Hochwertige Sanierung von Gebäuden
Nachhaltige Gebäude
Baudenkmale
zu erhalten bedingt eine funktionelle verbunden mit einer baukonstruktiven Ertüchtigung.
Darüber hinaus tragen die energetische Verbesserung der Gebäudehülle
und der Einsatz neuer Technologien und erneuerbarer Energiequellen zur Emissionsminderung
und zum Erhalt umweltgeschädigter Baudenkmale bei. Die Bewahrung und Pflege
von Bau-denkmalen dient der Ressourcensparung im Sinne des Umweltschutzes..
Denkmal
und Energie
- Praxisorientierte Forschung an der Technischen Universität Dresden
Die beiden Zielvorgaben - Erhalt der Baudenkmale bei gleichzeitiger Senkung des Energieverbrauchs und Verbesserung des Raumkomforts - lassen sich in der Praxis häufig nur schwer vereinen. Denkmalschützer und Planer geraten in eine Konfliktsituation, vor allem, wenn neuartige Technologien, Systeme oder Komponenten angewendet werden sollen.
Problemstellung und Forschungsansätze
Baudenkmale sind komplexe Gebäude mit einer hohen Anzahl von Planungsfaktoren
und Schnittstellen. Die heterogenen Interessen und komplexen Strukturen bei
den Entscheidungsträgern fordern eine integrale, interdisziplinäre
planerische Auseinandersetzung. Das Forschungsprojektkonsortium im Projekt „Denkmal
und Energie“ besteht deshalb aus Partnern verschiedener Fachdisziplinen,
so dass alle Akteure und Entscheidungsträger am Projektverlauf und dessen
Ergebnissen angemessen beteiligt sind. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt und
der Energiefonds Berlin der e.on fördern das Projekt.
Im Vordergrund stehen die Bewertung von Maßnahmen und Technologien zur
Verbesserung der Energieeffizienz von Baudenkmalen. Sie erfolgen am Beispiel
von abgeschlossenen Bauprojekten (so genannte Beispielprojekte), in Form einer
Intensivevaluation von Referenzprojekten, die sich durch ihre Beispielhaftigkeit
auszeichnen, und an zwei Demonstrationsprojekten aus dem Schul- und Wohnungsbau
in der Planungs- und Ausführungsphase.
Abbildung 1: Blick in das Foyer
Energetische Optimierung
Die Probleme der Nutzbarkeit eines Baudenkmals aus denkmalpflegerischer Sicht
liegen im Grundkonflikt zwischen aktuellen Funktionen, die häufig eine
energetische Sanierung bedin-gen, und tradierter Bedeutung des Gebäudes.
Neben Kriterien der Denkmalpflege bestim-men auch Kriterien der Bauphysik, Baukonstruktion,
Gebäudetechnik und Ökologie die Zweckmäßigkeit der Eingriffe.
Die zweihundertjährige Geschichte der Denkmalpflege zeigt, dass die Erhaltungsmethoden
nicht einem einzigen, dauerhaften Grundsatz unterworfen waren, sondern meist
durch das jeweilige Zeitverständnis oder durch historische Ereignisse beeinflusst
wurden. Es kommt also darauf an, die historischen Gebäude in das moderne
Leben einzubinden, was sinnvoll nur möglich ist, wenn man Denkmälern
eine angemessene funktionale und ideelle “Aufgabe” im Kontext der
heutigen Betätigungen und Anforderungen des Menschen zuweist (Neubelebung)
und sie umsichtig an die Erfordernisse unserer Zeit anpasst (Sanierung).
Wesentlich für die Bewertung von Veränderungen aus denkmalpflegerischer
Sicht sind dabei die Fragen nach den Denkmaleigenschaften, der Unversehrtheit
des baulichen Bestandes und der Reversibilität der Maßnahmen am Baudenkmal.
Weiteres Augenmerk muss auf das Verhältnis zwischen dem Baudenkmal und
seiner Umgebung sowie auf die verträgliche Nutzung für die Zukunft
und auf das Verhältnis der Öffentlichkeit zum Baudenkmal nach der
Durchführung der Maßnahme gerichtet werden.
Veränderungen am Baudenkmal zu genehmigen oder abzulehnen ist von Fall
zu Fall zu entscheiden. Übertragbar sind jedoch die Problemstellungen und
Lösungsansätze.
So weisen beispielsweise Wohnungssiedlungsbauten der Klassischen Moderne baukon-struktive
Typisierungen und damit verbundene bautechnische Schwachstellen auf. Ähnliches
gilt für die Bauweise von Wohnungsbauten der Nachkriegsmoderne. Auch bestimmte
Nutzungsanforderungen lassen sich übertragen. Dies gilt für die Fortnutzung
von Baudenkmalen als Schulen (raumklimatische Belastungen) oder Museen wie zum
Beispiel das Zeughaus in Berlin, heute Deutsches Historisches Museum (Abbildung
2) mit spezifisch hohen Anforderungen an das Raumklima.
Abbildung
2: Ehemaliges Zeughaus, heute Deutsches
Historisches Museum Berlin.
(Foto: Brenne Architekten Berlin)
Nutzungsbedingte Anforderungen an das Baudenkmal
Historische Museumsbauten aus Barocker oder Wilhelminischer Zeit, zumeist museal genutzte Schlösser und Herrenhäuser, erscheinen veraltet und ohne ausreichendes Potenzial für ein zukunftsfähiges Museum. Da es sich bei diesen Gebäuden fast immer um Baudenkmäler handelt, ist der Handlungsspielraum beim Umbau eingeschränkt. Die wertvolle historische Bausubstanz verbietet massive Eingriffe. Gerade die hohen gebäudetechnischen Nutzungsanforderungen, die ein zeitgemäßer Museumsbetrieb mit sich bringt, im besonderen die Bereitstellung der Technik zur Klimatisierung, zur Sicherung des Ausstellungsgutes, für die Beheizung, Belichtung und Lichtführung, den Brandschutz oder für den behindertengerechten Ausbau, bereiten erhebliche Probleme und verlangen gebäudebezogene Sonderlösungen.Interdisziplinäre Konzeptentwicklung
Das ursprüngliche Umbaukonzept sah vor, dass - neben einer zentralen Klimatisierung
- alle Versorgungsleitungen durch abgehängte Decken und aufgeständerte
Böden führen sollten. Dies hätte einschneidende Veränderungen
im Raumeindruck und auch Konsequenzen für die Bausubstanz zur Folge gehabt.
Als die „Kunst des kleinstmöglichen Eingriffs“ beschreibt Winfried
Brenne von Brenne Architekten Berlin seinen Entwurfs- und Planungsansatz beim
Umbau des Zeughauses zu einem modernen Ausstellungsgebäude.
Zusammen mit den Klimaingenieuren von Transsolar in Stuttgart entwickelte er
ein Klimakonzept, das eine neuartige, dezentrale Raumklimatisierung vorsah.
Mit dieser Idee gingen sie siegreich aus einem Architektenwettbewerb hervor
und erneuerten grundlegend die völlig unbefriedigende vorhandene Gebäudetechnik
– allerdings unter Nutzung der Besonderheiten des Gebäudes, so dass
daraus wenig sichtbare Spuren und damit wenig Veränderungen einhergingen.
Das betrifft die Klimatisierung ebenso wie die hohen Anforderungen an die Sicherheits-
und Brandschutztechnik.
Dezentrale Klimatisierung
Das Fassadenkonzept der Restaurierung des Zeughauses sah einen Erhalt der historischen
Fenster vor. Für die Montage der Klimatechnik standen somit die Fensternischen
mit Ausrichtung nach außen und zum Innenhof mit einer Breite von 2 m und
einer möglichen Einbautiefe von 1,2 m zur Verfügung. Die direkte Frischluftzufuhr
konnte auf kurzem Wege über einen Mauerdurchbruch und isolierten Lüftungsschlitz
bereitgestellt werden.
Die gesamte Technik wurde in einem ca. 50 cm hohen und die gesamte Nischenbreite
einnehmenden Kasten untergebracht, welcher visuell in den Hintergrund tritt.
Eine dem historischen Fenster nachgeordnete, raumseitige Verglasung übernimmt
neben den Sicherheitsfunktionen für das Gebäude auch einen Anteil
des Strömungskonzeptes der Klimatisierung. Sämtliche Zu- und Steuerungsleitungen
konnten verdeckt in Wandschächten untergebracht werden (Abbildung 3). Jeweils
ein Wandschacht versorgt zwei Fensterachsen.
Der Einbau an der Außen- und Hoffassade hat zur Folge, dass sich die 25
m Raumtiefe in zwei 12,5 m lange Bereiche teilen. Die Steuerung basiert auf
einer Messdatenerfassung, die zentral mehrere Klimageräte regelt und somit
einzelne Klimazonen ermöglicht.
Die entscheidende Neuerung dieses Konzeptes war die Umsetzung der gestellten
Anforde-rungen zum Schutz der Exponate für Räume mit großer
Deckenhöhe und Raumtiefe. Bei den Klimageräten handelt es sich um
die Kombination bestehender Einzelkomponenten zu einem neuartigen System, das
durch ein neues Strömungskonzept mit Quell- und Umluftströmungen und
einer intelligenten, auf Messwerten beruhenden Steuerung, komplettiert wurden.
Abbildung 3: Fensternische mit Kleinklimaanlage (Foto: Brenne Architekten Berlin)
In Simulationen und nachfolgenden Modellversuchen im Versuchslabor der LTG
Aktiengesellschaft und vor Ort, konnte sichergestellt werden, dass in verschiedenen
Betriebszuständen die geforderten klimatischen Bedingungen sowie die erforderlichen
Heiz- und Kühlleistungen erbracht werden können.
Um sowohl die Anforderungen an eine konstante räumliche Temperatur- und
Feuchteverteilung bei gleichzeitiger Außenluftzufuhr in die gesamte Raumtiefe
zu gewährleisten, wurde ein Konzept aus kombinierter Quell- und Mischlüftung
angewendet (Abbildung 4).
Abbildung 4: Simulierte Thermographie unterschiedlicher Betriebszustände
Bei der Quelllüftung wird die angesaugte Außenluft mit 2 - 3 °C Untertemperatur impulsarm in den Raum geblasen und schiebt sich bodennah nahezu turbulenzfrei in die Raumtiefe. Die Mischlüftung saugt Raumluft aus 4 m Höhe durch den zwischen historischem Fenster und neuer Glasebene entstehenden Ansaugschacht und gibt sie konditioniert über ein Lightshelf geführt in den Raum ab. Die Strömungsführung verhindert einen Kurzschluss zwischen der Ansaugung und Ausblasung. Die Fortluft wird über eine zentrale Anlage im Dachgeschoß abgeführt. Auf eine Wärmerückgewinnung wurde aus diesem Grund verzichtet.
Kosteneinsparung und Nutzflächengewinn
Das dezentrale Klimakonzept hat gegenüber den herkömmlichen Konzepten
bedeutende Raumbedarfsvorteile. Die Nischenlösungen passen sich dezent
in das Gesamtbild der Raumgestaltung ein. Die Unterbringung eines für Tageslichtmuseen
notwendigen Sonnenschutzes war durch geringen Mehraufwand möglich. Die
Versorgungsleitungen konnten in platzsparenden Versorgungsschächten verdeckt
verlegt werden. Großflächige Luftverteilersysteme sind im Gegensatz
zu einer zentralen Klimatisierungslösung nicht notwendig.
Eine Anlage zur zentralen Klimatisierung würde eine Fläche von ca.
250 – 300 m² zusammenhängend beanspruchen. Zusätzlich wären
Lüftungsschächte nötig, die das gesamte Gebäude erschließen,
sowie eine abgehängte Decke oder Zwischenböden.
Die vergleichende Kostenkalkulation auf Grundlage einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
zeigt, dass in diesem Projekt die dezentrale Nischenlösung im Vergleich
zur zentralen einen jährlichen Kostenvorteil von etwa 180.000 € ermöglicht.
Diese Tatsache, dass sowohl die Investitionskosten als auch die Unterhaltungs-
und Betriebskosten für die gewählte innovative technische Gebäudeausrüstung
nicht nur jedem Vergleich standhalten, sondern sich sogar günstig darstellen,
ist wichtig für Bauherrn und Nutzer. Die Nutzfläche, die bei herkömmlichen
Konzepten für die Gebäudetechnik abgetreten werden muss, konnte als
zusätzliche Fläche zur Verfügung gestellt werden.
Fazit
Die heutigen Anforderungen an ein modernes Museum sind aufgrund ansteigender
Besucherzahlen und die versicherungstechnischen Auflagen an das Klima in Museen
zum Schutz der Exponate enorm gestiegen.
Während der Umgestaltung und Sanierung eines der ältesten Gebäude
von Berlin, dem ehemaligen Zeughaus, wurde bis 2004 für das Deutsche Historische
Museum auf 10.000 m² eine voll klimatisierte Museumsfläche realisiert.
Der Einbau der Klimatechnik war unter Einhaltung aller Beschränkungen des
Denkmalschutzes mit höchsten Anforderungen hinsichtlich der Konstanz der
Luftzustandsgrößen in den mit über 6 m Raumhöhe und 25
m Raumtiefe sehr großen Ausstellungsräumen zu realisieren. Ein konventioneller
Ansatz, die Klimatechnik in den Decken und Böden unterzubringen, hätten
sich aufgrund der geschützten Substanz schwierig gestaltet.
Das Projekt ist ein gelungenes Beispiel, wie durch den Einsatz moderner Technik
und innovativer Konzepte der Erhalt des Erscheinungsbildes und der Bausubstanz
historischer Gebäude auch unter schwierigen Bedingungen realisiert werden
kann. Neben den Kostenvorteilen bietet das System der dezentralen Klimatisierung
einen reduzierten Energieverbrauch.
*) Dr.-Ing. Architektin Susanne Rexroth ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Technischen Universität Dresden, Institut für Baukonstruktion, susanne.rexroth@tu-dresden.de [^]