Nachhaltige Gebäude
Solarthermie
Abbildung
1: Prototyp des Vakuumflachkollektors
Zur Bereitstellung solarer Prozesswärme über 120 °C bei hohen Wirkungsgraden wird eine neue Generation von Solarkollektoren benötigt. Für diesen Temperaturbereich besteht in Industrienationen eine große Nachfrage an industrieller Prozesswärme [1]. Des Weiteren können mit Temperaturen um 140 °C zweistufige Absorptionskältemaschinen effizient betrieben und damit solare Kälte bereitgestellt werden. Aus diesem Grund wird am ZAE Bayern ein stationärer, konzentrierender Vakuumflachkollektor für den Prozesswärmebereich von 120 °C bis 150 °C entwickelt, der unter mitteleuropäischen Bedingungen Wirkungsgrade von über 50 % erreicht.
Stationärer CPC-Kollektor mit Edelgasfüllung
Von Frank Buttinger, Markus Pröll und Wolfgang Schölkopf*
Konzept
Um effizient Wärme von 140°C mit Solarkollektoren erreichen zu können,
müssen die Wärmeverluste der Kollektoren an die Umgebung minimiert
werden. Dazu werden folgende Techniken eingesetzt: Die Strahlungsverluste werden
durch Konzentration der Solarstrahlung über nicht nachgeführte CPC-Spiegel
drastisch reduziert. Zur Verringerung der Konvektions- und Gaswärmeleitungsverluste
wird der Kollektor bei geringem Innendruck (1 - 50 mbar) mit Luft oder Edelgasen
betrieben. Weiterhin können die Festkörperleitungsverluste durch Verkleinerung
der Berührflächen zwischen Absorber und Gehäuseteilen und durch
Materialwahl verkleinert werden.
Der flache, modulare Aufbau (2 x 1 m Module) des Kollektors ermöglicht
eine Aufstellung auf Flachdächern oder eine einfache Integration in die
Gebäudehülle. Das Konstruktionsprinzip verspricht einen kostengünstigen
Flachkollektor mit tiefgezogener Metallwanne und kleiner Modulgröße.
Kollektoraufbau
Der Aufbau des Kollektors beruht auf der Integration von parallel angeordneten Absorber-Reflektor-Einheiten in ein evakuiertes Flachgehäuse. Die durch die Solarglasscheibe eintretenden Sonnenstrahlen werden durch CPC-Spiegel auf die Absorberrohre konzentriert. Weitere Reflektoren unterhalb der Sammelrohre verhindern longitudinale Endverluste. Der Kollektor soll stationär mit ost-west-orientierten Absorberrohren betrieben werden.
Abbildung 2: Kollektoraufbau im Schnitt
Verlustreduktion durch Strahlungskonzentration
Die Reduktion von Wärmestrahlungsverlusten in Solarkollektoren ist wegen
des Anstiegs der Wärmeverluste mit der vierten Potenz der Absorbertemperatur,
bzw. der entsprechenden Temperatur der Glasabdeckung, sehr wichtig. Zum einen
ist dies mit Hilfe von selektiven Schichten und zum anderen mit Hilfe von Strahlungskonzentration
möglich. Die Nutzung selektiver Beschichtungen ist heute Stand der Technik.
Dabei wird der Emissionsgrad der Absorberoberfläche, unter gleichzeitiger
Beibehaltung hoher Absorptionsgrade, stark minimiert.
Die Strahlungskonzentration basiert auf dem Prinzip der Vergrößerung
des Verhältnisses zwischen der von der Sonne bestrahlten Einstrahlfläche
(Aperturfläche) und der tatsächlichen Absorberfläche. Die Einstrahlfläche
sind dabei die Spiegel, welche die Sonnenstrahlung auf kleinere Absorber reflektieren.
Somit wird die wärmeabstrahlende Oberfläche und damit die Strahlungsverluste
minimiert. Zur Konzentration können Parabol- oder Fresnel-Spiegel verwendet
werden, die dem Lauf der Sonne nachgeführt werden müssen, oder CPC-Spiegel
(Compound Parabolic Concentrator), die in nicht-nachgeführten Kollektoren
eingesetzt werden können [2].
Für den entwickelten stationären Kollektor wurde die optimale Geometrie
für eine Prozesswärmeanwendung mit einer Arbeitstemperatur von 150
°C für einen mittel- und einen südeuropäischen Standort über
Jahressimulationen ermittelt. Bewertungskriterien bei der Auswahl des geeigneten
Reflektors waren neben den optischen Verlusten auch Herstellungsaufwand und
Geometrie. Als Reflektorform wurde die symmetrische V-Form nach McIntire mit
einer Konzentration von 1,8 gewählt [3].
Verlustreduktion mittels Vakuumtechnik
Zur Reduzierung der Konvektions- und Gaswärmeleitungsverluste wurden
Untersuchungen mit verschiedenen Gasfüllungen bei unterschiedlichen Drücken
angestellt. Durch eine Absenkung des Drucks im Kollektor in das Kontinuumsgebiet
wird die Konvektion fast vollständig unterdrückt und der Wärmetransport
im Gas findet nur noch durch reine Gaswärmeleitung statt [4]. Untersucht
wurden als Füllgase Luft und Krypton. Als Referenzwert diente der Wärmeverlust
mit Luft bei Umgebungsdruck.
Der Druckbereich des Kontinuumsgebiets befindet sich für den untersuchten
Kollektor für Luft zwischen ca. 10 Pa und 5000 Pa und für Krypton
zwischen ca. 10 Pa und 2500 Pa. Durch die Grobevakuierung in den Kontinuumsbereich
können die Wärmeverluste im Arbeitsbereich 120 – 150 °C
mit Luft um 40 % und mit Krypton um 60 % gesenkt werden.
Abbildung 3 zeigt dazu beispielhaft die Temperaturverteilung
in einem Kollektorabschnitt im evakuierten (links) und unevakuierten (rechts)
Zustand. Durch den, im evakuierten Zustand, geringen Wärmetransport mittels
Gaswärmeleitung wird nur wenig Wärme vom Absorber an die umgebenden
Teile abgegeben. Dadurch bleiben die Scheibe und der Kollektorrahmen relativ
kalt, wodurch auch die Gesamtverluste des Kollektors and die Umgebung gering
ausfallen. Anders im rechten Bild. Durch die Konvektion, die bei Umgebungsdruck
auftritt, findet ein weitaus höherer Wärmeaustausch zwischen Absorber
und umgebenden Teilen statt, die umgebenden Teile erwärmen sich stärker,
und die Wärmeverluste erhöhen sich entsprechend.
Abbildung
3: Simulierte Temperaturverteilung
im Schnitt durch eine symmetrische Absorber-Reflektor-Einheit
(TAbs = 150 °C, TUmg = 20 °C (GWL) und a) evakuiert
bei p = 10 mbar und b) Umgebungsdruck p = 1000 mbar mit Luft)
Statik und Dichtung des Kollektors
Die Glasscheibe sowie die Wanne müssen den Kräften von etwa 10 t/m²,
welche aus der Druckdifferenz zwischen Umgebungsdruck und Vakuum resultieren,
standhalten und dabei leicht und kostengünstig zu fertigen sein. Für
den Kollektor wurde deshalb ein neuartiges Kollektorgehäuse entwickelt,
das den Anforderungen an einen Vakuumflachkollektor genügt. Zwischen Scheibe
und Wanne ist zur Abstützung ein Stützgerüst eingebracht, welches
gleichzeitig die Spiegel zentriert, vgl. Abbildung 2.
Die Dichtung eines Vakuumkollektors zwischen Kollektorwanne und Glasscheibe
und zu den Anschlüssen muss eine sehr geringe Leckrate aufweisen, sodass
der Kollektor über seinen Betriebszeitraum von mindestens 20 Jahren im
vorgesehenen Vakuumbereich arbeiten kann. Der neue Kollektor nutzt dazu eine
Dichtung aus verschiedenen Polymeren. Bei diesen dauerelastischen Kleb-Dichtstoffen
wurden Leckraten gemessen, die einen Betrieb des Kollektors im Kontinuumsbereich
über einen Zeitraum von 20 Jahren garantieren. Damit kann der konstruktive
und materielle Aufwand der Kollektordichtung, im Vergleich zu Standardausführungen,
um ein Vielfaches reduziert werden.
Experimentelle Ergebnisse
Im Herbst 2007 wurde der erste Prototyp des Kollektors, mit einer Aperturfläche von 2 x 1 m aufgebaut. Seitdem werden am Freiluftprüfstand des ZAE Bayern in München ausführliche Messungen hinsichtlich seiner statischen, optischen und thermischen Eigenschaften durchgeführt.
Abbildung 4: Gemessene Wirkungsgradkurven des Kollektor-Prototyps für unterschiedliche Gasfüllungen
Ausblick
Schon mit dem ersten Prototyp des Vakuumflachkollektors konnte gezeigt werden,
dass die Bereitstellung von Prozesswärme mit stationären Flachkollektoren
mit hohen Wirkungsgraden möglich ist. Durch Verwendung optisch hochwertiger
Glasabdeckungen und einer Verbesserung der Durchführung des Absorbers durch
die Gehäusewand ist eine nochmalige Verbesserung des Wirkungsgrades zu
erwarten. In der folgenden Serienfertigung besteht großes Optimierungspotenzial
vor allem in einer leichteren und Material sparenderen Bauweise sowie in der
Auswahl der Materialien und den nötigen Fertigungsprozessen.
Mit der Markteinführung des Kollektors könnte nach entsprechender
Fertigungsentwicklung in ca. zwei bis drei Jahren gerechnet werden.
Abbildung 5: Prototyp am Freiluftprüfstand
| Literatur
|
*) Dipl.-Ing. Frank
Buttinger ist Mitarbeiter am ZAE Bayern in Garching, buttinger@muc.zae-bayern.de,
www.zae-bayern.de
Dipl.-Phys. Markus Pröll ist Mitarbeiter
am ZAE Bayern in Garching, proell@muc.zae-bayern.de
Dipl.-Phys. Wolfgang Schölkopf ist Leiter
der Abteilung 1 „Technik für Energiesysteme und Erneuerbare Energien“
des ZAE Bayern in Garching, schoelkopf@muc.zae-bayern.de[^]