Hochwertige Sanierung von Gebäuden
Solarthermie
In
Europa und auch weltweit werden sehr unterschiedliche Systeme zur Warmwasserbereitung
und Raumheizung eingesetzt. Wenn bei einer Sanierung eine Solaranlage eingesetzt
werden soll, sollte die Integration der solarthermischen Komponenten in die
bestehende Haustechnik so einfach wie möglich sein.Einige Beispiele, die
im EU-Projekt NEGST zusammengetragen wurden, sind in diesem Artikel dargestellt.
Integration von Solaranlagen in konventionelle Heizungssysteme
Von Dagmar Jähnig und Charlotta Isaksson *
Die konventionellen Systeme, die in Europa zur Raumheizung und Warmwasserbereitung
eingesetzt werden, unterscheiden sich je nach Region erheblich. Welches konventionelle
Heizungssystem in einem Gebäude eingesetzt ist, bestimmt oft auch, was
für eine Solaranlage dort integriert werden kann. Dies führt zu einer
Reihe von verschiedenen Optionen für Ein- und auch Mehrfamilienhäuser.
Ein wichtiger Punkt bei der Integration von Solaranlagen ist, dass dabei gute
Betriebsbedingungen für die Solaranlage geschaffen werden. Sonnenenergie
sollte immer Priorität haben und die konventionelle Nachheizung nur dann
eingesetzt werden, wenn nicht genug Energie von der Sonne zur Verfügung
steht.
Einfamilienhäuser: Solarkollektoren als zweiter “Heizkessel”
Einfamilienhäuser, die schon einen aufrecht stehenden Warmwasserspeicher mit einem integrierten Wärmetauscher haben, können mit einem Solarkollektor komplettiert werden, der einfach parallel zum existierenden konventionellen Heizkessel angeschlossen wird.
Abbildung
1: Heizungswasser wird als Wärmeträger
im Kollektor verwendet
(Bildquelle: Paradigma, Deutschland)
In diesem Fall wird der Solarkreis wie ein zweiter Heizkessel angeschlossen
(siehe Abbildung 1). Heizungswasser wird als Wärmeträgermedium auch
im Kollektorkreis verwendet. Dadurch können beide Wärmequellen den
gleichen Wärmetauscher im bestehenden Warmwasserspeicher nutzen. Das bedeutet
aber auch, dass der Kollektor immer mindestens auf derselben Temperatur wie
der konventionelle Kessel betrieben werden muss. Dies wird durch die Regelstrategie
des Kollektorkreises erreicht, die die Kollektorkreispumpe so steuert, dass
die Temperatur im Kollektorvorlauf immer mindestens so hoch ist wie die Solltemperatur
für das Warmwasser.
Abbildung
2: Einfamilienhaus in Schweden
(Bildquelle: Klaus Lorenz, Schweden)
Dieses System funktioniert nur, wenn Vakuumröhrenkollektoren verwendet
werden, die bei hohen Betriebstemperaturen einen höheren Wirkungsgrad aufweisen
als Flachkollektoren und aufgrund ihrer Vakuumisolierung im Winter nur in ganz
seltenen Fällen einfrieren. Einfrieren der Rohrleitungen wird dadurch verhindert,
dass gelegentlich eine geringe Menge Wasser vom Speicher in die Rohrleitungen
gepumpt wird.
Mit einem ähnlichen Systemkonzept kann auch eine solare Heizungsunterstützung
realisiert werden. In diesem Fall sind noch einige wenige weitere hydraulische
Verbindungen notwendig, so dass das Wärmeträgermedium von den Kollektoren
direkt in den Heizkreis gelangen kann.
Der Nachteil dieses Systems ist allerdings, dass wegen des meist geringen Volumens
des konventionellen Warmwasserspeichers die solare Deckung immer relativ niedrig
ist.
Austausch des konventionellen Heizkessels
Eine andere typische Situation ist, dass der alte Heizkessel eines Einfamilienhauses,
der sowohl für Warmwasser als auch Raumheizung verwendet wurde, ausgetauscht
wird. In diesem Fall macht es Sinn, ein sogenanntes Kompaktgerät einzusetzen.
Solche Geräte bestehen aus nur einer Einheit, in die bereits der Wärmespeicher
für Trinkwarmwasser und Raumheizung sowie die Pumpengruppe für den
Solarkreis, die Warmwasserstation, die Nachheizung und der Regler für die
gesamte Einheit integriert sind.
Der Installateur muss dieses komplett vorgefertigte Gerät lediglich im
Heizungskeller oder möglicherweise auch unter dem Dach aufstellen und den
bestehenden Heizkreis, Kalt- und Warmwasserleitung anschließen (Abbildung
3). Es gibt auf dem Markt Geräte mit verschiedenen Energieträgern
für die Nachheizung wie zum Beispiel Erdgas, Erdöl oder Holzpellets.
Der bestehende Energieträger kann also weiterhin genutzt werden. Eine Reihe
von europäischen Firmen bietet solche Kompaktsysteme an, wie z.B. SOLVIS
und Rotex in Deutschland, Solarfocus in Österreich, CLIPSOL in Frankreich,
Daalderop in den Niederlanden, Agena in der Schweiz und Solentek AB in Schweden.
Der Vorteil dieser Systeme ist nicht nur, dass sie vorgefertigt und schnell
und einfach zu installieren sind, sondern auch, dass sie fix und fertig ausgelegt
sind. Der Installateur muss also nur noch das Paket auswählen, dass am
besten zum Warmwasserverbrauch und der Heizlast des jeweiligen Kunden passt
[1].
Abbildung
3: Mit einer solaren Kombianlage
kann die Anzahl der Anschlüsse vor Ort reduziert werden.
(Bildquelle: SOLVIS, Deutschland)
Separates System zur Warmwasserbereitung
In vielen Teilen Europas und auch Nordamerikas findet die Warmwasserbereitung
nicht gemeinsam mit der Raumheizung sondern in einem separaten Gerät statt.
Raumheizung kann beispielsweise mit Einzelwärmequellen, Luft- oder auch
anderen Heizsystemen bereitgestellt werden.
In solchen Fällen wird der Warmwasserspeicher häufig mit einem elektrischen
Heizelement im Speicher beheizt. Diese Speicher haben meist nur zwei Anschlüsse:
einen unten für das Kaltwasser und einen oben, wo das Warmwasser entnommen
wird. In einem System aus Kanada (Fa. Enerworks), wird die Solaranlage genau
an diese beiden Anschlüsse angehängt und übergibt ihre Wärme
über einen externen Wärmetauscher. Das Ventil oberhalb des Wärmetauschers
ist offen, wenn der Speicher solar beladen wird. Dann kann das Wasser in den
Wärmetauscher von unten einströmen, steigt mittels Naturumlauf nach
oben und fließt zurück in den Speicher. Wenn dagegen Warmwasser gezapft
wird, tritt das kalte Wasser von oben in den Wärmetauscher, durchfließt
hin also gewissermaßen rückwärts und gelangt unten in den Speicher.
Abbildung 4: Wärmetauscher mit einer speziellen Rückflusseinrichtung, die auch eine Reinigungsfunktion ausübt
Mehrfamilienhäuser: Zentrales Heizungssystem mit 2-Leiter Netz
In Mehrfamilienhäusern wird häufig ein zentraler konventioneller
Kessel oder eine Fernwärmeübergabestation verwendet, über welche
die Wohnungen mit Trinkwarmwasser und Heizwärme versorgt werden. Ein sogenanntes
2-Leiter Netz transportiert die Wärme zu den einzelnen Wohnungen.
In diesem Fall kann das 2-Leiter-Netz beibehalten werden. In den einzelnen Wohnungen
werden sogenannte Wärmeübergabestationen eingebaut. Diese Wärmeübergabestationen
enthalten einen Wärmetauscher für die Warmwasserbereitung, regeln
den Durchfluss im Heizkreis und kontrollieren die Rücklauftemperaturen
in das Netz. Die Wärmeübergabestation sind für das Gesamtsystem
wichtig, weil nur dadurch tiefe Rücklauftemperaturen gewährleistet
werden können, die einen guten Wirkungsgrad der Solarkollektoren garantieren.
Bei gut eingeregelten 2-Leiter-Netzen liegen die Rücklauftemperaturen etwa
bei 30°C. Der Platzbedarf für Wärmeübergabestation ist gering,
sie können sogar unter Putz eingebaut werden (Abbildung 5).
Abbildung 5: Unterputzmontage einer Wärmeübergabestation (links) und ein Beispiel einer Wärmeübergabestation der Firma Redan/Danfoss aus Dänemark (rechts)
In den ursprünglich aus Skandinavien stammenden Wohnungsstationen sind
praktisch alle funktionswichtigen Komponenten für den problemlosen Betrieb
der Wohnungswärmeversorgung zusammengefasst. Die großen Vorteile
sind die industrielle Fertigung unter höchsten Qualitätskriterien,
die platzsparende Ausführung sowie der Einsatz von Komponenten ohne Fremdenergiebedarf.
Oft enthalten sie außerdem einen Wärmemengenzähler, so dass
die Wärmekosten auf die verschiedenen Wohnungen aufgeteilt werden können.
Zudem werden sie qualitativ hochwertig industriell gefertigt und enthalten nur
Komponenten, die keine zusätzliche Stromzufuhr von außen benötigen.
Wurden Wohnungsstationen ursprünglich im Bereich der Fernwärmetechnik
eingesetzt, so gibt es in Europa mittlerweile vier bis fünf Anbieter, die
speziell für den Geschosswohnbau entwickelte Produkte anbieten (z.B. Redan/Danfoss
in Dänemark, Logotherm in Deutschland) [2].
In konventionellen 2-Leiter-Netzen wird die Wärme vom Kessel direkt in
das Netz eingespeist. Bei der Sanierung mit einer Solaranlage wird ein zusätzlicher
Pufferspeicher benötigt, in den sowohl die Solaranlage als auch der konventionelle
Kessel Energie einspeisen. Das Netz wird dann oben an den Speicher angeschlossen.
Die sehr niedrigen Rücklauftemperaturen gelangen unten in diesen Speicher
und gewährleisten dadurch auch eine niedrige Rücklauftemperatur für
das Kollektorfeld und damit einen hohen Ertrag der Kollektoren.
Für Anwendungen, bei denen die räumlichen Abstände zwischen den
Verbrauchern relativ groß sind (z. B. Reihenhäuser), können
in jeder Wohnung kleiner Warmwasserspeicher installiert werden. Diese Speicher
werden dann in definierten Zeitfenstern ein- oder zweimal am Tag beladen. Bei
diesen Beladevorgängen wird das Netz bei Temperaturen zwischen 55 und 60°C
betrieben, während in der restlichen Zeit das Netz nur auf niedrigerer
Temperatur, die für die Heizkreise ausreicht, läuft. Dadurch werden
die Wärmeverluste minimiert.
Zentrales Heizungssystem mit dezentraler Warmwasserbereitung
Ein weiterer typischer Fall sind Mehrfamilienhäuser, in denen die Heizung
zwar zentral erfolgt, jede Wohnung aber eine eigene Warmwasserbereitung hat.
Die Nachheizung erfolgt häufig mit Strom/Nachtstrom. Die Heizung wird meist
durch einen zentralen Heizkessel oder Fernwärme gewährleistet; sie
kann aber auch mit dezentralen Thermen in jeder Wohnung erfolgen. Der Einbau
einer zentralen Solaranlage wäre nur möglich, wenn auch das gesamte
Wärmeverteilnetz erneuert wird. Eine einfache Lösung wären hier
dezentrale Systeme.
Abbildung
6: In Fassaden oder Balkongeländer
integrierte Kollektoren sind mit Speichern in den einzelnen Wohneinheiten verbunden
In solchen Fällen sind die eingesetzten Solaranlagen sehr ähnlich
denen in Einfamilienhäusern, da jede Wohnung ihre eigene Solaranlage bekommt.
Der Unterschied ist, dass bei Mehrfamilienhäusern die Distanz zwischen
Dach und Speicher oft deutlich größer ist als bei Einfamilienhäusern.
Daher kann es vorteilhaft sein, die Kollektoren in der Fassade (Abbildung 6,
linkes Bild) oder z. B. am Balkon (Abbildung 6, rechtes Bild), also in räumlicher
Nähe zur der jeweiligen Wohnung, zu installieren. Diese Systemkonfiguration
ist besonders dann sinnvoll, wenn die Fassade des Gebäudes ohnehin renoviert
werden muss.
Dadurch werden die Rohrleitungslängen und dadurch auch deren Verluste minimiert.
Ein Regelalgorithmus ist notwendig, um die elektrische Nachheizung immer nur
nach Sonnenuntergang zu aktivieren, so dass nur dann nachgeheizt wird, wenn
der Solarertrag tagsüber zu gering war. Bei Nachtstromgeräten ist
dies schon automatisch integriert.
Minimaler Aufwand
Der beste Zeitpunkt für eine Nachrüstung eines bestehenden Gebäudes
mit Solarenergie ist immer dann gegeben, wenn das Gebäude renoviert werden
muss oder das alte Heizungssystem ersetzt werden muss. Einige einfache Konzepte
wurden in diesem Artikel dargestellt. Sie zeigen, dass in vielen Fällen
eine Nachrüstung mit Solarenergie auch mit geringem Aufwand möglich
ist.
Diese Artikel ist im Rahmen des EU-Projektes NEGST (New Generation of Solar
Thermal Systems) entstanden, das im 6. Forschungsrahmenprogramm von der DG-TREN
und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit finanziert wird.
Literatur
Agena, www.agena-energies.ch Projekthomepage, von der Projektberichte heruntergeladen werden können: http://www.swt-technologie.de/html/negst.html |
*) Dipl.-Ing. Dagmar Jähnig und Dipl.-Ing.Charlotta Isaksson sind Mitarbeiterinnen der AEE INTEC, d.jaehnig@aee.at[^]