Solarwärme boomt
Wassermanagement
Um
das Thema Toiletten und was es bedeutet keinen Zugang zu eben diesen zu haben,
drehte sich die Wanderausstellung „Sanitation is Dignity – Wo würden
Sie sich verstecken?“, die in der letzten Septemberwoche 07 im AKH, Wien,
zu sehen war.
Wo
würden Sie sich verstecken
Sanitation is Dignity
Die Aufklärungskampagne „Toilette bedeutet Würde“ ist
eine Wanderausstellung, bei der lebensgroße Figuren zu sehen sind. Halb
hinter schützenden Objekten, wie Regenschirme, Blumentöpfe oder Koffer
versteckt, verrichten sie ihr „Geschäft“. Der EcoSan Club brachte
die von der German Toilet Organisation konzipierte Ausstellung nach Wien und
ergänzte sie mit zahlreichen Aktivitäten. Im Fokus stand dabei: Was
tun, wenn man muss, aber nicht kann wie man soll?
Diese Fragen stellen sich täglich 42% der Weltbevölkerung, das sind
rund 2,6 Milliarden Menschen, die unter keiner bzw. einer sehr schlechten sanitären
Grundversorgung leiden. Die Mehrzahl der Betroffenen lebt in den ärmeren
Ländern der Welt, in denen der tägliche Gang zur Toilette durchaus
keine Selbstverständlichkeit ist. So sind vielerorts, vor allem in dicht
besiedelten städtischen Gebieten, immer noch die „fliegenden Toiletten“
anzutreffen, ein Plastiksack der, nach Verwendung gut gefüllt, in hohem
Bogen weggeschmissen wird. Das damit das Problem nur verlagert wird, liegt auf
der Hand und die Auswirkungen sind erdrückend: Jedes Jahr sterben an den
Folgen einer unzureichenden Sanitärversorgung 1,6 Millionen Kinder unter
fünf Jahren, also 5.000 Kinder täglich.
Situation der Frauen
Mehrfach benachteiligt sind vor allem Frauen und Mädchen. Sie tragen nicht nur die Verantwortung für Hygiene im Haushalt, sondern sind auch gezwungen, viel längere Wege zur Verrichtung ihres „Geschäfts“ in Kauf zu nehmen. Des Nächtens führt dies oft zu gefährlichen Situationen. Vielerorts ist das Fehlen von Schultoiletten für die mangelhafte Schulausbildung vor allem von Mädchen verantwortlich. Ältere Mädchen meiden die Schulde während der Menstruation oder brechen den Schulbesuch ganz ab. Von einer Verbesserung der Situation würden Frauen und Mädchen am meisten profitieren, dennoch werden sie selten in Diskussionen und Entscheidungsprozesse von Entwicklungsprioritäten einbezogen und ihre Stimmen werden nur unzureichend gehört.
Sanitäre Grundversorgung
International ist die Wichtigkeit einer ausreichenden Wasserversorgung zur
Verbesserung der Lebensbedingungen schon lange anerkannt. Die sanitäre
Grundversorgung dagegen fristet immer noch ein Schattendasein, obwohl die Sanitärversorgung
offizieller Bestandteil der Millennium Entwicklungsziele (MDG) ist. Nur wenige
Fortschritte zur Erreichung des Ziels - einer Halbierung des Anteils derer ohne
adäquate Sanitärversorgung bis 2015 – sind derzeit zu verzeichnen.
„The world is off track” ist dem „Bericht über die menschliche
Entwicklung 2006“ des UN-Entwicklungsprogramms UNDP zu entnehmen. Die
Gründe dafür sind zahlreich.
Eine der Hauptgründe ist, dass die Vorteile und die produktiven Aspekte
einer angemessenen Sanitärversorgung sowohl von Politikerinnen und Politikern
als auch der Zivilgesellschaft nicht ausreichend wahrgenommen werden und somit
die nötige politische Aufmerksamkeit fehlt. Obwohl die Verbesserung des
sanitären Sektors immense finanzielle Auswirkungen hätte, vor allem
durch eine Kostenreduktion im Gesundheitsbereich, einer verbesserten ökonomische
Entwicklung und landwirtschaftliche Produktion, sowie Fortschritt in den Bereichen
Bildung, Lebensunterhalt und Armutsbekämpfung.
Kein Klo, also Wo?
Dennoch steht die Verbesserung der sanitären Situation auf der Prioritätenliste der meisten nationalen Regierungen weit unten. Dies bestätigte auch Dan Lapid vom „Centre for Advanced Philippine Studies“ in der Diskussionsveranstaltung „Shit Happens – kein Klo, also Wo?“, die im Zuge der Ausstellung in Wien zur Auseinandersetzung mit dem Thema einlud: „Auf den Philippinen fließen 97% der öffentlichen Investitionen in den Ausbau der Wasserversorgung und nur 3% in die sanitäre Grundversorgung“. Hans Schattauer von der „African Water Facility“ ergänzt dies aus Sicht der Afrikanischen Entwicklungsbank „Bei näherem Hinsehen geht das meiste Geld in Wasserversorgungs- und Siedlungshygieneprojekten in die Wasserversorgung. Eine Trennung dieser beiden Finanzierungsschienen ist dringend notwendig, um mehr Priorität auf sanitäre Grundversorgung legen zu können.“
Abbildung 2: Und wo würden Sie sich verstecken...? (Quelle: Johannes Hloch)
Einbindung der Öffentlichkeit
Eine Verbesserung der Situation kann nur dann erzielt werden, wenn die Tragweite dieser Problematik uneingeschränkter in der Öffentlichkeit thematisiert wird. Jedoch sollte gleichzeitig auch ein Umdenken von rein entsorgungs- hin zu wiederverwertungsorientiertem Handeln im Sanitärsektor stattfinden und „wir aufhören unsere technischen Lösungsvorschläge in Entwicklungsländer zu transportieren, wo sie schnell an ihre Grenzen stoßen“ ergänzt Markus Lechner vom EcoSan Club während der Diskussionsveranstaltung. Gefordert werden daher innovative Lösungsmöglichkeiten, die sich den lokalen Rahmenbedingungen anpassen und nachhaltig eine Verbesserung der sanitären Situation zulassen. Erprobte alternative Lösungen und Technologien sind schon zahlreich vorhanden: Trockentoiletten zum Beispiel, die gänzlich ohne Wasser auskommen und trotzdem hohe Hygienische- und Komfortstandards erfüllen oder behandeltes Toilettenabwasser, das für Bewässerung und andere landwirtschaft- und gartenbauliche Zwecke wiederverwertet wird.
International Year of Sanitation
Um die Öffentlichkeit sowie die politisch Verantwortlichen stärker auf das Thema sanitäre Grundversorgung aufmerksam zu machen, hat die UN Generalversammlung das Jahr 2008 zum "Internationalen Jahr der sanitären Grundversorgung" (International Year of Sanitation, IYS 2008) erklärt (siehe dazu Artikel von Martin Regelsberger). Dies als Anlass nehmend, hat sich im vergangenen Jahr die „Sustainable Sanitatin Alliance“ (SuSanA) gegründet, ein Zusammenschluss von über 50 multi- und bilateral Organisationen, NROs, Wirtschaftsunternehmen, staatlichen und Forschungsinstitutionen, die an der Entwicklung nachhaltiger Sanitärsysteme arbeiten. Das SuSanA Netzwerk bietet Raum für Informationen, Wissensaustausch und Diskussionen, mit dem Ziel den öffentlichen Druck für eine nachhaltige Sanitärversorgung zu erhöhen. Und vielleicht lassen sich dann auch Entscheidungsträgerinnen und –träger stolz neben einer neu gebauten Toilette abbilden.
Die Ausstellung „Sanitation is Dignity“ wurde mit der finanziellen
Unterstützung der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit, sowie
CWS, der Universität für Bodenkultur (Institut für Siedlungswasserbau)
und der Dreikönigsaktion ermöglicht.
Nähere Informationen finden sich auf der Kampagnenhomepage www.sanitation-is-dignity.org
oder www.ecosan.at.
Abbildung 3: Latrinen im Stadtzentrum in Kitgum, Uganda (Quelle: EcoSan Club)
Abbildung 4: Latrinen und Abfallentsorgung im Innenhof einer Wohnanlage in Nakuru, Kenia (Quelle: EcoSan Club)
Literatur
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*) Dipl.-Ing. Elke Müllegger ist Mitarbeiterin des EcoSan Clubs, elke.muellegger@ecosan.at, www.ecosan.at, www.sanitation-is-dignity.org [^]