Solarwärme boomt
Nachhaltige Gebäude
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Abbildung
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| Epikur Griechischer Philosoph (342 - 270 v. Chr.) |
Europäische Software epiqr® zur nachhaltigen Gebäudebewirtschaftung
Das von der Europäischen Union geförderte Verfahren wurde von den folgenden europäischen Forschungseinrichtungen entwickelt:
Den Forschungseinrichtungen waren während der Entwicklung externe Fachleute
aus der Immobilienwirtschaft angegliedert.
Die Entwicklung des Softwareprogramms erstreckte sich über einen Zeitraum
von 5 Jahren und erreichte im April 2000 Marktreife [EU-1]. Die ausschließliche
und einmalige Lizenz zur Vermarktung und Weiterentwicklung von epiqr®
in Deutschland und Österreich hält CalCon Holding GmbH, die Ausgründung
des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik.
Motivation für die Entwicklung von epiqr®
Als die Europäische Kommission die Entwicklung des Verfahrens epiqr®
forderte, sollte vor allem eine Lücke geschlossen werden. Gerade in der
Wohnungswirtschaft, aber auch bei Gewerbeimmobilien wird seit Jahrzehnten von
"Facility Management" gesprochen, jedoch wendet so gut wie kein Unternehmen
dieses für Bestandsimmobilien an.
Gängige Facility-Management-Systeme stammen meist von Herstellern aus dem
CAD-Bereich und basieren auf einer digitalisierten zwei- oder gar dreidimensionalen
Darstellung der Gebäude. Diese sind damit insbesondere für Neubauten
geeignet, bei denen ohnehin eine digitale, CAD-gestützte Projektierung
erfolgt. Anders verhält es sich jedoch bei Bestandsimmobilien, bei denen
in den meisten Fällen keinerlei digitales Planmaterial zur Verfügung
steht und bei denen man den wenigen vorhandenen Originalplänen nicht immer
uneingeschränkt vertrauen kann. Die gängigen Facility-Management-Systeme
benötigen in diesem Fall eine Digitalisierung aller Plandaten und häufig
darüber hinaus auch ein verformungsgerechtes Aufmaß und eine Massenermittlung
für alle Gebäude. Genau hier liegt einer der Gründe warum sich
die meisten Unternehmen nicht für die Einführung von "Facility-Management-Systemen"
entschieden bzw. die aktive Verwendung bereits erworbener Systeme wieder eingestellt
haben: der horrende zeitliche und monetäre Aufwand für Einführung
sowie Pflege derartiger Systeme.
Stattdessen findet man europaweit in der Regel so genannte "Zettelwirtschaft",
d. h. eine technische Verwaltung und Planung mittels selbst entworfener Checklisten,
in Einzelfällen unterstützt durch selbst entworfene Planungsinstrumente
in Microsoft EXCEL. Dabei zehren die technischen Liegenschaftsverwalter meist
von den umfangreichen Erfahrungen, die sie im Laufe der Jahre sammeln konnten.
Die Grobplanung einzelner Maßnahmen erfolgt dadurch häufig basierend
auf der Übertragung und Hochrechnung bereits durchgeführter Leistungen
an anderen Gebäuden.
Um nun diese Lücke zu schließen, ist epiqr®
angetreten. Damit nicht noch ein Facility-Management-Verfahren auf dem Markt
erscheint, wurde bewusst ein anderer Weg gewählt, der sich unter folgendem
Schlagwort zusammenfassen lässt:
Weniger ist mehr
Dies bedeutet: Nicht so genau wie möglich, sondern so schnell (kostengünstig) wie möglich ist ein Überblick über den Gebäudezustand zu erstellen und eine Basis für eine ganzheitliche Budgetplanung zu schaffen.
Abbildung 2: Startseite für eine Liegenschaft: Kenndaten, Kostenkennzahlen, Informationen, Fotos, Pläne
Umsetzung in epiqr®
Die Entwickler von epiqr® erhielten
für die Konzeption des Verfahrens das folgende Anforderungsprofil:
"Ein Gebäude wird mit epiqr®
möglichst benutzerfreundlich, ganzheitlich und unabhängig, innerhalb
maximal eines Tages erfasst. Dabei wird bewusst vom Groben ins Detail vorgegangen."
Die Entwicklung von epiqr® erfolgte auf
Basis des "Total Quality Management", d.h. der Beteiligung der späteren
Anwender von Anfang an. Das Ergebnis: epiqr®
passt sich den Anforderungen der Anwender an und nicht umgekehrt.
Ganzheitlich
Neben epiqr® existieren bereits einige andere Konzepte zur Erfassung von Gebäuden. Die meisten dieser Diagnoseinstrumente lassen jedoch die fachliche Provenienz der Ersteller erkennen. Wurde das Konzept z.B. von Fachingenieuren der Heizungs- und Klimatechnik erstellt, liegt eine umfassende Bewertung der technischen Gebäudeausstattung vor, der Zustand des Tragwerks im Dachbereich ist jedoch unterrepräsentiert. Im Rahmen der Entwicklung von epiqr® fanden sich Fachleute aus allen Bereichen des Bauwesens zusammen, um gemeinsam die wichtigsten Kategorien eines Gebäudes zu erfassen. Das Ergebnis: ein Katalog über die kostenintensivsten Kategorien eines Gebäudes.
Unabhängig
Eine neutrale und unabhängige Ersterfassung des Gebäudebestandes
garantiert nicht nur einen verlässlichen und vergleichbaren Datenbestand,
auf dem weiterführende Systeme aufbauen können, sondern ist auch die
Grundvoraussetzung für ein Ergebnis, das im Außenfeld, z.B. gegenüber
Banken, kommunizierbar ist.
Die größte Effizienz wird insofern dann erreicht, wenn ein Mitarbeiter,
der den Gebäudebestand sehr gut kennt, Hand in Hand mit einem unabhängigen
Spezialisten des Verfahrens die Gebäudebegehung vornimmt.
Im Durchschnitt benötigen die Mitarbeiter der CalCon z.B. für ein
Mehrparteienwohngebäude weniger als einen Tag für die Erfassung des
Gebäudes und die Übertragung der Daten in das Datenbanksystem.
Vom Groben ins Detail
Bei der Bewertung von Immobilien und der Durchführung von Facility-Management-Leistungen
geht man üblicherweise sehr detailliert auf das Gebäude ein (z.B.
mit Aufmaß oder CAD). Dies ist mit erheblichem zeitlichen und finanziellen
Aufwand verbunden. epiqr® schlägt
hier einen gänzlich neuen, jedoch "natürlicheren" Weg ein:
Vom Groben ins Detail! Nicht möglichst genau, sondern möglichst schnell
und benutzerfreundlich sind der Zustand des Gebäudes und die damit verbundenen
Instandsetzungskosten zu ermitteln. Die gewonnenen Werte können dann mit
epiqr® gezielt weiter detailliert werden,
um entsprechend der baulichen Substanz, aber auch entsprechend dem zur Verfügung
stehenden Budget, eine übersichtliche Kostenschätzung durchzuführen.
Um den Anforderungen des Leitsatzes gerecht zu werden, wurde bei der Entwicklung
des Verfahrens folgender Weg eingeschlagen:
Bei der baulichen Zustandserfassung beschränkt sich epiqr®
auf die kostenintensivsten Elemente eines Gebäudes (z.B. 50 Elemente bei
Mehrparteienwohngebäuden). Eine Beschreibung mit mehr Elementen und die
daraus resultierende Steigerung der Genauigkeit rechtfertigen den zeitlichen
Mehraufwand bei der Begehung nicht.
Der Inhomogenität des Altbaubestandes wird jedoch dahingehend Rechnung
getragen, dass die einzelnen Elemente noch in bis zu sechs Unterkategorien,
so genannte Typen, unterteilt werden (z.B. bei der Bewertung des Elements "Fassade
Außenfläche" in die Typen "Verputzt", "Sichtmauerwerk",
"Vorgehängte Betonplatten", "Leichte vorgehängte Verkleidung",
"Holzverkleidung", "Betonplatten" sowie einer Option "Mischformen"
oben genannter Typen auszuwählen).
Vier Zustände
Auf diese Art werden baukonstruktive Unterschiede berücksichtigt. Bei
der Begehung des Gebäudes wird der bauliche Ist-Zustand der einzelnen Elemente
bzw. der hinterlegten Typen objektiv beurteilt. Hier sind lediglich vier Zustände
zu unterscheiden: "a" guter Zustand, "b" leichte Abnutzung,
"c" erhebliche Abnutzung und "d" Ende der Lebensdauer erreicht.
Jedem dieser Zustände sind in epiqr®
üblicherweise anfallende Instandhaltungsmaßnahmen zugeordnet, die
im vorher beschriebenen Fall einer Fassadeninstandhaltung von der einfachen
Oberflächenbehandlung bis zum Totalersatz reichen. Bei der späteren
Planung können darüber hinaus Zusatzmaßnahmen ausgewählt
werden, die über eine reine Instandsetzung hinausgehen.
Massenermittlung
Um den erforderlichen Maßnahmen nun auch die entsprechenden Kostenwerte
zuzuordnen, ist eine Massenermittlung erforderlich. Um das üblicherweise
anfallende kosten- und zeitintensive verformungsgerechte Aufmass des gesamten
Gebäudes zu verhindern, wurden statistische Näherungen, basierend
auf umfangreichen Untersuchungen im Rahmen des EU-Projekts, entwickelt. So wird
z.B. bei Wohngebäuden die Fensterfläche über die Wohnfläche
genähert, da Untersuchungen in Deutschland und in der Schweiz ergeben haben,
dass in 95% aller Fälle eine Relation von Wohnfläche zu Fensterfläche
im Verhältnis 1:6 mit maximal 3% Abweichung zu finden ist. Dies bedeutet
für den Anwender von epiqr®, dass
zwar zum einen die mühsame Bestimmung von Fensterflächen mittels Aufmass
entfällt, gleichzeitig aber akzeptiert werden muss, dass ein Fehler von
maximal 3% in 95% aller Fälle bei der Fensterfläche vorliegt.
Bei Wohngebäuden sind durch diese statistischen Näherungen lediglich
die folgenden geometrischen Größen zu ermitteln:
Die Kombination von Zustandsbeschreibung und damit hinterlegten Maßnahmen sowie den ermittelten Massen führt zur Angabe der erwarteten Kosten für Instandhaltungsmaßnahmen.
Abbildung 3: Kreisdiagramm der Zustände und der zu erwartenden Kosten
Abbildung 3 zeigt das Ergebnis der objektiven Bestandserfassung. Im Kreisdiagramm
sind im äußersten Kreissegment die Gebäudeelemente aufgeführt
(hier 50 Elemente für ein Wohngebäude). Die blauen Balken stellen
den jeweiligen Abnutzungsgrad dar. Ist nur der innerste Bereich gefüllt,
liegt Zustand "a" "alles in Ordnung" vor. Je höher
der Balken, desto schlechter ist das vorgefundene Element. In der Mitte des
Kreisdiagramms sind die Instandsetzungskosten für das gesamte Gebäude,
die von epiqr® automatisch berechnet werden,
bereits angegeben.
Basierend auf diese objektive Zustands- und Kostenermittlung kann der Anwender
nun schnell und einfach selber basierend auf die über 2.000 hinterlegten
Kostenkennwerte Budgetvorschläge erstellen.
Erfahrungswerte aus den nunmehr über 500 Immobiliengesellschaften, die
epiqr® einsetzen, zeigen hier, dass ein
technischer Mitarbeiter rund 30 Minuten benötigt, um für ein Gebäude
sowohl kurz-, mittel- als auch langfristige Budgetpläne zu erstellen.
Auswertung über komplette Immobilienbestände
Da das Verfahren epiqr® auf einer sql-Datenbank basiert, besteht in der Software die Möglichkeit alle in epiqr® aufgenommenen Gebäude miteinander zu vergleichen. Es kann eine Auswertung über vorgefundene Gebäudezustände vorgenommen werden, z.B. Wärmedämmung der Fassade. Die Gebäude werden in der Software auf einer Stadt/Landkarte hinterlegt und als interaktive Punkte dargestellt. Abbildung 3 zeigt die Oberfläche im Computerprogramm, in der jährliche Budgets für den gesamten Bestand aus unterschiedlichen Budgetvorschlägen zusammengestellt werden können.
Abbildung 4: Ausschnitt aus der Software epiqr® in der für den Gesamtbestand unterschiedliche Budgetplanungen zu einem Gesamtbudget zusammengestellt werden können.
Analyse der Nachhaltigkeit
In den letzten Jahren wurde in den meisten Fällen lediglich die ökonomische
Dimension ("refurbishment") in epiqr®
genutzt, indem eine Bewertung der Instandhaltungskosten und der Zustände
erfolgte. Die ökologische Dimension ("energy performance") von
epiqr® durch die Analyse des Heizenergiebedarfs
gewinnt speziell mit der Einführung des Energieausweises massiv an Bedeutung.
Die Berechnung des Endenergiebedarfs erfolgt in epiqr®
konform zur Norm EN 832. Im Rahmen der Novellierung der deutschen Energie-Einsparverordnung
2007 [EnEV 2007] wurden Berechnungsvorschriften für die Erstellung von
Energieausweisen veröffentlicht, die seit kurzem ebenfalls in epiqr®
abgebildet sind, so dass eine Erstellung von Energieausweisen mit epiqr®
nach den gesetzlichen Vorschriften in Deutschland möglich ist. In den letzten
drei Monaten wurden so über 8.000 Energieausweise im epiqr®-System
generiert. Eine Berechung nach den österreichischen Rechenregeln ist zunächst
nicht vorgesehen, da hier bereits gute Berechnungsverfahren auf dem Markt existieren
deren Ergebnisse in das epiqr®-System
übertragen werden können, so dass eine kombinierte Auswertung energetischer
und kaufmännischer Kennzahlen des Gebäudes möglich ist.
In einem weiteren Schritt wurde in epiqr®
eine Systematik zur Bewertung von Nachhaltigkeitskriterien integriert. Besonderer
Wert wurde dabei auf soziokulturelle Indikatoren gelegt, da insbesondere für
Bestände der öffentlichen Hand aber auch für sozial engagierte
Wohnungsgesellschaften Indikatoren wie "Barrierefreiheit", "Sozialstruktur
im Quartier", "Anteil der Mieter über 55 Jahre", etc. für
die zukünftige Instandhaltungsplanung relevant sind.
Um schließlich ein vollumfängliches Nachhaltigkeits-Instrument in
Händen zu halten wurden in einem auf epiqr®
aufbauenden EU-Forschungsvorhaben mit Namen INVESTIMMO [EU-2] zu allen Bauteilen
und Baustoffen Lebenszyklusdaten durch Literaturrecherche, Expertenbefragung
und vor allem durch Auswertung bereits mit epiqr®
erfasster Immobilienbestände hinterlegt. Dadurch ist es nun möglich
mit epiqr® Lebenszykluskosten der Immobilie
zu bestimmen.
Zusammenfassung und Ausblick
Das Verfahren epiqr® konnte sich in den letzten sieben Jahren erfolgreich etablieren. Allein in Deutschland nutzen Gesellschaften mit zusammen mehr als 1,2 Mio Wohneinheiten epiqr® als ökonomisches Instrument zur Erfassung von Gebäuden und zur Budgetplanung. Die Anpassung an österreichische Normen, Bauweisen und Baukosten wurde Anfang 2007 abgeschlossen, so dass nun auch für Österreich eine epiqr®-Version zur Verfügung steht. Erste Testprojekte in Wien und Oberösterreich zeigten eine gute und für die Auftraggeber zufrieden stellende Übereinstimmung von Ausschreibungskosten und den in epiqr® berechneten Kosten für die geplanten Baumaßnahmen.
Literatur- und Quellennachweis
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*) Dipl. Kfm., Dipl.-Kfm., Dipl.-Phys. Christian Wetzel ist Geschäftsführer der CalCon Holding GmbH in München, Deutschland, c.wetzel@calcon.de [^]