Nachhaltige Gebäude
Nachhaltige Gebäude
Abbildung
1: Fertig gestellter Zubau des Schul-
und Vereinszentrums St. Kathrein / Hauenstein (Quelle: A+ZT
GmbH, Arch. DI Hans Obereder)
Vor
dem Hintergrund der ambitionierten Klimaschutzziele Österreichs und den
ständig steigenden Energiepreisen erfährt die hochwertige Sanierung
von Gebäuden immer größere Bedeutung. ÖKOSAN – die
Modernisierungsoffensive unterstützt Entscheidungsträger und Verantwortliche
von kommunale Gebäuden und Geschoßwohnbauten in der Energieregion
Oststeiermark. Unter der Projektkoordination der AEE INTEC werden noch vor Planungsbeginn
Maßnahmenpakete ausgearbeitet, die auf Energieeffizienz und Ökologie
im Sanierungsprozess abzielen.
ÖKOSAN - Die Modernisierungsoffensive Oststeiermark
Thermische Gebäudesanierung – warum?
Ein Großteil des Energieaufwandes in den Ländern der Europäischen
Union wird im Bereich des Gebäudesektors benötigt. Vor allem für
den Raumwärmebedarf ist in den mitteleuropäischen, gemäßigten
Klimazonen nahezu ein Drittel des Gesamtenergiebedarfes erforderlich. Viele
Maßnahmen auf legislativer Ebene und auch Anstrengungen in der Bauwirtschaft
forcieren bereits die Energieeffizienz von Neubauten. Leider konnten sich die
Anstrengungen den Gebäudebestand und die Sanierung betreffend jedoch noch
nicht im erforderlichen und wünschenswerten Ausmaß etablieren.
Der Gebäudebestand zählt ja nicht nur als materieller Wert, sondern
stellt auch einen hohen ökonomisches Kapitalwert und somit wirtschaftlichen
Faktor dar. Im Vergleich zu den Investitionskosten beim Neubau können durch
die Verbesserung der Qualität des Gebäudebestandes wesentlich kostengünstigere
Wertsteigerungen für Immobilien erzielt werden.
Gerade im Sanierungsbereich ist das Potential für die Reduktion des Primärenergiebedarfs
auch weitaus größer als im Neubausektor. Die Europäische Union
hat das Einsparungspotenzial dieses Sektors erkannt und aus diesem Grund in
ihren Strategiepapieren „Green Paper on the European strategy for the
security of energy supply“ sowie dem „White Paper on Energy for
the future“ der zukunftsorientierten und nachhaltigen Sanierung des Gebäudebestandes
eine wesentliche Bedeutung eingeräumt.
In Österreich wurde im Dezember 2004 die §15a Vereinbarung zwischen
Bund und Bundesländern unterzeichnet. Diese rückt die Wichtigkeit
der qualitativ hochwertigen energetischen Sanierung des Gebäudebestandes
noch weiter in den Vordergrund.
Modernisierungsoffensive Oststeiermark
Aus diesen Gründen wurde die Modernisierungsoffensive ÖKOSAN unter
der Projektkoordination der AEE INTEC im Jahr 2005 initiiert. Ziel ist es, vor
allem öffentliche großvolumige Gebäude durch hochwertige ganzheitliche
Modernisierungskonzepte energieeffizient und nachhaltig zu sanieren. Von der
Energieregion Oststeiermark ausgehend, werden durch das Projekt Impulse gesetzt,
die langfristig zu einer Etablierung eines Qualitätsstandards für
hochwertige energetische Gebäudesanierung führen sollen. Verantwortliche
in den Bereichen der Gebäudeverwaltung werden in ihrem Entscheidungsprozess
für eine hochwertige Modernisierung beraten und unterstützt.
Auf den ersten Blick führt eine thermische Gebäudesanierung zu höheren
Kosten. Sämtliche Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz im
Sanierungsbereich sind oft sehr aufwändig und erfordern meist substanzielle
Eingriffe in den Bestand. Dieses Problem erscheint aber unter einem anderen
Licht, wenn energetische wirksame Sanierungsmaßnahmen gemeinsam mit ohnehin
notwendigen Erhaltungsmaßnahmen geplant und durchgeführt werden.
Nicht nur der Umstieg auf erneuerbare Energieressourcen, um von fossilen Brennstoffen
unabhängiger zu werden, bietet Potential für nachhaltige Optimierungen.
Der erste Schritt muss über eine Reduktion des aktuellen Energieverbrauches
führen. Baustandards für die thermische Qualität von Gebäudehüllen
haben sich bis jetzt vor allem im Neubausektor etabliert. Die Aufgabe im Sanierungsbereich
ist es daher, gerade unter schwierigen Rahmenbedingungen entsprechende Lösungen
zu finden. Diese müssen nicht nur eine Verbesserung der thermischen Qualität
und der bauphysikalischen Kennzahlen zur Folge haben, sondern auch in der Praxis
wirtschaftlich umsetzbar sein. Es gibt aber noch zu wenige „Best Practice“
- Beispiele, die zukunftsweisende Qualitätsstandards im Sanierungsbereich
aufzeigen und die Vorteile von hochwertigen, ganzheitlichen Sanierungen auch
„begreifbar“ machen.
Die Initiative ÖKOSAN bietet daher durch umfassende Leistungspakete eine
Unterstützung der Bauverantwortlichen bereits vor dem eigentlichen Planungsprozess.
Diese reichen von Analyse des Gebäudebestandes über die Ausarbeitung
von Modernisierungsvarianten bis zum Monitoring des ersten Betriebsjahres nach
den Baumaßnahmen.
Zwischenbilanz nach drei Jahren Projektlaufzeit
Die Beratung und Betreuung von Sanierungsprojekten im Rahmen der Modernisierungsoffensive ÖKOSAN lässt nun nach ca. zwei Drittel der Laufzeit des Projekts bereits Rückschlüsse über das zukünftige Potenzial von Gebäudesanierungen zu:
Best Practice – Beispiele
Neben den Ergebnissen aus den bereits erstellten Studien kann zusätzlich auch auf eine ständig steigende Anzahl an realisierten Umsetzungen im Projektverlauf geblickt werden. Bei sieben Objekten konnte bereits die Modernisierung abgeschlossen werden und die Auswertung der Verbrauchszahlen ist im Laufen.
Abbildung 2: Wohn- und Pflegeheim Augustinerhof Fürstenfeld (Quelle: Paul Grafl, Fürstenfeld)
Abbildung 3: Bezirkshauptmannschaft Fürstenfeld (Quelle: LIG Steiermark)
Abbildung 4: Volksschule Peesen (Quelle: Gemeinde Thannhausen)
Abbildung 5: Bezirkspensionistenheim Weiz (Quelle: ALU KÖNIG STAHL)
Abbildung 6: Gemeindezentrum Stenzengreith (Quelle: Arch. DI Peter Mutewsky)
Abbildung 7: Mehrfamilienwohnhaus Gasen (Quelle: Geier AEE INTEC)
Abbildung 8: Mehrparteienwohnhaus Hofstätterhaus Fürstenfeld (Quelle: Ziv. Ing. Büro DI Willibald Boder)
Laufende Projekte
Weitere vier Projekte befinden sich soeben in der Bauphase. Beispielhaft sollen hier das Schul- und Vereinszentrum St. Kathrein/ Hauenstein und die Volksschule in Gutenberg vorgestellt werden.
Schul – und Vereinszentrum St. Kathrein/ Hauenstein
Die Bauarbeiten für das Schul- und Vereinszentrum in St. Kathrein/Hauenstein
können noch heuer abgeschlossen werden. Hier wurde im Zuge der Planung
durch das Weizer Architektenteam A+ ZT GmbH besonderes Augenmerk darauf gelegt,
möglichst sparsam in die bestehende gebaute Struktur der Schule einzugreifen.
Die baulichen Strukturen des Bestandes konnten nahezu unangetastet bleiben.
Lediglich der ursprüngliche Turnsaal wird im Rahmen eines Zubaues neu errichtet
(Abbildung 1). Die Situierung dieses Zubaues für den Turnsaal erfolgte
unter dem Aspekt ein verbessertes Oberflächen- Volumen- Verhältnis
des Gesamtkomplexes zu erzielen. Somit konnte bereits im Entwurfsstadium allein
durch die geschickte Anordnung von neuen Gebäudeteilen ein Energieeinsparungspotential
ausgeschöpft werden, das keine Mehrkosten nach sich zieht.
Durch eine Detailstudie im Rahmen der ÖKOSAN – Modernisierungsoffensive
wurden die energetisch wirksamen Verbesserungen im Vorfeld ausgearbeitet. Das
Maßnahmenpaket umfasste nicht nur thermische Verbesserungen der Gebäudehülle
und Optimierungen im Bereich der haustechnischen Anlage, sondern auch den Schutz
vor sommerlicher Überwärmung. Die Situierung von außen liegenden
Raffstoren ermöglicht eine bessere Regelung der Raumtemperaturen in allen
wichtigen Aufenthaltsräumen. Die Kalkulation der Detailstudie prognostiziert
eine Reduktion des Heizwärmebedarfes von ursprünglich 162 kWh/m2.a
auf 51 kWh/m2.a nach der Modernisierung. Das im Anschluss an die Fertigstellung
der Modernisierung geplante Monitoring soll diese Zahlen durch Messungen und
Analyse der Verbrauchszahlen verifizieren.
Abbildung 9: Volksschule und Vereinszentrum St. Kathrein/ Hauenstein während der Bauphase (Quelle: A+ ZT GmbH, Arch. DI Hans Obereder)
Volksschule und Kindergarten Gutenberg
Im Frühjahr 2008 erfolgte auch der Startschuss für die Sanierung
des Gebäudes der Volksschule in Gutenberg. Das Projekt zeigt die Möglichkeiten
einer energetisch wirksamen Modernisierung vor dem erschwerten Hintergrund von
erhaltenswerten, historischen Bausubstanzen. Gerade die Fenster sind oft ein
kritischer Punkt. Ob die Instandsetzung alter Fenster aufwändiger ist,
als deren Abbruch und der Einbau von neuen, industriell gefertigten Fenstern
ist oft eine schwierige Fragestellung. In den meisten Fällen fällt
heute die Entscheidung, dass es wirtschaftlicher ist, das gesamte Fenster zu
entsorgen, obwohl dadurch weitere Maßnahmen im Leibungsbereich notwendig
werden. Für das Erhalten von Fenstern lassen sich jedoch schwer Argumente
finden, der Qualitätsanspruch bezieht sich zumeist auf die bauphysikalischen
Kennwerte und selten auf die formale Qualität von handwerklich gefertigten
historischen Konstruktionen.
Diese Problematik zeigte sich auch am Beispiel der Volksschule in Gutenberg.
Die bestehenden Kastenstockfenster konnten nicht mehr die erforderlichen bauphysikalischen
Anforderungen erfüllen und waren altersbedingt bereits reparaturbedürftig.
Der Austausch der Fenster hätte jedoch bedeutet, dass die historisch wertvollen
Kastenstockfenster der Sanierung zum Opfer gefallen wären. Neue industriell
gefertigte Fenster, die zwar thermisch optimale Eigenschaften bieten, weisen
aber stärkere Profilquerschnitte auf. Eine Beibehaltung der ursprünglichen
Sprossenteilung hätte die formale Qualität der Fassade zerstört.
Die Zartheit der ursprünglichen Profile kann bei industriell gefertigten
Isolierglasfenstern nicht beibehalten werden. Hier zeigte Arch. Peter Mutewsky
aber, dass die sorgfältige Sanierung der bestehenden Kastenstockfenster
eine sinnvolle Perspektive bietet. Der innere Flügel der Fenster wurde
ausgefräst, aufgedoppelt und mit einer neuen Isolierverglasung ausgestattet.
Weiters wurden Dichtungen eingefräst, die abgewitterten und schadhaften
Holzteile renoviert und die Kittfugen erneuert.
Die formale Qualität der historischen Grundsubstanz - die Einheit zwischen
Fenster und Fassade - kann als Ganzes erhalten bleiben. Gleichzeitig ist es
auch möglich, durch die Sanierung eine Verbesserung der bauphysikalischen
Kennwerte zu erreichen. Die Maßnahme der Fenstersanierung ist aber nur
dann sinnvoll, wenn - wie für die weiteren Schritte geplant - auch eine
thermische Verbesserung der restlichen Gebäudehülle erfolgt. Bis zur
100-Jahr-Feier der Schule sollen alle Baumaßnahmen abgeschlossen werden.
Abbildung 10: Kastenstockfenster vor und nach der Sanierung (Quelle: Arch DI Peter Mutewsky)
ÖKOSAN - Ausblicke
Neben den rein projektbezogenen Ergebnissen zeigt sich in der ÖKOSAN – Initiative durchgehend das Potential der Steigerung des betriebswirtschaftlichen Gebäudewertes von Altbauten. Verbesserungen der Bausubstanz und der haustechnischen Anlagen erzielen auch umfassende Senkungen der Betriebskosten und sichern somit langfristig den Wert der Immobilie. Die gleichzeitige Erhöhung der Behaglichkeit der Innenräume erhöht dabei auch den Komfort für die Nutzer und eine Aufwertung der Lebens- oder Arbeitsqualität. Gerade die Durchführung von derartig hochwertigen Sanierungen ist ein wesentliches Instrument bei der rasch geforderten Entspannung der Treibhausproblematik und der Erreichung der ambitionierten Klimaschutzziele. Gleichzeitig bringt eine verstärkte Integration erneuerbare Energieträger auch eine Reduktion der hohen Abhängigkeit der heimischen Energieversorgung von anderen Wirtschaftsräumen.
Weitere Informationen zum Projekt
finden Sie unter:
http://www.aee-intec.at
http://www.regionalmanagement.at
Projektkoordination und Servicestelle
AEE Institut für Nachhaltige Technologien
8200 Gleisdorf, Feldweg 19
Tel. +43-3112 – 5886- 64, Fax DW 18
s.geier@aee.at, www.aee-intec.at
ÖKOSAN erfolgt in Kooperation mit:
*) Dipl.-Ing. Sonja Geier ist Mitarbeiterin bei der AEE INTEC in Gleisdorf, s.geier@aee.at, www.aee-intec.at [^]