Nachhaltige Gebäude
Solarthermie
Die
Aufgabenstellung für dieses Projekt war ein moderner Haustyp, der höchsten
Wohnkomfort und viel Tageslicht bietet, gleichzeitig durch sein Ökokonzept
und seine Energieeffektivität für Modernität steht und auch für
den Durchschnittskonsumenten leistbar ist. Das vorgeschlagene Fertigteilhauskonzept
versucht, die „Passivhaus-Idee“ weiterzuentwickeln und den Gesamtenergieverbrauch
gegenüber dem Passivhauslimit zu halbieren.
Das Solar-Aktiv-Haus
Im Team mit der AEE INTEC und den Firmen Sonnenkraft Österreich / General Solar und Solar Cap wurde von Architekt Reinberg ein entsprechendes Konzept entwickelt, das verstärkt auf aktive Solarnutzung setzt. Ein entsprechendes Musterhaus wird 2009 realisiert werden.
Energetische Zielsetzung
Im Wohnbau hat sich das Passivhauskonzept nach Dr. Feist soweit entwickelt,
dass es heute nicht mehr als Experiment, sondern als moderner technischer Standard
gelten kann.
Allerdings sind Details dieses Konzeptes immer noch teuer und auf der Baustelle
bisweilen schwer fehlerfrei umsetzbar. Das Passivhauskonzept stellt zwar –
neben dem Limit für den Heizenergiebedarf - Limits für den spezifischen
Endenergiebedarf und den spezifischen Gesamtenergiebedarf, es fehlen aber noch
Grenzwerte für die ökologische Gesamtbilanz und die Limits für
den Gesamtenergieverbrauch sind relativ hoch angesetzt (maximaler Primärenergiebedarf:
120 kWh/m²a). Die Passivhauslimits in den Wohnbauförderungskriterien
konzentrieren sich zu sehr auf den Heizenergiebedarf und vernachlässigen
die letztlich weit wichtigere Gesamtenergie- und Ökobilanz. Als eine Art
der „Weiterentwicklung“ zielt das Solar Aktiv Haus-Konzept auf eine
ökologische und energetische Gesamtoptimierung.
Abbildung 2: Beschattung im Sommer und Sonne im Winter (Quelle: Reinberg)
Kostenoptimierung
Finanziell wird beim Passivhauskonzept insofern nicht optimiert als die Heizwärmebedarfsreduzierung
vor die finanziell günstigere thermisch-aktive Solargewinnung gesetzt wird.
Es erscheint jedoch finanziell günstiger, eine Kilowattstunde mit einem
thermischen Kollektor zu produzieren als diese mit einem Passivhauskonzept (gegenüber
einem Niedrigenergiehaus) einzusparen: um ein Niedrigenergiehaus (ca. 40 kWh/m²a)
zu einem Passivhaus (15 kWh/m²a) zu machen, sind ca. 5-10% Mehraufwände
nötig. D.h. dass bei üblichen Nettobaukosten von € 1.800,- je
m² Nettonutzfläche ein Mehraufwand von ca. € 135,- je m²
(+ Nebenkosten + MWSt.) anfällt, der ca. 25 kWh pro Jahr einspart (Differenz
des Heizwärmebedarf zwischen Niedrigenergiehaus und Passivhaus). Hingegen
liegen die Systemkosten von 1 m² thermischer Kollektor bei ca. € 500,-
je m² (+ Nebenkosten + MWSt.), womit ca. 350-450 kWh pro Jahr gewonnen
werden.
Umgerechnet auf 15 Jahre Betrieb ergibt sich so im Passivhaus ein Aufwand von
ca. € 5 / 15 = 0,3 (+ Nebenkosten + MWSt.) für eine eingesparte kWh,
während der thermische Kollektor für ca. € 0,8 /15 = 0,05 (+
Nebenkosten + MWSt.) eine kWh liefert. Dies heißt, dass – ohne Berücksichtigung
von Zinsen und Wartung, die aber in beiden Fällen ähnlich angenommen
werden können – die im Passivhaus eingesparte Kilowattstunde etwa
sechs mal so teuer ist als die über den Kollektor produzierte Kilowattstunde.
Und selbst unter der Annahme, dass der Mehraufwand für den Passivhausstandard
nur halb so hoch wäre (nämlich nur ca. 3,75%), ist die eingesparte
Kilowattstunde noch immer mehr als doppelt so teuer wie die aus dem Kollektor
gewonnenen Kilowattstunde.
Auch wenn diese Rechnung vielleicht allzu vereinfacht ist, so zeigt sie doch
beispielhaft, dass hier der Bedarf besteht, Konzepte neu zu denken, um für
den Konsumenten finanziell und für die Umwelt ökologisch noch besser
zu optimieren und energieeffektiver vorgehen zu können.
In diesem Sinne versucht das Solar Aktiv Haus das Gesamtkonzept neu durchzudenken
und für den Nutzer und die Umwelt neu zu optimieren.
Insgesamt wird angestrebt, den im Bau von Reihenhäusern und Einfamilienhäusern
üblichen Kostenrahmen nur soweit zu überschreiten, als die Mehrkosten
in den kommenden 10 bis 20 Jahren (entsprechend den heutigen Förderbedingungen)
des Betriebes – auch bei Annahme einer moderaten Energiepreissteigerung
– wieder eingespart werden können.
Baukosteneinsparung
Zur Einsparung der Baukosten werden unter anderem dabei folgende Strategien verwendet:
In diesem Rahmen wird dem Benutzer ein Haus geboten, das nicht nur zukunftssicher ist, sondern für den Durchschnittsverbraucher auch gut konsumierbar.
Neue Architektur
Prinzipiell ist der Einfamilien-/Reihenhaus-Markt eher konservativ eingestellt
und neigt wie alle volkstümliche Architektur dazu, große Vorbilder
zu imitieren. Gesteigert durch den Erfolgsdruck der Verkäufer neigt der
Markt dazu, über eher inhaltsleere Images und Emotionen Gefühle zu
verkaufen, die das Produkt selbst nicht erfüllen kann (der scheinbare Turm
täuscht trotz engster Räumlichkeiten ein Schloss vor, Fenstersprossen
sollen für Tradition stehen, während verwendete Kunststoffmaterialien
wenig Lebens¬qualität bieten, falsch konzipierte Wintergärten
täuschen Energiesparen vor, während diese zu Energieverlusten führen
– nach Süden orientierte Pultdachhäuser haben sehr kleine Südfenster
– usw.).
Aufgrund des steigenden Bewusstseins für ökologische Fragen (hervorgerufen
durch Klimawandel, Atomkraftdiskussion usw.) ist zu beobachten, dass auch im
Reihenhaus- und Einfamilienhausbereich eine Trendwende stattfindet, die auch
durch zusehends mehr „große Leitbilder“ der Solararchitektur
(Parlament in Berlin, Solar City Linz, Passivhausbewegung usw.) emotional unterstützt
wird.
Grundlagen des ökologisch bewussten Denkens ist die Verantwortung gegenüber
den nachkommenden Generationen. Eine Überlegung, die auf hohem ethischen
Bewusstsein aufbaut. Ein Bewusstsein, das grundsätzlich zur Reduktion von
unnötigem Müll und zum Wunsch nach gesundem Wohnen (Baukonstruktion)
neigt und Energieverschwendung (bei der Klimatisierung) vermeiden will. Dies
sind Ziele, die rein oberflächlich vordergründig und nur dem Anschein
nach jedenfalls nicht erfüllbar sind.
Saubere Produkte
Gleichzeitig ist dies aber auch Ziel von einem relativ großem Käufermarkt,
der heute noch zu wenig Anbieter findet. Genau in diesem Bereich soll das Solar
Aktiv Haus den Nachfragemarkt befriedigen. Entsprechend dem hohen ethischen
Anspruch der Kunden arbeitet das Konzept Solar-Aktiv-Haus mit „ehrlichen“
Konzepten, die nichts vortäuschen, sondern zielgerichtet auf höchste
Effektivität ausgerichtet sind.
Die entsprechende Haltung in der Architektur baut darauf auf, dass aus diesem
neuen Denken und den neuen Techniken eine neue, eigenständige Architektur
entwickelt wird, deren besonderer ästhetischer Wert in formal guter Beantwortung
der anstehenden ökologischen Fragen besteht. Das heißt, dass in diesem
Konzept weder „neue Techniken“ auf alte, traditionelle Architektur
aufgesetzt werden, noch die ökologischen Fragen rein formalistisch und
vordergründig oder gar „scheinbar“ beantwortet werden.
Die dem Solar-Aktiv-Haus zu Grunde liegende Architektur sieht sich nicht als
formalistisches Konzept, sondern als Architektur, die ihre Formen und ihre ästhetischen
Vorteile aus der Beantwortung der anstehenden ökologischen Fragen ohne
„Schnörksel“ ableitet.
Grundsätzlich heißt dies:
Um diesen Ansprüchen zu genügen, wurde in der Vorphase zu diesem Projekt die Architektur des Einfamilienhauses bzw. Reihenhauses grundsätzlich studiert und es wurde über unzählige Varianten ein optimiertes Grundkonzept gefunden.
Das konkrete Konzept
Die zuvor beschriebenen Konzeptideen führen zu entsprechenden baulich-technischen Konzepten. Diese betreffen die Architektur, die Materialien und die Haustechnik.
Abbildung 3: Schnitt durch das Gebäude (Quelle: Reinberg)
Materialien
Grundlage für eine einfache Klimatisierung und hohe passive Solargewinne
ist die Masse des Gebäudes. Daher wurde für alle tragenden Bauteile
Massivholz vorgeschlagen. Um die Ziele hohe Wärmeleitfähigkeit, hohe
Speicherfähigkeit, hohe Fähigkeit zur Auf- und Abgabe für Feuchtigkeit
zu erreichen, wird die Holzkonstruktion in Kombination mit Lehmputzen ausgeführt.
Um die Wärme möglichst gut zu bewahren, gibt es einen außen
liegenden Wärmeschutz (mit dem auch Wärmebrücken leichter bewältigt
werden können). Fenster und Türen sind aus Holz mit außen liegender
Alu-Abdeckung. Der klassische Passivhauswert muss nicht für alle Bauteile
erreicht werden.
Der außen liegende Sonnenschutz gegen die direkte Solarstrahlung erfolgt
mittels gezielt angebrachter PV-Module bzw. über Jalousien, die je nach
Bedarf außen oder innen liegen.
Die Haustechnik basiert auf einem logischen Konzept von Ausbaupaketen Grundkonzept
Ausbaustufen
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Zusammenfassung
Das Solar Aktiv Haus-Konzept setzt sich mit Hilfe der Sonne aktiv für
eine positive Zukunft ein. Diese „Aktivität“ betrifft sowohl
die Haustechnik als auch die Architektur selbst.
Eine Architektur, in der sich weder das Konzept noch die Haustechnik neutral
verstecken, sondern aktiv für die Weiterentwicklung der Architektur genutzt
werden. Eine Architektur, die konkret über die Möglichkeiten der Solarnutzung
erzählt und so eine wirklich moderne und zukunftsfähige Architektur
ist. Wobei das Konzept nur Grundlagen für die Architektur (wie Südausrichtung,
großzügige Südverglasung, sichtbare Kollektorflächen und
dgl.) festlegt, nicht aber die konkrete Architekturlösung im Einzelfall
vorausbestimmt.
Insofern versteht sich das Solar-Aktiv-Haus als Weiterentwicklung des Passivhauskonzeptes
nach Dr. Feist.
Abbildung 4: Das Solar-Aktiv-Haus, Varianten (Quelle: Reinberg)
Das Passivhauskonzept baut darauf auf, möglichst viel der Energieeinsparung
ohne zusätzliche Technik (daher „passiv“) zu erreichen. Dies
gelingt im Passivhauskonzept betreffend der Wärmebewahrung der Gebäudehülle
(Details, Luftdichtheit, U-Werte) auch sehr gut. Im Groben wird daher im Solar
Aktiv Haus auch das Passivhauskonzept als technischer Standard für die
Gebäudehülle übernommen. Der darauf folgende Schritt des technisch
aktiven Systems der kontrollierten Lüftung mit Wärmerückgewinnung
folgt im Passivhauskonzept nicht ganz konsequent dem eigenen Grundgedanken (passives
Konzept: ohne bzw. mit möglichst wenig aktiver Technik), da die von Dr.
Feist vorgeschlagene Lüftung doch einigen „aktiven“ Technikeinsatz
verlangt. Eine kontrollierte Fensterlüftung mit automatischer, luftqualitätsabhängiger
Fenstersteuerung würde dem Grundgedanken, auf technische Hilfsmittel zu
verzichten, eher entsprechen und wird daher im Solar Aktiv Haus noch vor der
kontrollierten Lüftung über ein mechanisches Gerät vorgeschlagen
(siehe Ausbaustufen).
Im Solar Aktiv Haus kommt in „der Hierarchie des Einsatzes von Technik“
die thermische Solargewinnung vor dem Einsatz von mechanischer Lüftungswärmerückgewinnung,
weil dies kostengünstiger und ökologisch sinnvoller ist (gleichzeitige
Warmwasserproduktion, Verzicht auf Restenergiequelle).
Da im Niedrigstenergiebereich der Bau selbst mehr Umweltbelastung darstellen
kann als der Heizwärmeverbrauch in der Lebenszeit des Hauses, wird dieser
Bereich im Solar Aktiv Haus als für das Gesamtsystem wesentlich betrachtet:
als Baustoffe werden vorrangig nachwachsende oder langfristig vorhandene Baustoffe
vorgeschlagen, sodass in Richtung Gesamtenergiebilanz optimiert wird.
Ebenfalls eine Weiterentwicklung des Passivhauskonzeptes nach Dr. Feist stellt
die volle Miteinbeziehung der Bereiche Warmwasser und Strom dar, deren Umwelteinfluss
im Niedrigstenergiehausbereich jeweils etwa ebenso groß bzw. größer
ist als die Beheizung. Dies betrifft nicht nur die Energieverbräuche, sondern
die Energieerzeugung selbst, die im Solar Aktiv Haus möglichst weitgehend
durch das Gebäude selbst erfolgt und so auch in der Bilanz mitberechnet
wird: das Passivhaus nach Dr. Feist berechnet seinen Bedarf unabhängig
von der eigenen Produktivität, während im Solar Aktiv Haus Konzept
alle Eigenproduktion mitgerechnet wird und daher die Verbrauchszahlen aktiv
reduziert (z.B.: im Solar Aktiv Haus berechnet sich der Heizwärmebedarf
aus den Verlusten abzüglich den aktiven Gewinnen aus den thermischen und
PV-Kollektoren). So zeigt das Solar Aktiv Haus-Konzept den tatsächlich
für die Umwelt relevanten Energiebedarf. Im Solar Aktiv Haus-Konzept soll
auf externe Energiequellen gänzlich verzichtet werden. Das Gebäude
kann sich weit über die Richtlinien des klassischen Passivhauses hinausgehend
öffnen und das reiche Tageslicht die Wohnqualität steigern.
Abbildung 5: Spatenstich für das Solar-Aktiv-Haus (Quelle: Reinberg)
*) Architekt Prof. DI. Georg W. Reinberg leitet seit 1982 das Architekturbüro Reinberg, reinberg@reinberg.net, www.reinberg.net [^]