Neue Trends in der Solarthermie
Nachhaltige Gebäude
Abbildung
1: Projektbeispiel Wiesbaden nach der
Modernisierung (Foto: IWU)
Außendämmung ist bei der weit überwiegenden Zahl der Wohngebäude technisch möglich, bauphysikalisch unproblematisch, in Verbindung mit Ohnehin-Maßnahmen an der Fassade regelmäßig wirtschaftlich attraktiv, und sie bietet sogar eine Chance für qualitätssteigernde Neugestaltung. Im Zusammenhang mit der Innendämmung treten dagegen eine Reihe von Schwierigkeiten auf, denen der Planer begegnen muss.
Innendämmung
im denkmalgeschützten Bestand
Innendämmung? Außendämmung? Oder gar keine Dämmung?
Wenn man die Wahl hat, sollte demnach bei einem Altbau die Wärmedämmung
auf der Außenseite der Außenwände angebracht werden.
Innendämmung ist aber immer noch besser als keine Dämmung: Die inneren
Oberflächentemperaturen steigen, damit wird die thermische Behaglichkeit
verbessert und die Gefahr von Feuchteschäden, insbesondere hinter Möbeln,
verringert. Und auch in Bezug auf die Verbesserung der Energieeffizienz in Altbauten
lässt sich mit der Innendämmung einiges erreichen, wenn diese mit
hochwertigen Komponenten wie Passivhausfenstern und Komfortlüftungsanlagen
kombiniert wird – nicht im gleichen hohen Umfang wie mit der Außendämmung,
aber immer noch mit spürbaren positiven Gesamteffekten: In typischen Objekten
im Bestand sind ohne Dämmung der Außenwände, aber mit Passivhauskomponenten
an allen anderen Bauteilen und bei der Lüftung, Heizwärmebedarfswerte
um 140 kWh/(m²a) erreichbar. Mit einer qualitativ hochwertigen Innendämmung
sind sogar etwa 55 kWh/(m²a) zu schaffen, also mehr als ein Faktor 4 gegenüber
dem Istzustand. Wenn eine Außendämmung möglich ist, lässt
sich mit ihr der Verbrauch gegenüber Innendämmung noch einmal mehr
als halbieren („Faktor 10“ im Bestand). Passivhausstandard ist im
allgemeinen im Bestand wegen verbleibender Wärmebrücken, ungünstiger
Orientierungen und Verschattung nur sehr schwer zu erreichen, obwohl einige
Projekte dies bereits erfolgreich demonstrieren.
Voraussetzung für ein positives Ergebnis ist bei der Innendämmung
jedoch eine sorgfältige, sachgemäße Planung und Ausführung.
Aus dem bislang gesagten ergibt sich, dass eine naiv geplante Innendämmung
erhebliche Schäden nach sich ziehen kann.
Schutz gegen aufsteigende Feuchte und Schlagregen
Gibt es in einem Gebäude aufsteigende Feuchte, dann muss dies zunächst
durch Einziehen einer Horizontalsperre abgestellt werden. Das gilt ohnehin im
Fall einer baulichen Modernisierung, weil ein gesundes Wohnen in Gebäuden
mit aufsteigender Feuchte nicht möglich ist.
Befindet sich das Gebäude in einem Gebiet mit hoher Schlagregenbelastung
(Beanspruchungsgruppe III nach DIN 4108-3, d.h. über 800 mm Jahresniederschlag
bzw. Hochhäuser, exponierte oder windreiche Lagen auch bei niedrigeren
Niederschlagsmengen), ist außerdem eine wasserabweisende Fassade erforderlich.
Auf die Einhaltung von [DIN 4108-3] und [DIN 18550-1] (u.a. diffusionsoffener
Aufbau der wasserabweisenden Fassade) muss geachtet werden. Auch diese Voraussetzung
ist an sich unabhängig von der Innendämmung. Auch bei geringerer Schlagregenbeanspruchung
müssen der Außenputz bzw. die Fassade intakt sein, d.h. es sollten
sich keine Fehlstellen, Abplatzungen, sichtbaren Risse etc. zeigen.
Selbstverständlich müssen auch andere besondere Feuchtebelastungen
(lecke Dachrinnen oder Sanitär-, Heizungs- und Abwasserleitungen) abgestellt
werden. Auch dies ist eine Selbstverständlichkeit bei einer Altbausanierung.
Wärmebrückenreduzierung
An allen Anschlusspunkten der Innendämmung (z.B. zu Decken, Innenwänden,
Fenstern) sind wärmebrückenreduzierte Details zu planen. Dies dient
primär der Vermeidung von Bauschäden, daneben auch der Verringerung
von Wärmeverlusten.
Die Dämmkonstruktion muss so geplant werden, dass Temperaturabsenkungen
an allen Anschlusspunkten (wo das vorkommen kann, auch mit platzierten Möbeln)
bei ( 5 °C; 20 °C) auf minimal 12.5 °C begrenzt bleiben.
Bedeutend für solche Anschlüsse sind:
Die genannten Bauteilanschlüsse sind übrigens in bauphysikalischer Hinsicht häufig bereits im Bestand als kritisch einzustufen; sie können bei korrekter Detailausbildung durch die Innendämmung in den zulässigen Bereich gebracht werden.
Abbildung
2: Fensteranschluss mit dünner
Laibungsdämmung (20 mm)
ΨEinbau = 0,132 W/(mK), Uw,eingebaut = 1,2 W/(m²K).
Minimale Oberflächentemperaturen oben: Φmin = 12,9 °C, unten:
Φmin = 12,8 °C)
Luftdichtheit
Wie oben bereits erwähnt muss eine Hinterströmung der Innendämmkonstruktion
mit normaler Innenraumluft unbedingt vermieden werden. Die Dämmkonstruktion
muss daher auf der Raumseite sicher und dauerhaft luftdicht sein. Eine sinnvolle
Zielvorgabe ist eine Luftdichtheit der raumseitigen Verkleidungen von q50 unter
0.6 m³/m²/h. Eine solche Luftdichtheit entspricht ungefähr dem
Luftdichtheitsniveau von für Passivhaus-Neubauten eingesetzten Außenwänden
und Dächern. Diese Anforderung mag auf den ersten Blick erschrecken, ist
aber baupraktisch auch in bestehenden Altbauten nachträglich erfüllbar.
Die luftdichtende Schicht muss allerdings geplant und sorgfältig ausgeführt
werden, die Ausführungsqualität ist an der Baustelle zu kontrollieren.
Abbildung
3: Studie für ein Kastenfenster
als Ergänzung eines bestehenden Holzfensters
(ΨEinbau = 0,013 W/(mK), Uw,eingebaut = 0,75 W/(m²K)
Minimale Oberflächentemperaturen oben: Φmin = 15,8 °C, unten:
Φmin = 16,2 °C)
Abbildung 4: Lösungen für einbindende Innenbauteile
Feuchteschutzkonzepte gegen Dampfdiffusion
Der in Relation zur Außenluft hohe Wasserdampfpartialdruck, der in der Raumluft im Winter vorliegt, kann nicht nur durch Konvektion, sondern auch durch Wasserdampfdiffusion einen Feuchtigkeitstransport an die (nun kalte) alte Wandkonstruktion hinter einer Innendämmung bewirken. Um kritische Auffeuchtungen zu verhindern, kommen heute zwei völlig unterschiedliche Konzepte in Betracht:
Ausreichende Dampfbremse raumseitig:
Diese Lösung ist der „klassische Ansatz“. Die Dampfdiffusion
von innen nach außen wird auf der warmen Seite gestoppt (Dampfsperre)
oder zumindest stark genug behindert (Dampfbremse), um die kalte Konstruktion
außerhalb der Innendämmung vor Feuchtebelastung zu bewahren. Diese
Lösung hat sich über Jahrzehnte und in Tausenden ausgeführten
Maßnahmen in der Praxis, auch unter teilweise sehr rauen Bedingungen,
bewährt. Sie funktioniert aber nur, wenn die außerhalb der Dampfsperre
oder -bremse liegende Wandkonstruktion keine durch andere Ursachen bedingte
hohe Feuchtebelastung aufweist! Der effektive sd-Wert der Dampfbremse einschließlich
etwaiger Lücken sollte für wohnraumähnliche Nutzung mindestens
15 m betragen. Kapillar aktive einbindende Wände o.ä. sind dabei unkritisch.
Kapillaraktive Dämmstoffe mit diffusionsoffenem
Innenaufbau:
Das durch Diffusion vom Raum her eindringende Wasser wird durch „Oberflächendiffusion“,
d.h. durch Flüssigwassertransport im Sorbatfilm, in den Raum zurückgeleitet.
Mit geeigneten Materialien (z.B. Calciumsilikat oder Zellulose) kann so eine
dauerhaft ausreichend trockene Situation im Bereich der Innendämmung und
der alten Wandoberfläche erreicht werden. Wichtig ist dabei die Verwendung
von Materialien, die explizit für diesen Einsatz vorgesehen sind; schon
geringe Zusätze können die Materialeigenschaften u.U. so grundlegend
ändern, dass eine Funktion der kapillaraktiven Innendämmung nicht
mehr gewährleistet ist. Auch für diese Lösung gibt es bereits
seit einigen Jahren erfolgreich ausgeführte Feldanwendungen mit guten Erfahrungen.
Ausreichender Schlagregenschutz und eine wirksame Luftdichtheit sind weiterhin
unbedingt erforderlich.
Beide Konzepte haben sich bereits in der Praxis bewährt; sie müssen
aber jeweils mit allen zugehörigen Details absolut konzepttreu angewendet
werden, wenn sie erfolgreich funktionieren sollen.
Wohnraumkomfortlüftung
Innengedämmte Konstruktionen sind vergleichsweise anfällig für Feuchtebelastungen aus der Raumluft. Gleichzeitig verlangen sie nach einer möglichst luftdichten Konstruktion. Um eine ausreichende Luftqualität zu gewährleisten und die Raumluftfeuchte zu begrenzen, ist daher der Einsatz einer Lüftungsanlage dringend zu empfehlen.
Praxisbeispiele
Die im Folgenden vorgestellten Beispiele für erfolgreiche Innendämmprojekte
können hier nur kurz angerissen werden; ausführliche Projektbeschreibungen
finden sich in [AkkP 32].
Gründerzeitgebäude mit Holzbalkendecken
Dieses Gebäude wurde als typisches Gründerzeithaus zwischen 1880 und
1890 im Wiesbadener Kirchbergviertel errichtet, im Jahr 2001 fand durch die
GWW Wiesbadener Wohnbaugesellschaft mbH unter Begleitung des Instituts Wohnen
und Umwelt eine durchgreifende Modernisierung statt. Die in Abbildung
1 gezeigte Fassade erhielt eine Innendämmung mit einer Hartschaum-Mehrschicht-Leichtbauplatte
(6 cm Plattenstärke, davon 5,5 cm Polystyrol-Hartschaum der Wärmeleitfähigkeitsgruppe
WLG 035), die Hofseite konnte mit einem Wärmedämmverbundsystem gedämmt
werden. Der berechnete Endenergiebedarf an Erdgas wurde durch die Modernisierung
von 265 auf 134 kWh/(m²a) gesenkt. Messergebnisse über drei Jahre
liefern einen Erdgasverbrauch für Heizung und Warmwasser von 132 kWh/(m²a),
was noch etwas unter dem klimabereinigten Rechenwert von 147 kWh/(m²a)
liegt.
Sichtfachwerk mit Innendämmung
In zwei vom Energie- und Umweltzentrum Springe-Eldagsen durchgeführten
Projekten wurden Fachwerkhäuser mit verschiedenen Innendämmungen (Perlite,
Zellulose, Mineralfaser, Blähglimmer, Leichtlehm) versehen. Der Wandaufbau
war dabei jeweils diffusionsoffen ausgeführt. Die Luftdichtheit wurde in
beiden Fällen detailliert geplant und messtechnisch überprüft
(Abbildung 5).
Sichtfachwerk ist generell – auch ohne Wärmedämmung –
pflegebedürftig und anfällig für Feuchteschäden. Dennoch
zeigten die durchgeführten Messungen der Holzfeuchten in den meisten Fällen
keine kritischen Werte. Ausnahmen bildeten lediglich Bereiche mit erhöhter
Schlagregenbelastung durch Spritzwasser oder mit feucht eingebauten Hölzern.
Abbildung
5: Dorfgemeinschaftshaus Bockelskamp,
Detail der Luftdichtheitsebene und in die Haustür eingebaute BlowerDoor
(Abbildungen: Paul Simons)
Schlussbemerkung
Die Beispiele zeigen, dass unter Beachtung der genannten Konstruktionsgrundsätze
auch innengedämmte Objekte langfristig schadensfrei bleiben.
Sinnvolle Dämmstoffstärken liegen bei 40 bis 120 mm, darüber
sind die Einsparungen aufgrund der unvermeidlichen Wärmebrückeneffekte
nur noch gering, die Wohnraumverluste schlagen aber zu Buche.
Eine ausführlichere Darstellung zum Thema Innendämmung findet sich
im Protokollband Nr. 32 des Arbeitskreises kostengünstige Passivhäuser
[AkkP 32], der beim Passivhaus Institut erhältlich ist.
Danksagung
Die Forschungsarbeiten wurden im Rahmen des Arbeitskreises „Kostengünstige Passivhäuser Phase II“ im Auftrag der Träger (Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung (Wiesbaden), E:ON Energie AG (München), LUWOGE Wohnungsunternehmen der BASF GmbH (Ludwigshafen)) durchgeführt.
Literatur
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*) Dr.-Ing. Rainer Pfluger ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Passivhaus, Institut in den Bereichen Haustechnik, Bauphysik und Qualitätssicherung, www.passiv.de[^]