Nachhaltige Gebäude
Nachhaltige Gebäude
Abbildung 1:
Passivhaus Samer Mösl in Salzburg (Quelle: sps-architekten)
Das Mehrfamilienhaus Samer Mösl in Salzburg stellt 60 Wohneinheiten in Passivhausqualität bereit. Ein ausgeklügeltes Haustechnikkonzept mit einem zentralen Pufferspeicher, einer Pelletsheizung und einer großen thermischen Solaranlage sorgt für wohlige Wärme und geringe Energiekosten.
Mehr-Familien-Passivhaus
Anfang 2003 lobte der Salzburger Wohnbauträger „Heimat Österreich“ einen österreichweit offenen, zweistufigen Wettbewerb für eine mehrgeschoßige Passivhauswohnanlage mit 60 Wohneinheiten in Holzbauweise im Salzburger Stadtteil Gnigl aus. Die Wettbewerbteams bestanden aus Generalplaner und Generalunternehmer, gemeinsam mussten sie ein Projekt mit Kostengarantie einreichen. Die Bauplatzfläche betrug rund 8000 m², die Wohnnutzfläche ca. 4500 m². Es waren 60 Wohneinheiten (Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen) geplant, wobei mehr als ein Drittel der Wohnungen rollstuhlgerecht sein sollte. Die maximalen Baukosten sollten € 1350,- /m² nicht überschreiten.
Entwurf und Planung
Das Siegerprojekt mit sps-architekten Arch. DI Simon Speigner als Generalplaner
und Holzbau Meiberger als Generalunternehmer wurde 2005/2006 realisiert. Das
Projekt gliedert sich in drei langgestreckte Riegel und öffnet sich durch
ein Verschwenken der Baukörper zum angrenzenden Bachraum. So bleibt der
Freiraum zum Alterbach durchlässig und auch die Siedlung im Anschluss kann
an dessen Kleinklima partizipieren. Die Durchwegung beginnt vom Besucherparkplatz
unmittelbar an der Zufahrtsstraße und führt durch die Siedlung bis
zum Kinderspielplatz direkt am Grünland. Die Erschließung für
den Individualverkehr beschränkt sich sinnvollerweise auf die Ostecke des
Grundstücks, die neben der Tiefgaragenabfahrt auch einen großzügigen
Fahrradabstellbereich aufnimmt.
Das Gelände durchzogen Furchen vom Bach zum Moor hin annähernd in
Nordrichtung. Auf diese Furchen bezog sich der Entwurf mit den kluftartig-lichtdurchfluteten
Vertikalerschließungszonen. Diese unbeheizten Stiegenhäuser bilden
Durchwegungen, die sich quer zu den langen Baukörpern durch die ganze Anlage
schlängeln. Zur Rhythmisierung und Auflockerung der Gebäude tragen
auch die Balkonloggien in den „Klüften“ bei. Sie bieten mit
rund 12 Quadratmetern attraktive, halb geschützte, halb exponierte Freibereiche
für die winkelförmig konzipierten Wohnungen. Die Baukörper bilden
sich durch Ineinanderstellen dieser dreigeschoßigen Wohnungs-Winkel unterschiedlicher
Ausdehnung. Von den 60 Einheiten sind 24 Klein-, 21 Dreizimmer- und 15 Vierzimmerwohnungen.
An die Küche im Zentrum der Wohnungen schließen beiderseits durch
Schiebetüren getrennt Ess- bzw. Wohnbereich an, somit ist ein Durchwohnen
des Baukörpers gegeben (jede Wohneinheit ist zu zwei Freibereichen orientiert).
Die Ausrichtung der Baukörper-Längsachsen in SW/NO-Richtung bietet
jedem Raum Sonneneinstrahlung im Tageslauf, sodass bei allen Fenstern passiv
solare Gewinne erzielbar sind. Im Gegensatz zu den beiden bekannten „Gesichtern“
eines Passivhauses – geschlossene Fassade im Norden, eine große
Öffnung im Süden - wurden die beiden Fassaden gleichartig gestaltet.
Tabelle 1: Bauliche Kenndaten
| Grundstücksfläche: | 8.301 m² |
| Wohnnutzfläche: | 4.511,44 m² |
| Nutzfläche: | 6.523 m² |
| Wohnnutzfläche/Nutzfläche: | 0,69 |
| Bruttogeschoßfläche BGF | 6.101 m² |
| Wohneinheiten: | 60 |
| davon: | 24 x W2 á 59,78 m² |
| PKW-Stellplätze: | 78 (davon 60 in Tiefgarage) |
| Heizwärmebedarf: | 11/8/5 kWh/(m2a) |
| Baukosten: | € 1350 .- / m² |
Passivhaus-Dichtezuschlag
Durch die hohen Dämmstärken in der Außenwand (ca. 45 cm Wandstärke) konnte eine Benachteiligung des Passivhauses durch den beachtlichen Nutzflächen-Verlust bei einer Bebauungsdichte von 0,7 nachgewiesen werden. Dies war der Anlass, dass seit 2005 in Salzburg bei Passivhausprojekten vor dem Hintergrund der hohen Wandstärken ein Dichte-Bonus von 5% der Geschoßflächenzahl zugeschlagen werden kann.
Ausführungs- und Detailplanung
Die Verwendung von Beton beschränkt sich auf Fundament - Platte auf Pfahlgründung - bzw. Keller sowie die Stiegengerippe: Auf einer eingespannten Ortbetonscheibe liegen die Podeste auf, dazwischen werden die vorgefertigten Stiegenläufe eingehängt. Sonst wurden die Bauten ausschließlich in Holzbauweise errichtet, selbst die brandbeständig auszubildenden Wände zwischen Wohnungen und Stiegenhäusern. Die Wandelemente (Außenwand, Wohnungstrennwand) bestehen aus vorgefertigten Holzriegelelementen der Firma Meiberger Holzbau, die Decken wurden aus Kreuzlagenholzplatten KLH gefertigt. Die vorgefertigten Wandelemente wurden bereits mit der im Werk montierten Fassade angeliefert. Diese besteht aus sägerauen Fichtenschalungen mit einer silbergrauen Lasur, die vom Ergrauen des Holzes in den kommenden Jahren abgelöst wird. Die Lasur überlagert den natürlichen Prozess mit seiner ungleichmäßigen Abwitterung und sichert für diesen Zeitraum einen homogenen Gesamteindruck.
Abbildung 2: Südwestansicht des Passivhauses Samer Mösl, Bauteil C (Quelle: sps-architekten)
Das Dichtigkeitskonzept wurde durchgehend an der Elementinnenseite mittels Dampfbremse umgesetzt. Der Nachweis erfolgte durch einen Blower-Door Test: Die Werte in den verschiedenen Wohnungen wurden auf Anhieb erreicht. Das Abbrandverhalten und die Brandbeständigkeit der Aufbauten mit Zellulosedämmung der Firma Isocell wurde anhand von Brandversuchen nachgewiesen.
Ökologie und Nachhaltigkeit
Der Anspruch an Nachhaltigkeit, Ökologie, Ressourcen schonendes Bauen und Energieeffizienz beschränkte sich nicht auf den Einsatz von Holz als nachwachsenden, CO2-neutralen Rohstoff. Geringe Bodenversiegelung zeichnet die Anlage mit Gründächern und Regenwassernutzung aus, die natürlich belüftete Tiefgarage erhielt Oberlichten. Mit Zellulose gedämmte, atmungsaktive Außenwände, geölte Holzböden, Holz-Alu-Passivhausfenster, Holzterrassen im Erdgeschoß, Holzroste auf den Balkonen tragen ebenfalls zum hohen Wohnkomfort bei. Es wurden im Gebäude wassersparende Armaturen und energiesparende Geräte eingebaut. Es gibt auch eine Energiebuchhaltung und die Möglichkeit einer Fernwartung über das Internet. Auf der Homepage www.sps-architekten.com gibt es einen link zum Haustechnikschema mit den aktuell gemessenen Daten.
Haustechnikkonzept
Das Haustechnikkonzept wurde vom TB Stampfer in Salzburg erstellt. Der flächenbezogene
Heizenergiebedarf lt. Energieausweis Land Salzburg beträgt für die
Gebäude zwischen 5 und 9 kWh/(m²a), der LEK-Wert (Linie europäischer
Kriterien, ÖNORM B8110 und H 5055) liegt zwischen 14 und 15. Somit sind
alle Häuser in der Klasse 10 der Salzburger Wohnbauförderung. Die
berechnete spezifische Heizlast für die Gebäude liegt zwischen 10,73
und 11,33 W/m² BGF (Bruttogrundrissfläche).
Für den hygienischen Luftwechsel sorgen dezentrale Lüftungs-Kompaktgeräte
der Firma Drexel und Weiß mit einem hocheffizienten Wärmetauscher
in jeder Wohneinheit. Mit dem Lüftungsgerät kann der minimale Restenergiebedarf
für die Beheizung der Wohnung abgedeckt werden.
Aus physiologischen Gründen ist in den Wohnräumen ein wassergeführter
Heizkörper installiert. Die Warmwasserbereitung in den einzelnen Wohnungen
erfolgt dezentral mittels Wohnungsstationen.
Thermische Solaranlage
Die zentrale Wärmeversorgung erfolgt vorrangig über eine Solaranlage mit einer Nutzfläche von ca. 200 m² (Abbildung 3). Mit dieser Solaranlage wird – bei entsprechendem Nutzerverhalten – ein jährlicher Energieeintrag von ca. 70.000 bis 80.000 kWh erreicht. Zur Abdeckung des Restenergiebedarfes ist ein Pelletskessel mit einer Leistung von 100 kW installiert. Die Wärmeverteilung erfolgt über ein Mikro-Nahwärmenetz, wobei die hydraulischen Anlageteile so dimensioniert sind, dass eine Rücklauftemperatur von max. 35 Grad Celsius in keinem Betriebspunkt der Anlage überschritten wird.
Abbildung 3: Eine thermische Solaranlage mit ca. 200 m² Kollektorfläche stellt Wärme für Heizung und Warmwasser bereit (Quelle: sps-architekten)
Der zentrale Pufferspeicher hat einen Gesamtinhalt von ca. 22.000 Liter und
ist in das Gebäude integriert (Abbildung 4). Er ist als
spezieller Schichtspeicher ausgeführt mit einem Durchmesser von 1,6 m und
einer Gesamthöhe von 11 m. Beim solaren Wärmeeintrag in den Pufferspeicher
wurde ein völlig neuer, innovativer Weg beschritten. Es wurde nicht wie
allgemein üblich ein externer Plattenwärmetauscher verwendet, sondern
ein spezieller interner 3-stufiger Glattrohrwärmetauscher mit einer Gesamt-Wärmetauscheroberfläche
von ca. 70 m². Dadurch ist ein hocheffizienter solarer Wärmeeintrag
bei geringstem Regelaufwand in jedem Betriebspunkt der Solaranlage gewährleistet.
Auf Grund der zu erwartenden geringen Energieverbrauchszahlen konnte auf eine
herkömmliche gesetzlich vorgeschriebene Heizkostenabrechnung mittels Gutachten
verzichtet werden.
Abbildung 4: Der 11 m hohe Pufferspeicher ist in das Gebäude integriert und als Schichtspeicher ausgeführt (Quelle: sps-architekten)
Erfahrung und Feedback
Sozialer Mietwohnbau in Holzbauweise mit innovativer Haustechnik führte
bisher zu großteils positiven Rückmeldungen seitens der Bewohner.
Es konnte eine sehr hohe Nutzerzufriedenheit auf Grund der angenehmen Wohnphysiologie
bei multikultureller Bewohnerstruktur erreicht werden.
Die durchgeführten Schallmessungen nach Fertigstellung in den einzelnen
Wohnungen ergaben überdurchschnittlich gute Werte. Dumpfe Gehgeräusche
unter Normwerten werden aufgrund der leisen Wohnung als störend wahrgenommen.
Es gab für alle Bewohner vor Bezug der Wohnung eine individuelle Einweisung.
Aus der bisherigen Nutzung zeigt sich ein extrem unterschiedliches Nutzerverhalten.
In der ersten Hausversammlung konnten auch die ersten Reaktionen entgegengenommen
werden. Eine individuelle Nachjustierung der Regelung wurde durchgeführt.
Mit Ende des Jahres 2007 wurde ein spezifischer Solarertrag von 544 kWh/(m²a)
erreicht.
Es gab für das Bauwerk PH Samer Mösl bisher folgende Auszeichnungen:
1. Rosenheimer Holzbaupreis (Fachjury und Publikumspreis), Grüner Zweig,
Nominierung Energy Globe Award 2006; Österreichischer Staatspreis Consulting
2007, Nominierung zum österreichischen Baupreis, Salzburger Holzbaupreis
*) Architekt Dipl.-Ing. Simon Speigner ist freischaffender Architekt und Inhaber von sps-architekten zt GmbH, atelier@sps-architekten.at, www.sps-architekten.com [^]