Vorbei an Kioto
Wassermanagement
Nachdem
die Regenwassernutzung vor einigen Jahren noch in aller Munde war, ist es nun
etwas ruhiger geworden. Die Anlagentechnik hat sich standardisiert und viele
Systeme liefern zuverlässig Betriebswasser für unterschiedlichste
Anwendungen.
Es
muss nicht immer Trinkwasser sein
Von Torsten Grüter*
Neben der
Regenwassernutzung hat sich die zweite Technologie im Wasserrecycling etabliert:
die Grauwassernutzung, bei der das Wasser aus Duschen, Badewannen und Handwaschbecken
wieder aufbereitet wird und dann in der Toilette für die Spülung genutzt
wird. Und schon schickt man sich schon an auch die nächste Stufe zu erklimmen.
In einigen Anlagen wird bereits das Schwarzwasser nach einer sorgfältigen
Aufbereitung wieder genutzt. Die ständige Weiterentwicklung von Technologien
und Komponenten, so zum Beispiel der Membran-Filtration, macht eine immer bessere
Aufbereitung möglich. Allen bleibt gemein, dass Wasser, das früher
einmal als Abwasser unantastbar war, heute wieder zu Betriebswasser aufbereitet
wird. Die Herkunft des Wassers und die spätere Anwendung definieren nur
die Art und Weise der Aufbereitung.
Ein weiterer Grund für die wassersparenden Technologien ist die Wirtschaftlichkeit.
Seit 1988 ist der Trinkwasserpreis um 350 % gestiegen ist. Daraus resultieren
die guten Amortisationen, die mit modernen Regenwassernutzungsanlagen erzielt
werden können.
Wasser-Management
Die Entwicklung auf dem Sektor der Wärmeenergie macht eindrucksvoll vor, was der Wassertechnologie noch bevorsteht. Moderne Gebäude verfügen über ein individuelles Energie-Management, das sich durch die Ergänzung durch Solar- oder Erdwärme auszeichnet. Nun ist es an der Zeit, dass auch die Kombinationsfähigkeit der Wassertechnologien erreicht ist und auch hier die individuelle Lösung für das jeweilige Gebäude angestrebt werden sollte. Der angepasste Mix aus Trinkwasserversorgung, Regenwassernutzung und Grauwassernutzung entspricht somit einem intelligenten Wasser-Management. Die Integration dieser Technologien darf selbstverständlich zu keinem Kompromiss führen, sondern den Gesamtnutzen der Installation und der Immobilie steigern.Abbildung 1: Querschnitt einer Regenwassernutzungsanlage (Quelle: www.platzregen.info)
Neue Anwendungen für Regenwassernutzung
Neben den klassischen Anwendungen für Regenwassernutzung in der Toilettenspülung
und der Waschmaschine sind nun einige neue hinzugekommen. Immer häufiger
werden die professionelle Grünflächenbewässerung, Wasserspiele,
Waschanlagen und industrielle Prozesswässer mit Regenwasser gespeist.
In einer Pilotanlagen wird derzeit bereits in einer deutschen Stadt ein neuer
Ortsteil mit einer großen Regenwasseranlage ausgestattet, in der das Regenwasser
so aufbereitet wird, dass es in den über 100 Häusern zur Warmwasserversorgung,
also auch zum Duschen eingesetzt wird. Dieses Projekt wird vom deutschen Forschungsministerium
gefördert und zeigt, welcher Wechsel in den letzten Jahren in der Technologie
und Politik vollzogen wurden.
Eine optimale Lösung ergibt sich zum Beispiel bei der Kombination von Regenwassernutzung
mit der Feuerlöschtechnik. Hier kann das anfallende Regenwasser von Hofflächen,
Parkplätzen und Hallendächern, das sonst entweder ungenutzt versickert
würde oder gegen eine erhebliche Gebühr in die Kanalisation eingeleitet
würde, in Tanks zwischengespeichert und das gesamte Jahr über in Toilettenanlagen
genutzt werden. Im Regenspeicher bleibt stets ein definiertes Wasservolumen
erhalten, dass im Bedarfsfall die Hydranten zur Feuerlöschung versorgt.
Durch die ständige Nutzung der Anlage erzielt man somit auch mit der Investition
in Feuerlöschtechnik eine direkte Amortisation.
Anlagenplanung
Wie aber bei fast allen Technologien ist der Erfolg der maßgeblich von
der richtigen Planung, Ausführung und Instandhaltung abhängig. Als
Grundlage dient hier nach wie vor die DIN 1989 "Regenwassernutzung".
Der Teil 1 der Norm bietet alle Informationen, die eine sorgfältige Planung
erfordert. Jede neue Produktentwicklung wird heute gemäß der dieser
Richtlinien betrieben und die beschriebenen Tests bieten die Absicherung, dass
es in der Praxis später nicht zu bösen Überraschungen kommt.
Der Anstieg der Produktqualität, den die Einführung der DIN 1989 nach
sich gezogen hat, spiegelt sich auch in der Zufriedenheit der Anlagenbetreiber
wider. Bei aktuellen Befragungen der Anlagenbetreiber wird deutlich, dass die
Regenwasseranlage nicht mehr der Exot im Keller des Hauses ist, sondern neben
der Heizung und der Lüftung ihren Platz gefunden hat.
Weitere Sicherheit bieten die Produkte der RAL-Gütegemeinschaft "Wassersysteme".
Die Mitglieder dieser Gütegemeinschaft fertigen Ihre Produkte nach vorgeschriebenen
Qualitätsstandards. Zusätzlich sind weitere Eigenschaften des Produkts
und produktionsbegleitenden Tests zu erbringen. Geprüft wird dann die Einhaltung
der Anforderungen durch eine zugelassene Prüfstelle.
Bei der Planung gilt es natürlich mit Sachverstand vorzugehen, damit
dann die Komponenten auch optimal harmonieren. Das beginnt bei der Auswahl der
Auffangflächen, die für die zu erzielende Wasserqualität geeignet
sein muss. Wenn das Regenwasser für die Toilettenspülung oder die
Waschmaschine im Wohnbereich genutzt werden soll, ist das Dach des Hauses als
Auffangfläche zu bevorzugen. Hingegen kann für ein industriellen Prozesswasser
das Wasser von den Parkplätzen und Hofflächen geeignet sein. Für
Grünflächenbewässerung sind ebenfalls die Anforderungen an die
Auffangflächen niedriger anzusehen. Das Dachmaterial selber spielt ebenfalls
eine Rolle. Zum Beispiel sind Tonziegel und Betondachsteine nahezu uneingeschränkt
geeignet. Dächer die mit Bitumen eingedeckt sorgen in der Regel für
eine Dauerhaft gelbliche Einfärbung des Betriebswassers. Auch bei Gründächern
muss berücksichtigt werden, dass es zu geringen Einträgen kommen kann.
Neben der Qualität des Wasser ist die Quantität des Wasser von großer
Bedeutung. Aus diesem Grund sollten stets möglichst viele Auffangflächen
angeschlossen werden. Natürlich ist ebenso darauf zu achten, dass man konsequent
Auffangflächen ausschließt, die nicht hinreichend geeignet sind.
Filter
Der Filter ist im Zulauf des Regenspeichers installiert. Wahlweise kann er im Behälter des Regenspeichers selber oder in einem vorgelagerten Gehäuse integriert sein. Hier wird das Wasser von der Schmutzfracht getrennt. Die meisten Filter sind so konstruiert, dass der Schmutz mit einem Restanteil des Regenwassers direkt in die Kanalisation oder in die Versickerung eingeleitet wird. Der Trend geht bei der Filterfeinheit dahin, dass nicht die feinste Filtermasche für die beste Wasserqualität sorgt, sondern dass eine Filterfeinheit zwischen 0,3 mm und 1 mm eine sehr gute Filterung für eine lange Standzeit ermöglicht. Natürlich müssen die Filter gereinigt werden. Der Aufwand in der Instandhaltung ist dadurch erheblich zurückgegangen, dass die manuelle Reinigung von den Filtersystemen automatisiert wird, indem durch Wasserdüsen der Filtereinsatz bei Bedarf freigespritzt wird.
Abbildung 2: Regenwasserfilter für den Tankeinbau mit Filtereinsatz aus Edelstahl (Quelle: iWater)
Regenspeicher
Die Speicherung des Regenwassers findet in den meisten Anlagen im Erdreich statt. Der Regenspeicher hat die Aufgabe das gelagerte Wasser vor Licht, Wärme und neuer Verschmutzung zu schützen. Die Behälter können aus unterschiedlichen Werkstoffen beschaffen sein. Bewährt haben sich bei kleineren Behältern bis zu 10 Kubikmetern die Werkstoffe Beton und Kunststoff. Wenn die Regenspeicher für größere Anlagen Wassermengen zwischen 20 und 500 Kubikmetern speichern sollen, dann kommt in der Regel ein speziell beschichteter Stahltank oder eine Betonzisterne zur Anwendung. Je nach Platzverhältnissen und notwendigem Volumen können mehrere Behälter zu einem gemeinsamen Reservoir zusammengeschlossen werden. Wichtig ist, dass die Behälter später noch zugänglich sind. Die Wartung des Regenspeichers hält sich in Grenzen. Eine regelmäßige Inspektion und die Reinigung des Behälters nach 10 Jahren ist absolut ausreichend.
Dimensionierung
Die Dimensionierung des Regenspeichers erfolgt, indem man den zu erwartenden
Regenertrag, basierend auf den bekannten Niederschlagsmengen und den angeschlossenen
Auffangflächen, und den erwarteten Betriebswasserbedarf, basierend auf
der Anzahl der Nutzer oder den Anwendungen, abwägt und mit einem Faktor
multipliziert. Gemäß der DIN 1989 besteht neben dieser Art der Ermittlung
noch die Möglichkeit der Simulation, in der man auf der Basis der Niederschlagswerte
der vergangenen Jahre und der erwarteten Verbräuche eine Aufrechnung durchführt.
Durch die Veränderung des Behältervolumens können die jeweiligen
Überlaufmengen und die Füllstände simuliert und optimiert werden.
Die Abdeckung auf dem Schacht muss auf die zu erwartenden Verkehrslasten abgestimmt
werden. Ein Regenspeicher, der im Garten eines Einfamilienhauses vergraben ist,
wird voraussichtlich nur für Begehbarkeit ausgelegt sein müssen. In
öffentlichen Bereichen ist von einer Befahrbarkeit, manchmal sogar bis
hin zum Schwerlastverkehr auszugehen.
Anlagensteuerung
Die Steuerung und die Druckerhöhungsanlage ist in der Regel im Haustechnikraum
installiert. Das Regenwasser wird von der Pumpe angesaugt oder bei größeren
Entfernungen und Volumenströmen durch eine zusätzliche Pumpe zugefördert.
Von hier wird das Betriebswasser in der separaten und gekennzeichneten Betriebswasserleitung
zu den Entnahmestellen gepumpt. Die Steuerungen der Pumpen arbeiten heute häufig
mit Drehzahlregelung, die dann immer die optimal Pumpenleistung auf den aktuellen
Betriebspunkt der Anlage anpasst.
Die intelligente Steuerung der Regenwassernutzungsanlage überwacht auch
den Füllstand im Regenspeicher. Sollte mehr Regenwasser verbraucht worden
sein, als Regenwasser gesammelt werden konnte, muss die Versorgung mit Trinkwasser
übernommen werden.
Die Installationsleitungen des Betriebswassers sind zu kennzeichnen, damit es
später nicht zu Verwechslungen zwischen den Rohrsystemen kommen kann. Zusätzlich
lässt sich die Differenzierung durch die Materialwahl der Rohrsysteme herausstellen.
So kann zum Beispiel die Trinkwasserversorgung in Metall und die Betriebswasserversorgung
in Kunststoff ausgeführt werden.
Grauwassernutzung
Neben den Regenwassernutzunganlagen gewinnen aber auch die Grauwassernutzungsanlagen
an Bedeutung. Gerade für Objekte, in denen gewohnt wird, ergibt sich eine
gute Möglichkeit das Wasser aus den Duschen und Badewannen wieder für
die Toilettenspülung zu verwenden. Die Nutzung des Grauwassers erfordert
dabei die getrennte Ableitung der Abwässer von Dusche, Badewanne und Handwaschbecken
zur Grauwasseranlage hin.
In zwei Schritten wird dieses Wasser dann durch eine spezielle Belüftung
biologisch aufbereitet. Nach der biologischen Aufbereitung erfolgt die Filterung.
In einer Membranfiltration erfolgt die sichere und vollständige Rückhaltung
von Schmutzpartikeln. Durch ein spezielles Belüftungsverfahren weist die
Filtermembran eine hohe Standzeit aus, woraus ein geringer Instandhaltungsaufwand
resultiert.
Das bevorratete Klarwasser wird dann genauso wie bei einer Regenwasseranlage
zu den Toiletten gefördert. Die Grauwasseranlagen werden auf die benötigten
Volumenströme abgestimmt. So gibt es diese Technologie für die Kelleraufstellung
im Einfamilienhaus bis hin zum Komplett-System inklusive Pumpe im Stahltank
integriert, der in der Erde vergraben wird.
Schlusswort
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die alternativen Wasserversorgungsysteme weiter auf dem Vormarsch sind und auch die fortschreitenden Technologien eine immer weitergehende Nutzung und Kombination der Wässer ermöglicht.
*) Torsten Grüter ist Vizepräsident der Fachvereinigung Betriebs- und Regenwassernutzung e.V. in Darmstadt, Sprecher der Regenwasser-Initiative und Inhaber der Firma i-Water, www.fbr.de, info@fbr.de, www.i-water.de [^]