Neue Trends in der Solarthermie
Solarthermie
Abbildung 1: Das
Programm klima:aktiv
solarwärme konnte erfolgreich abgeschlossen
werden
Im Sommer 2004 startete im Rahmen von klima:aktiv, der Klimaschutzinitiative des Lebensministeriums sowie unter Beteiligung der österreichischen Solarindustrie das Programm solarwärme. Nach vier Jahren intensiver Marktbearbeitung zieht das Programmteam, bestehend aus AEE INTEC (Programmleitung), arsenal research und dem Industrieverband Austria Solar, erfolgreich Bilanz.
klima:aktiv Programm bringt Dynamik in den heimischen Solarwärmemarkt
Rahmenbedingungen und Zielsetzung
Die Zielsetzungen waren ambitioniert. So sollte das Programm
Initialzündung für den zu Beginn des Jahrtausends stagnierenden Solarwärmemarkt
sein und wieder erhebliche Wachstumsraten bei der jährlich installierten
Kollektorfläche ermöglichen. Der österreichische Solarwärmemarkt
war überwiegend dominiert von Anwendungen im privaten Einfamilienhaus,
wie eine solare Marktdurchdringung von 14% in diesem Anwendungsbereich im Jahr
2003 beweist. Dies bedeutet, dass bereits in 14% aller österreichischen
Ein- und Zweifamilienhäusern Solarwärme zumindest zur Warmwassererwärmung
genutzt wird. Nur zum Vergleich: Deutschland lag im selben Jahr bei einer Marktdurchdringung
von rund 4%.
Unter Berücksichtigung der bereits erreichten Marktdurchdringung im privaten
Eigenheim war dem Programmteam klar, dass neben dem Ausbau dieser klassischen
Anwendung eine erhebliche Marktsteigerung nur durch die Erschließung „neuer“
Anwendungsbereiche erreicht werden kann. Aus diesem Grund wurden über den
Einfamilienhausbereich hinaus die Anwendungsbereiche „Geschoßwohnbau“
sowie „Hotel- und Gastgewerbe“ als Zielgruppen für das klima:aktiv
Programm solarwärme definiert. Darüber hinaus war es erklärtes
Programmziel, solare Kombisysteme in allen Zielgruppenbereichen zu forcieren,
denn jede neu errichtete Solaranlage zur Warmwassererwärmung stellt ein
verlorenes Potenzial für die solare Heizungsunterstützung in den nächsten
20 bis 25 Jahren dar.
Erfolge im Bereich der Marktentwicklung
Ein wohl definiertes Maßnahmenpaket, Marktkenntnis und Expertenwissen des Programmteams sowie zeitliche Kontinuität (die Programmlaufzeit betrug vier Jahre) ermöglichten eine optimale Ausnutzung der aufgrund der steigenden Ölpreise günstigen Rahmenbedingungen. So konnten hinsichtlich der Marktentwicklung die Erwartungen bei weitem übertroffen werden. Bereits nach einem Jahr Programmlaufzeit wurde im Jahr 2005 eine Kollektorfläche (Flach- und Vakuumkollektoren) von über 230.000 m² (161 MWth) installiert. Im Vergleich hierzu betrug die im Bezugsjahr 2003 installierte Kollektorfläche rund 165.000 m² (116 MWth), was eine Steigerung um rund 40% bedeutet. Im Jahr 2006 konnte eine Kollektorfläche von 293.000 m² (205 MWth), im Jahr 2007 eine Kollektorfläche von 281.000 m² (196 MWth) installiert werden (siehe Abbildung 2). Damit wurde die ursprüngliche Zielsetzung von solarwärme, einen stagnierenden Markt wieder anzukurbeln und im Jahr 2008 eine installierte Kollektorfläche von 200.000 m² (140 MWth) zu erreichen, bereits in den Jahren davor deutlich übertroffen. Besonders erfreulich waren die Steigerungsraten der installierten Kollektorfläche von 8% im Jahr 2004, 28% im Jahr 2005 und 24% im Jahr 2006. Das Jahr 2007 erwies sich mit einem Rückgang von 3,3% als Stabilisierungsjahr. Im Sommer 2008 getätigte Prognosen der österreichischen Solarindustrie lassen für das aktuelle Jahr wieder erhebliche Steigerungsraten erwarten.
Abbildung 2: Die Darstellung der jährlich installierten Kollektorfläche zeigt deutlich den Einfluss des klima:aktiv Programms solarwärme auf die positive Marktentwicklung. Die Laufzeit von solarwärme erstreckte sich von Sommer 2004 bis Sommer 2008 über vier Jahre (Zahlen aus: Biermayr, et al., 2008)
Aktivitäten des klima:aktiv Programms solarwärme
Das Programm solarwärme lieferte einen wesentlichen Beitrag zu diesem Erfolg, wie die eindrucksvolle Leistungsbilanz bis Ende Juni 2008 zeigt:
Auch die Marktdurchdringung in den Zielgruppenbereichen „Einfamilienhaus“,
„Geschoßwohnbau“ sowie „Hotel- und Gastgewerbe“
konnte aufgrund der Programmaktivitäten erheblich gesteigert werden. Im
Bereich der Einfamilienhäuser konnte die Marktdurchdringung von 14% im
Jahr 2003 auf 24% mit Ende 2007 gesteigert werden. Das bedeutet, dass von den
insgesamt 1,3 Millionen österreichischen Hauptwohnsitzen in Ein- und Zweifamilienhäusern
bereits 24% Solarwärme zumindest zur Warmwasserbereitung nutzen.
Auch im Anwendungsbereich Geschoßwohnbau konnten erhebliche Erfolge erzielt
werden. Wurden Solaranlagen im Geschoßwohnbau vor dem klima:aktiv Programm
solarwärme nur punktuell umgesetzt, so konnte durch verstärkte Aktivitäten
Solarwärme als Standardwärmeversorgung im Neubau von Geschoßwohnbauten
etabliert werden. Innerhalb der Programmlaufzeit konnte die Marktdurchdringung
verdreifacht werden, allerdings auf ein insgesamt noch bescheidenes Ausmaß
von 3% Marktdurchdringung. Erste Erfolge im Bereich der Integration von Solarwärme
bei bestehenden Geschoßwohnbauten (als alleinige Maßnahme oder im
Zuge von ganzheitlichen Modernisierungskonzepten) stimmen optimistisch für
eine rasante Steigerung der solaren Marktdurchdringung. Als Erfolg bleibt im
Anwendungsbereich „Geschoßwohnbau“ weiters zu werten, dass
es gelungen ist, die Solaranlagen in Verbindung mit hocheffizienten Zwei-Leiter-Netzen
und Wohnungsstationen als Stand der Technik zu etablieren.
Von den insgesamt rund 15.000 gewerblichen Hotel- und Gastbetrieben (auf diese
entfallen etwa zwei Drittel der rund 115 Millionen in Österreich durchschnittlich
pro Jahr verzeichneten Nächtigungen) nutzten mit Ende 2007 bereits 15%
Solarwärme zumindest zur Warmwassererwärmung. Auch in diesem Anwendungssegment
konnte die Marktdurchdringung innerhalb der Laufzeit des klima:aktiv Programms
verdreifacht werden (siehe Abbildung 3).
Zu berücksichtigen bleibt bei allen drei Zielgruppenbereichen, dass bis
Juni 2008 noch gezielte Programmaktivitäten getätigt wurden. Dies
hat eine weitere Steigerung der Marktdurchdringung durch das Programm im Jahr
2008 zur Folge. Zusätzlich werden die Programmaktivitäten auch noch
in den ein bis zwei Jahren nach Programmende ihre Auswirkungen in der jährlich
installierten Kollektorfläche zeigen.
Abbildung 3: Potenzial und Marktdurchdringung von Solarwärme in den Zielgruppenbereichen des klima:aktiv Programms solarwärme im Jahr 2003 (blauer Balken) und im Jahr 2007 (roter Balken)
Auswirkungen auf den Export bzw. die nationale Wertschöpfung
Ein starker Heimmarkt ist die Basis für eine erfolgreiche Exportentwicklung der österreichischen Solarindustrie. Diese Aussage wird einmal mehr bestätigt durch die Entwicklung der von österreichischen Unternehmen gefertigten Kollektorfläche in den vergangenen Jahren (siehe Abbildung 4). Von den im Jahr 2007 insgesamt in der EU installierten 2,7 Millionen m² Kollektorfläche stammen etwa 39% aus heimischer Produktion. Im Vergleich hierzu lag der Anteil der in Österreich im Jahr 2003 gefertigten Kollektorfläche um 14 Prozentpunkte geringer, nämlich bei rund 25%. Der Importanteil an Sonnenkollektoren spielt eine untergeordnete Rolle.
Abbildung 4:Entwicklung der österreichischen Produktionszahlen von Flach- und Vakuumkollektoren in Verbindung mit der Entwicklung von Heimmarkt, Export, Import und Lagerbestand (Zahlen aus: Biermayr, et al., 2008; eigene Darstellung)
Während der Laufzeit des Programms solarwärme wurden in den Jahren
2004 bis 2007 insgesamt 986.600 m² Kollektorfläche in Österreich
installiert. Führt man in einem vereinfachten Vergleichsszenario ohne die
Aktivitäten eines Programms solarwärme die jährlich installierte
Kollektorfläche aus dem Jahr 2003 (rund 165.000 m²) weiter, ergibt
sich eine in den Jahren 2004 bis 2007 installierte Kollektorfläche von
660.000 m². Die Differenz von 326.000 m² kann in diesem Szenario dem
klima:aktiv Programm gutgeschrieben werden. Diese Kollektorfläche entspricht
einem zusätzlichen Umsatz der Branche von 434 Mio. €. Auch hinsichtlich
der Reduktion von CO2-Emissionen können sich die Programmergebnisse
sehen lassen. Die unmittelbar im Zusammenhang mit dem Programm installierte
Kollektorfläche von 326.000 m² substituiert pro Jahr rund 45.000 Tonnen
CO2 (Heizöläquivalent). Über die Lebensdauer von 25
Jahren gerechnet beträgt die Emissionsreduktion rund 1,1 Mio. Tonnen CO2.
Aufgrund der erzielten Programmerfolge und der erfahrenen Akzeptanz in allen
Zielgruppenbereichen wird aktuell mit Vertretern des Lebensministeriums und
der österreichischen Solarindustrie über eine Fortführung des
Programms gesprochen. Aus aktueller Sicht bestehen gute Chancen, dass eines
der erfolgreichsten klima:aktiv Programme die Aktivitäten bis Ende 2009
weiter führt.
Weitere Informationen zum Programm finden Sie unter www.solarwaerme.at oder
erhalten Sie bei der solarwärme Info-Hotline unter 03112/588612 wochentags
von 8:30 bis 12:00.
Abbildung 6: Die Informationsoffensive im Bereich solarer Kombisysteme war sehr erfolgreich, denn bereits über 50% der im Jahr 2007 installierten Kollektorfläche werden neben der Warmwasserbereitung auch zur Heizungsunterstützung eingesetzt.
Abbildung 7: Solarsysteme in Verbindung mit Wärmeversorgungskonzepten nach dem Prinzip von Zwei-Leiter-Netzen und Wohnungsstationen konnten in allen Bundesländern als Standard im Neubau von Geschoßwohnbauten etabliert werden.
Abbildung 8: Schwerpunktaktivitäten für das Hotel- und Gastgewerbe in den Bundesländern Tirol, Salzburg, Kärnten und Niederösterreich führten zur Verdreifachung der Marktdurchdringung in diesem Anwendungsbereich.
Abbildung 9: Die Forcierung der formschönen Gebäudeintegration trägt Früchte (Quelle: Büro Reinberg)
Abbildung 8: Systemlösungen zur Einbindung von Solarwärme in Konzepte von Passivhäusern bzw. „Plus-Energiehäusern“ konnten etabliert werden
Abbildung
10: Die umfangreichen Angebote zum
Know-how Transfer an Entscheidungsträger, Fachplaner und ausführende
Unternehmen wurden sehr gut angenommen
Abbildung
11: Rund ein Viertel aller
österreichischen Installationsbetriebe beschäftigt einen Absolventen
der „Zertifizierten Solarwärmeausbildung“ (hier die Absolventen
mit den Gratulanten Bundesminister Josef Pröll und Bundesinnungsmeister
Aigner).
Abbildung 12: Information als zentraler Erfolgsfaktor – das zeigen die insgesamt über 18.000 Teilnehmer bei mehr als 260 Veranstaltungen
Abbildung 13: Das Programmteam von klima:aktiv solarwärme und die Auftraggeber (repräsentiert durch Sektionschef DI Liebel vom Lebensministerium und KR Robert Kanduth, Omann Austria Solar) bedanken sich bei allen Partnern für die ausgezeichnete Kooperation.
Abbildung
14: Qualitätssicherung
konnte insbesondere bei größeren Solarwärmeanwendungen als Standard
etabliert werden (Quelle: www.energiebuchhaltung.at)
Über 100 Planungsunterstützungen halfen bei der Umsetzung komplexerer
Anlagen
| Literatur
|
*) Ing. Christian Fink (c.fink@aee.at) ist Gruppenleiter bei der AEE INTEC (www.aee-intec.at) und Leiter des klima:aktiv Programms solarwärme, www.solarwaerme.at [^]