Hochwertige Sanierung von Gebäuden
Wassermanagement
In
mehreren Projekten hat die AEE INTEC nachhaltige Wasserwirtschaftsmaßnahmen,
sogenannte Ecosan-Lösungen geplant und teilweise umgesetzt. Bei den Vorgesprächen,
der Planung und Umsetzung gab es Gelegenheit, die Rahmenbedingungen für
die etwas vom Standard der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung abweichenden
Maßnahmen in mehreren Ländern näher kennenzulernen. Daraus wurden
Vorschläge für Verbesserungen der Rahmenbedingungen abgeleitet.
Rahmenbedingungen
zur Umsetzung nachhaltiger Wasserwirtschaftsmaßnahmen
- Erforderliche Gesetzliche Regelungen und Förderrichtlinien
Einleitung
Die europäische Wasserrahmenrichtlinie stellt in der Einleitung fest: „Aufgrund
der unterschiedlichen Gegebenheiten und des unterschiedlichen Bedarfs innerhalb
der Gemeinschaft werden spezifische Lösungen benötigt. Bei der Planung
und Durchführung von Maßnahmen zum Schutz und nachhaltigen Gebrauch
von Wasser im Rahmen eines Einzugsgebiets muss diese Diversität berücksichtigt
werden. Entscheidungen sollten auf einer Ebene getroffen werden, die einen möglichst
direkten Kontakt zu der Örtlichkeit ermöglicht, in der Wasser genutzt
oder durch bestimmte Tätigkeiten in Mitleidenschaft gezogen wird.“
In Artikel 11.3 c) geht es um „Maßnahmen, die eine effiziente und
nachhaltige Wassernutzung fördern, um nicht die Verwirklichung der in Artikel
4 genannten Ziele zu gefährden“. Die Europäische Union spricht
ausdrücklich von einer großen Bandbreite von Lösungen, mit deren
Hilfe die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie erreicht werden sollen. Die AEE INTEC
versucht, Projekte für die kleinräumige, haushaltszentrierte Ver-
und Entsorgung von Wohnhäusern und Tourismusbetrieben umzusetzen. Damit
kann Wasser effizient und umsichtig genutzt werden. Allerdings sind die derzeit
geltenden Rahmenbedingungen für diesen Ansatz zum Teil noch nicht optimal
geeignet.
Ansatz und Beispiele
SWAMP, "Sustainable Water Management and Wastewater Purification in Tourism
Facilities", war ein EU-Projekt mit der Kernidee die Abwasserentsorgung
für Tourismusbetriebe ohne Kanalanschluss dadurch zu optimieren, dass die
Wasserversorgung mit in die Planung eingebunden wird. Daraus ergeben sich im
Gegensatz zum konventionellen Modell einer Wasserversorgung und einer danach
folgenden Abwasserentsorgung einige neue Möglichkeiten:
In einem Wohnprojekt in der Oststeiermark (Pöllau bei Markt Hartmannsdorf) wurde versucht, ein ökologisches Gesamtkonzept umzusetzen. Die Energie kommt von Sonne und Biomasse. Die Gebäude aus Ziegel sind optimal gedämmt. Neben dem Trinkwasser aus einer eigenen Quelle wird Grauwasser getrennt gesammelt und zur Klospülung verwendet. Für Wäsche und Bewässerung wird Regenwasser gesammelt. Das Schwarzwasser wird in einer Pflanzenkläranlage gereinigt. Das vom Lebensministerium geförderte Projekt NASPA ermöglicht die genaue Beobachtung dieses Wassersystems.
Vorgangsweise
Eine ausführliche Untersuchung des Gebäudes ist jeweils Basis für
den Entwurf. Erhoben werden:
Die Planung beginnt im Haus bei den Sanitärinstallationen und Wasserverbrauchern,
berücksichtigt eventuelle Vorteile einer getrennten Sammlung und Ableitung
und optimiert die Reinigung für angestrebte Weiterverwendung. Regenwasser,
das für bestimmte Zwecke besonders gut geeignet ist, wird immer mit in
Betracht gezogen.
Manche der so entstehenden Vorschläge werden ganz konventionell, etwa eine
Pflanzenkläranlage für die Reinigung des Gesamtabwassers. Andere Vorschläge
sind für die Bauherren eher ungewöhnlich, weil sie nicht zu den üblichen
Aufgaben des Abwasserplaners gehören, zum Beispiel, wenn es darum geht,
bestehende Armaturen gegen wassersparendere auszutauschen, oder Urin getrennt
zu sammeln, um Stickstoff und Phosphor aus dem Abwasser direkt als Dünger
zu verwerten.
Bei solchen Vorschlägen muss der Bauherr ausführlich informiert und alle Für und Wider diskutiert werden. Besichtigungen von vorhandenen Anlagen oder ähnlichen Einrichtungen können helfen, sind aber aus Mangel an Beispielen in vertretbarer Entfernung nicht immer möglich. Dies sollte sich mit der Zeit bessern. Zum Teil hat auch der Zufall überzeugend gewirkt. So war das erste Projektjahr von SWAMP in Österreich ungewöhnlich trocken. Dadurch wurden die Bauherren empfänglich für das Wassersparen.
Erfahrungen bei der Umsetzung
Die breitere Anwendung von haushaltszentrierten Wasserversorgungs- und Entsorgungssystemen mit kleinen Kreisläufen bräuchte in Österreich erst noch günstigere Bedingungen. Dazu gehören passende Richtlinien, die Information und Schulung von Fachleuten in Behörden und Planungsbüros und die Information der Bevölkerung, die diese Systeme anwenden würde, sowie eine an die geänderten Techniken angepasste Förderpraxis.
Richtlinien
Behörden und Planer verwenden für ihre Arbeit Regelwerke, die den Stand der Technik festlegen, und beurteilen Lösungen nach deren einheitlichen Grundsätzen. Auch für den Bauherrn ist dies von entscheidender Bedeutung da er ein genehmigungsfähiges Projekt braucht. Ungewissheiten diesbezüglich haben auch bei den Projekten der AEE INTEC immer wieder zu langwierigen Diskussionen geführt, bzw. mussten manche durchaus sinnvollen Vorschläge wieder aufgegeben werden.
Folgende Richtlinien wären noch zu schaffen:
Der ÖVGW hat 2005 die Mitteilung W 86 zur Richtlinie W 86 „Nutzwasserverwendung“
überarbeitet. Der ÖVGW schreibt: „Ziel der vorliegenden Richtlinie
ist es, den Einsatz von Nutzwasser im nicht industriellen Bereich unter unterschiedlichsten
Aspekten zu beleuchten und die damit verbundenen Risiken aufzuzeigen.“
Von eventuellen Vorteilen ist hier nicht die Rede.
Gleichzeitig wurde vom teilweise gleichen Team in der AG 122.16 die neue Ö-Norm
B 2572 „Grundsätze der Regenwassernutzung“ erarbeitet. Dazu
die österreichische Umweltberatung: „Die neue Norm steht der Regenwassernutzung
vor allem aus hygienischen Gründen kritisch gegenüber. Konkrete Anleitungen
für die Planung und die Errichtung von Anlagen bzw. technische Vorschriften
für die Ausführung einzelner Komponenten sind nicht enthalten. Hier
kann weiterhin auf die nun vollständig vorliegende DIN 1989 verwiesen werden.“
Die sehr ablehnende Haltung im ÖVGW gegenüber Brauchwasser hat sich
auch bei der Regenwassernutzung, einer weltweit seit Jahrtausenden erfolgreichen
Praxis, durchgesetzt.
Abbildung 2: Regenwasser als gestalterisches Element
Trotzdem ist die Überarbeitung der beiden Papiere offensichtlich eine, wenn auch sehr zurückhaltende, Reaktion auf ein steigendes Interesse der Bevölkerung an diesen Themen. Eine etwas offenere Haltung und weitere Normen und Richtlinien wären hilfreich. In Deutschland haben sich DVGW und ATV mittlerweile zur DWG vereint und sind, wenn auch noch zögernd, dabei, ihre Richtlinien auf Hindernisse für Ecosan-Lösungen zu überprüfen.Abbildung 3: Links Wüste, rechts die Abwasserfarm Abu Rawash
Vor allem im Haushalt gibt es aber in Österreich ein großes Potenzial
gereinigtes Abwasser, vorwiegend Grauwasser, wieder zu verwenden. Auch hier
müsste von der Praxis abgegangen werden, überall Trinkwasser zu verlangen
und jede geringere Wasserqualität als großes Risiko zu betrachten.
Zum Beispiel gilt die EU- Badewasserrichtlinie durchaus als ausreichend um Gefahren
auch im direkten Kontakt mit Wasser zu verhindern. Bei der Klospülung mit
gereinigtem Grauwasser ist ein solcher Kontakt sogar weitgehend auszuschließen.
Es ginge hier vor allem um technische Probleme durch eine falsche Wasserqualität,
die durch geeignete Richtlinien zu verhindern wären. Ebenso ist Regenwasser
zum Wäschewaschen auf Grund der geringen Härte besser geeignet als
die meisten Leitungswässer. Hygienische Bedenken konnten durch Untersuchungen
ausgeräumt werden. Die Nutzung von Regenwasser sollte gefördert werden.
Mit solchen Maßnahmen kann auch die Umwelt geschont werden, weil sie neue
Techniken für die Abwasserreinigung zulassen und das Regenwasser mitbewirtschaftet
wird, statt es rasch aus Siedlungsgebieten abzuleiten. In Berlin gibt es ein
Beispiel wo bewusst der erste, stark belastete Spülstoß gereinigt
und wiederverwendet wird, um den Vorfluter zu entlasten.
Soziales Marketing
Eine effiziente und nachhaltige Wasserwirtschaft kommt nicht von selbst, auch
nicht bei entsprechenden legalen Rahmenbedingungen. Die einfachsten und trotzdem
wirksamen Maßnahmen betreffen Verhaltensweisen und deren Änderung.
Teilweise geht es dabei um das besonders stark verankerte und nur schwer anzusprechende
Hygieneverhalten. Nur zum Teil kann durch Technik die Wassereffizient verbessert
werden. Auch dann sind jedoch wieder Verhaltensweisen betroffen, etwa bei der
Verwendung von Grauwasser für bestimmte Zwecke im Haushalt.
Wie beim Rauchen oder der Gurtpflicht müssen gesetzliche Regelungen und
technische Entwicklungen durch Informations- und Sensibilisierungskampagnen
begleitet werden. Diese Kampagnen müssen die Bevölkerung, als Verbraucher
und Anwender, aber auch Behörden und Planungsbüros vom Sinn der Vorschläge
überzeugen. Es darf nicht unterschätzt werden, wie viel Energie in
die Überwindung von Widerständen auf Grund privater Ansichten von
Fachleuten in Behörden und Planungsbüros fließt. Letztlich müssen
auch Politiker in der Lage sein, die Maßnahmen mitzutragen und bedürfen
dazu gezielter Information.
Tarifgestaltung
Abwasserabgaben werden nach sehr unterschiedlichen Modellen berechnet. Das häufigste Tarifmodell bezieht die Abwasserabgabe direkt auf den Wasserverbrauch. Ein solcher Tarif bietet einen starken Anreiz für Verbrauchsreduktionen. Andere Tarifmodelle berechnen die Abgabe aber nach verbrauchsunabhängigen Kriterien, wie der Anzahl Toiletten in einer Wohnung oder der Wohnfläche. Solche Tarife stehen Maßnahmen, die auf eine Verbrauchsreduktion, durch Sparmaßnahmen oder Wiederverwendung, abzielen, im Wege. Sie sollten daher so angepasst werden, dass sie dem Verursacherprinzip besser entsprechen. Neue Ansätze, wie Urinabtrennung oder Komposttoiletten sind tariflich noch überhaupt nicht berücksichtigt. Hier gibt es noch einigen Anpassungsbedarf.
Förderung
Die österreichische Förderung im Siedlungswasserbau berücksichtigt seit einigen Jahren kreislauforientierte Maßnahmen in Einzelobjekten. Leider hat sich in der Praxis gezeigt, dass die förderbaren Maximalkosten auch bei Einsatz von neuen Techniken im Haushalt mit der trotzdem noch nötigen Abwasserreinigung erreicht werden. In den Jahren seit in Kraft treten der neuen Förderrichtlinie konnte bei keiner der von der AEE INTEC geplanten Pflanzenkläranlagen noch zusätzliches Fördergeld für kreislauforientierte Maßnahmen angerechnet werden. Ganz radikal neue Ansätze, zum Beispiel mit Komposttoiletten, die eine Abwasserreinigung unnötig machen, sind noch nicht akzeptiert und werden kaum genehmigt. Dies hat zur Folge, dass neue Ansätze nur bei großem Idealismus der Bauherrn in Betracht gezogen werden. Dabei kann die kombinierte Betrachtung von Ver- und Entsorgung Wasser und Kosten sparen helfen. Dies konnte in einigen Beispielen auch erzielt werden. In SWAMP konnte eine Pflanzenkläranlage um 20 m² kleiner gebaut werden, weil ein neuer Geschirrspüler mit viel geringerem Wasserverbrauch angeschafft wurde. Dabei wurden etwa 2600 Euro, die Differenz zwischen 20 m² Pflanzenkläranlage und dem neuem Geschirrspüler gespart.
Schlussfolgerung
Solche und ähnliche Beispiele sind besonders dankbar, weil hier die Vorteile klar auf der Hand liegen. Sie stellen eine starke Motivation dar und müssen dafür genutzt werden, den Ansatz möglichst zu verbreiten. Deren Vermehrung ist also eine erste Möglichkeit zur Verbreitung einer nachhaltigen Wasserwirtschaft. Sie sollten aber auch zum Anlass genommen werden, die Rahmenbedingungen so anzupassen, dass wirklich optimale Lösungen gefördert und umgesetzt werden.
"Wenn eine Idee nicht zuerst absurd erscheint, taugt sie nichts.“ Albert Einstein
*) Dipl.-Ing. Martin Regelsberger ist Leiter der Abteilung Wasser und Abwasser der AEE INTEC, m.regelsberger@aee.at [^]