Vorbei an Kioto
Editorial
Am 10. Dezember 1997 haben 159 Vertragsstaaten dem Kioto-Protokoll
zugestimmt. Zehn Jahre danach darf man sich den Fortschritt der nationalen und
internationalen Bemühungen einmal ansehen.
Die Vorgabe, die Treibhausgasemissionen in 38 Industriestaaten bezogen auf das
Jahr 190 um insgesamt 5,2% bis 2012 zu senken, wurde noch nicht einmal annähernd
erfüllt. Für die EU-15 Staaten (Daten 2004) würde das eine Einsparung
von minus 8 Prozent bedeuten. Der Ist-Zustand liegt aber bei plus 2,3% bezogen
auf den linearen Zielpfad in Richtung der Kioto-Ziele. In Österreich ist
die Lage noch gravierender, denn die angestrebten minus 13% sind weiter entfernt
als je zuvor. Mit plus 17,9% Emissionen liegt Österreich im EU Schnitt
an trauriger Spitze, nur geschlagen von Spanien, das über 30% mehr Emissionen
produziert, als es laut Kioto-Fahrplan erzielen sollte!
Es darf bezweifelt werden, dass sich diejenigen, die den Bedingungen zustimmten,
bewusst waren, was diese Bedingungen überhaupt bedeuteten. Welch drastischer
Eingriff in die Energielandschaft eigentlich nötig wäre, um die gesetzten
Ziele zu erreichen. Welch kurzer Zeitraum eigentlich zur Verfügung stand,
um die Ziele umzusetzen.
Um den Kurs wieder in Richtung Kioto Ziele zu bringen, wären zunächst
einmal drastische Energieeinsparungen in jedem Bereich notwendig. Außerdem
müsste ein kompromissloser Umstieg auf erneuerbare Energieträger erfolgen.
Kontraproduktive Maßnahmen der Politik, wie Subventionen von Heizöl
sollten unterbleiben. Statt Gratisparken für Eltern mit Kleinkindern im
Stadtbereich anzudenken, wäre eine kostenlose Jahreskarte der öffentlichen
Verkehrsmittel das umweltbewusstere Signal, vor allem der erzieherische Faktor
sollte hier nicht unterschätzt werden. Wer von Anfang an jeden Meter mit
dem Auto zurücklegt, wird nicht plötzlich auf den öffentlichen
Verkehr oder das Fahrrad umsteigen.
Doch ist das nicht populär, und genau das sind in Wirklichkeit alle Maßnahmen,
die den einzelnen betreffen, aber in Summe eine große Wirkung erzeugen
würden. Wer will schon hören, dass sein lang ersehntes und teuer bezahltes
Einfamilienhaus trotz Solaranlage und Wärmedämmung noch immer mehr
Energie verbraucht, als eine durchschnittliche Mehrfamilienhauswohnung. Ganz
zu schweigen vom Landschaftsbild, das durch Zersiedelung nachhaltig zerstört
wird.
Um das Ziel dennoch zu erreichen, bedarf es eindeutig nicht nur technischer
Lösungen, sondern einen politischen Willen, einschneidende Maßnahmen
zu setzen.
Mit sonnigen Grüßen,
Irene Bergmann
für die Redaktion