Vorbei an Kioto
Nachhaltige Gebäude
Quelle:
Constantin Meyer Photographie
Der Annex 49 ist ein internationales Kooperationsprojekt
im Rahmen des Programms für Energieeffizienzmaßnahmen in Gebäuden
und Gemeinden (ECBCS) der Internationalen Energieagentur (IEA). Er ist auf eine
Laufzeit von drei Jahren ausgelegt, die im November 2006 nach der einjährigen
Vorbereitungsphase begann. In die Arbeit des Annex 49 sind circa 17 Forschungsinstitutionen,
Universitäten und Firmen aus derzeit 12 Ländern eingebunden.
Niedrigexergiesysteme
für hocheffiziente Gebäude und Gemeinden
IEA ECBCS Annex 49 Low Exergy Systems for High-Performance Buildings
and Communities
International
Energy Agency
Energy Conservation in
Buildings and Community
Systems Programme
Von Dietrich Schmidt und Marlen Schurig*
Die Notwendigkeit zu einem noch effektiveren Umgang mit Energie in Gebäuden hat in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung gewonnen. Dies gilt besonders, wenn man sich das große Potenzial der Einsparmöglichkeiten und für einen effizienteren Umgang mit Energie in diesem Sektor vor Augen führt. Viele Anwendungen, wie das Heizen von Räumen auf ca. 20 °C benötigen keine hohen Temperaturen, sind in ihrer Natur niederexergetisch. Dennoch werden dafür heute in der Regel hochexergetische Energieträger, wie Erdgas, verwendet. Die Nutzung von qualitativ minderwertigen Energiequellen, mit geringerem Exergieanteil, ist im Gebäudebereich für verschiedene Anwendungen möglich und wirtschaftlich.
Ziele
Ziel dieses Vorhabens ist es, Strategien für die effiziente Versorgung von Gebäuden mit Wärme, Kälte und Elektrizität, sowie die Anwendung erneuerbarer Energien im Gebäudebereich zu entwickeln. Dies wird durch die Optimierung verschiedener Technologien auf Basis der Analyse ihrer Exergieströme erreicht, sowie durch ihre Anpassung an eine neue Struktur des Energiebedarfs der Gebäude.
Abbildung 1: Energie- und Exergieströme durch ein Beispielgebäude
Vorgehensweise
Die Arbeit innerhalb des Annex 49 basiert auf einer integralen Betrachtung. Diese umfasst nicht nur die Analyse und Optimierung des Exergiebedarfs von Heiz- und Kühlsystemen in Gebäuden, sondern schließt auch alle weiteren energetischen Prozesse in Gebäuden und deren Versorgung mit ein. Um diese Ziele zu erreichen, werden die Grundlagen für die Methoden der exergetischen Analyse für Gebäude erarbeitet und in Planungs- und Bewertungswerkzeugen umgesetzt. Auf dieser Grundlage fokussiert sich die Arbeit bei den exergieeffizienten Gemeinden und Versorgungsstrukturen auf die Entwicklung von innovativen Verteil-, Speicher- und Energieerzeugungskonzepten. Für den Bereich der exergieeffizienten Gebäudetechnologien ist die Reduktion des Bedarfs von hochqualitativer Energie für die Beheizung, Kühlung und Lüftung zentral. Innerhalb der Arbeit im Annex 49 wird Wert auf eine breite Informationsstrategie gelegt. So konzentriert sich der Wissenstransfer auf die Sammlung und Verbreitung von Informationen für unterschiedliche Zielgruppen.
Exergie-Konzept
Wie gezeigt werden kann, ist das heute üblicherweise verwendete Bewertungssystem auf der Basis der Energieflüsse allein nicht für ein vollständiges Verständnis aller Vorgänge der Energieanwendung ausreichend. Das Exergie-Konzept ist geeignet, diese Informationslücke zu schließen, ein besseres Verständnis zu ermöglichen und zu einer verbesserten Planung von Gebäuden und Versorgungssystemen zu führen. Es zeigt auf, wo und in welcher Größe Ineffizienzen bei Energieumwandlungsprozessen entstehen. Energie manifestiert sich nicht nur über ihre Quantität, sondern vielmehr ebenfalls durch ihre jeweilige Qualität.Ein Umsetzungsbeispiel
In der Praxis findet das Exergie-Konzept, z.B. im „Minewater Project Heerlen“ in den Niederlanden, Anwendung. Dieses Projekt wird in internationaler Kooperation durchgeführt, die Organisationen aus den Niederlanden, Großbritannien, Frankreich und Deutschland umfasst. Das Projekt zielt darauf ab eine regenerative und niedrigexergetische Energiequelle, die geothermische Energie im Wasser der geschlossenen Kohlegruben, möglichst direkt für die Beheizung und Kühlung von Gebäuden zu nutzen.Abbildung 2: Schnitt und Schema der Grubensituation in Heerlen, Niederlande
In dem Heerlener Projekt wird Grubenwasser aus Brunnen mit unterschiedlichen
Temperaturen gewonnen. Im Schacht der ehemaligen ON III Grube (Standort 1 in
Heerlerheide) wurde gewinnbringender Bergbau bis zu einer Tiefe von 800 m betrieben.
In diesem Bereich sind die Brunnen für das warme Wasser (30° C) zu
finden. In der ehemaligen ON I Grube (Standort 2 in Heerlen), wurde Bergbau
bis zu einer Tiefe von 400 m betrieben, wo sich die Brunnen für die Versorgung
mit kühlem Wasser befinden.
Das geförderte Grubenwasser wird zu den lokalen Energiestationen über
ein Nahwärmenetz transportiert. In diesen Energiestationen findet Wärmeaustausch
zwischen dem primären Netz und dem sekundären Netz statt, welches
die Gebäude versorgt. Diese Versorgung liefert eine Temperatur von 35°
- 40°C für die Heizung und 16° - 18°C in einer zweiten Leitung
für die Kühlung. In einer dritten Leitung wird der gemeinsame Rücklauf
von 20° - 23°C geführt, der dem Schluckbrunnen zugeführt wird.
Die jeweilig nötigen Temperaturen für den Vorlauf für die Heizung
und die Kühlung werden in den Energiestationen durch ein Polygenerationskonzept
garantiert, dass aus Wärmepumpen in Kombination mit Gasbrennwertkesseln
für die Spitzenlastabdeckung besteht. Eine Kraft-Wärme-Kopplung Einheit
kann zugeschaltet werden.
Das Minewater Project in Heerlen ist ein Beispiel der exergetisch sinnvollen
Anpassung von energetischem Bedarfniveau und einer geeigneten Quelle. Durch
die verwendete angepasste Haus- und Bautechnik kann die regenerative geothermische
Energiequelle Grubenwasser mit geringem Aufwand unmittelbar für die Beheizung
und Kühlung eines teilweise neu entstehenden Stadtteils und für die
sanierten Gebäude genutzt werden.
Ergebnisse des Annex 49
Innerhalb der Bearbeitung wird ein besonderes Augenmerk gelegt auf:
*) Dr.
Dietrich Schmidt ist stellvertretender Abteilungsleiter
beim Fraunhofer Institut für Bauphysik, Projektgruppe Kassel und Operating
Agent des ANNEX 49 E-Mail: dietrich.schmidt@ibp.fraunhofer.de;
Marlen Schurig ist Mitarbeiterin des Fraunhofer-Insituts
für Bauphysik, Projektgruppe Kassel, marlen.schurig@ibp.fraunhofer.de [^]