Nachhaltige Gebäude
Solarthermie
Abbildung 1: Dieselweg,
Graz (Quelle: AEE INTEC)
Die
Hälfte des Endenergieverbrauchs in Europa und auch in Österreich wird
für Wärme und Kühlung aufgewendet (EREC, 2006). Davon machen
wiederum die Haushalte knapp die Hälfte aus, der Rest der Energie für
Wärme und Kühlung wird von den Sektoren Industrie, Gewerbe und Service
verbraucht. Der Energieverbrauch der Haushalte wird zum größten Teil
vom Gebäudebestand verursacht. Hier anzusetzen und mit hochwertiger thermischer
Sanierung zum Umweltschutz beizutragen, ist das Gebot der Stunde.
Hochwertige
thermische Sanierungsmaßnahmen –
Durchführung und Auswirkungen für Klima und Gebäude
Abbildung
2: Anzahl der Gebäude in Österreich
mit mehr als drei Wohneinheiten (Quelle: Statistik Austria,
2006)
Deshalb hat die „nachhaltige, hochwertige Sanierung von Wohnbauten“
auch in vielen EU Ländern einen hohen Stellenwert ein (Österreich:
z.B. Impulsprogramm Nachhaltig Wirtschaften des BMVIT bzw. Klimaschutzinitiative
klima:aktiv
des Lebensministerium) und spielt eine wichtige Rolle in IEA F&E Programmen.
Erfahrungen aus nationalen und internationalen Forschungsarbeiten im Bereich
„Neubau“ zeigen, dass ganzheitliche Betrachtungsweisen unter Berücksichtigung
von innovativen Gebäudetechnologien zielführend sind und Primärenergiereduktionen
um 80 - 90% im Vergleich zum aktuellen Baustandard ermöglichen. Entscheidend
bei der energetischen Gebäudesanierung ist, dass zukünftig im Zuge
von notwendigen Standardsanierungen hochwertige energetische Maßnahmen
umgesetzt und erneuerbare Energieträger in die Energieversorgung integriert
werden. Wesentliche technische Erfolgsfaktoren sind dabei die Übertragung
von bewährten Technologien aus dem Neubau von Passiv- und Niedrigenergiehäusern
und deren Anpassung an die Erfordernisse des Gebäudebestandes.
Der Wärmeschutz im Hochbau beinhaltet alle Maßnahmen zur Verringerung
des Heizenergiebedarfes im Winter, sowie zur Verhinderung von Bauschäden
durch Schimmelbildung und zur Reduzierung des Kühlenergiebedarfes im Sommer.
Dabei stehen die Steigerung der Behaglichkeit durch angenehmes Raumklima, sowie
die damit verbundene erhebliche Entlastung der Umwelt im Mittelpunkt. Wichtig
dabei ist die Berücksichtigung der Investitions- und Folge (Betriebs)-kosten.
Voraussetzung für eine hochwertige thermische Sanierung eines Gebäudes
sind große Dämmdicken an den Umhüllungsflächen, wie Dach,
Fassade und Kellerdecke. Allerdings ist darauf zu achten, dass die Materialien
und die Dämmsysteme den jeweiligen Anforderungen an Schall- und Brandschutz,
Feuchtigkeits- und Schlagregenschutz, sowie den technischen Richtlinien der
Hersteller entsprechen. Dabei muss auf die Qualität der Ausführung
und Montage besonders geachtet werden.
Bauliche und architektonische Randbedingungen, wie Gebäudefluchtlinie,
Grenzabstände und große äußere Leibungstiefen sind dabei
zu berücksichtigen.
Ablaufschema einer thermischen Sanierung
Durch die umfangreichen Recherchen eines Altbaues im Vorfeld einer Sanierung können meist „böse“ Überraschungen und Kostenexplosionen entscheidend reduziert werden. Es ist daher notwendig, entsprechende Fachleute und Experten schon frühzeitig beizuziehen.
Abbildung 3: Beispiel einer hochwertigen Sanierung in Graz, Dieselweg GIWOG (Quelle: AEE INTEC)
Abbildung 4: Thermografieaufnahme (Quelle: Grazer Energieagentur)
Behaglichkeitskriterien
Durch die hochwertige thermische Sanierung der Außenhülle inkl.
Fensterkonstruktionen können die inneren Oberflächentemperaturen wesentlich
erhöht werden. Somit steht der menschliche Körper in einem günstigen
Strahlungsaustausch mit seiner Umgebung – asymmetrische Strahlung wird
als sehr unbehaglich empfunden. Zusätzlich kann die Raumtemperatur bei
gleichem Wohlbefinden gesenkt werden – Heizkostenersparnisse (6% Heizkostenersparnis
bei Reduktion von 1°C der Raumtemperatur) sind die Folge.
Durch den Einbau einer Lüftungsanlage mit WRG erhöht sich die Qualität
der Innenluft (Feuchte, CO2, Feinstaub etc.) wesentlich und der Lüftungswärmeverlust
kann bis zu 85% reduziert werden.
Abbildung 5: Vergleich der Oberflächentemperaturen und Behaglichkeit
Fazit und Ausblick
Zur Erreichung der angestrebten Ziele wird es dringend notwendig sein, weitere
Forschungs- und Realisierungsprojekte, für ökologische und energieeffiziente
Gesamtkonzepte in der Stadt- und Gebäudesanierung zu forcieren. Weitere
neue Sanierungsmaßnahmen und Konzeptlösungen müssen erarbeitet
werden - minimale thermische Standardsanierungen werden hierfür alleine
nicht ausreichen.
Unter der Bedachtnahme der Reduzierung der Landschaftszersiedelung, des Flächenverbrauches
und Mobilitätsbedarfes werden Altbauten und deren Modernisierung zukünftig
einen höheren Stellenwert bekommen. Unter dem Aspekt der Ressourcenschonung
wird der Althaussanierung in allen Gebäudekategorien besonderes Augenmerk
geschenkt werden.
Die Verbesserung der Wohnqualität und Erhöhung der NutzerInnenzufriedenheit
im vorhandenen Gebäudebestand sowie die belästigungsarme und kostengünstige
Umsetzung der Sanierungsmaßnahmen ist Voraussetzung für die Bereitschaft
der Gebäudebesitzer eine hochwertige Sanierungsmaßnahme durchzuführen.
Ein verstärkter Einsatz von Baumaterialien aus erneuerbaren Rohstoffen,
vermehrte Berücksichtigung baubiologischer Aspekte sowie von Technologien
zur Nutzung erneuerbarer Energieträger, speziell als Teil der Fassadenkonstruktion
muss ebenfalls gefördert werden.
Die zusätzliche Erhöhung der Flexibilität bzw. Erweiterung der
Wohnnutzfläche im Gebäudebestand in Hinblick auf zukünftige Bedürfnisse
der Nutzer muss ebenfalls bei der Sanierung bedacht werden.
Eine thermische integrale Sanierung darf heutzutage nur noch hochwertig sein,
d.h. zumindest Niedrigstenergiestandard – eine neuerliche Modernisierung
kommt meist erst in der nächsten Generation (ca. 30 Jahre) wieder zustande.
Ein zukünftiges Ziel der energetischen Gebäudesanierung ist es daher,
völlig neue Wege im Sanierungsprozess zu beschreiten und ganzheitliche
integrale Konzepte für den Geschoßwohnbau in Österreich zu entwickeln,
sowie die Sanierungen von großvolumigen Bauten auf höchstem energetischen
Niveau bei gleichzeitig hoher Nutzerakzeptanz in der Umsetzungsphase zu ermöglichen.
Somit können einerseits die Energiekosten wesentlich reduziert und andererseits
die Behaglichkeit für die Nutzer gesteigert werden.
Die internationale Tagung ÖKOSAN 2009 in Weiz (siehe auch Tagungsankündigung
in dieser Ausgabe) wird sich wieder verstärkt mit diesen Schwerpunkten
der hochwertigen Sanierung von großvolumigen Gebäuden beschäftigen.
| Literatur
|
*) Dr. Karl Höfler ist Leiter der Abteilung für Nachhaltige Gebäude bei der AEE INTEC, k.hoefler@aee.at [^]