Hochwertige Sanierung von Gebäuden
Solarthermie
Steigende Energiepreise machen solare Prozesswärme immer interessanter.
Die PSE GmbH in Freiburg entwickelt derzeit einen linearkonzentrierenden Fresnel-Prozesswärmekollektor,
der Prozesswärme bis 200°C bereitstellen kann.
In sonnenreichen Ländern kann mit diesem Kollektor z.B. Prozesswärmebedarf
in der Textil- oder Lebensmittelindustrie gedeckt werden. Eine andere attraktive
Anwendung ist mit dem Kollektor Absorptionskältemaschinen zu betreiben
und Kälte zu erzeugen um Gebäude zu klimatisieren.
Fresnel-Kollektor zur solaren Prozesswärmeerzeugung
Von Christian Zahler und Andreas Häberle*
Technik und Historie
Abbildung 1: Fresnel Kollektor in Bergamo
Linear konzentrierende Fresnel-Kollektoren reflektieren die direkte Solarstrahlung mit einem Feld einzeln nachgeführter Spiegelreihen auf einen stationären Receiver (Abbildung 1). Dadurch werden hohe Betriebstemperaturen erreicht, die den Einsatz von Fresnel-Kollektoren sogar zur solarthermischen Stromerzeugung in großen Kraftwerksfeldern ermöglichen. Das Konstruktionsprinzip verspricht Vorteile durch eine vergleichsweise einfache Bauweise, die kostengünstig herstellbar ist sowie durch niedrige Windlasten und eine effiziente Ausnutzung der Grundfläche.
Abbildung 2: Funktionsprinzip des Fresnel KollektorsBereits vor etwa 200 Jahren wurde das dem Kollektor zugrundeliegende optische Prinzip von dem französischen Physiker Augustin Jean Fresnel entdeckt. Der erste lineare Fresnel-Reflektor wurde 1964 von Giovanni Francia und Marcel Perrot in Marseille aufgebaut. Mit der Anlage wurde Dampf bei 450 °C erzeugt.
Heute bieten drei Firmen große lineare Fresnel-Kollektoren zur solarthermischen Stromerzeugung an:
Wenn sich auch die konstruktiven Detaillösungen der drei Firmen stark unterscheiden, so sind sie sich doch in der Dimensionierung des Kollektors (Länge, Höhe, Breite) sehr ähnlich. Das Ziel ist jeweils Kollektorfelder im Kraftwerksmaßstab d.h. mit mindestens einigen 10 bis zu einigen hundert MWth zu bauen.
Der Fresnel-Prozesswärmekollektor der PSE GmbH
Der PSE Fresnel-Kollektor ist um etwa einen Faktor zwei kleiner dimensioniert
als die Kollektoren für Kraftwerksanwendungen. Ziel der Entwicklung war
ein Kollektor, der Prozesswärme im Temperaturbereich von etwa 200°C
bereitstellen kann und der für Kollektorfelder mit einer thermischen Leistung
ab etwa 50 kW eingesetzt werden kann. Bei dieser Größe wird es attraktiv,
die Dachfläche von Industriehallen für die Aufstellung des Kollektors
zu nutzen. Da der Kollektor nur sehr niedrige Windlasten hat, ist es möglich
ihn ohne Durchdringung der Dachhaut aufzustellen. Grundgedanke der Konstruktion
war eine hohe Modularität zu schaffen. Ein Kollektormodul ist 4 m lang
(dieses Maß ist durch das Absorberrohr definiert) und 7,5 m breit. 11
Spiegelreihen mit je 0,5 m Breite sind darin mit jeweils 20 cm Abstand zueinander
montiert. Damit wird eine Aperturbreite von 5,5 m bzw. eine Aperturfläche
von 22 m² pro Modul erreicht.
Wie jede konzentrierende Kollektortechnologie kann auch der Fresnel-Kollektor
nur Direktstrahlung nutzen. Diffusstrahlung, welche von nichtkonzentrierenden
Kollektoren und PV-Modulen absorbiert wird, kann vom Fresnel-Kollektor nicht
genutzt werden.
Der Energieertrag eines Kollektors hängt sehr stark vom Installationsort
ab, so ist der Bruttowärmeertrag pro Jahr eines Fresnel-Kollektors in Südspanien
mit 654 kWh/(m²a) mehr als doppelt so hoch wie in Deutschland mit 251 kWh/(m²a),
in Ägypten mit 1025 kWh/(m²a) fast viermal so groß.
Im Dezember 2005 wurde ein erster Prototyp des Kollektors mit 88 m² Spiegelfläche
in Freiburg installiert (Abbildung 2). Das Spiegelfeld überragt den Absorber
auf jeder Seite um 4 m um eine hinreichend lange Messzeit zu erreichen, in der
der komplette Receiver beleuchtet ist. An dem Kollektor wurden im Sommer 2006
ausführliche Detailuntersuchungen und Leistungsmessungen durchgeführt.
Abbildung 3: Erster Prototyp des PSE Fresnel-Kollektors in Freiburg
Ein zweiter Prototyp mit 132 m² Spiegelfläche liefert seit September 2006 die Antriebswärme zum Betrieb einer NH3/H2O-Absorptionskältemaschine der Firma Robur S.p.A. in Bergamo, Italien. Der Fresnel-Kollektor liefert der sonst erdgasbetriebenen Kältemaschine heißes Druckwasser, mit dem sie Temperaturen bis unter den Gefrierpunkt erzeugen kann. Dadurch ist der Einsatz eines Eisspeichers möglich, der die Kälte zeitversetzt abgibt und so auch einen Betrieb der Klimaanlage während der Nachtstunden ermöglicht.
Anwendungen und Ausblick
NH3/H2O-Absorptionskältemaschinen sind aufgrund
ihres großen Temperaturhubs besonders attraktiv für solare Kühlungsanlagen:
Einerseits benötigen sie auch bei sehr hohen Umgebungstemperaturen keinen
Nasskühlturm um die Abwärme abzuführen, was besonders in ariden
Zonen ein sehr wichtiger Vorteil ist. Andererseits erreichen sie Temperaturen
unter 0°C, was wiederum den Einsatz von Eisspeichern und die Erzeugung von
Industriekälte ermöglicht.
Der Antrieb von Absorptionskältemaschinen ist eine sehr attraktive, jedoch
nur eine von vielen Anwendungsmöglichkeiten solarer Prozesswärme.
In einer Vielzahl von industriellen Prozessen, z.B. in der Lebensmittelindustrie
und Textilindustrie wird Wärme auf einem hohen Temperaturniveau benötigt
(Abbildung 3).
Abbildung
4: Prozesswärmebedarf der
Industrie nach Temperaturbereichen
(Angaben zu Österreich nach Neubarth, Kaltschmitt,
2000)
Die Größenordnung des industriellen Prozesswärmebedarfs zwischen
100°C und 200°C entspricht etwa dem Energiebedarf der häuslichen
Warmwasserversorgung - ein riesiger noch nicht erschlossener Markt. Für
Prozesswärmeanwendungen ist die Installation von Fresnel-Kollektoren auf
Industrie¬flachdächern im Augenblick die nächstliegende und einfachste
Art der Montage. Soll der Fresnel-Kollektor jedoch Absorptionskältemaschinen
antreiben, welche wiederum große repräsentative Gebäude kühlen,
dann steigen die Ansprüche an Ästhetik. Eine aussichtsreiche Option
hierfür ist die Integration des Fresnel-Kollektors in die Gebäudehülle:
Große Bereiche des Gebäudes könnten flexibel verschattet werden
und gleichzeitig Energie zum Betrieb einer Kältemaschine liefern.
Die PSE GmbH forderte deshalb Studentinnen und Studenten an der Staatlichen
Akademie der Bildenden Künste Stuttgart zur Entwicklung von Ideen auf:
Es sollte ein städtisches Gebäudesystem im südlichen Europa entworfen
werden, das Menschen mit unterschiedlichsten Bedürfnissen Lebensraum bietet
und den Fresnel-Kollektor sinnvoll im Gebäude einsetzt.
Die Entwürfe mit dem Titel »Eintausendundeinraum« wurden im
Rahmen einer Semesterarbeit in der Klasse von Prof. Dr. Michel Müller (Klasse
für integrative Planungsmethodik und Gebäudetechnologie) entwickelt.
Das Ergebnis ist eine Reihe von Entwürfen, die zeigen, dass die Integration
von Fresnel-Kollektoren in Gebäude sowohl ästhetische als auch funktionale
Anforderungen erfüllen kann
Abbildung
5: Entwurf eines gebäudeintegrierten
Fresnel-Kollektors
(Matthias Kübler, ABK Stuttgart)
Nachwort
Die Kollektorentwicklung der PSE wurde gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung
Umwelt.
Der Kältemaschinenhersteller Robur entwickelt derzeit eine dem Kollektor
angepasste Ammoniak-Wasser-Absorptionskältemaschine. Sie ist besonders
wartungsarm und hat eine hohe Abwärmetemperatur. Letzteres garantiert,
dass sie bei über 45 °C Außentemperatur noch arbeiten kann, ohne
auf Nasskühltürme mit einem hohen Wasserbedarf angewiesen zu sein.
Für südliche Länder ein gutes Argument.
Abbildung
6: Konstruktion des ersten linearen
Fresnel-Reflektors von Giovanni Francia und Marcel Perrot, 1964
(Quelle: Privatarchiv von Giovanni Francia (1911-1980)[Sil05]
Die PSE GmbH entstand 1999 als Ausgründung des Fraunhofer ISE. Das Unternehmen hat sich auf Anwendungen für Solarthermie und Photovoltaik spezialisiert. Zur Produktpalette gehören Mess- und Regeltechnik für solare Kühlungsanlagen und konzentrierende Kollektoren. Weitere Geschäftsfelder sind die Entwicklung und Produktion von Sonderanfertigungen für Solar-Prüfstände wie Nachführgeräte oder Sonnensimulatoren sowie das Management internationaler Forschungsprojekte.
Ansprechpartner PSE GmbH – Forschung, Entwicklung, Marketing:
Christian Zahler, Solar Info Center, D-79072 Freiburg,
Tel. +49/761/479 14-0, Fax +49/761/479 14-44
info@pse.de, www.pse.de
Literatur
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*) Dr. Andreas Häberle ist Geschäftsführer und Dipl. Phys. Christian Zahler leitet den Marktbereich Solarthermie sowie das Geschäftsfeld Anlagenbau der PSE GmbH, info@pse.de, www.pse.de [^]