Atomenergie oder Erneuerbare?
Wassermanagement
Abbildung
1: Kläranlage
und Vererdungsbeete des Reinhalteverbandes Mölltal, geplant von Eko-Plant
(Quelle: Eko-Plant)
Warum sollte man in Österreich Abwasser wiederverwenden. Es ist verschmutzt und wir haben genug sauberes Wasser, um unseren Bedarf abzudecken. Trotz des vielen Wassers hat die Industrie im Rahmen von „cleaner production“-Projekten Wasserwiederverwendung eingeführt.
Beispiele für Abwasserwiederverwendung in Österreich
Die Firma Heuberger eloxal zum Beispiel hat ihren Spülwasserverbrauch im Rahmen des Projektes „Zero Emission Retrofitting Method for Existing Galvanizing Plants“ (ZERMEGG) um 65% reduziert. Gleichzeitig wurde der Chemikalieneinsatz um 50% verringert [1]. Durch einen geschlossenen Kühlkreislauf wurde weiter Wasser gespart. Es wurden sowohl beim Ressourcenverbrauch als auch beim Aufwand für die Abwasserreinigung Verbesserungen erzielt. In einem weiteren Schritt, ZERMEGG II, wurde der Wasserverbrauch durch Recycling des Prozesswassers auf 5% der ursprünglichen Menge gesenkt.
Abbildung 2: Spezifischer Wasserverbrauch bezogen auf 1995 bei Heuberger eloxal durch Verbesserung des Produktionsprozesses [2]
Sappi Gratkorn hat durch Optimierung der Prozesswasserabläufe den Frischwasserbedarf 1997 auf etwa 8 L/kg Papier gesenkt [3]. Im Durchschnitt braucht die Papierindustrie zwischen 14 und 45 Liter Frischwasser pro kg Papier [4]. Diese Werte sind nur möglich, weil intern Wasser in Kreisläufen und Kaskaden geführt wird.
Stoffstrommanagement
Was die Industrie vormacht, die Optimierung des Stoffstrommanagements, wäre das nicht auch für Haushalte und Siedlungen möglich? Welche Beweggründe gäbe es für solche Anstrengungen?
Die Rückgewinnung der Energie im Abwasser gelingt in großen Anlagen
über die Produktion von Biogas aus dem Klärschlamm und die Gewinnung
von Strom und Wärme daraus recht gut. Kleine Anlagen bieten diese Möglichkeit
nicht, weil dort die Schlammfaulung zu teuer wäre. In Unterauersbach in
der Oststeiermark soll demnächst im Rahmen des Projektes „Nachhaltige
Siedlungswasserwirtschaft - Praktische Anwendungen“ (NASPA) die Produktion
von Energieholz mit vorgereinigtem Abwasser zum ersten Mal in Österreich
erprobt werden (siehe Artikel Nachhaltige Siedlungswasserwirtschaft - praktische
Anwendungen NASPA). Das Abwasser liefert die Nährstoffe für das Holzwachstum.
Dies wäre ein erster Versuch auch aus kleinen Abwasserströmen über
Biomasse die Energie wiederzugewinnen.
Pflanzennährstoffe nicht nur über die Produktion von Energieholz sondern
in der Lebensmittelproduktion zu nutzen, wäre aus verschiedenen Gründen
interessant. Die Synthese von Stickstoff benötigt 1,2 t Öl pro t Stickstoff.
Phosphor ist ein begrenzter Rohstoff, dessen bekannte Vorräte noch etwa
150 bis 200 Jahre reichen, je nach dem angenommen Verbrauch. Die Qualität
der Reserven wird zunehmend schlechter und immer größere Anstrengungen
erfordern, um Phosphat in Düngerqualität herzustellen. Phosphatdünger
wird teurer werden.
Nährstoffe nutzen
Ein Versuch, Nährstoffe nutzbar zu machen, wurde in der solarCity Linz verwirklicht. Dazu wurden in 88 Wohnungen und in der Schule sogenannte Trenntoiletten, die Urin getrennt ableiten, eingebaut. Urin enthält 80 % des Stickstoffs und 50 % des Phosphors der menschlichen Ausscheidungen. Einerseits kann mit der getrennten Sammlung von Urin schon ein guter Teil der Abwasserreinigung erledigt werden, weil die enthaltenen Nährstoffe nicht ins Abwasser gelangen, andererseits ist Urin nach Lagerung über eine gewisse Zeit ein hygienisch unbedenklicher Stoff. Nach derzeitigem Wissensstand wird eine Lagerung von sechs Monaten empfohlen. Urin ist danach ein ausgezeichneter Flüssigdünger. Eventuell bedenklich könnten Mikroschadstoffe, vor allem Hormone oder hormonähnlich wirkende Stoffe und Medikamente sein. Versuche zum Abbau solcher Stoffe in Pflanzenkläranlagen, die sehr gute Ergebnisse brachten, lassen aber den Schluss zu, dass diese Schadstoffe in Bodensystemen besser abgebaut werden, als im Wasser, zum Beispiel in konventionellen Abwasserreinigungsanlagen und den nachfolgenden Gewässern. Diese Ergebnisse müssen sicher noch weiter erhärtet werden. Trotzdem ist es bedauerlich, dass der landwirtschaftliche Einsatz von Urin aus der SolarCity Linz bisher noch nicht genehmigt wurde. Dies, obwohl die oberösterreichische Landesregierung die Ausbringung von Klärschlamm aus Dreikammergruben, wohl zu recht, durchaus genehmigt. Der Versuch in der solarCity Linz, Urin direkt zu nutzen, ist bisher der einzige dieser Art in Österreich. In Schweden ist dies hingegen schon relativ gut etabliert.
Nutzung von Klärschlamm
Gängiger ist der Ansatz, den Klärschlamm in der Landwirtschaft einzusetzen und dadurch einen Teil der Nährstoffe zurückzuführen. Nachteil dieses Verfahrens ist der ungeminderte Aufwand bei der Abwasserreinigung. Größtes Problem sind eventuell über das Abwasser entsorgte Schwermetalle und andere in Spuren vorhandene Schadstoffe. Aus Dänemark, wo auch die größten Anlagen zur Klärschlammvererdung gebaut werden, gibt es gute Erfahrungen zur Beeinflussung der Schwermetallfracht im Abwasser durch Information der Haushalte im Einzugsgebiet. In Österreich wurden bisher zwei größere Anlagen gebaut: in Spittal an der Drau für 15.000 EGW und in Wies in der Steiermark für 4.400 EGW (Einwohnergleichwert, entspricht der Abwasserbelastung durch einen durchschnittlichen Einwohner). Bei den von der AEE INTEC geplanten Pflanzenkläranlagen in Einzellage wird der Schlamm aus der Vorreinigung ebenfalls oft vererdet.
Komposttoiletten
Auf die Abwasserreinigung fast gänzlich verzichten kann man bei Verwendung sogenannter Komposttoiletten. In diesen Toiletten werden die Fäkalien gesammelt und entweder direkt im Sammelbehälter oder extern kompostiert. In Österreich bekannt sind diese Toiletten durch den Maler Friedensreich Hundertwasser geworden. Weniger bekannt aber durchaus erfolgreich sind die Komposttoiletten nach dem Clivus Multrum Prinzip in der Ökosiedlung Gärtnerhof in Gänserndorf, oder Komposttoiletten auf Berghütten, zum Beispiel der Bettelwurfhütte über Hall in Tirol. Während der Kompost in Gänserndorf auch verwendet wird, dient die Kompostierung auf Berghütten im wesentlichen der Volumsreduktion vor dem Abtransport des Substrats ins Tal. Die Komposttoiletten, wie sie Hundertwasser in Verwendung hatte, mit einem kleinen Sammelbehälter, dessen Inhalt regelmäßig entleert werden muss und außer Haus kompostiert wird, haben in Österreich noch keine Verbreitung gefunden. In Schweden werden diese Toiletten gerne in Wochenendhäusern verwendet, weil ein Kanalanschluss oft gar nicht möglich wäre. Die logische Ergänzung zu Komposttoiletten ist die getrennte Urinsammlung. Die Abtrennung des Urins erleichtert die Kompostierung der Fäkalien und macht die Nährstoffe aus dem Urin nutzbar, ohne sie vorher mit den Fäkalien in Kontakt zu bringen.
Abbildung 3: Separett Villa, Beispiel einer schwedischen Komposttoilette, hier im Vordergrund als Ausstellungsstück bei der AEE INTEC
Grauwassernutzung
Das System Komposttoilette und Urinsammlung wird komplett durch eine Grauwasserreinigung.
Grauwasser ist der Ablauf aus dem Bad, von der Badewanne, der Dusche und dem
Waschbecken. Eventuell werden auch die Abläufe von Waschmaschine und Küche
dazugenommen. Grauwasser ist relativ leicht vor Ort zu reinigen und kann als
Brauchwasser direkt im Haus wieder verwendet werden. Einsatzmöglichkeiten
reichen vom Autowaschen über Wäschewaschen und Klo spülen (das
im Fall von Komposttoiletten natürlich entfällt) bis zum Duschen.
Eine Anlage dieser Art, Komposttoilette und Grauwasserreiniung, ist im Wohnhaus
Lechner in Oberwindhag, Waldviertel. Hier wird das gesamte im Haushalt anfallende
Grauwasser in einer Pflanzenkläranlage im Wintergarten gereinigt. Dadurch
ist der Wintergarten immer optimal bewässert. Diese Anlage wird auch im
Projekt NASPA untersucht. Eine einfache Grauwasserreinigung haben auch die Berghütten
mit Komposttoiletten. Das Grauwasser wird dort allerdings nicht wiederverwendet.
Getrennte Sammlung des Grauwassers und Reinigung vor Ort wird mit dem Ziel,
Trinkwasser zu sparen, eingesetzt. Es gab bisher in Österreich einige größere
Versuche, so zum Beispiel in der Wohnhausanlage Wien 23., „Osramgründe“
mit 514 Wohnungen. Die Anlage wurde leider nach einigen Betriebsjahren stillgelegt.
Derzeit gibt es drei, im Projekt NASPA beobachtete Projekte: das Bürogebäude
der Beschaffungsbetriebe der Miva in Stadl Paura, wo das Grauwasser in kleinen
Pflanzenbeeten in der Eingangshalle gereinigt wird, eine Wohnhausanlage mit
acht Wohnungen, in der Grauwasser aus dem Bädern über einen Wärmetauscher
geleitet und dann in einer Anlage der Firma Pontos gereinigt wird (ein Sequencing
Batch Reactor), die dritte Anlage in einem Einfamilienhaus mit einer Filteranlage
der Firma GEP. In allen drei Anlagen werden mit dem gereinigten Grauwasser die
Toiletten gespült, in Stadl Paura auch Autos in der betriebseigenen Waschanlage
gereinigt.
Abbildung 4a und 4b: Beispiele für die Kompostierung von Klärschlamm von Einfamilienhäusern in der Steiermark
Dezentrale Systeme
Durch den Einsatz von Grauwasser für die Toilettenspülung kann der
Trinkwasserbedarf etwa um ein Drittel gesenkt werden. Da Grauwasser immer anfallt,
solange überhaupt Wasser vorhanden ist, ist es auch bei kleinem Zwischenspeicher
eine relativ sichere Wasserquelle. Dies ist ein Vorteil gegenüber der Regenwassersammlung.
Bei Wirtschaftlichkeitsrechnungen von Grauwassersystemen werden oft zentrale
Systeme, mit zusätzlichen kommunalen Sammel- und Verteilsystemen, betrachtet.
Solche Systeme erweisen sich dann mit schöner Regelmäßigkeit
als unwirtschaftlich. Bewährt haben sich hingegen dezentrale Systeme, die
das Grauwasser vor Ort reinigen und gleich wieder verwenden. Diese Systeme sind
bei Neubau und auch bei größeren Umbauten wirtschaftlich. Anders
als Regenwassersysteme reduzieren sie nicht nur den Frischwasserbedarf sondern
auch den Abwasseranfall, wodurch sich zu Recht die Wassergebühr vermindert.
Nicht wirtschaftlich zu realisieren sind Grauwassersysteme bei einem Tarifsystem,
das zum Beispiel die Wohnfläche oder die Anzahl der Toiletten berücksichtigt.
Hier kann sich die Einsparung beim Trinkwasser nicht auf die Gebühren auswirken.
Die Liste der Beispiele ist nicht erschöpfend, es gibt auch noch Fälle
von direkter Abwasserwiederverwendung nach einer Pflanzenkläranlage: für
die Bewässerung eines Obstgartens, oder zur Verdünnung von Schweinegülle
vor der Ausbringung. Die Industrie ist dem Siedlungswasserbau aber weit voraus.
Auch die Energiewirtschaft: Dort wird längst nicht mehr davon ausgegangen
ein Haus brauche eine bestimmte Menge Energie. Nein, ein Haus soll warm sein,
und hell, wie auch immer das technisch gelöst ist. Im Wasserbau meinen
wir immer noch jeder Mensch brauche unbedingt 145 Liter Wasser pro Tag, obwohl
wir gerade einmal drei Liter für Essen und Trinken konsumieren. Bis jetzt
gibt es leider viel zu wenige Systeme, die auf eine optimierte Ressourcennutzung
abzielen. Es bleibt zu hoffen, dass die positiven Beispiele Nachahmer und eine
immer breitere Anwendung finden. Neue Bauordnungen weisen schon in diese Richtung.
*) Dipl.-Ing. Martin Regelsberger ist Leiter der Abteilung Nachhaltige Wasserwirtschaft bei der AEE INTEC, m.regelsberger@aee.at [^]