Vorbei an Kioto
Nachhaltige Gebäude
Für
die Planung von Passivhäusern hat sich eine Energiebilanzierung auf Monatsbasis
als angemessene Methode erwiesen, die durch Werkzeuge z.B. für die Heizlast-Auslegung
ergänzt wird. Das vom Darmstädter Passivhaus Institut herausgegebene
Passivhaus Projektierungs Paket (PHPP) dient diesem Zweck. Das Programm liegt
2007 in einer neuen Fassung vor, die auch für Österreich bedeutende
Verbesserungen enthält
Passivhaus Projektierungspaket 2007 für Österreich
Als
die ersten Passivhäuser entwickelt wurden, verließ man sich auf eine
dynamische thermische Gebäudesimulation, die stundenweise sämtliche
Wärmeströme im Gebäude ermittelt und dabei auch kurzzeitige Speichereffekte
genau berücksichtigt. Diese sehr genauen Verfahren haben einen Nachteil:
Will man zuverlässige Ergebnisse erhalten, sind ein hohes Maß an
Expertise beim Benutzer, große Sorgfalt und ein entsprechender Zeitaufwand
erforderlich.
Es stellte sich rasch heraus, dass für die tägliche Planungspraxis
vereinfachte Verfahren nicht nur leichter zu handhaben sind, sondern auch die
gewünschten Ergebnisse liefern. Mit einer Energiebilanz über die Heizperiode
kann man den durchschnittlichen Heizwärmeverbrauch eines Gebäudes
bereits recht gut vorhersagen.
Flexibilität und Übersichtlichkeit
Aus diesem Ansatz heraus wurde am Darmstädter Passivhaus Institut das Passivhaus Projektierungs Paket (PHPP) entwickelt. Das Rechenverfahren nutzt heute wie 1998 die Vorteile einer Tabellenkalkulation, hohe Flexibilität und gute Übersichtlichkeit. Um die eigentliche Heizwärmebilanz herum wurden zusätzliche Eingabehilfen und Berechnungen gruppiert. Jenseits der Heizwärmebilanz ist eine komplette Primärenergieberechnung bis hin zum Haushaltsstrom möglich; auf der Eingabeseite gibt es gezielte Unterstützung für die genaue Ermittlung der U-Werte und Flächen aller Arten von Außenbauteilen, der Lüftungswärmeverluste und des solaren Wärmeangebots. Parallel zur leicht nachvollziehbaren Heizperiodenbilanz bietet ein Monatsverfahren höhere Genauigkeit, ohne den Eingabeaufwand zu vergrößern.
Abbildung 2: Bürogebäude Lu-teco, Ludwigshafen, Architekt Lutz Laier
Forschungsprojekte
Das Interesse an Passivhäusern nimmt in den letzten Jahren auch außerhalb des deutschsprachigen Raums stark zu. Dies führte unter anderem zu zwei von der EU geförderten Forschungsprojekten, die der weiteren Verbreitung des Passivhausstandards dienen. Passive-On (www.passive-on.org) zielt auf warme Klimata im südwestlichen Europa, PEP (www.europeanpassivehouses.org) beschäftigt sich mit Passivhäusern in heizungsdominierten europäischen Klimata. Im Rahmen dieser Projekte wurde auch das PHPP im Hinblick auf eine stärkere Internationalisierung überarbeitet. Für Österreich konnten so mit Unterstützung durch die IG Passivhaus Österreich insbesondere Verbesserungen bei den verfügbaren Klimadaten für die Heizlastermittlung realisiert werden.Ermittlung der Heizlast
Stattdessen muss die Heizlast für das jeweilige Gebäude bestimmt werden. Die üblichen Auslegungsverfahren, wie sie für konventionelle Gebäude verwendet werden, sagen für Passivhäuser viel zu hohe Heizlasten vorher. Ursachen sind zum einen die fehlende Berücksichtigung solarer und interner Wärmegewinne, zum anderen die höhere thermische Trägheit, die dafür sorgt, dass das Passivhaus in kurzen, kalten Perioden nicht auskühlen kann. Würde man Passivhäuser nach konventioneller Methodik so auslegen wollen, dass eine Beheizung über die Zuluft möglich ist, hätte das eine erhebliche Überdimensionierung mit dramatischen Konsequenzen für die Wirtschaftlichkeit zur Folge.Weitere Neuerungen
Verbessert wurden im PHPP 2007 auch die Ermittlung des Strombedarfs und der internen Wärmegewinne in Nichtwohngebäuden sowie die Berechnung von Wärmepumpen-Kompaktgeräten. Umfangreiche Neuerungen betreffen ferner den Sommerfall, insbesondere in wärmeren Ländern: Die Berechnung der Überhitzungsdauer wurde verbessert, und der Energiebedarf einer je nach Klima erforderlichen Raumkühlung kann nun ermittelt werden.Abbildung 3: Montessori-Schule Aufkirchen, Architekt: Rainer Vallentin
*) Dipl.-Phys. Jürgen Schnieders ist Mitarbeiter des Passivhaus Instituts in Darmstadt, juergen.schnieders@passiv.de [^]