Hochwertige Sanierung von Gebäuden
Wassermanagement
Sparen
hat einen guten Klang in einer Gesellschaft, die im Überfluss lebt, impliziert
es doch, dass man sich bemüht, haushälterisch mit seinen Ressourcen
umzugehen. In alle anderen Gemeinschaften, die mit viel weniger auskommen müssen,
ist dagegen jede Ausgabe kritisch zu überprüfen, um zu überleben.
Wassersparen im Wohnbau
Die meisten werden in unserem Land einen sparsamen Umgang mit dem „kostbaren
Gut“ Wasser zustimmen und auch individuell versuchen, Wasser zu sparen,
wissen aber auf Nachfrage in den seltensten Fällen den Kubikmeterpreis
für Leitungswasser zu nennen. In Ländern mit Wasserknappheit oder
ohne Verteilernetz weiß jeder, was es an Geld, Zeit und Arbeit kostet,
sich mit Wasser zu versorgen, z. B. in Jordanien, Palästina oder Bangladesh
wo aufgefangenes Regenwasser, oft die einzige einigermaßen hygienisch
sichere Trinkwasserquelle ist. Wenn hier über Wassersparen im Wohnungsbau
gesprochen werden soll, so müssen am Anfang die Relationen genannt werden,
in welchen Bereichen die großen Wasserkonsumenten zu verorten sind. Im
globalen Maßstab ist es die Landwirtschaft, die mit ca. 70 % am Frischwasserverbrauch
beteiligt ist. Effizientere Bewässerungstechniken würden einen wesentlich
größeren Beitrag zur Schonung der verfügbaren Süßwasservorräte
leisten als im häuslichen Bereich.
Auch muss die Frage gestellt werden, warum in Mitteleuropa Wasser gespart werden
soll, wo es doch im landläufigen Sinn gut mit Süßwasser versorgt
zu sein scheint:
Wie viel Wasser muss ein?
Wassersparen als Aktion oder Aufforderung sagt nichts darüber aus, welches
Verbrauchsziel angestrebt wird. Ein US-Amerikaner könnte seinem täglichen
Verbrauch von 400 Litern Leitungswasser könnte durch z.B. das Einstellen
der Getränkekühlung unter laufendem Wasser auf 300 Liter mindern,
hätte damit 25 % eingespart, läge aber immer noch doppelt so hoch
wie ein Österreicher mit seinem Trinkwasserverbrauch von 145 Liter pro
Kopf und Tag. Wo soll also der sozial angemessene oder ökologisch vertretbare
spezifische Wasserverbrauch liegen? Dies kann nicht für alle Regionen der
Welt gleich mit einer Zahl beantwortet werden. Obwohl die UNESCO den Mindestwasserverbrauch
für einen Bürger dieser Erde mit 50 Liter pro Tag errechnet hat. Darin
wären die Mengen für Trinken, Essenszubereitung und für die Körper-
und Kleidungspflege enthalten. Aber hier ist die Frage zu stellen, müssen
diese 50 Liter auch Trinkwasserqualität besitzen? Mitnichten, denn nur
10 % davon - fünf Liter - benötigen wir täglich, um unseren Durst
zu stillen und zum Kochen. Zum Waschen würde Regenwasser ausreichen und
für profanere Zwecke wie Toilettenspülung oder Gartenbewässerung
reichte gereinigtes Grauwasser aus.
Die Menschen in Deutschland und Österreich leben hinsichtlich der Leitungswasserqualität
auf einer Insel der Seligen. Nur in wenigen Staaten der Welt hat das Leitungswasser
eine derart hohe Qualität, dass es ohne weiteres getrunken werden kann.
Schon in vielen EU-Mitgliedsstaaten in Süd- oder Osteuropa ist das Leitungswasser
gechlort und wer es sich leisten kann, kauft sein Trinkwasser dort in der Flasche.
Abbildung
1: Armut, öffentliches Bewusstsein
und die Politik bestimmen den Wasserverbrauch
(Quelle: Memon & Butler, 2001, WaterSave Network,
UK)
Wassersparen - mit Kopf und Portemonnaie?
Der in Deutschland in den 70er- und 80er-Jahren des letzten Jahrhundert prognostizierte
häusliche Wasserverbrauch von über 200 l/Person und Tag ist nicht
eingetreten, seit 1990 ist sogar eine ständige Abnahme zu verzeichnen,
heute wird er mit 127 Liter angegeben. Sicherlich hat die Einführung der
6-Liter-Spültoilette mit Stoptaste, die die Unterbrechung des Spülstroms
ermöglicht, mit dazu beigetragen, die Trinkwasserverschwendung für
diese Wassernutzung zu reduzieren. Diese Einsparung wurde aber wieder aufgehoben
durch die Aufwertung des Badezimmers als „Wellnessraum“ mit verschiedenen
Dusch- und Badeanwendungen. Entscheidend wurde aber die individuelle Abrechnung
des Wasserverbrauchs über Wohnungswasserzähler im Geschosswohnungsbau.
Immer mehr Haushalte werden auf Wunsch der Mieter mit Wasserzählern ausgerüstet,
so dass die Nebenkosten „Wasser“ nicht mehr pauschal über Fläche
oder Personenzahl berechnet wurden sondern exakt nach dem tatsächlichen
häuslichen Verbrauch. In den fünf neuen Bundesländern in Deutschland
stieg der gemeinsame Trinkwasser- und Abwasserpreis auf Grund von überteuerten
Investitionen im Abwasserbereich nach der Wiedervereinigung auf bis zu 7 €
pro Kubikmeter. Die Nutzer reagierten in dem sie auf individuelle Abrechnung
bestanden und so Wasseruhren eingebaut wurden. Inzwischen liegt der durchschnittliche
Wasserverbrauch z.B. in Sachsen bei 80 Liter pro Kopf und Tag. Dass mit Wohnungswasserzählern
der Wasserverbrauch sinkt, hatten schon die Hamburger Wasserwerke in den 80
er Jahren festgestellt, als sie auf ihre Kosten ein Versorgungsgebiet mit Wohnungswasserzählern
bestückte. Allein durch diese Maßnahme sank der Wasserverbrauch in
den Haushalten um durchschnittlich 15 %.
Wasserzähler im Wohnungsbau sind also eine effektive Methode, um Menschen
zum sparsameren Umgang mit Leitungswasser zu erziehen. Da aber 80 % der Wasserkosten
verbrauchsunabhängige Fixkosten sind, die aus den Aufwendungen vor allem
für das Verteilernetz herrühren, muss bei fast gleicher Kostensituation
und geringerem Verbrauch der Kubikmeterpreis steigen. Eine derartige Reaktion
des Wasserversorgers wird oft vom „Wassersparer“ als Bestrafung
dafür angesehen, mit Wasser haushälterisch umzugehen. Die Offenlegung
der Kalkulation der Versorger könnte Akzeptanz beim Konsumenten herstellen.
Wassersparen im Neubau
Beim Neubau sind Investitionen technischer und finanzieller Art möglich, die im Gebäudebestand nur mit hohem Aufwand zu realisieren sind. So könnte ein Geschossbau über eine Vakuumanlage entwässert werden, die pro Toilettengang nur 1 Liter Wasser benötigt. Vakuumtoiletten sind seit Jahren auf dem Markt, ausgereift und fast jeder kennt sie von Schiffsreisen, im Flugzeug oder in modernen Zügen der Bahn. Desgleichen wäre ohne großen Mehraufwand Grauwasser von Dusche, Badewanne und Waschmaschine getrennt von anderem Abwasser aus dem Haus abzuführen und nach einer Reinigung in einem Tauchtropfkörper im Keller oder in einer Pflanzenkläranlage im Außengelände als Betriebswasser zur Toilettenspülung oder für Bewässerung zur Verfügung zu stellen. Eine Regenwassersammelanlage integriert in das Versorgungssystem, würde den Zufluss von Trinkwasser aus der Leitung weiter reduzieren. Neben den anderen Maßnahmen, die auch im Gebäudebestand zu installieren sind, könnte das vom Wasserversorger bereitgestellte Leitungswasser sich im Bereich von 50 Liter pro Tag und Person bewegen. Das würde bei den Ver- und Entsorgungsleitungen für Wasser im Haus und außerhalb viel geringere Rohrquerschnitte möglich machen, was eine deutliche Materialeinsparung bedeutet. Die Wasserversorger und die Stadtentwässerung bemängeln aber, dass das bestehende Netz für ganz andere Durchflussmengen gebaut wurde und bei derart geringen Strömen es bei der Trinkwasserversorgung zu Verkeimungen auf Grund langer Standzeiten im Netz käme und bei den großen Kanalrohren der Feststofftransport nicht mehr gewährleistet sei. Letztlich müsste man immer häufiger die Leitungen spülen, der Wasserspareffekt im Haus würde durch das häufige Spülen wieder aufgehoben. Das Argument dürfte bei der Konzeption eines Neubaues nicht gelten, da dort ja alles auf einander abgestimmt werden könnte.
Wassersparen im Altbau
Im Gebäudebestand sind folgende Wassersparinstallationen einfach durchzuführen: Neben den inzwischen üblichen A-Klasse Wasch- und Geschirrspülmaschinen werden von verschiedenen Firmen wie z.B. RST (www.rst-wassersparer.de) und NEOPERL (www.neoperl.com) Nachrüstsätze für Wasserhähne, Duschen oder Toilettenspülkästen angeboten, die den Leitungswasserverbrauch gegenüber den herkömmlichen Einrichtungen um 40 % reduzieren sollen. So können an Wasserhähne angeschraubte Perlatoren (3 - 5 Euro) den Wasserfluss auf 4 - 6 Liter/Minute reduzieren, neue Duschköpfe (15 - 20 Euro) nur noch 8 - 12 Liter/Minute Wasser verbrauchen und eingehängte Gewichte (5 Euro) im Überlauf des Spülkasten nur noch Spülwasser zulassen, solange die Spültaste gedrückt wird. Diese Installationen kommen dem Bewohner aber nur dann allein finanziell zu Gute, wenn er auch nach Wohnungswasseruhrverbrauch abgerechnet wird.
Zukunft der Wasserver- und Abwasserentsorgung
Welche Auswirkungen der Klimawandel auf die Wasserressourcen haben wird, ist noch nicht abzusehen. Gerechnet wird mit mediterranen Zuständen bei uns: trockene Sommer und regenreiche Winter. Eine angepasste Mengenbewirtschaftung müsste entweder größere Speicher vorhalten oder andere Wasserqualitäten wie Regenwasser oder gereinigtes Abwasser in Betracht ziehen. Was sich aber auf jeden Fall abzeichnet, ist eine Dezentralisierung der Ver- und Entsorgung, da der Unterhalt und eine evtl. Erneuerung der Verteilernetze und der Kanalisationen enorme Investitionen erfordern und das vor dem Hintergrund abnehmender Einwohnerzahlen und sinkender Leitungswassernutzungen. Die weitere Verbesserung der Membran-Bioreaktoren (MBR) könnte diese Entwicklung beschleunigen. Bei diesen wird das Abwasser in einer von einer bakteriendichten Membran umgebenen Belebtschlammanlage gereinigt. Das Permeat ist steril und kann für andere Anwendungen wieder verwendet oder gefahrlos für die Umwelt in Fließgewässer abgegeben oder versickert werden. Anlagen so groß wie Kühlschränke sind seit einigen Jahren für Einfamilienhäuser auf dem Markt (z.B. bei www.busse-gmbh.de).
Abbildung 2: Auch ein wasserloses Urinal der Firma KERAMAG AG reduziert den Wasserverbrauch
Abbildung
3: Wasserverbrauch nach Komponenten
in Österreich, Gesamt 146 Liter/Person und Tag
(Quelle: www.zer0-m.org)
*) Gerd Wach koordiniert das Naturschutzverbände übergreifende Projekt WASSERNETZ Niedersachen/Bremen zur Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie beim BUND, (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) in Hannover und arbeitet am Projekt Zer0-M, das in Ländern des Mittelmeeres Technologien eines nachhaltigen Wassermanagements demonstriert und in Pilotanlagen realisiert, www.zer0-m.org, wassernetz@nds.bund.net [^]