Atomenergie oder Erneuerbare?
AEE-Projektinformationen und Service
Zwei
Jahre klima:aktiv Holzwärme - Heizen mit Holz und Verstand
Von Birgit Benesch und Christian Rakos*
Vor zwei Jahren begann die Arge Holzwärme im Auftrag des Lebensministeriums und des Verbandes proPellets Austria das Programm klima:aktiv holzwärme. Die AEE NÖ-Wien zieht angesichts bewegter Zeiten eine Zwischenbilanz des Programms.
Das klima:aktiv Programm holzwärme zielt auf eine signifikante Zunahme der Marktdurchdringung von Holzheizungen in den Bereichen Einfamilienhaus, Geschoßwohnbau und Tourismus. Ein weiterer Focus wird auf die Weiterentwicklung der Dienstleistungsangebote im Bereich Contracting gelegt. Die Entwicklung von Schulungsangeboten und Forschungskonzepten ergänzen das Programm.
2006 dreimal so viele Biomasse- wie Ölkessel installiert
Im ersten Programmjahr entwickelte sich das Wachstum am österreichischen Pelletmarkt ausgezeichnet. Dieser Trend spiegelt sich laut Landwirtschaftskammer Niederösterreich in den folgenden Fakten wider. Während die Installationen von Ölkesseln und Gasheizungen deutlich zurückging, nahmen die von Biomassekesseln stark zu. 2006 wurden dreimal so viele Biomasse- wie Ölkessel eingebaut. Insgesamt seien über 21.300 Kleinanlagen (bis 100 kW) installiert worden, berichtete Hermann Schultes, Präsident der LK Niederösterreich. Dies entspricht einem zusätzlichen Einsatz von 400.000 Festmeter Holz. Damit werden 80 Mio. Liter Erdöl beziehungsweise 80 Mio. m3 Erdgas ersetzt. Doch auch im Bereich 100 bis 1.000 kW gab es positive Entwicklungen. 2006 wurden 777 Anlagen in diesem Leistungsbereich errichtet. Dies bedeutet eine 19%ige Steigerung gegenüber 2005. 2006 wurden 82 Anlagen > 1.000 kW gebaut, 2005 insgesamt 78 Stück.
Markteinbruch 2007
Im Folgejahr 2007 erfuhr die gesamte europäische Pelletwirtschaft jedoch
einen merkbaren Dämpfer. Europaweit, ja sogar in den USA kam es zu einem
deutlichen Rückgang bei den Verkaufszahlen von Pelletöfen und Pelletkesseln.
Der Verkaufsrückgang erreicht in manchen Märkten bis zu 75 %. Die
Pelletproduzenten ihrerseits wurden vor allem durch den extrem milden Winter
2006/2007 getroffen. Witterungsbedingt ging die Nachfrage nach Brennstoff gegenüber
einem Normaljahr um rund 30 % zurück. Selbst am Kraftwerksmarkt stagniert
zur Zeit die Nachfrage nach Pellets. Technische Probleme bei einzelnen Großkraftwerken
haben die Wachstumserwartungen gedämpft. Gleichzeitig boomt die Wärmepumpe
als Konkurrenztechnologie und gewinnt Marktanteile. Insgesamt ergibt sich damit
ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld für zahlreiche Unternehmen der
Pelletwirtschaft, die umfangreiche Investitionsmaßnahmen getätigt
haben, um dem rasante Marktwachstum gerecht zu werden und nun von niedrigen
Absatzzahlen getroffen werden.
Die Ursachen dieses abrupten Markteinbruchs sind vielfältig. Eine wichtige
Rolle spielen zweifellos die erheblichen Preissteigerungen bei Pellets.
Auslöser dieser Preissteigerungen waren einerseits der Holzmangel infolge
des strengen Winters 2005/2006 und eine daraus resultierende Rohstoffverteuerung.
Dazu kam die rasant steigende Nachfrage nach Pelletheizungen. Sehr stark wirkte
sich auf den österreichischen Pelletmarkt die Nachfrage Italiens aus, wo
die Zahl der verkauften Pelletöfen von 90.000 (2005) auf 220.000 (2006)
stieg.
Ausblick
Die Pelletproduktion in Österreich stieg – nicht zuletzt auf Grund der attraktiv erscheinenden Preise deutlich an und dürfte 2008 bei über einer Million Tonnen liegen. Im Frühjahr 2007 sank der Pelletspreis auf ein Niveau von rund 185 Euro pro Tonne (inkl. 10 % MWST) und blieb bis November 2007 auf diesem Niveau. Damit sind Pellets – bezogen auf den Energieinhalt – derzeit um 49 % günstiger als Heizöl extraleicht. Die intensive politische Diskussion über die Entwicklung der Treibhausgasemissionen und der große Preisvorteil sollten den Markt wieder in Bewegung bringen.
Abbildung 1: Langfristige Preisentwicklung Pellets, Heizöl extraleicht in Österreich (Quelle: IWO, Genol, proPellets Austria; Stand: 7. November 2007)
Feinstaub Studie ABC
Nach Medienkampagnen der Öl- und Gaswirtschaft gegen Pelletheizungen,
die Feinstaubemissionen als Hauptargument gegen Pellets bemühten, erarbeitete
der Kooperationspartner des Programms Austrian Bioenergy Centre (ABC) eine Studie
zu neuen Fakten über Feinstaub bei Holzheizungen. Ergebnis war, dass Pelletkessel
insgesamt rund ein Tausendstel der Gesamtemissionen an Feinstaub in Österreich
verursachen. Messungen von Pelletkesseln, die im Jahr 2006 im Normalbetrieb
beim Kunden durchgeführt wurden, haben gezeigt, dass die Feinstaub-Emissionen
unter 13,3 mg/MJ lagen, was eine Reduktion von über 90% gegenüber
alten Festbrennstoffheizungen bedeutet. Das Ergebnis dieser Messungen war, dass
die im praktischen Betrieb gemessenen Emissionen sich kaum von den am Prüfstand
ermittelten Werten unterschieden.
Wenn man von einer Gesamtbelastung von rund 46.000 Tonnen Feinstaub österreichweit
ausgeht, verursacht der Hausbrand etwa 15% der Gesamtemissionen. Überträgt
man diese Ergebnisse auf die rund 45.000 Pelletkessel, die mit Ende 2006 in
Österreich in Betrieb sind, ergeben die rund 60 Tonnen Feinstaub aus Pelletkesseln
einen Anteil von 1% des Hausbrandes bzw. von rund einem Tausendstel der Gesamtemissionen
an Feinstaub in Österreich. Zugleich sparen diese 45.000 Pelletkesseln
jährlich rund 350.000 Tonnen des Treibhausgases CO2 ein. (Quelle: Umweltbundesamt,
Austrian Bioenergy Centre)
Ersetzt man Festbrennstoffkessel durch Pelletkessel, kommt es zu einer Reduktion
von Feinstaub-Emissionen von über 90%. Bei der neuen Generation von Holzheizungen
konnten in den vergangenen 15 Jahren durch völlig neue Verbrennungstechnologien
und die elektronische Kontrolle des Verbrennungsprozesses extreme Emissionsverringerungen
erzielt werden. Damit ist es ein sinnvoller politischer Ansatz zur Reduktion
von Feinstaub, den Ersatz alter Heizkessel durch moderne Pelletfeuerungen zu
forcieren.
Legt man die bei der Prüfung an der BLT (Biomass Logistics Technology –
österreichische Prüfanstalt für Biomasseheizungsanlagen) im Durchschnitt
gemessenen Emissionswerte für Feinstaub von Pelletsheizungen zugrunde,
so ergibt sich für eine Pelletheizung mit einem für Österreich
typischen Verbrauch von 6 Tonnen Pellets jährlich eine Emission von rund
1,16 kg Feinstaub.
Abbildung 2: Feinstaubemissionen aus dem Hausbrand in Österreich (Quellen: UBA 2006, ABC 2006, LK NÖ 2006, Statistik Austria 2005, AEE NÖ-Wien)
Holzmobilisierung
Nach einer neuen Biomasse Studie, die das Lebensministerium in Auftrag gegeben hat, ist um knapp 70 Prozent mehr Biomasse aus österreichischen Wäldern verfügbar als bisher angenommen.Programmaktivitäten
Neben den turbulenten Ereignissen des Pelletmarktes und den aktuellen Studienergebnissen
der kooperierenden Forschungseinrichtungen setzt sich das Programmteam intensiv
für Schulung von Installateuren, Rauchfangkehrern, Energieberatern und
Vertretern aus dem Baugewerbe ein.
Das Programm arbeitet verstärkt an der Information von Multiplikatoren,
Unternehmen und Endverbrauchern. Durch regionale Kampagnen und Einzelveranstaltungen
verankert sich klima:aktiv holzwärme und die Botschaft des Einsatzes moderner
Holzheizungen österreichweit auf lokaler und regionaler Ebene.
Das zusätzliche Potenzial für Heizen mit Holz (ohne KWK) beträgt
mindestens 400.000 Haushalte in Österreich. Damit könnten in den nächsten
Jahren rund 3 Millionen Tonnen CO2 jährlich eingespart und teure Energieimporte
ersetzt werden.
Die Wärmeversorgung mit dem Brennstoff Holz bietet Österreich große wirtschaftliche Chancen. Gerade in der Entwicklung von modernen Kesseltechnologien hat Österreich bereits seit Jahren eine weltweite Führungsrolle übernommen. Als nächsten Schritt bedeutet die Optimierung der Brennstoffbereitstellung aufgrund großer Biomassereserven eine bedeutende Herausforderung für die österreichische Energiewirtschaft.
*) Dipl.-Ing. Birgit
Benesch ist Mitarbeiterin der AEE Niederösterreich
Wien, aee@aee.or.at, www.aee.at/now
Dipl.-Ing. Dr. Christian Rakos
ist Geschäftsführer des Österreichischen Pelletverband proPellets
Austria, rakos@propellets.at, www.propellets.at [^]