind die prinzipiellen Möglichkeiten aufgezeigt. Um Salz von Wasser zu trennen, kann man mechanische oder thermische Verfahren anwenden.
Abbildung 1: Kategorisierung der Verfahren zur solaren Meerwasserentsalzung
Mechanische Separation
Beim Standardverfahren zur mechanischen Separation gelöster Stoffe aus
Wasser wird das salzhaltige Wasser mit hohem mechanischem Druck (bei Meerwasser
ca. 60 bar, bei Brackwasser ca. 20 bar) durch eine semipermeable Membran gepresst,
wobei die Wassermoleküle passieren können, die Salzionen jedoch zurückbleiben.
Da dieser Vorgang die z.B. in Zellen natürlich vorkommende Osmose umkehrt,
spricht man von Umkehrosmose (engl. Reverse Osmosis, R.O.). Hier gab es in jüngster
Zeit erhebliche Fortschritte bezüglich der Haltbarkeit der Membranen und
der Anfälligkeit gegen chemischen Angriff oder Zusetzen durch biologische
Verunreinigungen und ausfallende Feststoffe. Dennoch ist hier nach wie vor ein
relativ hoher chemischer wie mechanischer Aufwand zur Vorbehandlung des Rohwassers
notwendig.
Es gibt vielfache Untersuchungen zur Koppelung von Photovoltaik und Wind als
Energiequelle zum Betrieb solcher Anlagen. Der elektrische spezifische Energiebedarf
solcher Anlagen beträgt je nach Salzgehalt und Anlagengröße
etwa zwischen 5 und 15 kWh pro Kubikmeter erzeugten Wassers.
Thermische Entsalzungsverfahren
Thermische Entsalzungsverfahren (Verdunsten, Verdampfen, Einfrieren) nutzen den Effekt, dass beim Phasenübergang das gelöste Salz in der flüssigen Phase zurückbleibt. Kondensiert man die gewonnene Feuchtluft (oder schmilzt das erzeugte Eis), erhält man reinstes Wasser. Der Energieaufwand bei diesem Prozess liegt höher als bei der Umkehrosmose, es genügt jedoch statt Strom als Antriebsenergie hierbei Wärme bei Temperaturen zwischen 60 und 90°C. Diese kann im Falle der solaren Energiebereitstellung deutlich kostengünstiger als Strom mit guten Flachkollektoren bereitgestellt werden. Kostspielige Photovoltaik wird hier nur für die Umwälzpumpen des Kollektorfluids und zum Einbringen des Salzwassers benötigt.Solar stills
Abbildung
2: Solar Still
(Rosendahl)
Die einfachsten kleinen solaren Entsalzungsanlagen sind die „Solar stills“. Diese stellen einen Flachkollektor dar, über dessen Absorber (meist ein schwarz eingefärbtes Vlies) direkt das Salzwasser geträufelt wird. Das Salzwasser verdunstet auf dem erwärmten Vlies, die erzeugte Feuchtluft kondensiert direkt an der Abdeckscheibe, läuft herab und wird schließlich in einer Auffangrinne gesammelt. Das an sich einfache Verfahren hat einen relativ geringen Wirkungsgrad, da die Kondensationswärme an die Umgebungsluft verloren geht. Es ergibt sich daher eine auf die Aperturfläche bezogene Produktionsleistung von etwa 3 bis maximal 7 Litern pro m² und Tag. Die betreffenden Materialfragen wurden von mehreren kommerziellen Anbietern weitestgehend gelöst. Glas, Edelstahl, hochfeste Kunststoffe und strahlungsbeständige Vliese sind die wesentlichen Komponenten. Der Entwicklungsbedarf für diese Anlagen, die in einem Bereich zwischen 10 und einigen Dutzend Litern Tagesproduktion wirtschaftlich eingesetzt werden können, liegt in einer Reduktion der Herstellkosten. Rosendahl (Deutschland), Arab Engineers (Saudi Arabien), Thamesford Pty Ltd (Australien) sind neben anderen Firmen erste kommerzielle Anbieter.
Mehrstufen-Solardestille
Abbildung
3: Mehrstufen-Destille
(FZ Jülich)
Am Solarinstitut Jülich wird eine Mehrstufen-Solardestille untersucht. Der Kollektor wird mit dem produzierten Destillat betrieben und weist daher keine Korrosionsprobleme auf. Der Hilfsenergiebedarf beschränkt sich auf die Zufuhr des Meerwassers. Nach Angaben der Forschungsgruppe werden Produktionsraten von bis zu 15 Litern pro m² Absorberfläche und Tag erreicht, da ein Teil der Verdunstungsenergie bei der Kondensation an der nächsten Stufe zurück gewonnen wird. Es fanden bereits mehrfache Feldtests in Gran Canaria und Südamerika statt, für das Jahr 2007 ist der Bau einer größeren Anlage in Brasilien geplant.
Membrandestillation
Abbildung 4: Membrandestillationsanlage des Fraunhofer ISE
Das Fraunhofer Institut für solare Energiesysteme in Freiburg beschäftigt
sich mit der Membrandestillation. Ähnlich wie bei der Umkehrosmose kommt
eine hydrophobe Membran zum Einsatz, die für Wasserdampf durchlässig
ist, aber Wassermoleküle und Salz nicht passieren lässt. In einem
Modul mit spiralförmig zylindrisch angeordnete Schichten Süßwasser
getrennt durch eine Membran vom heißen Salzwasser.
Wasserdampf dringt durch die Membran von der Salzwasser auf die Süßwasserseite
und kondensiert dort unter Rückgewinnung der Verdunstungswärme. Das
Verfahren weist eine hohe Energieeffizienz auf und erreicht spezifische Produktionsraten
von um die 20 Liter pro m² Kollektorfläche. Erste Testanlagen mit
Tageskapazitäten zwischen 120 und 1500 Litern arbeiten im Langzeittest
in Marokko, Ägypten, Jordanien und auf Gran Canaria.
Abbildung 5: Solares Entsalzungssystem der TiNOX-MAGE Watermanagement GmbH bei Jeddah (Saudi Arabien)
Auch im daran anschließenden Kapazitätssegment mit Produktionsraten
zwischen 1000 und einigen zehntausend Litern pro Tag gibt es bereits einen ersten
kommerziellen Anbieter. Die TiNOX GmbH in München hat sich neben Ihrem
Kerngeschäft, der hochwertigen Selektiv-Beschichtung von Solarabsorberbändern
für Sonnenkollektoren, in den letzten Jahren dem Thema solare Meerwasserentsalzung
zugewandt.
Im Jahr 2002 wurde eine ausführlich erprobte Technologie vom Bayerischen
Zentrum für angewandte Energieforschung in München übernommen
und schrittweise zur Serienreife geführt. Die Anlagen verwenden das sogenannte
Feuchluftdestillationsverfahren (engl. Multi-Effect-Humidification, MEH) und
werden bei der Schwesterfirma MAGE Watermanagement GmbH im österreichischen
Haimburg (Kärnten) hergestellt. Erste Anlagen konnten bereits auf dem arabischen
Markt platziert werden, wobei für die Wärmebereitstellung Flachkollektoren
der Firma Citrin Solar, Moosburg zum Einsatz kamen. Es stehen drei verschiedene
Module (MiniSal™, MidiSal™, MegaSal™) mit Tageskapazitäten
von 1000, 5000 und 10000 Litern zur Verfügung.
Das Verfahren arbeitet bei Trennung von solarem Wärmegewinnungsteil und
Destillationskammer mittels Titan-Wärmetauscher. Dadurch können sowohl
bei der Wärmeerzeugung als auch bei der Entsalzung optimierte, kostengünstige
Komponenten zum Einsatz kommen. In der Destillationskammer selbst ermöglichen
optimierte, reichlich vorhandene Oberflächen für Verdunstung und Kondensation
einen äußerst energieeffizienten Entsalzungsvorgang auch ohne Verwendung
von Vakuumtechnik, wie er bei noch größeren thermischen Entsalzungsanlagen
üblich ist. Somit bleibt die technische Einfachheit auch bei hoher Energieeffizienz
erhalten. Die Anlagen von TiNOX erzeugen ca. 25 Liter Trinkwasser pro m²
Kollektorfläche und Tag.
Wie bei den bereits dargestellten Verfahren auch, zeichnet sich die Technologie
durch einen geringen Wartungsbedarf, hohe Wasserqualität und geringe Betriebskosten
aus.
Power for the people – Meerwasserentsalzung in Anbindung an kommerzielle solar-thermische Kraftwerke
Der Markt für solarthermische Kraftwerke boomt, ihre Standorte befinden
sich meist im ariden Gürtel und ein Bedarf an Wasserentsalzung wird häufig
parallel vorhanden sein. Zur Nutzung der Abwärme der Dampfturbine können
Niedertemperaturanwendungen zum Einsatz kommen. Zwar ist im Einzelfall zu prüfen,
inwieweit sich der Wirkungsgrad der Dampfturbine durch eine leichte Erhöhung
des unteren Temperaturniveaus (= Einspeisetemperatur der Meerwasserentsalzung)
verringert, grundsätzlich erscheint jedoch eine Kopplung von Kraft- und
Wassererzeugung sinnvoll. Hier sind weitere Untersuchungen angesagt.
Auf der Plataforma Solar de Almeria werden seit mehreren Jahren sonst großtechnisch
verwendete Verfahren zur Meerwasserentsalzung in der Kombination mit Solarenergie
untersucht. Im Projekt AQUASOL wurde eine Kombination aus einer 14 stufigen
MED-Anlage (Multi Effect Distillation) und einer Double-Effect Absorptionswärmepumpe
zusammen mit einem CPC-Kollektorfeld untersucht. Bei einer Tagesleistung von
30 bis 45 m³ aus 500 m² CPC-Kollektoraperturfläche konnte mit
hohem technischem Aufwand die flächenspezifische Produktionsleistung auf
60-90 l/m² gesteigert werden. Dieses Verfahren erscheint wohl in erster
Linie für mittelgroße Anwendungen interessant, für den dezentralen
Einsatz ist die Technologie noch zu komplex.
Ausblick
Die erneuerbaren Energien beginnen für die Wasserentsalzung und -aufbereitung eine immer größere Rolle zu spielen. Entscheidender als irgendwo sonst in der Nutzung nachhaltiger Technologien ist hierbei der Preis für das Endprodukt Wasser. Gleichwohl die Notwendigkeit zu bedeutenden Investitionen in diesem Bereich erkannt wurde, ist aufgrund der hohen Subventionen beim Lebensmittel Wasser ein Markteintritt für Newcomer schwierig. Es besteht noch vielfältiger Forschungsbedarf, um den Anforderungen der Zukunft bezüglich einer allgegenwärtigen, kostengünstigen und wartungsarmen Technologie zu genügen. Die wesentlichen Punkte sind Materialforschung, Prozessoptimierung und Minimierung der Vorbehandlung mit Chemikalien. Dann jedoch wird hier ein Massenmarkt mit ungeahnten Potentialen aufgehen, denn die Wasserversorgung wird eine der bedeutendsten Fragen für ein Überleben der Menschheit im 21. Jahrhundert darstellen. Gehen wir’s an.
*) Dr.-Ing. Hendrik Müller-Holst ist Leiter der Abteilung Watermanagement bei der TiNOX GmbH in München und Leiter der Workgroup 2b für solare Entsalzung bei der europäischen Solar Thermal Technologie Platform, ESTTP, mueller-holst@tinox.com [^]