Neue Trends in der Solarthermie
Solarthermie
Abbildung
1: Teilansicht der Dachflächen
der Solaranlage Fernheizwerk/AEVG
Das Grazer Fernwärmenetz ist weltweit eines der wenigen Fernwärmenetze, das Solaranlagen für die Energieversorgung einsetzt. Es gibt bei Anlagenbetreibern langjährige Erfahrung bei der Konzeption und baulichen Umsetzung von Großsolaranlagen. Die erste Großanlage mit 1.407 m² Kollektorfläche entstand im Jahre 2002 mit dem Bau der Anlage auf der UPC Arena. In den folgenden Jahren entstanden weitere Anlagen auf den Dächern des Berlinerrings (2.370 m² Kollektorfläche). Die letzte Großsolaranlage, die installiert wurde, ist auf dem Gelände des Fernheizwerkes und der AEVG (Abfallentsorgungs- und Verwertungs-GmbH) errichtet worden. Alle diese Anlagen speisen direkt in das Grazer Fernwärmenetz ein.
Solare
Fernwärmeeinspeisung in Graz
Solare Großanlage auf dem Fernheizwerk/AEVG Gelände
Von Horst Striessnig und Christian Holter*
Die Solaranlage auf dem Gelände des Fernheizwerkes und der AEVG ist mit ihren 4.100 m² (6.900 m² im Endausbau) die derzeit größte Anlage die in Graz realisiert wurde. In Summe mit den vorhandenen Großsolaranlagen werden damit jährlich fast 5 GWh Solarwärme bereitgestellt. Eine Anlage solcher Größe ist nicht mehr mit herkömmlichen Solaranlagen die im Einfamilienhausbereich eingesetzt werden vergleichbar. Für die Umsetzung solcher Projekte ist eine spezielle Anlagentechnik (Kollektoren, Pumpengruppen, etc.), die auf die Erfordernisse des Großsolarbereichs zugeschnitten ist, notwendig. Die Planung und bauliche Umsetzung der Gesamtanlage wurde von der Firma S.O.L.I.D. GmbH durchgeführt. Investor und Betreiber ist nahwaerme.at energiecontracting Gmbh.
Projektidee der Anlage AEVG /Fernheizwerk
Die Idee basiert auf den positiven Erfahrungen mit den ersten Großsolaranlagen
für die Fernwärmeeinspeisung einerseits, andererseits waren in Graz
ganzjährig reine Gas-Heizkessel neben der Abwärmenutzung in Betrieb,
welche bis zu 100 GWh jährlich fossil erzeugte Wärme bereitstellen.
Diese Gasmengen zu reduzieren, senkt den Ausstoß an CO2, die Solarwärme
vermindert die Abhängigkeit von der Preisdynamik fossiler Energieträger.
Ein Puffer als Wärmespeicher ist bei solchen Projekten kaum notwendig,
da die kontinuierliche Abnahme durch das Fernwärmenetz (gesichert durch
die Netzgröße) gewährleistet ist. Somit können kostengünstige
Systeme umsetzt werden. Im städtischen Bereich gibt es meist ausreichend
freie Dachflächen oder Grundstücke die für eine Solaranlage genutzt
werden können. Um Investmentkosten für Anbindungsleitungen möglichst
gering zu halten, musste ein Grundstück gefunden werden, dass möglichst
nahe bei einem möglichen Einspeiseknotenpunkt liegt. Die Grundstücke
der AEVG haben sich hier aufgrund ihrer Nähe zum Fernheizkraftwerk angeboten.
Anlagenkonzept
Die Anlage besteht aus mehreren Einzelanlagen, die zu einer Gesamtanlage zusammen geschalten sind. Auf Dächern unterschiedlicher Bauart, Lage und Ausrichtung wurden einzelne Kollektorfelder installiert. Die Größe der Kollektorfelder liegen im Bereich von 400 m² bis 2.100 m². Bereits bei der Konzeption wurde Wert darauf gelegt die Anzahl der Komponenten möglichst zu reduzieren, um Kosten beim Investment und in der Instandhaltung zu sparen. Es wird die thermische Solarenergie direkt im Bereich des Fernheizwerkes im Grazer Fernwärmenetz eingespeist. Die gesamte Anlage wird über ein eigens für Großsolaranlagen entwickeltes Telemonitoring-System (Regelungssystem) kontinuierlich, automatisch geregelt und überwacht.
Abbildung 2: Ansicht der Solaranlage Fernheizwerk/AEVG
Eingesetzte Technik
Ziel bei dieser Großanlage war es, eine möglichst lange Lebensdauer und einen kalkulierbaren, stabilen Energieertrag der Gesamtanlage zu erhalten. Um dies zu erreichen wurden beim Projekt zwei Schlüsseltechnologien eingesetzt
Projektschritte
Die Tätigkeiten, die notwendig waren um diese thermische Großsolaranlage zu realisieren, sind bei allen Projekten sehr ähnlich. Nach dem ersten Kontakt mit einem Kunden und einer Erstbegehung des Grundstückes kann eine erste Konzeptidee erarbeitet werden. Die einzelnen Schritte von dieser Projektidee bis zur Betriebsführung lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:
Betriebsführung
Bisher sind 4.100 m² Kollektorfläche in Betrieb gegangen und werden
von den Mitarbeitern von S.O.L.I.D. unter Hilfenahme des Telemonitoring-Systems
betreut.
Innerhalb der ersten Monate nach der Inbetriebnahme werden die Parameter für
die Solaranlage justiert um den maximalen Energieertrag zu erhalten. Liegt nach
dieser Zeit der Energieertrag in dem gewünschten Bereich, dann ist kein
regelungstechnischer Eingriff bei der Anlage mehr notwendig. Der Anlagenbetrieb
erfolgt dann ausschließlich durch das Telemonitoring-System, mit Ausnahme
von Datenanalysen. Dies hilft Betriebskosten zu sparen und garantiert den langfristigen
Energieertrag. Die Betriebsführung der Solaranlage Fernheizwerk/AEVG wurde
aufgenommen und die Anlage arbeitet im geplanten Leistungsbereich.
Abbildung 3: Telemonitoring Fernheizwerk/AEVG
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die Firma nahwaerme.at GmbH als Anlagenbetreiber hat die Anlage auf eigene
Kosten, errichtet. Für die Planung und bauliche Umsetzung wurde die Firma
S.O.L.I.D. GmbH beauftragt.
Vertragspartner der Firma nahwaerme.at GmbH für den Energieeinspeisungsvertrag
ist die Firma Steirische Gas & Wärme GmbH.
Förderungen für das Projekt wurden von der Kommunalkredit Public Consulting
GmbH (KPC/ Bereich Umweltförderung) und dem Land Steiermark durch das Wirtschaftsressort
und das Umweltressort bewilligt.
Wirtschaftlichkeit
Die Investmentkosten für die Gesamtanlage liegen bei 2,5 Millionen Euro.
Refinanziert wird die Solaranlage auf Basis eines Contractingmodells. Es wird,
abzüglich von erhaltenen Förderungen, das Investment durch den laufenden
Energieverkauf der Solaranlage refinanziert.
Die Umsetzung eines solchen Projektes ist nur dann möglich, wenn die erzielten
Energiepreise der Solaranlage im ähnlichen Kostenbereich liegen wie die
derzeitig vorliegenden Energiepreise.
Im beschriebenen Projekt wurde als Referenz der Wärmeerzeugungspreis von
Gas zu Großhandelspreisen für den Sommerenergiepreis und der Abwärmepreis
des Kraftwerkes Mellach für den Winterenergiepreis herangezogen.
Die Amortisationszeiten für Projekte mit solarer Fernwärmeeinspeisung
liegen im Bereich von 13 bis 15 Jahren.
Abbildung 4: Übersicht über die Dachflächen der AEVG
Mit dieser Großanlage wird die erfolgreiche Strategie, Solaranlagen für die Fernwärmeeinspeisung einzusetzen, fortgesetzt. Die bisher umgesetzten Projekte haben international hohes Aufsehen erregt und die vielen positiven Rückmeldungen im In- und Ausland zeigen wiederum auch beim Projekt Fernheizwerk/AEVG, dass der Einsatz von Großanlagen die richtige Lösung für Energiebereitstellung im Sommer für Fernwärmesysteme ist.
*) Horst
Striessnig ist tätig im Bereich der
Projektentwicklung der Firma S.O.L.I.D. GmbH, h.striessnig@solid.at, www.solid.at
Dr. Christian Holter
ist der Geschäftsführer der Firma S.O.L.I.D. GmbH [^]