Atomenergie oder Erneuerbare?
Wassermanagement
Abbildung
1: Das
ZerO-M DSS ist insbesondere als Werkzeug für die Planung von nachhaltigen
Wassermanagementlösungen für kleine Siedlungen gedacht (Quelle
von allen Bildern: Universität Wien, Institut für Geographie und Regionalforschung)
Wasserknappheit ist in mediterranen Ländern ein zentrales Problem. Der steigende Wasserverbrauch in diesen Ländern verursacht Probleme bei der Bereitstellung von Wasser in ausreichender Qualität und Quantität. Die unreflektierte Ausbeutung von Wasserquellen und der erhöhte Konsum können zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Schäden an der Umwelt führen. Um dem entgegen zu wirken, ist die Umsetzung nachhaltiger, lokaler Wassermanagementlösungen notwendig.
Geographisches Decision Support System für nachhaltige Wasserwirtschaft
Von Sibylle Saul, Elisabeth Freiberger und Christoph Pichlbauer*
Im Rahmen des Projektes „Zer0-M – Zero Outflow Municipality“ arbeiten elf Partner aus Europa und Nordafrika an einem Konzept für nachhaltiges Wassermanagement im Mittelmeerraum. Die Optimierung geschlossener Wasserkreisläufe in Gemeinden und Siedlungen mediterraner Länder, die an kein zentrales Abwassersystem angeschlossen sind, ist ein zentrales Anliegen dieses Projektes. Um diese Optimierung zu erreichen, wird unter anderem ein Werkzeug entwickelt, welches eine grobe Planung und Bewertung von nachhaltigen Wassermanagementlösungen ermöglicht.
ZERO OUTFLOW MUNICIPALITY (ZER0-M)
Das Projekt „Zer0-M – Zero Outflow Municipality“ (www.zer0-m.org/)
wird im Rahmen des „Euro-Mediterranean Regional Programme For Local
Water Management“ (Regionales EU-Mittelmeer-Programm für lokales
Wassermanagement) von der Europäischen Union unterstützt. Das
Projektkonsortium setzt sich aus elf Partnern aus Europa und Nordafrika
zusammen und wird von AEE INTEC (Arbeitsgemeinschaft für Erneuerbare
Energie, Institut für Nachhaltige Technologien) koordiniert. Die Mitglieder
des Konsortiums arbeiten seit September 2003 (bis August 2008) gemeinsam
an Konzepten und Technologien für nachhaltiges Wassermanagement. Hauptnutznießer
des Projektes sind die MEDA-Partnerländer (nicht-europäische Mittelmeer-Anrainerstaaten):
Ägypten, Marokko, Tunesien und Türkei. Zielgruppen des Projektes
sind hauptsächlich Ingenieure und Planer, aber auch die allgemeine
Bevölkerung.
Frei übersetzt steht Zer0-M für „Gemeinden ohne Abwasserausstoß“
und drückt damit den Leitgedanken des Projektes aus. Zwar lässt
sich eine „Null-Emission-Gemeinde“ nicht vollständig verwirklichen,
es ist jedoch möglich, den Wasserverbrauch zu minimieren und das Abwasser
kleinräumig wieder zu verwenden. Zer0-M hat daher das Ziel, Konzepte
und angepasste Technologien für nachhaltiges Wassermanagement zu entwickeln,
um in kleinen Kommunen oder Siedlungen (z.B. touristischen Einrichtungen),
die nicht an ein zentrales System angeschlossen sind, optimierte geschlossene
Wasserkreisläufe zu errichten. Nachhaltige Wasserver- und -entsorgung
wird dabei als ein Schlüsselelement für nachhaltige Entwicklung
gesehen [Otterpohl]. Sie zielt auf geringen Wasserverbrauch
und die vollständige Wiederverwendung von Wasser und der darin enthaltenen
Nährstoffe. Angepasst an die sozio-ökonomischen Bedingungen, durch
den Einsatz von einfachen Technologien, stellt nachhaltiges Wassermanagement
häufig dezentral und zu geringen Kosten eine hohe Reinigungsleistung
zur Verfügung.
Der Versuch optimierte, geschlossene Wasserkreisläufe für Siedlungen
in mediterranen Ländern im Zuge eines nachhaltigen Wassermanagements
zu planen, ist eine komplexe Aufgabe, bei der eine Vielzahl von verschiedenen
und oftmals widersprüchlichen Objekten miteinbezogen werden muss. Bei
der Lösung solcher komplexer räumlicher Problemstellungen bietet
sich daher die Unterstützung durch ein EDV-gestütztes kartenbasiertes
System an, welches den Nutzer bei der Entscheidungsfindung unterstützt
(im englischsprachigen Raum unter dem Begriff „Spatial Decision Support
System - SDSS“ bekannt). Das Projekt Zer0-M hat es sich daher zur
Aufgabe gemacht, ein Werkzeug zu entwickeln, das Experten bei einer ersten
Gestaltung, Bewertung und Auswahl möglicher Wassermanagementlösungen
unterstützt. Dieses System wurde am Institut für Geographie und
Regionalforschung der Universität Wien mitkonzipiert und entwickelt.
Abbildung 2: Die unreflektierte Ausbeutung von Wasserquellen und der erhöhte Konsum führen zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten und Schäden an der Umwelt
Zielsetzung
Das Hauptziel des Zer0-M Spatial Decision Support System (DSS) ist die Führung
und Unterstützung des Nutzers bei einer ersten groben Planung von Wassermanagementalternativen
mit nachhaltigen Technologien. Dabei soll der Experte als Nutzer durch den Prozess
der Entscheidungsfindung geführt werden und bei der Auswahl einzelner technischer
Optionen, über die Planung von Alternativen bis hin zur Auswahl der optimalsten
Variante unterstützt werden. Die Bewertung der Varianten wird dabei anhand
von ökonomischen, sozialen und ökologischen Faktoren vorgenommen.
Anhand der vorhandenen bzw. vom Nutzer gegebenen Informationen werden Indikatoren
berechnet, welche dann in eine Multikriterienanalyse einfließen.
Ein weiteres Ziel ist es, den Nutzer mit weniger bekannten nachhaltigen Technologien
vertraut zu machen. Diese Annäherung soll durch die Möglichkeit forciert
werden, wichtige Zusatzinformationen über nachhaltige Technologien und
Erfahrungen bereits existierenden Lösungen abfragen zu können.
Das Zer0-M DSS ist insbesondere als Werkzeug für die Planung von nachhaltigen
Wassermanagementlösungen für kleine Siedlungen gedacht. In Übereinstimmung
mit den Konzepten des Zer0-M Projektes gehören dazu Gebiete, bei denen
schon aus wirtschaftlicher Sicht die Errichtung eines herkömmlichen Abwassersystems
nicht rentabel wäre. Diese Schwerpunktgebiete umfassen kleine ländliche
Siedlungen mit landwirtschaftlicher Produktion, isolierte Tourismuseinrichtungen
und städtische Randgebiete, die an kein zentrales Abwassermanagementsystem
angeschlossen sind.
Entscheidungsfindung
Planung und Management basieren auf dem Prozess der Entscheidungsfindung,
welcher traditionell in mehrere Stufen eingeteilt wird. Zu Beginn steht die
Definition und Beschreibung des vorliegenden Problems. Daran schließen
verschiedenste Formen von Analysen an, die notwendige Informationen für
die Planung und Gestaltung der Lösungsmöglichkeiten liefern. Um die
Entscheidung für die Lösung des Problems zu finden, gilt es dann die
erstellten Alternativen gegeneinander abzuwägen.
Der Prozess der Entscheidungsfindung kann auch auf die Funktionalitäten
des SDSS übertragen werden. Abhängig von den Bedürfnissen des
Nutzers in den einzelnen Phasen des Entscheidungsprozesses werden Funktionalitäten
in unterschiedlichem Umfang und Schwerpunkt zur Verfügung gestellt. Diese
können wie folgt eingeteilt werden [Simon].
Intelligenz
Diese Phase umfasst die Identifikation und Beschreibung des zu lösenden Problems. Thematische und geographische Daten sind in das System zu integrieren und können dann über visuelle und explorative Datenanalyse ausgewertet werden. Dies hilft einerseits bei der Beschreibung des Problems und ermöglicht andererseits bereits erste Lösungsansätze ausfindig zu machen. Zusätzlich dazu erhält der Nutzer die Möglichkeit, Informationen über einzelne, ihm eventuell noch nicht vertraute Technologien abzufragen.
Abbildung 3: Wasserwirtschaftstechnologien: Auswahl geeigneter technischer Lösungsmethoden aus einer Vielzahl bekannten und weniger bekannten nachhaltigen Technologien
Weiters besteht die Möglichkeit, bereits bestehende Lösungen ähnlicher
Probleme aus einem Sammelsurium von Erfahrungen innerhalb dieses Projekts oder
anderer Umsetzungen abzurufen und zu vergleichen. Jedem Nutzer des Systems steht
es frei, seine Erfahrungen in diese Sammlung einzutragen und somit auch einen
Beitrag für zukünftige Projekte zu liefern. Planer von Sanitärprojekten
sollen dadurch dazu animiert werden, nicht nur konventionelle Lösungen
in Betracht zu ziehen. Sie sollen mit den Informationen über Beispielprojekte
eine Idee davon bekommen, welche Technologien und Kombinationen von Technologien
der nachhaltigen Siedlungswasserwirtschaft existieren und welche Vorteile sich
bei deren Anwendung im Vergleich zu konventionellen Systemen ergeben können.
In der Datenbank werden Beispiele nachhaltiger Sanitärprojekte gesammelt,
die innerhalb und außerhalb des Projektes Zer0-M realisiert wurden. Standardisierte
Informationen über die geographischen und klimatischen Bedingungen im Projektgebiet,
die Hintergründe und Probleme, die die Umsetzung des Projekts notwendig
gemacht haben, sowie die in der Ausgangssituation vorhandenen Wasserversorgungs-
und Sanitäreinrichtungen, können abgerufen werden. Weiters werden
der Entwurf und die Technologien, die zur Lösung der bestehenden Probleme
gewählt wurden, präsentiert.
Jedes Projekt wird mit einem einfachen Bewertungsschema anhand einer Liste von
Kriterien bewertet. Diese Liste beinhaltet technische, ökonomische, soziokulturelle,
Umwelt- und Gesundheitskriterien. Dadurch erhält der Nutzer der Datenbank
eine Übersicht über die Vor- und Nachteile jedes Projektes und darüber,
welche Aspekte der Nachhaltigkeit vom Projekt erfüllt worden sind.
Mit Hilfe einer Suchfunktion kann nach Projekten gesucht werden, die ähnliche
Eigenschaften und Voraussetzungen wie das zu planende Projekt besitzen. Somit
kann man sich auf einfache Weise ein Bild davon machen, welche Lösungen
in anderen Projekten gefunden wurden. Dies soll dem Planer bei der Wahl der
Technik helfen, die die Anforderungen an das Projekt am Besten erfüllen
kann
Design
Die Entwicklung der räumlich definierten Alternativen erfolgt in der Designphase. Mit Hilfe der Fragestellung angepasster Funktionalitäten wird der Nutzer durch den Prozess der Planung und Entwicklung von Alternativen geführt (Abbildung 4). Dabei können auf Basis einer interaktiven Karte verschiedene Lösungsvarianten (Alternativen) für ein definiertes Problem entwickelt werden. Das SDSS bietet dem Nutzer dabei verschiedene Navigationsmöglichkeiten und Funktionen an, um die Alternativen auf einfachen und effizienten Weg entwickeln und manipulieren zu können. Zusätzlich stellt es dem Nutzer dabei wichtige Information über den Zustand der einzelnen technischen Einrichtungen sowie des gesamten Systems zur Verfügung.
Abbildung 4: Designphase: Mit Hilfe der Fragestellung angepasster Funktionalitäten wird der Nutzer durch den Prozess der Planung und Entwicklung von Alternativen geführt
Auswertung
Unter Einbeziehung eines komplexen Wasserkreislaufszenarios erfolgt die Auswertung der einzelnen Alternativen anhand ökonomischer, sozialer und ökologischer Modelle. Dadurch erhält der Nutzer Auskunft über die wirtschaftliche und soziale Verträglichkeit sowie die Ökobilanz der einzelnen Alternativen. Die Ergebnisse aus der Evaluierung der Modelle können in einem weiteren Schritt in eine Multikriterienanalyse einfließen, welche die optimalste Alternative bestimmt und dem Nutzer somit bei der Entscheidungsfindung unterstützt.
Abbildung 5a und 5b: Im Rahmen des Projektes "Zer0-M - Zero Outflow Municipality" (http://ww.zer0-m.org/) arbeiten elf Partner aus Europa und Nordafrika an einem Konzept für nachhaltiges Wassermanagement im Mittelmeerraum.
Ausblick
Ein SDSS stellt eine gute Möglichkeit dar, Ideen des nachhaltigen Wassermanagements und deren Umsetzung zu erleichtern und bekannt zu machen. Allerdings ist es notwendig, ein solches Werkzeug an seine Zielgruppe und deren Wünsche bzw. Nutzungsbedürfnisse anzupassen, um die volle Leistungsfähigkeit des Werkzeuges zu gewährleisten. Das Zer0-M Konsortium hat sich mit der Entwicklung des Spatial Design Support System das Ziel gesetzt, ein solches angepasstes System zur Verfügung zu stellen. Eine erste Version konnte bereits im Frühjahr 2007 veröffentlicht werden. In der aktuellen Phase finden Adaptierungen und Erweiterungen des Systems statt, um den Nutzerwünschen bestmöglich zu entsprechen.
Literatur- und Quellennachweis
[Otterpohl] Otterpohl, R., et al., Open letter to Johannesburg
Summit, Division for Sustainable Development, Vereinte Nationen, Februar
2002, [Simon] Simon, H.A. (1960): The New Science of Management Decision. Harper and Row, NY. |
*) Sibylle
Saul und Christoph
Pichlbauer sind wissenschaftliche Mitarbeiter
an der Universität Wien, Institut für Geographie und Regionalforschung,
sibylle.saul@univie.ac.at, christoph.pichlbauer@univie.ac.at, http://www.univie.ac.at/cartography
Elisabeth Freiberger
ist Studentin an der Universität für Bodenkultur, Wien, elisabeth.freiberger@gmx.at
[^]